Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Keine Sorge«, sagte ich und tätschelte Marsalis Arm. »Sie finden ihn.«
»Oh, aye«, sagte sie und blickte ihnen nach. »Aber falls sie ihn nicht rechtzeitig finden …«
»Das werden sie«, sagte ich überzeugt. »Komm mit.«
Ich schickte Lizzie los, um Brianna und Malva Christie zu suchen – ich hatte das Gefühl, ich könnte vielleicht ein paar zusätzliche Hände gebrauchen –, und schickte Marsali zu Mrs. Bug in die Küche, um sich auszuruhen, während ich das Sprechzimmer vorbereitete. Frische Bettwäsche und Kissen über meinen Untersuchungstisch gebreitet. Ein Bett wäre zwar besser gewesen, aber ich musste meine Ausrüstung zur Hand haben.
Und die Ausrüstung selbst; die chirurgischen Instrumente, sorgfältig unter einem sauberen Handtuch verborgen, die Äthermaske, dick mit frischer Gaze gepolstert, die Tropfflasche: Konnte ich mich darauf verlassen, dass Malva den Äther verabreichte, während ich eine Notoperation durchführte? Ich glaubte es schon; das Mädchen war zwar sehr jung und völlig ungelernt, aber sie besaß eine bemerkenswerte Geistesgegenwart, und ich wusste, dass sie nicht zimperlich war. Ich füllte die Tropfflasche, das Gesicht von dem starken, süßlichen Geruch abgewandt, der von der Flüssigkeit aufstieg, und stopfte ein kleines verdrehtes Stück Watte in den Ausgießer, damit der Äther nicht verdampfte und uns alle vergaste – oder Feuer fing. Ich warf hastig einen Blick zum Kamin, doch das Feuer war aus.
Was, wenn ich es nachts tun musste, bei Kerzenschein? Das ging nicht; Äther war hoch entflammbar. Ich verdrängte die Vorstellung, wie ich im Stockfinsteren nur mit Hilfe des Tastsinns einen Notkaiserschnitt durchführte.
»Wenn ihr im Moment nichts Besseres vorhabt, wäre dies ein verdammt guter Zeitpunkt, einmal vorbeizuschauen«, murmelte ich an die Heiligen Brigitta, Raimund und Margareta von Antiochia gerichtet, angeblich allesamt Schutzpatrone der Gebärenden und Schwangeren, sowie an alle Schutzengel – meinen, Marsalis oder den des Kindes –, die sich möglicherweise gerade im Hintergrund herumtrieben.
Irgendjemand schenkte mir offenbar Gehör. Als ich Marsali auf den Tisch verfrachtet hatte, stellte ich zu meiner übergroßen Erleichterung fest, dass der Muttermund sich zu öffnen begonnen hatte – es aber keinerlei Anzeichen für eine Blutung gab. Damit war das Risiko eines Blutsturzes zwar nicht ganz ausgeschaltet, aber die Wahrscheinlichkeit war deutlich geringer.
»Es scheint fest zu schlafen«, sagte ich und lächelte Marsali an. »Ruht sich aus.«
Sie erwiderte mein Lächeln kurz und drehte sich dann ächzend auf die Seite.
»Nach diesem Spaziergang könnte ich selbst ein bisschen Ruhe gebrauchen.« Sie seufzte und legte ihren Kopf auf das Kissen. Adso, der ihre Meinung zu teilen schien, sprang auf den Tisch, kuschelte sich an ihre Brüste und rieb hingebungsvoll sein Gesicht an ihr.
Ich hätte ihn hinausgeworfen, aber Marsali schien seine Anwesenheit beruhigend zu finden und kraulte ihm die Ohren, bis er sich heftig schnurrend unter ihrem Kinn zusammenrollte. Nun, ich hatte schon unter sehr viel weniger hygienischen Umständen Kinder auf die Welt geholt, Katze oder nicht, und diese Geburt würde wahrscheinlich langsam vor sich gehen; Adso würde sein Lager längst anderswo aufgeschlagen haben, bevor er uns hinderlich werden konnte.
Ich fühlte mich etwas zuversichtlicher, wenn auch nicht absolut beruhigt. Dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas nicht stimmte, rumorte in mir. Unterwegs hatte ich über die diversen Möglichkeiten nachgedacht, die sich mir boten; angesichts der leichten Weitung des Muttermundes und des inzwischen regelmäßigen Herzschlags dachte ich, wir könnten es mit der konservativsten Methode der Geburtseinleitung versuchen, um Mutter und Kind möglichst nicht unnötig zu belasten. Wenn ein Notfall dazwischenkam … nun, dann würden wir uns darum kümmern, falls und wenn wir es mussten.
Ich hoffte nur, dass der Inhalt des Glases zu benutzen war; ich hatte noch nie Grund gehabt, es zu öffnen. »Laminaria« stand in Daniel Rawlings’ fließender Handschrift auf dem Etikett. Es war ein kleines Glas aus dunkelgrünem Glas, dessen Korken mit Wachs versiegelt war und das sehr leicht war. Als ich es öffnete, strömte ein leichter Hauch von Jod aus, aber zum Glück kein Verwesungsgeruch.
Laminaria ist eine Seetangart. Getrocknet besteht sie aus papierdünnen, bräunlich grünen Streifen. Doch anders als andere getrocknete Tangsorten bröckelt Laminaria nicht sehr leicht. Und sie besitzt eine höchst erstaunliche Fähigkeit, Wasser aufzusaugen.
In den Muttermund eingeführt, absorbiert sie Feuchtigkeit aus den umliegenden Schleimhäuten – und schwillt an, wodurch sie den Muttermund langsam weiter öffnet und irgendwann die Wehen einleitet. Ich hatte schon zugesehen, wie Laminarien verwendet wurden, sogar in meiner eigenen Zeit, obwohl man es in der Moderne am häufigsten benutzte, um Totgeburten aus dem Mutterleib auszustoßen. Diesen Gedanken schob ich weit von mir und wählte ein gutes Stück aus.
Es war einfach getan, und als es einmal geschehen war, gab es nichts mehr zu tun, als zu warten. Und zu hoffen. Das Sprechzimmer war sehr friedlich, von Licht erfüllt und den Geräuschen der Zaunkönige, die unter der Traufe umherraschelten.
»Ich hoffe, Ian findet Fergus«, sagte Marsali nach längerem Schweigen.
»Das wird er bestimmt«, erwiderte ich etwas abwesend, weil ich gerade versuchte, mein kleines Kohlebecken mit Hilfe von Feuerstein und Stahl anzuzünden. »Du sagst, Fergus ist schon länger nicht mehr zu Hause gewesen?«
»Nein.« Ihre Stimme klang gedämpft, und als ich aufblickte, sah ich, dass sie den Kopf über Adso gebeugt und das Gesicht in seinem Fell verborgen hatte. »Ich habe ihn so gut wie nicht mehr gesehen, seit … seit die Männer zur Mälzerei gekommen sind.«
»Ah.«
Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Mir war nicht klar gewesen, dass Fergus sich rargemacht hatte – obwohl ich ihn durchaus verstehen konnte, angesichts dessen, was ich über Männer des achtzehnten Jahrhunderts wusste.
»Er schämt sich, der kleine Franzosenschuft«, sagte Marsali trocken und bestätigte damit meine Vermutung. Sie drehte den Kopf, so dass eins ihrer blauen Augen hinter Adsos rundem Köpfchen auftauchte. »Glaubt, es ist seine Schuld gewesen, aye? Dass ich dort war, meine ich. Meint, wenn er besser imstande wäre, für mich zu sorgen, hätte ich mich nicht um die Mälzerei kümmern müssen.«
»Männer«, sagte ich kopfschüttelnd, und sie lachte.
»Aye, Männer. Nicht, dass er etwa gesagt hätte, wo das Problem liegt – natürlich nicht. Viel besser, wenn man sich davonmacht und darüber brütet und mich mit drei wilden Kindern zu Hause lässt!« Sie verdrehte die Augen.
»Aye, nun ja, das tun sie manchmal, Männer«, sagte Mrs. Bug, die mit einem entzündeten Docht ins Zimmer kam, duldsam. »Fern jeder Vernunft, aber sie meinen es gut. Ich hab Euch mit dem Stahl klappern hören wie bei einer Totenwache, Mrs. Claire; warum konntet Ihr nicht in die Küche kommen und Euch Feuer holen wie ein normaler Mensch?« Sie hielt den Docht an das Brennmaterial in meinem Kohlebecken, das prompt in Flammen aufging.
»Übung«, sagte ich und legte Stöckchen auf das junge Feuer. »Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, irgendwann zu lernen, wie man in weniger als einer Viertelstunde Feuer macht.«
Marsali und Mrs. Bug prusteten gleichzeitig voller Verachtung los.
»Och, Lämmchen, eine Viertelstunde ist doch gar nichts! Gott, wie oft habe ich schon eine Stunde und mehr dazu gebraucht, feuchten Zunder zum Brennen zu bringen – vor allem in Schottland, wo es im Winter nichts Trockenes gibt. Warum glaubt Ihr, dass sich die Leute solche Mühe geben, ihr Feuer für die Nacht auf Sparflamme weiterglimmen zu lassen?«
Dies führte zu einer erregten Diskussion darüber, wie man am besten ein Feuer für die Nacht abdämpfte, einschließlich einer Auseinandersetzung darüber, welches Gebet dabei zu sprechen sei. Und dies dauerte so lange, dass ich das Kohlebecken ordentlich zum Glühen bringen und einen kleinen Kessel hineinstellen konnte, um Tee zu machen. Ich hatte nur noch einen winzigen Vorrat an echten Teeblättern, doch ich war der Meinung, dass der Anlass es rechtfertigte.