Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Wenn man vom Teufel spricht«, murmelte Volyova. »Was ist, Calvin? Sie sind doch Calvin?«
»Im Moment ja«, sagte der Mann. »Aber ich fürchte, Sajaki wird mich bald mit Schmach und Schande aus seinen Diensten entlassen.«
»Wovon reden Sie?« Sie wartete keine Antwort ab, sondern fügte hastig hinzu: »Ich habe etwas mit Dan zu besprechen; es ist ziemlich dringend, wenn Sie also so freundlich wären…«
»Ich glaube, was ich zu sagen habe, ist noch dringender«, erklärte Calvin. »Es geht um Ihr Gegenmittel, Volyova. Das Retrovirus, das Sie entwickelt haben.«
»Was ist damit?«
»Es wirkt nicht ganz so wie beabsichtigt.« Er trat einen Schritt zurück. Hinter ihm sah Khouri einen Teil des Captains, silbrig glänzend und schleimig wie eine Statue, die über und über mit Schneckenspuren überzogen war. »Genauer gesagt, es bringt ihn noch schneller um.«
Vierundzwanzig
Cerberus/Hades
2566
Sylveste brauchte nicht lange zu warten. Volyova kam in Begleitung von Khouri, der Frau, die ihr auf dem Planeten das Leben gerettet hatte. Wenn schon Volyova in seinen Plänen eine unbekannte Größe darstellte, dann galt das erst recht für diese Khouri. Bisher hatte er noch nicht feststellen können, wem ihre Loyalität gehörte: Volyova, Sajaki oder womöglich jemand ganz anderem. Aber er schob diese Bedenken zunächst in den Hintergrund, denn Calvin hatte ihn mit seiner Ungeduld angesteckt.
»Was heißt, es bringt ihn noch schneller um?«
»Genau das, was ich sage«, antwortete Calvin durch seinen Mund, ohne die Frauen zu Atem kommen zu lassen. »Wir haben uns exakt an Ihre Anweisungen gehalten. Trotzdem ist es, als hätten wir der Seuche eine massive Dosis Stärkungsmittel gespritzt. Sie breitet sich schneller aus denn je. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Ihr Retrovirus hat ihr noch geholfen.«
»Verdammt«, sagte Volyova. »Entschuldigen Sie, das ist mir so herausgerutscht. Ich habe ein paar harte Stunden hinter mir.«
»Mehr haben Sie nicht dazu zu sagen?«
»Ich habe das Gegenmittel an kleinen isolierten Proben getestet«, verteidigte sie sich. »Da hat es gewirkt. Ich konnte nicht versprechen, dass es bei einem vollständig verseuchten Organismus ebenso wirksam sein würde… aber zumindest — im schlimmsten Fall — ging ich davon aus, dass eine gewisse, wenn auch beschränkte Wirkung eintreten würde. Die Seuche muss etwas von ihren Kräften zur Abwehr des Gegenmittels verwenden; daran kommt man nicht vorbei. Ein Teil der Energie, die sie normalerweise in die Expansion stecken würde, wird für den Widerstand abgezweigt. Ich hoffte, das Virus würde die Seuche töten — beziehungsweise so verwandeln, dass wir sie behandeln konnten —, aber selbst bei pessimistischster Einschätzung dachte ich, dass sie sich einen Schnupfen holen würde, der die Ausbreitung deutlich verlangsamte.«
»Davon sehen wir gar nichts«, bemerkte Calvin.
»Aber was sie sagt, leuchtet ein«, gab Khouri zurück. Sylveste merkte, dass er sie so wütend anstarrte, als wolle er ihr die Existenzberechtigung absprechen.
»Was sehen Sie denn?«, fragte Volyova. »Sie werden verstehen, dass ich ziemlich neugierig bin.«
»Wir haben die Zufuhr unterbrochen«, sagte Calvin. »Deshalb hat sich das Wachstum zunächst stabilisiert. Aber als wir dem Captain das Gegenmittel gaben, beschleunigte sich seine Ausbreitung. Es war, als würde die Masse des Gegenmittels schneller in seine Matrix integriert als das Schiffssubstrat.«
»Aber das ist doch lächerlich«, sagte Volyova. »Das Schiff wehrt sich nicht einmal gegen die Seuche. Wenn er sich tatsächlich schneller ausbreitet… würde das doch bedeuten, dass das Gegenmittel in ihn übergeht; dass es sich umwandelt, bevor die Seuche es zerstören kann.«
»Wie Frontsoldaten, die schon desertieren, bevor sie die Feindpropaganda gehört haben«, sagte Khouri.
Volyova nickte. »Ganz genau«, sagte sie, und Sylveste spürte zum ersten Mal etwas zwischen den beiden Frauen, das verdächtig nach gegenseitigem Respekt roch. »Aber das ist einfach nicht möglich. Dazu müsste die Seuche die Replikationsprogramme so völlig mühelos übernommen haben, als ob die nur darauf gewartet hätten. Ich sage Ihnen, das kann nicht sein.«
»Dann versuchen Sie es doch selbst.«
»Nein, danke. Nicht, dass ich Ihnen nicht glauben würde, aber Sie müssen auch mich verstehen. Aus meiner Sicht — und ich habe das verdammte Ding entwickelt — ergibt das einfach keinen Sinn.«
»Eine Erklärung gibt es«, sagte Calvin.
»Nämlich?«
»Könnte Sabotage im Spiel sein? Wie ich Ihnen bereits sagte, sind wir der Ansicht, dass jemand den Erfolg dieser Operation nicht wünscht. Sie wissen schon, wen ich meine.« Er war vorsichtig geworden, wollte in Khouris Gegenwart oder im Erfassungsbereich von Sajakis Abhörsystemen nicht zu viel preisgeben. »Könnte sich jemand an Ihrem Gegenmittel zu schaffen gemacht haben?«
»Darüber muss ich nachdenken«, sagte sie.
Sylveste hatte nicht das ganze Fläschchen verbraucht, das Volyova ihm gegeben hatte, deshalb konnte er die Molekularstruktur dieser Probe und der anderen Kulturen untersuchen, die noch in ihrem Labor waren. Er verwendete die gleichen Instrumente, mit denen sie Khouris Splitter analysiert hatte. Als sie die Probe mit den Laborkulturen verglich, ergab sich Identität im Rahmen der Messgenauigkeit. Die Probe, die Calvin dem Captain verabreicht hatte, war genau so, wie Volyova es vorgesehen hatte, bis hinunter zur kleinsten chemischen Bindung zwischen den unbedeutendsten Atomen in der kleinsten und unwichtigsten Molekularkomponente.
Volyova verglich die Struktur des Gegenmittels mit ihren Aufzeichnungen und stellte fest, dass sie nicht von dem Entwurf abwich, den sie viele subjektive Jahre lang im Kopf gehabt hatte. Alles war genau so, wie sie es geplant hatte. Niemand hatte sich an ihrem Virus zu schaffen gemacht. Niemand hatte ihm die Zähne gezogen. So viel zu Calvins Sabotagetheorie. Sie atmete auf — sie hatte nicht glauben wollen, dass Sajaki tatsächlich den ganzen Prozess behinderte; die Vorstellung, er könnte die Krankheit des Captains bewusst verlängern, war zu grässlich, sie war froh, dass sie sich nach der Untersuchung des Gegenmittels die ganze Idee mit Fug und Recht aus dem Kopf schlagen konnte. Natürlich traute sie Sajaki immer noch nicht über den Weg; aber wenigstens sprach nichts dafür, dass er sich in ein Ungeheuer verwandelt hatte.
Aber es gab noch eine andere Möglichkeit.
Volyova verließ das Labor und kehrte zum Captain zurück. Sie verwünschte sich selbst. Warum hatte sie nicht früher daran gedacht? Den Weg hätte sie sich sparen können. Sylveste fragte, was sie jetzt vorhabe. Sie sah ihn lange an. Dann sagte sie, ja, es gebe eine Verbindung zu Lascailles Schleier; davon sei sie jetzt überzeugt. Die Frage sei nur: Hatte sich die Mademoiselle einfach rächen wollen — für seine Feigheit, seinen Verrat, was immer es war, was sie im Grenzbereich vor dem Schleier fast das Leben gekostet hätte? Oder ging es noch weiter, bestand womöglich ein Zusammenhang mit den Aliens; den uralten, misstrauischen Intelligenzen, die Lascaille bei seinem eigenen Flug gespürt hatte? Hatte man es mit menschlicher Gehässigkeit zu tun oder mit Zwängen, die so uralt und fremdartig waren wie die Schleierweber selbst? Sie hatte eine Menge mit Sylveste zu besprechen — aber das wollte sie im Schutz des Spinnenraums tun.
»Ich brauche noch eine Probe«, sagte sie. »Vom Rand der Infektion, wo sie das Gegenmittel aufbrachten.« Sie zog ihre Laserkürette heraus, nahm rasch die lichtgesteuerten Schnitte vor und ließ die Probe — sie fühlte sich an wie eine Metallkruste — in einen wartenden Autoklaven fallen.