Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Erwähnung Schottlands schien Marsali auf einen Gedanken gebracht zu haben, denn sie erhob sich auf ihren Ellbogen.
»Mutter Claire – glaubst du, es würde Pa etwas ausmachen, wenn ich mir ein Blatt Papier und etwas Tinte borge? Ich glaube, es wäre gut, wenn ich meiner Mutter schriebe.«
»Ich glaube, das wäre eine hervorragende Idee.« Ich ging Papier und Tinte holen, und mein Herz schlug ein wenig schneller. Marsali war ganz ruhig; ich war es nicht. Doch ich hatte das schon öfter erlebt; ich war mir nicht sicher, ob es Fatalismus, Glaube oder ein rein körperliches Phänomen war – aber Frauen unter der Geburt schienen oft jede Angst zu verlieren, sich ganz auf sich zu konzentrieren und eine Selbstversunkenheit an den Tag zu legen, die an Gleichgültigkeit grenzte – einfach nur, weil sie nicht die geringste Aufmerksamkeit für etwas anderes als jenes Universum übrig hatten, das im Inneren ihrer Bäuche lag.
Also ließ mein anhaltendes Gefühl des Grauens nach, und zwei oder drei Stunden verstrichen in friedlicher Ruhe. Marsali schrieb an Laoghaire, aber auch an jedes ihrer Kinder. »Nur für alle Fälle«, sagte sie lakonisch, als sie mir die zusammengefalteten Notizen reichte, damit ich sie weglegte. Mir fiel auf, dass sie nicht an Fergus geschrieben hatte, doch ihr Blick fuhr bei jedem Geräusch zur Tür.
Malva Christie kreuzte auf. Ihre Miene war aufgeregt, und ich gab ihr sofort etwas zu tun, nämlich aus Tobias Smollets Die Abenteuer des Peregrine Pickle vorzulesen.
Jamie kam herein. Er war voller Straßenstaub und küsste mich auf die Lippen und Marsali auf die Stirn. Er betrachtete die unorthodoxe Situation und sah mich mit dem Hauch einer hochgezogenen Augenbraue an.
»Wie geht es denn, a muirninn?«, fragte er Marsali.
Sie verzog ein wenig das Gesicht und streckte ihm die Zunge heraus, und er lachte.
»Du hast nicht zufällig Fergus irgendwo gesehen, oder?«, fragte ich.
»Aye, das habe ich«, sagte er und schien ein wenig überrascht zu sein. »Braucht ihr ihn?«
»Ja«, sagte ich mit Nachdruck. »Wo ist er denn?«
»Woolam’s Mill. Er dolmetscht für einen Reisenden aus Frankreich, ein Künstler, der hier auf der Suche nach Vögeln ist.«
»Vögel, wie?« Diese Vorstellung schien Mrs. Bug zu verärgern, denn sie legte ihre Strickarbeit nieder und richtete sich auf. »Dann spricht unser Fergus also in Vogelzungen, wie? Nun, geht und holt ihn sofort zurück. Dieser Franzose kann sich selbst um seine Vögel kümmern!«
Jamie, den so viel Vehemenz sehr zu verblüffen schien, ließ sich von mir aus dem Zimmer in den Flur und bis zur Haustür geleiten. Als wir außer Hörweite waren, blieb er stehen.
»Was ist mit der Kleinen?«, wollte er leise wissen und warf einen Blick zurück zum Sprechzimmer, wo Malvas klare, hohe Stimme wieder zu lesen begonnen hatte.
Ich sagte es ihm, soweit ich es konnte.
»Möglich, dass es nichts ist; ich hoffe es sehr. Aber – sie verlangt nach Fergus. Sie sagt, er hat sich von ihr ferngehalten, weil er sich schuldig fühlt an den Vorfällen bei der Mälzerei.«
Jamie nickte.
»Nun, aye, das kann ich verstehen.«
»Verstehen? Aber warum denn, zum Kuckuck?«, wollte ich entgeistert wissen. »Es war doch nicht seine Schuld.«
Er warf mir einen Blick zu, der andeutete, dass ich etwas nicht begriffen hatte, das selbst dem Dümmsten sonnenklar war.
»Und du glaubst, das spielt eine Rolle? Und wenn die Kleine stirbt – oder dem Kind etwas zustößt? Du glaubst, dann würde er sich keine Vorwürfe machen?«
»Er sollte es jedenfalls nicht«, sagte ich. »Aber es ist ja nicht zu übersehen, dass er es tut. Du glaubst doch nicht auch –« Ich hielt inne. Natürlich glaubte er das. Er hatte es mir unmissverständlich gesagt, in der Nacht, als er mich zurückgeholt hatte.
Er sah, wie die Erinnerung daran mein Gesicht überflog, und der Hauch eines Lächelns zeigte sich ironisch und schmerzhaft in seinen Augen. Er streckte die Hand aus und zeichnete meine Augenbraue nach, die von einer fast verheilten Risswunde zerteilt wurde.
»Du glaubst, das schmerzt mich nicht?«, fragte er leise.
Ich schüttelte den Kopf, nicht als Verneinung, sondern aus Hilflosigkeit.
»Ein Mann hat die Aufgabe, seine Frau zu beschützen«, sagte er schlicht und wandte sich um. »Ich gehe Fergus holen.«
Die Laminarien hatten ihre langsame Geduldsarbeit verrichtet, und Marsali bekam in Abständen Wehen, wenn es auch noch nicht richtig zur Sache ging. Das Licht fing an zu verblassen, als Jamie mit Fergus eintraf – und Ian, den sie unterwegs getroffen hatten.
Fergus war unrasiert und voller Staub und hatte sich sichtlich seit Tagen nicht mehr gewaschen, aber Marsalis Gesicht erhellte sich wie die Sonne, als sie ihn sah. Ich wusste nicht, was Jamie ihm erzählt hatte; er sah grimmig und sorgenvoll aus – doch bei Marsalis Anblick steuerte er auf sie zu wie ein Pfeil auf sein Ziel und zog sie so heftig an sich, dass Malva ihr Buch zu Boden fallen ließ und die beiden verdattert bestaunte.
Ich entspannte mich ein wenig, zum ersten Mal, seit ich an diesem Morgen Marsalis Haus betreten hatte.
»Nun denn«, sagte ich und holte tief Luft. »Vielleicht essen wir jetzt eine Kleinigkeit, wollen wir?«
Ich ließ Fergus und Marsali allein, während wir anderen etwas aßen, und als ich ins Sprechzimmer zurückkehrte, hatten sie die Köpfe dicht beieinander und unterhielten sich leise. Ich störte sie nur ungern, aber es war nicht zu vermeiden.
Einerseits hatte sich der Muttermund deutlich geöffnet, und es gab kein Zeichen für eine abnorme Blutung, was mich unglaublich erleichterte. Andererseits … war der Herzschlag des Babys wieder unregelmäßig. Beinahe mit Sicherheit ein Nabelschnurproblem, dachte ich.
Ich war mir deutlich bewusst, dass Marsalis Augen an meinem Gesicht hingen, als ich sie mit meinem Stethoskop abhörte, und es kostete mich all meine Willenskraft, mir nichts anmerken zu lassen.
»Du machst das sehr gut«, versicherte ich ihr, während ich ihr eine Haarlocke aus der Stirn strich und ihr in die Augen lächelte. »Ich glaube, es ist an der Zeit, ein wenig nachzuhelfen.«
Es gab eine ganze Reihe von Kräutern, die wehenfördernd wirkten, aber die meisten hätte ich normalerweise nie benutzt, wenn die Gefahr eines Blutsturzes bestand. An diesem Punkt fühlte ich mich jedoch so unwohl, dass ich mir nur wünschte, dass die Dinge so schnell wie möglich in Bewegung kamen. Himbeerblättertee konnte möglicherweise helfen, ohne so stark zu wirken, dass er zu gewaltigen oder abrupten Wehen führte. Sollte ich noch Frauenwurzel hinzufügen?, fragte ich mich.
»Das Baby muss schnell kommen«, sagte Marsali zu Fergus, ohne beunruhigt zu wirken. Offenbar hatte ich meine Sorge doch nicht so erfolgreich verbergen können, wie ich dachte.
Sie hatte ihren Rosenkranz dabei und schlang ihn jetzt um ihre Hand, so dass das Kreuz herabhing. »Hilf mir, mon cher.«
Er hob die Hand mit dem Rosenkranz und küsste sie.
»Oui, chérie.« Dann bekreuzigte er sich und machte sich ans Werk.
Fergus hatte die ersten zehn Jahre seines Lebens in dem Bordell verbracht, in dem er auch geboren worden war. Demzufolge wusste er eine ganze Menge mehr über Frauen – in gewisser Weise – als jeder andere Mann, dem ich je begegnet war. Dennoch erstaunte es mich zu sehen, dass er nach den Bändern am Halsausschnitt von Marsalis Hemd griff und ihn herunterzog, so dass ihre Brüste entblößt wurden.
Marsali schien dies nicht zu überraschen, denn sie legte sich nur zurück und drehte sich leicht in seine Richtung, wobei sie ihn mit dem Bauch anstieß.
Er kniete auf einem Hocker neben dem Bett, legte eine Hand sanft, aber geistesabwesend auf ihren Kugelbauch und beugte sich mit dem Kopf über Marsalis Brust, die Lippen leicht gespitzt. Dann schien er zu bemerken, dass ich ihn anstarrte, und schielte mich über ihren Bauch hinweg an.