Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er lächelte seinen Vetter an. »Gib mir auch einen, ja?« Er lehnte die Heugabel an eine Box und biss in den Apfel, den ihm Hamish reichte. Seite an Seite standen sie an der Wand und kauten kameradschaftlich ihre Äpfel. Als Jamie fertig war, gab er einem Fuchs, der einen langen Hals machte, das Kerngehäuse und holte sich die Forke wieder. Hamish folgte ihm durch die Stallgasse und kaute langsam.
»Ich habe gehört, mein Vater war ein guter Reiter«, begann Hamish nach kurzer Pause zögernd. »Bis es … bis es nicht mehr ging.«
Jamie warf seinem kleinen Vetter einen raschen Blick zu, gab aber erst dem Fuchs sein Heu, ehe er etwas sagte. Seine Antwort bezog sich weniger auf Hamishs Worte als auf den Gedanken dahinter.
»Ich habe ihn nie reiten gesehen, aber ich sage dir eines, Junge: Ich hoffe, ich brauche nie so viel Mut, wie Colum ihn hat.«
Ich sah Hamishs Blick neugierig auf Jamies narbigem Rücken ruhen, doch er sagte nichts. Nach dem zweiten Apfel waren seine Gedanken eindeutig zu einem anderen Thema abgeschweift.
»Rupert hat gesagt, du musstest heiraten«, sagte er kauend.
»Ich wollte heiraten«, sagte Jamie mit fester Stimme und stellte die Heugabel wieder an ihren Platz.
»Oh. Äh … gut«, sagte Hamish unsicher, als verwunderte ihn diese neuartige Vorstellung kolossal. »Ich habe mich nur gefragt … macht es dir etwas aus?«
»Was denn?« Jamie begriff, dass dieses Gespräch offensichtlich eine Weile dauern würde, und setzte sich mit Hamish auf einen Heuballen.
Hamishs Füße reichten nicht bis auf den Boden, sonst hätte er sicher damit gescharrt. Stattdessen klopfte er unruhig mit den Absätzen gegen das fest verschnürte Heu.
»Macht es dir etwas aus, verheiratet zu sein?« Er sah seinen großen Vetter an. »Jeden Abend mit einer Dame ins Bett zu gehen, meine ich.«
»Nein«, erwiderte Jamie. »Nein, das ist sogar sehr schön.«
Hamishs Miene spiegelte Skepsis.
»Ich glaube nicht, dass ich es schön finden würde. Aber die Mädchen, die ich kenne, sind alle spindeldürr und riechen nach Gerstenwasser. Claire … deine Frau, meine ich«, fügte er hastig hinzu, um jede Verwechslung auszuschließen. »Sie ist, äh, sie sieht aus, als wäre es schön, mit ihr zu schlafen. Weich, meine ich.«
Jamie nickte. »Aye, das stimmt. Sie riecht auch gut.« Selbst bei dem gedämpften Licht konnte ich einen kleinen Muskel in seinem Mundwinkel zucken sehen, und ich wusste, dass er es nicht wagte, den Kopf zum Heuboden zu heben.
Es folgte eine lange Pause.
»Woher weiß man das?«, fragte Hamish schließlich.
»Was denn?«
»Welche die Richtige zum Heiraten ist«, sagte der Junge ungeduldig.
»Oh.« Jamie lehnte sich an die Steinwand zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf.
»Das habe ich meinen Pa auch einmal gefragt«, sagte er. »Er hat gemeint, man weiß es einfach. Und wenn man es nicht weiß, ist sie auch nicht die Richtige.«
»Mmmpfm.« Der Miene des sommersprossigen Jungengesichtes nach zu urteilen, schien das keine sehr zufriedenstellende Erklärung zu sein. Hamish lehnte sich zurück, um Jamies Haltung nachzuahmen. Seine Füße und die Strümpfe ragten waagerecht über die Kante des Heuballens hinaus. Obwohl er noch klein war, verhieß sein kräftiger Körperbau, dass er seinem Vetter eines Tages ähneln würde. Die aufrechten Schultern und die Haltung des elegant geformten Schädels waren beinahe identisch.
»Wo sind denn deine Schuhe?«, fragte Jamie vorwurfsvoll. »Du hast sie doch nicht schon wieder draußen vergessen? Deine Mutter wird dich ohrfeigen, wenn du sie verloren hast.«
Hamish tat diese Drohung schulterzuckend ab. Er hatte eindeutig Wichtigeres im Kopf.
»John …«, begann er und verzog angestrengt die Stirn. »John sagt …«
»John, der Stallknecht, John, der Küchenjunge, oder John Cameron?«, hakte Jamie nach.
»Der Stallknecht«, antwortete Hamish mit einer gereizten Geste – er wollte nicht abgelenkt werden. »Er sagt, äh, über das Heiraten …«
»Mmm?«, ermunterte ihn Jamie und hielt das Gesicht taktvoll abgewandt. Er drehte den Kopf in meine Richtung und fing meinen Blick auf, als ich über die Kante lugte. Ich grinste ihn an, und er musste sich auf die Unterlippe beißen, um nicht zurückzugrinsen.
Hamish holte tief Luft, atmete aus, und dann folgte ein Wortschwall. »Er-sagt-man-muss-eine-Frau-besteigen-wie-ein-Hengst-eine-Stute-und-ich-habe-ihm-nicht-geglaubt-aber-ist-es-wahr?«
Ich biss mir fest auf die Finger, um nicht laut aufzulachen. Jamie, dem das nicht möglich war, bohrte sich die Finger in den Oberschenkel und wurde genauso rot wie Hamish. Sie sahen aus wie zwei reife Tomaten, die nebeneinander auf einem Heuballen lagen und darauf warteten, vom Preisrichter einer Gemüseschau begutachtet zu werden.
»Äh, aye … nun ja, sozusagen …«, sagte er mit erstickter Stimme. Dann bekam er sich wieder in den Griff.
»Ja«, sagte er mit fester Stimme, »ja, so ist es.«
Hamish warf einen halb entsetzten Blick in die nächste Box, in der der braune Wallach ganz entspannt fast einen halben Meter seines Fortpflanzungsorgans in der Luft baumeln ließ. Dann richtete er den Blick skeptisch auf seinen Schoß, und ich steckte mir eine Handvoll Stoff in den Mund, so tief es ging.
»Aber es ist auch anders«, fuhr Jamie fort. Sein Gesicht verlor allmählich wieder die Signalfarbe, obwohl sein Mund immer noch verräterisch zuckte. »Zum einen ist es … sanfter.«
»Dann beißt man sie also nicht in den Nacken?« Hamish trug die ernste, konzentrierte Miene eines Menschen, der sich sorgfältig innere Notizen macht. »Damit sie stillhalten?«
»Äh … nein. Zumindest ist das nicht üblich.« Unter Aufwand seiner ganzen, nicht unbeträchtlichen Willenskraft widmete sich Jamie tapfer seinen Aufklärungspflichten.
»Es gibt aber noch einen Unterschied«, sagte er und vermied es sorgsam, den Blick zu heben. »Man muss es nicht von hinten tun, sondern kann sich dabei ansehen. So, wie es der Dame lieber ist.«
»Der Dame?« Hamish schien seine Zweifel zu haben. »Ich glaube, ich würde es lieber von hinten machen. Ich glaube nicht, dass ich es gern hätte, wenn mich jemand ansieht, während ich so etwas tue. Ist es schwer«, erkundigte er sich, »ist es schwer, dabei nicht loszulachen?«
Meine Gedanken waren immer noch bei Jamie und Hamish, als ich an diesem Abend zu Bett ging. Ich schlug die dicken Bettdecken zurück und lächelte dabei. Ein kühler Luftzug kam zum Fenster herein, und ich freute mich darauf, unter die Decke zu kriechen und mich an Jamies Wärme zu kuscheln. Er war völlig kälteunempfindlich; offenbar hatte er einen eigenen Heizofen in seinem Inneren. Seine Haut war immer warm, manchmal sogar beinahe heiß, als ob meine kühle Berührung ihn noch stärker anfachte.
Zwar war ich nach wie vor eine Fremde, doch ich war jetzt kein Gast mehr in der Burg. Die verheirateten Frauen schienen mir nun, da ich eine von ihnen war, freundlicher zu begegnen, während es mir die jüngeren Frauen heftig übelzunehmen schienen, dass ich einen potenziellen Heiratskandidaten aus dem Verkehr gezogen hatte. Angesichts der zahlreichen kalten Blicke und der Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand fragte ich mich sogar, wie viele der Maiden von Leoch Jamie MacTavish während seines kurzen Aufenthalts noch in einen verborgenen Alkoven gelockt hatte.
Ehemals MacTavish. Die meisten Bewohner der Burg hatten ohnehin gewusst, wer er war, und egal, ob ich für die Engländer spionierte oder nicht, ich wusste es jetzt zwangsweise auch. Also wurde er ganz offen zu Jamie Fraser, und man hieß mich als Mistress Fraser in dem Raum über der Küche willkommen, wo die verheirateten Frauen nähten und ihre Babys wiegten, während sie mütterliche Ratschläge austauschten und ganz unverhohlen meine Taille beäugten.
Da es mir ja schon früher nicht gelungen war, ein Kind zu empfangen, hatte ich eine mögliche Schwangerschaft überhaupt nicht in Betracht gezogen, als ich in die Heirat mit Jamie einwilligte. Allerdings wartete ich doch ein wenig nervös, bis sich meine Blutung pünktlich einstellte. Diesmal empfand ich allerdings nichts als Erleichterung, keine Spur der Traurigkeit, die sonst damit einherging. Mein Leben war im Moment schon kompliziert genug, ohne zusätzlich noch ein Baby in die Welt zu setzen. Ich hatte das Gefühl, dass Jamie vielleicht eine Spur von Bedauern empfand, obwohl er sich ebenfalls erleichtert gab. Vater zu werden war ein Luxus, den sich ein Mann in seiner Lage nicht gut leisten konnte.