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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Das schien ihn zu faszinieren, doch er wurde an weiteren Fragen gehindert, weil Mrs. Bug verlangte, dass die Anwesenden ihre Gespräche über Jammergestalten beendeten, die ihr Unwesen auf Buchseiten trieben, und sich zum Essen niedersetzten.

Auch ich setzte mich dazu, brachte aber kaum etwas hinunter, weil mich die Sorge um Marsali zu sehr ablenkte. Der Himbeerblättertee war während des Essens fertiggezogen; ich goss ihn um und trug ihn ins Sprechzimmer – wo ich vor dem Eintreten vorsichtig anklopfte.

Fergus war errötet und atemlos, doch seine Augen leuchteten. Er ließ sich nicht dazu überreden, etwas essen zu gehen, sondern bestand darauf, bei Marsali zu bleiben. Seine Mühen begannen, Früchte zu tragen; sie hatte jetzt regelmäßige Wehen, wenn auch noch in großen Abständen.

»Es wird schnell gehen, wenn die Fruchtblase einmal geplatzt ist«, sagte Marsali zu mir. Auch sie war leicht errötet, und ihr Blick war lauschend nach innen gewandt. »So ist es immer.«

Ich überprüfte erneut den Herzschlag – keine große Veränderung; immer noch holperig, aber nicht schwächer – und entschuldigte mich. Jamie war in seinem Studierzimmer auf der anderen Flurseite. Ich trat ein und setzte mich zu ihm, um zur Stelle zu sein, wenn ich gebraucht wurde.

Er war dabei, seine allabendliche Notiz an seine Schwester zu schreiben, und unterbrach sich dann und wann, um sich die verkrampfte rechte Hand zu massieren, bevor er fortfuhr. Oben brachte Mrs. Bug die Kinder zu Bett. Ich konnte hören, wie Felicité weinte und Germain versuchte, ihr etwas vorzusingen.

Auf der anderen Flurseite leises Rascheln und Murmeln, dann knarrte der Tisch, als Marsali die Lage wechselte. Und in den Tiefen meines inneren Ohrs wie ein Echo meines Pulsschlags der sanfte, schnelle Schlag eines Babyherzens.

Es konnte so leicht böse enden.

»Was machst du da, Sassenach?«

Ich blickte erschrocken auf.

»Ich mache doch gar nichts.«

»Du starrst vor dich hin, als wolltest du durch die Wand sehen, und es hat nicht den Anschein, als gefiele dir, was du da siehst.«

»Oh.« Ich senkte den Blick und begriff, dass ich den Stoff meines Rocks wiederholt zwischen meinen Fingern in Falten gelegt und wieder geglättet hatte; der rehbraune Leinenstoff hatte eine große zerknitterte Stelle. »Ich rekapituliere wohl meine Niederlagen.«

Er sah mich einen Moment an, dann stand er auf und trat hinter mich, um mir mit kräftigen, warmen Händen die Schultern zu kneten.

»Was denn für Niederlagen?«, fragte er.

Ich schloss die Augen und ließ meinen Kopf nach vorn sinken, während ich mir Mühe gab, nicht aufzustöhnen, weil meine verknoteten Muskeln so schmerzten und ich gleichzeitig diese herrliche Erleichterung empfand.

»Oh«, sagte ich und seufzte. »Patienten, die ich nicht retten konnte. Fehler. Katastrophen. Unfälle. Totgeburten.«

Dieses letzte Wort blieb in der Luft hängen, und seine Hände pausierten eine Sekunde, bevor sie umso kräftiger fortfuhren.

»Aber es gibt doch sicher Situationen, in denen es nichts gibt, was du tun könntest? Du oder sonst jemand. Manchmal kann einfach niemand helfen, aye?«

»Du glaubst das ja auch nicht, wenn es dich trifft«, sagte ich, »warum sollte ich es tun?«

Er hielt mit seiner Massage inne, und ich sah mich zu ihm um. Er öffnete den Mund, um mir zu widersprechen, dann begriff er, dass es nichts gab, was er sagen konnte. Er schüttelte den Kopf, seufzte und fuhr fort:

»Aye, nun ja. Das stimmt wohl«, sagte er trocken.

»Ob es das ist, was die Griechen Hybris nannten?«

Er stieß einen kurzen Prustlaut aus, vielleicht vor Belustigung.

»O ja. Und du weißt, wohin das führt.«

»Zu einem einsamen Felsen unter brennender Sonne, wo ein Geier an deiner Leber herumfrisst«, sagte ich und lachte.

Jamie lachte ebenfalls.

»Aye, nun ja, auf einem einsamen Felsen unter brennender Sonne bekommt man doch gern Gesellschaft, finde ich. Und damit meine ich nicht den Geier.«

Seine Hände drückten ein letztes Mal meine Schultern, doch er zog sie nicht fort. Ich schloss die Augen, lehnte mich mit dem Kopf an ihn und suchte Trost in seiner Nähe.

In der Stille dieses Moments konnten wir leise Geräusche von der anderen Flurseite hören, aus dem Sprechzimmer. Ein ersticktes Grunzen aus Marsalis Mund, als eine Wehe kam, eine leise Frage auf Französisch von Fergus.

Ich hatte das Gefühl, dass wir sie eigentlich nicht belauschen sollten – aber keinem von uns fiel etwas ein, das er hätte sagen können, um die Geräusche ihrer intimen Unterhaltung zu übertönen.

Ein Murmeln von Marsali, eine Pause, dann sagte Fergus zögernd etwas.

»Aye, wie wir es schon bei Felicité gemacht haben«, kam Marsalis Stimme gedämpft, aber klar verständlich.

»Oui, aber –«

»Dann verbarrikadierst du eben die Tür«, sagte sie, und es klang ungeduldig.

Wir hörten Schritte, dann öffnete sich die Tür des Sprechzimmers. Fergus stand dort, das dunkle Haar verworren, das Hemd halb aufgeknöpft, und sein schönes Gesicht unter den Schatten der Bartstoppeln tiefrot. Er sah uns, und ein ganz außergewöhnlicher Ausdruck huschte über sein Gesicht. Stolz, Verlegenheit und etwas undefinierbar … Französisches. Er bedachte Jamie mit einem schiefen Lächeln und einem einschultrigen Achselzucken, das an gallischer Sorglosigkeit nicht zu übertreffen war – und dann schloss er fest die Tür. Wir hörten ein schabendes Geräusch, als ein kleiner Tisch bewegt wurde, und ein leises Rumpeln, als er vor die Tür geschoben wurde.

Jamie und ich wechselten einen verblüfften Blick.

Kichern ertönte hinter der geschlossenen Tür, begleitet von Knarr- und Raschelgeräuschen.

»Er wird doch nicht –«, setzte Jamie an und hielt dann abrupt inne. Seine Miene war ungläubig. »Oder?«

Offenbar schon, nach dem leisen rhythmischen Knarren zu schließen, dass jetzt im Sprechzimmer ertönte.

Ich spürte, wie mich eine leise Wärme durchspülte, gemeinsam mit einem schwachen Gefühl der Schockiertheit – und einem etwas kräftigeren Bedürfnis zu lachen.

»Nun ja … äh … man sagt ja, dass es … ähm … manchmal die Wehen zu fördern scheint. Wenn ein Kind überfällig war, haben die maitresses-sage-femme in Paris den Frauen manchmal gesagt, sie sollten dafür sorgen, dass sich ihre Männer betranken und … äh-hm.«

Jamie richtete einen ungläubigen Blick auf die Sprechzimmertür, unter den sich widerstrebender Respekt mischte.

»Dabei hat er nicht einen Schluck getrunken. Nun ja, wenn er das vorhat, dann hat der Kerl Mumm, das muss ich ihm lassen.«

Ian, der durch den Flur kam und diesen letzten Wortwechsel mitbekam, blieb abrupt stehen. Er lauschte einen Moment auf die Geräusche, die aus dem Sprechzimmer drangen, blickte von Jamie und mir zur Tür und wieder zurück, dann schüttelte er den Kopf, drehte sich um und ging zurück zur Küche.

Jamie streckte die Hand aus und schloss sacht die Studierzimmertür.

Er setzte sich kommentarlos wieder hin, ergriff sein Schreibwerkzeug und begann, hartnäckig vor sich hin zu kritzeln. Ich trat an das kleine Bücherregal und starrte auf die Sammlung abgewetzter Bücherrücken, ohne wirklich etwas zu sehen.

Manchmal waren Ammenmärchen nicht mehr als das. Manchmal jedoch schon.

Ich wurde selten durch persönliche Erinnerungen beunruhigt, während ich mit einem Patienten befasst war; ich hatte weder Zeit noch Aufmerksamkeit dafür übrig. Doch zurzeit hatte ich zu viel von beidem. Und mir kam eine sehr lebhafte Erinnerung an die Nacht vor Briannas Geburt.

Die Leute sagen oft, dass Frauen vergessen, wie sich eine Geburt anfühlt, weil es sonst niemand öfter als einmal tun würde. Ich persönlich konnte mich ohne Probleme daran erinnern.

Vor allem an das furchtbare Gefühl der Trägheit. Diese endlose Zeit am Schluss, wenn man das Gefühl hat, dass es niemals enden wird, dass man in einer prähistorischen Teergrube feststeckt und selbst die kleinste Bewegung ein Kampf ist, der zur Vergeblichkeit verdammt ist. Jeder Quadratzentimeter Haut ist so überspannt wie die eigene Laune.

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