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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Die arme, alte Mrs. Bug«, sagte ich, als ich mich langsam fing. »Ich hatte keine Ahnung, dass er sie so manipuliert hat. Er muss sie für sehr zimperlich gehalten haben.« Ich lachte kraftlos. »Das war sein Fehler. Sie ist furchtbar stark. Ich war erstaunt.«

Das hätte ich nicht sein sollen; ich hatte Mrs. Bug schon eine Meile mit einer ausgewachsenen Ziege auf der Schulter gehen sehen – aber irgendwie setzt niemand die Kraft, die für den Alltag auf dem Land nötig ist, mit der Fähigkeit zur blinden Mordlust gleich.

»Ich auch«, sagte Jamie. »Nicht, dass sie die Körperkraft hatte, es zu tun, sondern dass sie es gewagt hat, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Warum hat sie es Arch nicht erzählt, wenn sie mir schon nichts gesagt hat?«

»Ich nehme an, es ist so, wie sie es geschildert hat – sie hat gedacht, es stünde ihr nicht zu, etwas zu sagen; du hattest ihr die Aufgabe erteilt, sich um ihn zu kümmern, und sie würde schließlich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um zu tun, was du verlangst. Ich glaube, dass sie das Gefühl hatte, alles im Griff zu haben. Aber als er dann hier aufgetaucht ist … ist es mit ihr durchgegangen. So etwas passiert; ich habe es nicht zum ersten Mal erlebt.«

»Ich auch nicht«, murmelte er. Er hatte die Stirn leicht gerunzelt, so dass sich die Falte zwischen seinen Augenbrauen vertiefte, und ich fragte mich, an welchen brutalen Zwischenfall er sich wohl gerade erinnerte. »Aber ich hätte nicht gedacht …«

Arch Bug kam so leise herein, dass ich ihn nicht hörte; ich begriff erst, dass er da war, als ich Jamie aufblicken und erstarren sah. Ich fuhr herum und sah die Axt in Archs Hand. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch er schritt auf Jamie zu, ohne Notiz von seiner Umgebung zu nehmen. Für ihn gab es eindeutig niemanden in diesem Raum außer Jamie.

Er erreichte den Schreibtisch und legte die Axt sanft darauf.

»Mein Leben für das Ihre, mein Häuptling«, sagte er leise auf Gälisch. Dann trat er zurück und kniete gesenkten Kopfes nieder. Er hatte sein weiches, weißes Haar zu einem schmalen Zopf geflochten und diesen hochgebunden, so dass sein Nacken bloßlag. Er war walnussbraun und vom Wetter gezeichnet, aber oberhalb seines weißen Kragens noch breit und muskulös.

Ein leises Geräusch an der Tür ließ mich von der Szene herumfahren, so faszinierend diese war. Mrs. Bug war da. Sie klammerte sich Halt suchend an den Türpfosten und hatte dies offensichtlich auch nötig. Ihre Haube saß schief, und ihr eisengraues Haar klebte in verschwitzten Strähnen in ihrem Gesicht, das die Farbe verdorbener Sahne hatte.

Ihr Blick huschte zu mir herüber, als ich mich bewegte, schoss dann aber wieder zurück, um sich auf ihren knienden Mann zu heften – und auf Jamie, der jetzt stand und den Blick von Arch zu seiner Frau schweifen ließ, dann wieder zurück. Er rieb sich mit dem Finger langsam über den Nasenrücken und betrachtete Arch.

»Oh, aye«, sagte er nachsichtig. »Ich soll Euch köpfen, aye? Hier in meinem eigenen Zimmer, und dann soll ich Eure Frau das Blut aufwischen lassen, oder soll ich es draußen tun und Euch mit den Haaren an den Türsturz nageln, als Warnung für Richard Brown? Steht auf, Ihr alter Betrüger.«

Alles im Inneren des Zimmers erstarrte für einen Moment – lange genug, um mich das kleine schwarze Muttermal genau in der Mitte von Archs Nacken bemerken zu lassen –, und dann erhob sich der alte Mann ganz langsam.

»Es ist Euer Recht«, sagte er auf Gälisch. »Ich bin Euer Gefolgsmann, a ceann-cinnidh, ich schwöre bei meiner Waffe; es ist Euer Recht.« Er stand hochaufgerichtet da, doch sein Blick war verhüllt und auf den Tisch gerichtet, auf dem seine Axt lag, deren scharfe Kante sich silbern vom dumpfen Metallgrau des Kopfes abzeichnete.

Jamie holte Luft, um ihm zu antworten, hielt dann aber inne und betrachtete den Alten genau. Etwas in ihm veränderte sich, fasste Fuß in seinem Bewusstsein.

»A ceann-cinnidh?«, sagte er, und Arch Bug nickte schweigend.

Die Luft im Zimmer hatte sich von einer Sekunde zur anderen verdichtet, und meine Nackenhaare stellten sich auf.

A ceann-cinnidh, hatte Arch gesagt. Mein Häuptling. Ein Wort, und wir standen in Schottland. Es war nicht schwer, den Unterschied in der Haltung zu sehen, die die neuen Pächter Jamie gegenüber an den Tag legten, und der seiner Männer aus Ardsmuir – den Unterschied zwischen einer vereinbarten und einer gewachsenen Loyalität. Dies hier war noch etwas anderes; eine ältere Treueverpflichtung, die tausend Jahre lang die Highlands beherrscht hatte. Ein Schwur aus Blut und Eisen.

Ich sah, wie Jamie die Gegenwart und die Vergangenheit abwägte und ihm klarwurde, dass Arch in ihrer Mitte stand. Ich sah es in seinem Gesicht, in dem sich Ungeduld in Begreifen verwandelte – und sah, wie er es akzeptierte und die Schultern sinken ließ.

»Nun gut, bei Eurem Wort, es ist mein Recht«, sagte er leise, ebenfalls auf Gälisch. Er richtete sich auf, ergriff die Axt und hielt sie mit dem Griff zuerst vor sich hin. »Und mit demselben Recht gebe ich Euch das Leben Eurer Frau zurück – und Euer eigenes.«

Mrs. Bug atmete mit einem kleinen Schluchzer aus. Arch sah sich nicht nach ihr um, sondern streckte die Hand aus und nahm die Axt. Dabei neigte er ernst den Kopf. Dann drehte er sich um und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer – obwohl ich sah, wie die Finger seiner verstümmelten Hand seiner Frau im Vorübergehen ganz sacht über den Ärmel strichen.

Mrs. Bug richtete sich auf und steckte mit zitternden Fingern hastig ihre losen Haarsträhnen fest. Jamie würdigte sie keines Blickes, sondern setzte sich wieder und griff nach Feder und Papier, obwohl ich nicht glaubte, dass er vorhatte, etwas zu schreiben. Da ich sie nicht in Verlegenheit bringen wollte, täuschte ich großes Interesse für das Bücherregal vor und nahm Jamies kleine Kirschholzschlange in die Hand, als wollte ich sie genauer untersuchen.

Nachdem sie ihre Haube gerade gerückt hatte, trat sie ins Zimmer und machte vor ihm einen Hofknicks.

»Soll ich Euch etwas zu essen holen, Sir? Ich habe frisch gebacken.« Sie sprach mit großer Würde und trug den Kopf aufrecht. Er hob den Kopf von seinem Blatt Papier und lächelte sie an.

»Ja, gern«, sagte er. »Gun robh math agaibh, a nighean.«

Sie nickte abrupt und machte auf dem Absatz kehrt. Doch an der Tür blieb sie stehen und blickte zurück. Jamie zog die Augenbrauen hoch.

»Ich war dabei, wisst Ihr«, sagte sie und sah ihm direkt in die Augen. »Als die Sassenachs Euren Großvater umgebracht haben, auf dem Tower Hill. Eine furchtbar blutige Angelegenheit.« Sie spitzte die Lippen und betrachtete ihn mit zusammengekniffenen, geröteten Augen, dann entspannte sie sich.

»Ihr macht ihm alle Ehre«, sagte sie. Dann wirbelten ihre Röcke und Schürzenbänder, und sie war fort.

Jamie blinzelte mich überrascht an, und ich zuckte mit den Achseln.

»Das war nicht unbedingt ein Kompliment, weißt du«, sagte ich, und seine Schultern begannen zu beben, als er lautlos loslachte.

»Ich weiß«, sagte er schließlich und fuhr sich mit der Hand unter der Nase entlang. »Weißt du, Sassenach – dass ich manchmal um den alten Schuft trauere?« Er schüttelte den Kopf. »Irgendwann muss ich Mrs. Bug einmal fragen, ob es stimmt, was er zum Schluss gesagt hat. Angeblich, meine ich.«

»Was denn?«

»Er hat den Scharfrichter bezahlt und ihm gesagt, er solle seine Sache gut machen – ›Sonst werde ich furchtbar wütend‹.«

»Nun, es sähe ihm zumindest ähnlich, so etwas von sich zu geben«, sagte ich mit einem kleinen Lächeln. »Was glaubst du, was die Bugs in London gemacht haben?«

Er schüttelte erneut den Kopf, wandte ihn mir zu und hob das Kinn, so dass die Sonne, die durch das Fenster schien, wie Wasser auf seinem Kinn und seinen Wangen schimmerte.

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