Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Man vergisst es nicht. Man gelangt einfach nur an einen Punkt, an dem es egal ist, wie sich die Geburt anfühlen wird; alles ist besser, als auch nur eine Sekunde länger schwanger zu sein.
Ich hatte diesen Punkt gut zwei Wochen vor dem Termin erreicht, an dem ich ausgezählt war. Der Termin kam – und verstrich. Eine Woche später befand ich mich in einem Zustand chronischer Hysterie, sofern es möglich war, gleichzeitig hysterisch und erstarrt zu sein.
Frank hatte es zwar körperlich besser als ich, doch sein Nervenkostüm stand dem meinen in nichts nach. Wir hatten beide Todesangst – nicht nur vor der Geburt, sondern zusätzlich vor dem, was danach kam. Da Frank nun einmal Frank war, reagierte er auf die Angst, indem er sehr still wurde und sich in sich selbst zurückzog, an einen Ort, an dem er die Geschehnisse kontrollieren konnte, indem er sich weigerte, irgendetwas an sich heranzulassen.
Doch ich war nicht in der Stimmung, die Grenzen anderer zu respektieren, und brach in Verzweiflungstränen aus, nachdem mich ein gutgelaunter Frauenarzt davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass mein Muttermund noch vollständig verschlossen war und »es noch ein paar Tage dauern konnte – vielleicht auch noch eine Woche«.
Um mich zu beruhigen, hatte Frank sich darauf verlegt, mir die Füße zu massieren. Dann meinen Rücken, meinen Nacken, alle Stellen, an denen ich mich von ihm berühren ließ. Und schließlich hatte ich nicht mehr gekonnt und still dagelegen und mich von ihm berühren lassen. Und … und wir hatten beide Angst, hatten beide ein furchtbares Bedürfnis nach Sicherheit, und keiner von uns fand die Worte, mit denen er sie hätte geben können.
Und er schlief mit mir, langsam und sanft, und wir schliefen eng umschlungen ein – und wachten ein paar Stunden später panisch auf, weil meine Fruchtblase platzte.
»Claire!« Wahrscheinlich hatte Jamie meinen Namen schon mehr als einmal gerufen; ich hatte mich in meiner Erinnerung so verloren, dass ich völlig vergessen hatte, wo ich war.
»Was?« Ich fuhr herum, und mein Herz hämmerte. »Ist etwas passiert?«
»Nein, noch nicht.« Er betrachtete mich stirnrunzelnd, dann stand er auf und trat zu mir.
»Stimmt etwas nicht, Sassenach?«
»Doch. Ich – ich habe nur nachgedacht.«
»Aye, das habe ich gesehen«, sagte er trocken. Er zögerte, dann – als ein besonders lautes Stöhnen durch die Tür drang – berührte er meinen Arm.
»Hast du Angst?«, sagte er leise. »Dass du selbst schwanger sein könntest, meine ich?«
»Nein«, sagte ich und hörte den trostlosen Unterton in meiner Stimme genauso deutlich wie er. »Ich weiß, dass ich es nicht bin.« Ich blickte zu ihm auf; sein Gesicht verschwamm hinter einem Vorhang aus unvergossenen Tränen. »Ich bin traurig, dass ich es nicht bin – und es nie wieder sein werde.«
Ich kniff fest die Augen zu, öffnete sie wieder und sah in seinem Gesicht die gleichen Gefühle, die ich selbst empfand – Erleichterung und Bedauern in solch ähnlichen Anteilen, dass es unmöglich war zu sagen, was überwog. Er legte die Arme um mich, und ich lehnte die Stirn an seine Brust und dachte mir, was für ein Trost es war, dass auch ich auf diesem Felsen Gesellschaft hatte.
Wir blieben eine Zeitlang schweigend stehen und atmeten einfach nur. Dann änderten sich die verstohlenen Geräusche im Sprechzimmer plötzlich. Ein leiser Ausruf der Überraschung, ein lauterer Ausruf auf Französisch, dann das Geräusch von Füßen, die schwer auf dem Boden landeten, gleichzeitig mit dem unverwechselbaren Plätschern des Fruchtwassers.
Jetzt ging es schnell. Innerhalb einer Stunde sah ich einen schwarz bepelzten Schädel austreten.
»Es hat jede Menge Haare«, berichtete ich, während ich den Damm mit Öl geschmeidig machte. »Sei vorsichtig, nicht zu fest pressen! Noch nicht.« Ich umspannte die Rundung des austretenden Köpfchens mit der Hand. »Es hat einen ziemlich großen Kopf.«
»Darauf wäre ich nie gekommen«, sagte Marsali, deren Gesicht rot angelaufen war, keuchend. »Danke, dass du es mir sagst.«
Mir blieb kaum Zeit zu lachen, als der Kopf auch schon mit dem Gesicht nach unten in meine Hände glitt. Es hatte die Nabelschnur um den Hals, aber Gott sei Dank nicht fest. Ich schob einen Finger darunter und lockerte sie, und dann brauchte ich gar nicht mehr »Pressen!« zu sagen, als Marsali mit aller Kraft Luft holte und mir das Kind wie eine Kanonenkugel vor den Bauch schoss.
Es war, als bekäme man plötzlich ein eingefettetes Schwein gereicht, und ich bemühte mich hektisch, das kleine Wesen richtig herumzudrehen und zu sehen, ob es atmete.
Unterdessen ertönte begeistertes Kreischen von Malva und Mrs. Bug, und laute Schritte eilten aus der Küche durch den Flur.
Ich fand das Gesicht des Babys, säuberte ihm hastig Mund und Nasenlöcher, pustete ihm kurz in den Mund und schnippte mit dem Finger gegen seine Fußsohle. Der Fuß zuckte automatisch zurück, und der Mund öffnete sich zu einem kräftigen Heuler.
»Bon soir, Monsieur l’Œuf«, sagte ich und sah dann rasch nach, ob es wirklich ein Monsieur war.
»Monsieur?« Fergus brach in ein breites Grinsen aus.
»Monsieur«, bestätigte ich, wickelte das Baby schnell in ein Flanelltuch und drückte es seinem Vater in den Arm, während ich meine Aufmerksamkeit seiner Mutter zuwandte.
Ihr ging es Gott sei Dank gut. Sie war erschöpft und in Schweiß gebadet, grinste aber ebenfalls – genau wie alle anderen im Zimmer. Der Fußboden war voller Pfützen, die Bettwäsche durchtränkt, und die Gerüche der Geburt hingen in der Luft, doch in der allgemeinen Aufregung schien dies niemand zu bemerken.
Ich knetete Marsali den Bauch, um die Gebärmutter anzuregen, sich zusammenzuziehen, während Mrs. Bug ihr einen großen Krug Bier zum Trinken brachte.
»Er ist gesund?«, sagte sie, als sie nach einigen durstigen Zügen wieder auftauchte. »Wirklich gesund?«
»Nun, er hat zwei Arme, zwei Beine und einen Kopf«, sagte ich. »Ich hatte noch keine Zeit, die Finger und Zehen zu zählen.«
Fergus legte das Baby neben Marsali auf den Tisch.
»Sieh es dir selbst an, ma chère«, sagte er. Er schlug das Tuch zurück. Und kniff die Augen zu, öffnete sie wieder und beugte sich stirnrunzelnd dichter über das Baby.
Ian und Jamie unterbrachen ihr Gespräch, als sie ihn beobachteten.
»Stimmt irgendetwas nicht?«, fragte Ian und kam näher.
Plötzliche Stille senkte sich über das Zimmer. Malva blickte bestürzt von einem Gesicht zum anderen.
»Maman?«
Germain stand verschlafen wankend in der Tür.
»Ist er hier? C’est Monsieur?«
Ohne eine Antwort oder Erlaubnis abzuwarten, stolperte er vorwärts und beugte sich über das blutverschmierte Bett. Er starrte seinen neugeborenen Bruder mit leicht geöffnetem Mund an.
»Er sieht aber komisch aus«, sagte er und runzelte die Stirn. »Was hat er denn?«
Fergus hatte stocksteif dagestanden, genau wie wir anderen. Bei diesen Worten sah er zu Germain hinunter, richtete den Blick dann auf das Baby, dann wieder auf seinen Ältesten.
»Il est un nain«, sagte er fast beiläufig. Er drückte Germain die Schulter, so fest, dass der Junge erschrocken aufjaulte, dann machte er plötzlich kehrt und verließ das Zimmer. Ich hörte, wie sich die Haustür öffnete, und ein kalter Luftzug wehte durch den Flur und durch das Zimmer.
Il est un nain. Es ist ein Zwerg.
Fergus hatte die Tür nicht geschlossen, und der Wind pustete die Kerzen aus und ließ uns im Halbdunkel zurück, das nur noch von der Glut des Kohlebeckens erleuchtet wurde.
Kapitel 36
Winterwölfe
Der kleine Henri-Christian schien völlig gesund zu sein; er war eben ein Zwerg. Doch er hatte leichte Gelbsucht, und die schwach goldene Schattierung seiner Haut ließ seine Wangen zart leuchten wie die Blütenblätter einer Osterglocke. Mit seiner schwarzen Schmalzlocke hätte er ein kleiner Chinese sein können – hätte er nicht diese riesigen blauen Augen gehabt.