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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Elyas hatte sicherlich genausowenig ein inneres Verhältnis zu ihrem Gesetz des Blattes wie sie zu seiner Lebensauffassung. Sein Mund war immer leicht verzogen, wenn er sich bei den Tuatha'an befand. Es war nicht herablassend oder gar verächtlich, er wirkte aber, als wäre er lieber anderswo als hier, ganz gleich wo. Aber immer wenn Perrin vorschlug wegzugehen, sprach Elyas beruhigende Worte von Ausruhen und nur noch ein paar Tage...

»Ihr hattet schwere Tage hinter Euch, bevor Ihr mich fandet«, sagte Elyas beim vierten oder fünften Mal, »und vor Euch liegen noch schwerere, verfolgt von Trollocs und Halbmenschen und mit Aes Sedai zum Freund.« Er grinste mit vollem Mund — Ilas Auflauf aus getrockneten Äpfeln. Perrin fand seinen gelbäugigen Blick immer noch beunruhigend, selbst wenn er lächelte. Vielleicht besonders, wenn er lächelte; das Lächeln berührte kaum jemals die Augen dieses Jägers. Elyas lag an Raens Feuer. Wie gewöhnlich weigerte er sich, auf einem der dafür herangeschleiften Holzblöcke zu sitzen. »Ihr solltet es nicht so verdammt eilig haben, Euch wieder in die Hände der Aes Sedai zu begeben.«

»Und was ist, wenn uns die Blassen finden? Was kann sie davon abhalten, wenn wir bloß hier herumsitzen und warten? Drei Wölfe können sie nicht von uns fernhalten, und das Fahrende Volk ist auch keine Hilfe. Sie verteidigen sich nicht einmal selbst. Die Trollocs werden sie abschlachten, und das ist dann unsere Schuld. Wie auch immer — wir müssen sie früher oder später verlassen. Dann kann es von mir aus früher sein.«

»Irgend etwas sagt mir, wir sollten warten. Nur ein paar Tage.«

»Irgend etwas!«

»Entspanne dich, Junge! Nimm das Leben, wie es kommt. Renn weg, wenn du mußt, kämpfe, wenn du mußt, und ruhe dich aus, wenn du kannst.«

»Wovon sprecht Ihr... sprichst du eigentlich — irgend etwas?«

»Nimm ein wenig von diesem Auflauf. Ila mag mich nicht, aber sie nährt mich wahrlich hervorragend, wenn ich zu Besuch bin. Es gibt immer gutes Essen in den Lagern des Volkes.«

»Was heißt ›irgend etwas‹?« wollte Perrin wissen. »Wenn du etwas weißt, das du uns anderen nicht sagst... «

Elyas blickte finster auf das Stück Auflauf in seiner Hand, legte es dann nieder und klopfte sich die Hände ab. »Irgend etwas«, sagte er schließlich mit einem Achselzucken, als verstünde er es selbst nicht ganz, »irgend etwas sagt mir, daß es wichtig ist zu warten. Noch ein paar Tage. Ich habe nicht oft eine solche Vorahnung, aber wenn, dann kann ich mich darauf verlassen. Das hat mir in der Vergangenheit das Leben gerettet. Diesmal ist es irgendwie anders, aber wichtig. Das ist ganz eindeutig. Wenn du wegrennen willst, dann tu's ohne mich. Ich bleibe.«

Das war alles, was aus ihm herauszubekommen war, gleich wie oft Perrin noch fragte. Er lag herum, plauderte mit Raen, aß, schlief mit dem Hut über den Augen und weigerte sich, über eine Abreise zu sprechen. Etwas sagte ihm, er müsse warten. Etwas sagte ihm, es sei wichtig. Er würde wissen, wenn es an der Zeit war zu gehen. Iß ein wenig Auflauf, Junge. Setze dich nicht selbst so arg unter Druck. Versuche ein wenig von diesem Eintopf. Entspanne dich.

Perrin konnte sich nicht entspannen. Nachts lief er zwischen den regenbogenfarbenen Wagen einher und grübelte — einerseits, weil kein anderer irgendeinen Grund zur Besorgnis zu sehen schien, und andererseits, ach, überhaupt. Die Tuatha'an sangen und tanzten, kochten und aßen an ihren Lagerfeuern — Obst und Nüsse, Beeren und Gemüse; sie aßen kein Fleisch — und erledigten Unmengen von Alltagsarbeiten, als hätten sie keinerlei Sorgen. Die Kinder tollten und spielten überall herum, versteckten sich zwischen den Wagen, kletterten auf die Bäume, die das Lager umgaben, lachten und wälzten sich mit den Hunden am Boden... Keiner schien irgendwelche Sorgen zu haben.

Wenn er ihnen zusah, dann juckte es ihn wirklich, sich fortzustehlen. Geh, bevor wir ihnen die Jäger auf den Hals hetzen! Sie haben uns aufgenommen, und wir vergelten ihre Freundlichkeit, indem wir sie in Gefahr bringen. Zumindest haben sie einen Grund, so fröhlich zu sein: Niemand jagt sie. Aber wir anderen...

Es war schwer, überhaupt einmal mit Egwene zu sprechen. Entweder unterhielt sie sich mit Ila — sie steckten die Köpfe auf eine Art zusammen, die klar ausdrückte: Männer sind nicht willkommen -, oder sie tanzte mit Aram, wirbelte ein ums andere Mal herum, zum Klang der Flöten und Fiedeln und Trommeln, nach Melodien, die die Tuatha'an aus der ganzen Welt mitgebracht hatten oder nach den eindringlichen trillernden Liedern des Fahrenden Volks selbst, gleich ob sie schnell oder langsam waren. Sie kannten viele Lieder. Manche erkannte er von zu Hause her, wenn auch häufig unter anderen Titeln als in den Zwei Flüssen. Zu Drei Mädchen auf der Wiese sagten die Kesselflicker beispielsweise Hübsche Mädchen beim Tanz, und sie behaupteten, Der Wind aus dem Norden hieße in einigen Ländern einfach Ein Regenguß und in anderen Berins Rückzug. Als er sich, ohne nachzudenken, nach Der Kesselflicker hat meinen Topf erkundigte, überschlugen sie sich fast vor Lachen. Sie kannten es, aber unter dem Titel ›Wirf die Federn‹.

Er konnte es verstehen, daß man zu den Liedern des Volkes tanzen mochte. Daheim in Emondsfeld betrachtete ihn niemand als besonders guten Tänzer, aber diese Lieder ließen seine Füße zucken, und er glaubte, noch nie in seinem Leben so lang, so kraftvoll und so gut getanzt zu haben. Er war wie in Trance; sein Herz schlug im Rhythmus der Trommeln.

Es war am zweiten Abend, als Perrin erstmals auch Frauen zu einigen der langsamen Weisen tanzen sah. Die Feuer waren fast niedergebrannt, die Nacht umschloß die Wagen, und Finger klopften einen schleppenden Rhythmus auf den Trommeln. Erst eine Trommel, dann eine weitere, bis alle Trommeln im Lager den gleichen leisen, mitreißenden Rhythmus schlugen. Alles war still bis auf die Trommeln. Ein Mädchen in rotem Kleid wiegte sich in den Feuerschein hinein. Sie löste ihre Stola. Perlenschnüre hingen in ihrem Haar, und sie hatte die Schuhe abgestreift. Eine Flöte begann mit der Melodie, leise, klagende Töne, und das Mädchen tanzte. Ausgestreckte Arme breiteten die Stola hinter ihr aus; ihre Hüften schwangen, als ihre bloßen Füße sich zum Klang der Trommeln bewegten. Die dunklen Augen des Mädchens waren auf Perrin gerichtet, und ihr Lächeln war so langsam wie ihr Tanz. Sie drehte sich in kleinen Kreisen und lächelte ihn über die Schulter hinweg an.

Er schluckte schwer. Die Hitze in seinem Gesicht kam nicht vom Feuer. Ein zweites Mädchen schloß sich dem ersten an. Die Fransen an ihren Stolen flogen im Rhythmus der Trommeln zum bedächtigen Kreisen ihrer Hüften. Sie lächelten ihn an, und er räusperte sich heiser. Er wagte es nicht, sich umzusehen; sein Gesicht war rot wie eine Rübe, und alle, die nicht gerade dem Tanz zusahen, lachten ihn vielleicht aus. Da war er sicher.

So unauffällig wie möglich glitt er von dem Holzblock herunter, als wolle er sich nur bequemer hinsetzen, aber er sorgte dafür, daß er schließlich vom Feuer und von den Tänzerinnen wegsah. So etwas gab es in Emondsfeld nicht. Bei einem Fest auf dem Grün mit den Mädchen tanzen, das konnte man überhaupt nicht mit diesem hier vergleichen. Ausnahmsweise einmal wünschte er sich, der Wind würde auffrischen und ihn abkühlen.

Die Mädchen tanzten wieder in sein Gesichtsfeld hinein. Doch jetzt waren es drei. Eine zwinkerte ihm herausfordernd zu. Seine Augen wichen verzweifelt aus. Licht, dachte er, was mache ich jetzt? Was würde Rand tun? Der kennt sich mit Mädchen aus.

Die tanzenden Mädchen lachten leise; Perlen klickten gegeneinander, als sie ihr langes Haar fliegen ließen, und er glaubte, sein Gesicht werde verbrennen. Dann reihte sich eine etwas ältere Frau bei den Mädchen ein, um ihnen zu zeigen, wie man richtig tanzt. Mit einem Aufstöhnen gab er auf und schloß die Augen. Selbst hinter den geschlossenen Lidern verspottete und reizte ihn ihr Lachen. Sogar hinter den geschlossenen Lidern konnte er sie immer noch sehen. Schweiß rann ihm über die Stirn, und er sehnte sich nach dem Wind.

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