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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Nicht so viel wie vorher«, antwortete Marsali und lehnte sich zurück, damit ich ihren Bauch abhören konnte. »Aber das kommt doch vor, oder? Wenn sie beinahe bereit sind herauszukommen? Joanie war die ganze Nacht, bevor die Fruchtblase geplatzt ist, so reglos wie eine To– wie ein Mühlstein.«

»Nun ja, doch, das tun sie oft«, bestätigte ich, ohne darauf einzugehen, was sie beinahe gesagt hatte. »Wahrscheinlich ruhen sie sich aus.« Sie lächelte als Erwiderung, doch ihr Lächeln verschwand wie eine Schneeflocke auf heißem Eisen, als ich mich dicht über sie beugte und mein Ohr an das abgeflachte Ende der trompetenförmigen Metallröhre hielt, deren breite, glockenförmige Öffnung ich auf ihren Bauch drückte.

Es dauerte einige Zeit, bis ich den Herzschlag fand, und als es mir gelang, war er ungewöhnlich langsam. Außerdem setzte er dann und wann aus; meine Arme überzogen sich mit einer Gänsehaut, als ich das hörte.

Ich fuhr mit meiner Untersuchung fort, stellte ihr Fragen, machte kleine Witze, hielt inne, um die Fragen der anderen Kinder zu beantworten, die sich um uns drängten, sich gegenseitig auf die Füße traten und mir im Weg waren – und während der ganzen Zeit raste mein Verstand und malte sich Möglichkeiten aus, allesamt schlecht.

Das Kind bewegte sich – aber nicht richtig. Sein Herz schlug – aber nicht richtig. Alles an diesem Bauch fühlte sich falsch an. Doch was war es nur? Möglicherweise war die Nabelschnur um den Hals gewickelt – was sehr gefährlich gewesen wäre.

Ich schob ihr Hemd weiter zurück, um besser hören zu können, und sah die schweren Prellungen – hässliche Flecken aus heilendem Grün und Gelb, einige noch mit dunkler, rot-schwarzer Mitte, blühten wie todbringende Rosen überall auf ihrem Bauch. Bei ihrem Anblick biss ich mir auf die Lippe; sie hatten sie getreten, die Mistkerle. Ein Wunder, dass sie nicht auf der Stelle eine Fehlgeburt gehabt hatte.

Wut stieg plötzlich in mir auf, geballte, handfeste Wut, die mir fast den Brustkorb sprengte.

Blutete sie irgendwo? Nein. Keine Schmerzen, abgesehen von den empfindlichen Prellungen. Keine Krämpfe. Keine Wehen. Ihr Blutdruck schien normal zu sein, soweit ich das beurteilen konnte.

Ein Unfall mit der Nabelschnur war dennoch möglich – sogar sehr wahrscheinlich. Doch es konnte genauso gut eine teilweise abgelöste Plazenta sein, die in die Gebärmutter hineinblutete. Ein Gebärmutterriss? Oder etwas Selteneres – ein toter Zwilling, eine Verwachsung … Das Einzige, was ich genau wusste, war, dass dieses Kind in die Welt der Sauerstoffatmer geholt werden musste, und zwar so schnell wie möglich.

»Wo ist Fergus?«, sagte ich mit ruhiger Stimme.

»Ich weiß es nicht«, sagte sie im selben Tonfall absoluter Ruhe. »Er ist seit vorgestern nicht mehr zu Hause gewesen. Steck das nicht in den Mund, a chuisle.« Sie streckte die Hand nach Felicité aus, die an einem Kerzenstummel kaute, konnte sie aber nicht erreichen.

»Nicht? Nun, wir werden ihn schon finden.« Ich nahm Felicité den Kerzenstummel ab, ohne dass sie protestiert hätte. Sie spürte, dass etwas vor sich ging, wusste aber nicht, was. Auf der Suche nach Trost packte sie das Bein ihrer Mutter und versuchte hartnäckig, auf Marsalis nicht existenten Schoß zu klettern.

»Nicht, bébé«, sagte Germain, fasste seine Schwester um die Taille und zog sie zurück. »Du kommst mit mir, a piuthar. Willst du Milch?«, fügte er hinzu, um sie zu überreden. »Wir gehen zum Kühlhaus, aye?«

»Will Mama!« Felicité wehrte sich mit Händen und Füßen, um sich ihm zu entwinden, aber Germain hievte ihre pummelige kleine Gestalt in seine Arme.

»Ihr Mädchen kommt jetzt mit mir«, sagte er bestimmt und schob sich ungeschickt zur Tür hinaus. Felicité grunzte und wand sich in seinen Armen, und Joanie folgte ihm zögerlich – und blieb an der Tür stehen, um mit großen, braunen Augen noch einen ängstlichen Blick auf Marsali zu werfen.

»Geh nur, a muirninn«, rief Marsali lächelnd. »Bring sie zu Mrs. Bug. Es wird alles gut. Germain ist so ein lieber Junge«, murmelte sie, faltete die Hände auf ihrem Bauch, und das Lächeln verschwand.

»Sehr lieb«, pflichtete ich ihr bei. »Marsali –«

»Ich weiß«, sagte sie einfach nur. »Meinst du, dieses hier wird lebend zur Welt kommen?« Sie fuhr sich sanft mit der Hand über ihren Bauch und senkte den Blick.

Ich war mir alles andere als sicher, doch vorerst lebte das Kind. Ich zögerte und spielte in Gedanken diverse Möglichkeiten durch. Egal, was ich tat – es barg gewaltige Risiken, für sie, für das Kind oder für beide.

Warum war ich nur nicht eher gekommen? Ich machte mir Vorwürfe, weil ich Jamie geglaubt hatte, dass es ihr gutging – doch ich hatte keine Zeit für Selbstvorwürfe, und es war gut möglich, dass es sowieso nichts geändert hätte.

»Kannst du gehen?«, fragte ich. »Wir müssen zum Haupthaus.«

»Aye, natürlich.« Sie erhob sich vorsichtig, auf meinen Arm gestützt. Sie sah sich in der Hütte um, als prägte sie sich all ihre alltäglichen Details ein, dann sah sie mich scharf und klar an. »Wir reden auf dem Weg.«

Die wenigen Optionen, die ich hatte, waren zum Großteil schreckenerregend. Wenn die Gefahr einer Plazentaablösung bestand, konnte ich einen Notkaiserschnitt durchführen und das Kind retten – aber Marsali würde sterben. Die Wehen einzuleiten und das Kind langsam zur Welt zu holen, bedeutete zwar ein Risiko für das Kind, doch für Marsali war es wesentlich sicherer. Natürlich – und diesen Gedanken behielt ich für mich – stieg bei einer Geburtseinleitung die Gefahr schwerer Blutungen. Wenn es dazu kam …

Möglicherweise konnte ich die Blutung stillen und Marsali retten – würde aber dem Kind nicht helfen können, das wahrscheinlich auch in Gefahr sein würde. Dann war da der Äther – ein verlockender Gedanke, den ich jedoch widerstrebend verwarf. Es war Äther – doch ich hatte ihn noch nicht benutzt, hatte weder eine klare Vorstellung von seiner Konzentration und Wirkungsweise, noch besaß ich die Kenntnisse eines Anästhesisten, die es mir erlaubt hätten, seine Nebenwirkungen in einer derart kniffligen Situation zu berechnen, wie sie eine Geburt darstellte. Bei einer kleineren Operation konnte ich langsam vorgehen, die Atmung des Patienten beobachten und einfach einen Rückzieher machen, wenn etwas schiefzugehen schien. Wenn ich mich mitten in einem Kaiserschnitt befand und die Dinge den Bach hinuntergingen, gab es keinen Ausweg.

Marsali erschien mir übernatürlich ruhig, als lauschte sie den Vorgängen in ihrem Inneren anstatt meinen Erklärungen und Spekulationen. Doch als wir in die Nähe unseres Hauses kamen, begegneten wir Ian, der mit einer Handvoll toter Kaninchen den Berg herunterkam, die er an den Ohren baumelnd transportierte, und sie war ruckartig ganz bei der Sache.

»Ho, Cousinchen! Wie geht es denn?«, fragte er fröhlich.

»Ich brauche Fergus, Ian«, sagte sie ohne Umschweife. »Kannst du ihn suchen?«

Das Lächeln wich aus seinem Gesicht, als er sah, wie blass Marsali war, die sich auf mich stützte.

»Himmel, das Kind kommt? Aber warum –« Er blickte auf den Weg hinter uns und fragte sich wohl, warum wir Marsalis Hütte verlassen hatten.

»Geh und such Fergus, Ian«, warf ich ein. »Schnell.«

»Oh.« Er schluckte, und plötzlich sah er sehr jung aus. »Oh. Aye. Das mache ich. Sofort!« Er lief los, fuhr dann aber herum und drückte mir die Kaninchen in die Hand. Dann verließ er mit einem Satz den Pfad und rannte den Hügel hinunter, wobei er zwischen den Bäumen hindurchschoss und über umgestürzte Bäume sprang. Rollo, der nicht außen vor bleiben wollte, huschte wie ein verschwommener grauer Blitz an uns vorbei und sauste den Berg hinunter und seinem Herrchen nach wie der Blitz.

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