Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Was hat das alles mit mir zu tun?«, fragte Sylveste.
Darauf hatte Khouri eine Antwort parat. »Die Mademoiselle hat herausgefunden, dass dieses Wesen nur bei einer ganz bestimmten Gelegenheit in den Leitstand gelangt sein konnte.«
»Sehr schön; fahren Sie fort.«
»Nämlich, als Sie zum letzten Mal auf diesem Schiff waren.«
Sie hatte sich gefragt, was wohl noch kommen müsste, damit es Sylveste endlich die Sprache verschlug oder er zumindest dieses selbstgefällige Lächeln verlor. Jetzt wusste sie es, und dieser Erfolg war eine der kleinen, unerwarteten Freuden ihres unruhigen Lebens. Endlich brach Sylveste den Bann und fragte mit bewundernswert beherrschter Stimme: »Was soll das heißen?«
»Genau das, was Sie glauben, aber nicht zur Kenntnis nehmen wollen«, entfuhr es ihr. »Was immer es war, Sie haben es mitgebracht.«
Volyova nahm Khouri die Erklärung ab. »Ein Neuralparasit«, sagte sie. »Er kam mit Ihnen an Bord und sprang auf das Schiff über. Vielleicht steckte er in Ihren Implantaten, vielleicht hatte er sich auch ohne jede Hardware in Ihrem Bewusstsein eingenistet.«
»Das ist doch lächerlich.« Doch seine Entrüstung klang nicht überzeugend.
»Vielleicht hatten Sie das Ding schon jahrelang mit sich herumgetragen, ohne es zu wissen«, sagte Volyova. »Vielleicht schon seit Ihrer Rückkehr.«
»Von wo?«
»Von Lascailles Schleier«, antwortete Khouri. Schon zum zweiten Mal prasselten ihre Worte auf Sylveste nieder wie ein winterlicher Regenschauer. »Wir haben die Chronologie überprüft; zeitlich passt alles zusammen. Was immer es war, es ist vor dem Schleier in Sie eingedrungen und so lange geblieben, bis Sie hierher kamen. Vielleicht hat es Sie auch dann nicht verlassen, sondern zur Sicherheit nur einen Teil von sich ins Schiff eingeschleust.«
Sylveste stand auf und winkte auch seiner Frau. »Diesen Irrsinn höre ich mir nicht länger an.«
»Ich finde, Sie sollten noch etwas bleiben«, sagte Khouri. »Ich hatte Ihnen noch nicht von der Mademoiselle und von dem Auftrag erzählt, den ich für sie erledigen sollte.«
Er sah sie fast eine Minute lang an, immer noch auf dem Sprung, in heller Empörung. Doch dann nahm er wieder Platz und wartete, dass sie weitersprach.
Fünfundzwanzig
Cerberus/Hades,
an der Heliopause von Delta Pavonis
2566
»So Leid es mir tut«, sagte Sylveste. »Ich glaube nicht, dass der Mann zu heilen ist.«
Außer dem Captain selbst waren nur Volyova und die beiden anderen Mitglieder des Triumvirats anwesend.
Sajaki stand dem Captain am nächsten, er hatte die Arme verschränkt und den Kopf schief gelegt und betrachtete ihn wie ein provozierend abstraktes Gemälde. Hegazi hielt respektvoll Abstand und ging nicht näher als drei bis vier Meter an die Masse heran, die jetzt noch schneller wucherte als zuvor. So sehr er sich auch bemühte, den Gleichgültigen zu spielen, die wenigen sichtbaren Partien seines Gesichts waren von Angst gezeichnet wie von einer Tätowierung.
»Ist er tot?«, fragte Sajaki.
»Nein, nein«, beteuerte Sylveste hastig. »Keineswegs. Aber alle unsere Therapien haben versagt, und das Mittel, in das wir unsere größte Hoffnung setzten, hat letzten Endes mehr geschadet als genutzt.«
»Das Mittel, in das Sie Ihre größte Hoffnung setzten?«, wiederholte Hegazi. Seine Stimme hallte von den Wänden wider.
»Ilia Volyovas Retrovirus.« Sylveste wusste, dass er jetzt sehr vorsichtig sein musste; Sajaki durfte nicht merken, dass man ihm auf die Schliche gekommen war. »Aus welchem Grund auch immer, es hat nicht so gewirkt, wie sie dachte. Das ist nicht Volyovas Schuld — woher sollte sie wissen, wie die Gesamtmasse insgesamt reagieren würde, wenn sie nur mit kleinen Proben arbeiten konnte?«
»Das ist die Frage«, sagte Sajaki knapp, und plötzlich überfiel Sylveste ein tödlicher Hass auf diesen Mann. Zugleich war ihm klar, dass Sajaki jemand war, mit dem er zusammenarbeiten konnte, und dass nichts, was hier geschehen war, auch nicht sein Abscheu vor dem Triumvir, ihn vom Sturm auf Cerberus abhalten würde. So war es sogar sehr viel besser. Seit Sylveste Gewissheit hatte, dass Sajaki die Heilung des Captains gar nicht wünschte — ganz im Gegenteil —, konnte er dem bevorstehenden Angriff seine volle Aufmerksamkeit widmen. Vielleicht musste er Calvin noch so lange in seinem Kopf dulden, bis die Farce endgültig zu Ende gespielt war, aber das war kein zu hoher Preis, dem fühlte er sich gewachsen. Inzwischen war ihm Calvins Präsenz sogar willkommen. Wenn so viel geschah und verarbeitet werden musste, war ein zweites Bewusstsein, ein Schmarotzer, der seinem Denken Strukturen entnahm und daraus Schlüsse zog, nicht zu verachten.
»Er ist ein verlogener Dreckskerl«, flüsterte Calvin. »Ganz geheuer war er mir noch nie, aber jetzt weiß ich genau, woran ich mit ihm bin. Ich wünsche ihm, dass die Seuche das Schiff bis auf das letzte Atom auffrisst und ihn gleich mitnimmt. Er hat es nicht besser verdient.«
Sylveste wandte sich an Sajaki. »Das heißt nicht, dass wir die Hoffnung aufgegeben hätten. Wenn Sie gestatten, werden Cal und ich weiter versuchen…«
»Tun Sie, was Sie können«, sagte Sajaki.
»Sie lassen sie weitermachen?«, fragte Hegazi. »Nach allem, was sie ihm beinahe angetan hätten?«
»Haben Sie etwas dagegen?«, fragte Sylveste. Die Rollen waren festgelegt wie in einem Drama und ebenso fest stand auch der Ausgang. »Wer kein Risiko eingeht…«
»Sylveste hat Recht«, sagte Sajaki. »Selbst beim harmlosesten Eingriff kann niemand vorhersagen, wie der Captain darauf reagiert. Die Seuche ist wie ein lebendes Wesen — sie folgt nicht unbedingt den Gesetzen der Logik, folglich ist alles, was wir tun, mit gewissen Risiken behaftet. Selbst wenn wir das Seuchengewebe nur mit einem scheinbar harmlosen Magnetfeld berührten, könnte es das zum Anlass nehmen, eine neue Wachstumsphase einzuleiten, oder aber es könnte binnen weniger Sekunden zu Staub zerfallen. Der Captain würde wohl keines der beiden Szenarien überleben.«
»Wenn das so ist«, sagte Hegazi, »können wir auch gleich aufgeben.«
»Nein«, sagte Sajaki so ruhig, dass Sylveste schon für Hegazis Wohlergehen fürchtete. »Aufzugeben brauchen wir nicht. Wir brauchen nur ein neues Paradigma — wir müssen über einen chirurgischen Eingriff hinaus denken. Wir haben den besten Cybernetiker seit den Zeiten des Transrationalismus unter uns und niemand versteht mehr von Molekularwaffen als Ilia Volyova. Die medizinischen Einrichtungen an Bord dieses Schiffes gehören zum Modernsten, was es gibt. Und doch sind wir gescheitert; aus dem einfachen Grund, weil wir es mit einem stärkeren, schnelleren und anpassungsfähigeren Erreger zu tun haben, als wir uns vorstellen können. Was wir immer schon vermutet haben, trifft zu: die Schmelzseuche wurde von einer fremden Spezies entwickelt. Und deshalb wird sie uns immer schlagen. Allerdings nur, wenn wir sie weiterhin mit unseren anstatt mit ihren eigenen Mitteln bekämpfen.«
Und damit, dachte Sylveste, war das Drama wie von selbst bei seinem ungeschriebenen Epilog angekommen.
»An was für ein neues Paradigma hatten Sie denn gedacht?«
»Darauf gibt es logischerweise nur eine Antwort«, stellte Sajaki fest, als sei das eine Selbstverständlichkeit. »Die einzig wirksame Medizin gegen eine Alien-Krankheit wäre eine Alien-Medizin. Und nach einer solchen Medizin müssen wir suchen, ohne Rücksicht darauf, wie lange es dauert und wie weit wir reisen müssen.«
»Eine Alien-Medizin.« Hegazi ließ sich die Worte förmlich auf der Zunge zergehen. Vielleicht vermutete er, sie in Zukunft ziemlich oft hören zu müssen. »Und bei welchen Aliens wollten Sie danach suchen?«