Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Raen erklärte später, daß die Mädchen diesen Tanz nicht oft und die Frauen fast nie tanzten, und Elyas meinte, Perrins Erröten sei der Grund dafür gewesen, daß sie es von nun an jede Nacht taten.
»Ich muß dir danken«, sagte Elyas mit nüchterner und ernster Stimme zu ihm. »Bei euch jungen Burschen ist es anders, aber in meinem Alter ist mehr als ein Lagerfeuer nötig, um meine Knochen zu erwärmen.« Perrin machte ein finsteres Gesicht. Da lag etwas in Elyas Haltung beim Weggehen, das ihm sagte: Selbst wenn er sich nichts anmerken ließ, lachte er doch innerlich.
Perrin merkte bald, daß er besser nicht den Anblick der tanzenden Frauen und Mädchen meiden sollte, obwohl ihn das Zwinkern und das Lächeln immer noch wünschen ließ, er könne sich einfach wegdrehen. Eine allein wäre schon in Ordnung gewesen, aber fünf oder sechs, und alle schauten zu... Er konnte ein Erröten nie vermeiden.
Dann begann Egwene, den Tanz zu lernen. Zwei der Mädchen, die am ersten Abend getanzt hatten, brachten es ihr bei. Sie klatschten den Rhythmus, während sie die schleppenden Tanzschritte wiederholte. Eine geborgte Stola flatterte hinter ihr her. Perrin wollte etwas sagen, beschloß aber, lieber doch den Mund zu halten. Als die Mädchen den Hüftschwung hinzufügten, begann Egwene zu lachen, und die drei Mädchen fielen sich kichernd um den Hals. Aber Egwene machte beharrlich weiter. Ihre Augen glitzerten, und auf ihren Wangen brannten rote Flecke.
Aram sah ihrem Tanz mit heißem, hungrigem Blick zu. Der gut aussehende junge Tuatha'an hatte ihr eine Kette blauer Perlen geschenkt, die sie die ganze Zeit trug. Ilas Lächeln war einem besorgten Blick gewichen, wenn sie das Interesse ihres Enkels an Egwene bemerkte. Perrin beschloß, den jungen Meister Aram gut im Auge zu behalten.
Einmal konnte er Egwene allein erwischen. Sie standen neben einem grün und gelb bemalten Wagen. »Du amüsierst dich gut, nicht wahr?« fragte er.
»Warum auch nicht?« Sie fühlte nach den blauen Perlen an ihrem Hals und lächelte. »Wir müssen uns doch nicht alle so wie du bemühen, uns möglichst schlecht zu fühlen. Haben wir keine Gelegenheit verdient, uns mal zu amüsieren?« Aram stand nicht weit von ihnen entfernt -er war immer nah bei Egwene zu finden -, hatte die Arme auf der Brust verschränkt und lächelte ein wenig, teils triumphierend, teils überheblich. Perrin senkte die Stimme. »Ich dachte, du wolltest nach Tar Valon. Hier lernst du nie, wie man eine Aes Sedai wird.«
Egwene warf den Kopf zurück. »Und ich dachte, du wolltest gar nicht, daß ich eine Aes Sedai werde«, sagte sie etwas übertrieben süß.
»Blut und Asche, glaubst du etwa, wir sind hier sicher? Wie sicher sind diese Leute, solange wir uns hier befinden? Uns kann doch jederzeit ein Blasser aufstöbern.«
Ihre Hand an den Perlen zitterte. Sie nahm sie herunter und atmete tief ein. »Was auch geschehen mag, es wird sowieso geschehen, ob wir heute oder nächste Woche abreisen. Das glaube ich jetzt ganz sicher. Amüsiere dich, Perrin. Es könnte unsere letzte Gelegenheit sein.«
Traurig streichelte sie seine Wange. Dann streckte Aram eine Hand nach ihr aus, und sie eilte zu ihm und lachte bereits wieder. Als sie wegrannten, hinüber, wo die Fiedeln sangen, grinste ihn Aram über die Schulter hinweg triumphierend an, als wolle er sagen: Dir gehört sie nicht, aber sie wird mir gehören.
Sie befanden sich alle bereits zu sehr unter dem Einfluß des Volkes, dachte Perrin. Elyas hat recht. Sie müssen gar nicht versuchen, jemanden für ihr Gesetz des Blattes zu gewinnen. Es sickert von allein in dich ein.
Ila hatte einmal bemerkt, wie er sich vor dem Wind zusammenkauerte, und dann brachte sie ihm einen dicken Wollumhang aus ihrem Wagen. Er war dunkelgrün, und das gefiel ihm. Er hatte sich an all den Rot- und Gelbtönen sattgesehen. Als er ihn sich um die Schultern legte, dachte er, es sei schon ein Wunder, daß der Umhang groß genug war für ihn, aber Ila sagte nur kurz: »Er könnte besser passen.« Sie blickte hinunter auf die Axt an seinem Gürtel, und als sie ihm wieder in die Augen sah, war ihr Blick trotz ihres Lächelns traurig. »Er könnte viel besser passen.«
Das war typisch für die Kesselflicker. Ihr Lächeln versagte nie, sie zögerten nie, sie zum Trinken oder zum Musizieren einzuladen, aber ihr Blick berührte immer die Axt, und er konnte fühlen, was sie dachten. Ein Werkzeug der Gewalt. Es gibt niemals eine Ausrede für die Anwendung von Gewalt einem anderen menschlichen Wesen gegenüber. Das Gesetz des Blattes.
Manchmal hätte er sie am liebsten angeschrien. Es gab auch Trollocs und Blasse auf der Welt. Es gab diejenigen, die jedes Blatt abhacken würden. Da draußen war der Dunkle König, und das Gesetz des Blattes würde in Ba'alzamons Augen verbrennen. Stur fuhr er fort, die Axt zu tragen. Er gewöhnte sich an, den Umhang offen hinter den Gürtel zu stecken, selbst wenn es windig war, damit die Halbmondklinge nie verborgen war. Gelegentlich betrachtete Elyas fragend die Waffe, die schwer an seiner Seite hing, und grinste ihn an. Diese gelben Augen schienen seine Gedanken lesen zu können. Deshalb hätte er beinahe seine Axt wieder bedeckt. Beinahe.
Wenn ihn auch das Lagerleben der Tuatha'an ständig verwirrte, so waren doch wenigstens seine Träume dort normal. Manchmal erwachte er schwitzend aus einem Traum, in dem Trollocs und Blasse das Lager stürmten und mit geschleuderten Fackeln die regenbogenfarbenen Wagen in Flammen setzten... Menschen stürzten in Blutlachen, Männer und Frauen und Kinder rannten weg und schrien und starben, bemühten sich aber nicht, sich gegen die Sichelschwerter zu verteidigen. Nacht für Nacht fuhr er im Dunkeln hoch, atmete schwer und griff nach seiner Axt, bevor ihm klar wurde, daß die Wagen keineswegs in Flammen standen, daß keine Gestalten mit blutigen Schnauzen zerfetzte und verdrehte Körper am Boden anknurrten. Aber das waren ganz gewöhnliche Alpträume, und das beruhigte ihn auf gewisse Weise. Wenn es jemals einen würdigen Platz für den Dunklen König in seinen Träumen gegeben hatte, dann in diesen, doch er tauchte nicht auf. Kein Ba'alzamon. Nur ganz normale Alpträume.
Allerdings war er sich im wachen Zustand immer der Wölfe bewußt. Sie hielten Abstand zum Lager und zum Wagenzug, wenn er unterwegs war, aber er wußte immer, wo sie sich befanden. Er konnte ihre Verachtung für die Hunde spüren, die das Fahrende Volk schützten. Lärmende Tiere, die vergessen hatten, wofür ihre Kiefer da waren, die den Geschmack warmen Blutes nicht mehr kannten; sie jagten vielleicht Menschen Angst ein, aber sie würden auf dem Bauch wegkriechen, wenn das Rudel jemals käme. Jeden Tag wurde diese innere Verbindung schärfer, klarer.
Mit jedem Sonnenuntergang wurde Scheckie ungeduldiger. Daß Elyas die Menschen nach Süden bringen wollte, war ja in Ordnung, aber wenn schon, dann doch schnell. Beendet dieses langsame Vorwärtskriechen! Wölfe waren dazu bestimmt, das Land zu durchstreifen, und es gefiel ihr nicht, so lange vom Rudel weg zu sein. Auch in Wind brannte die Ungeduld. Die Jagd war hier mehr als armselig, und er haßte es, von Feldmäusen zu leben. Denen konnten die Welpen auflauern, wenn sie das Jagen lernen sollten, oder die Alten konnten sie fressen, die keinen Hirsch mehr erlegen oder keinem wilden Stier die Sehnen durchbeißen konnten. Manchmal glaubte Wind, daß Brand recht gehabt hatte: überlaßt die Probleme der Menschen den Menschen selbst. Aber er hütete sich vor solchen Gedanken, wenn Scheckie in der Nähe war und noch mehr bei Springer. Springer war ein alter Kämpfer mit vielen Narben und ergrauter Schnauze. Die Last der Jahre ließ ihn teilnahmslos erscheinen, doch er war so schlau, daß er damit alles wettmachte, was ihm das Alter genommen haben mochte. Er kümmerte sich nicht um Menschen, aber Scheckie wollte, daß sie dies taten, und Springer würde warten, wenn sie wartete, und rennen, wenn sie rannte. Wolf oder Mensch, Stier oder Bär, jeder, der Scheckie bedrohte, würde Springers mächtige Kiefer zu spüren bekommen, um ihn in den ewigen Schlaf zu versenken. Das war Springers ganzes Leben, und das ließ Wind vorsichtig sein, und Scheckie mißachtete beide.