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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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Sie schaute auf ihr Armband. Der kleine Splitter, den sie Khouri aus dem Körper gezogen hatte, verursachte ihr mehr Kopfzerbrechen, als sie je für möglich gehalten hätte. Zusammensetzung und Verformungsmuster standen inzwischen mehr oder weniger fest, nun hatte sie das Schiff gebeten, in seinen Speichern nach einer Entsprechung zu suchen. Der Verdacht, dass Manoukhian dahinter steckte, schien sich zu bestätigen. Das Bruchstück stammte eindeutig nicht von Sky’s Edge. Aber das Schiff war noch nicht fündig geworden und drang immer weiter in die Tiefen seiner Datenspeicher vor. Derzeit wühlte es sich durch technische Daten, die fast zweihundert Jahre alt waren. In grauer Vorzeit zu suchen war lächerlich… andererseits, warum jetzt aufhören? In wenigen Stunden hätte sich das Schiff bis zur Gründung der Kolonie und zu den wenigen Unterlagen vorgearbeitet, die noch aus der Amerikano-Ära erhalten waren. Dann konnte sie Khouri immerhin versichern, sie habe gründlich — wenn auch vergeblich — gesucht.

Als sie die Brücke betrat, war sie allein.

Der riesige Raum war dunkel bis auf den Schein der Projektionssphäre, die eine schematische Darstellung des gesamten Pavonis-Hades-Doppelsystems zeigte. Von den anderen Besatzungsmitgliedern (es waren ja nur noch wenige am Leben, dachte sie) war niemand anwesend, und man hatte auch keine Toten aus den Archiven geholt, um sich in Sprachen, die heute kaum noch jemand beherrschte, ihre Ansichten anzuhören. Volyova kam die Einsamkeit gerade recht. Sie hatte keine Lust, sich mit Sajaki auseinander zu setzen (mit ihm schon gar nicht), und Hegazis Gesellschaft schätzte sie ohnehin nicht besonders. Nicht einmal mit Khouri wollte sie jetzt reden. Wenn sie mit Khouri zusammen war, tauchten zu viele Fragen auf, und sie war gezwungen, sich mit Themen zu beschäftigen, mit denen sie nichts zu tun haben wollte. Jetzt war sie wenigstens für ein paar Minuten allein und in ihrem Element und konnte — so töricht das auch war — alles vergessen, was ein Chaos zu entfesseln drohte.

Sie konnte sich mit ihren schönen Waffen befassen.

Die umfunktionierte Lorean war in einen noch tieferen Orbit gegangen, ohne Cerberus zu einer Reaktion zu provozieren — jetzt befand sie sich nur noch zehntausend Kilometer über der Planetenoberfläche. Volyova hatte dem riesigen Konus den Namen ›Brückenkopf‹ gegeben, denn genau das war seine Funktion. Für alle anderen hieß er einfach ›Volyovas Waffe‹, wenn sie überhaupt davon sprachen. Das Ding war viertausend Meter lang; fast so lang also wie das Lichtschiff, aus dem es entstanden war. Es hatte kaum massive Bestandteile; selbst die Wände waren strukturiert wie Bienenwaben. In jeder Kammer lauerten aktive Stämme von angriffslustigen Cyberviren, in ihrem Aufbau ähnlich dem Gegenmittel, das die Krankheit des Captains bekämpfen sollte. In größeren Höhlungen waren Energie- und Projektilwaffen gelagert. Alles war mit einer meterdicken Hyperdiamanthülle umgeben, die beim Aufschlag abgerieben werden sollte. Wenn der Brückenkopf auf die Planetenoberfläche traf, würden die Stoßwellen über den ganzen Rumpf rasen, aber durch piezoelektrische Kristalle sollte aus diesen Stoßwellen Energie aufgenommen und in die Waffensysteme gelenkt werden. Die Geschwindigkeit beim Aufprall war ohnehin vergleichsweise gering — weniger als ein Kilometer pro Sekunde, denn kurz bevor der Brückenkopf die Kruste durchstieß, würde er kräftig abbremsen. Und vorher sollte die Kruste sturmreif geschossen werden; außer den Frontgeschützen des Brückenkopfes würde Volyova dafür so viele Weltraumgeschütze einsetzen, wie sie einzusetzen wagen konnte.

Sie nahm über das Armband Verbindung zu ihrer Waffe auf. Eine fesselnde Unterhaltung war es gerade nicht. Der Brückenkopf hatte nur eine rudimentäre Kontrollpersönlichkeit; mehr war von einem nur wenige Tage alten Gerät nicht zu erwarten. Einerseits war das ein Vorteil. Besser, das Ding hatte ein Spatzenhirn, als dass es größenwahnsinnig wurde. Außerdem hätte der Brückenkopf voraussichtlich nicht allzu viel Zeit, um sich seiner Empfindungsfähigkeit zu erfreuen.

Tanzende Zahlenkolonnen im Innern der Sphäre meldeten Kampfbereitschaft. Volyova musste sich auf die Zusammenfassung der Systeme verlassen, denn die Waffe war ihr in großen Teilen fremd. Sie hatte nur die Grundlagen vorgegeben, die eigentliche Arbeit hatten autonome Entwicklungsprogramme erledigt, und die hatten sich nicht bemüßigt gefühlt, sie über jedes technische Problem und die dazu gehörige Lösung zu informieren. So war ihr der Brückenkopf weitgehend unbekannt, aber schließlich konnte auch eine Mutter ein Kind entstehen lassen, ohne jede Arterie, jeden Nerv genau lokalisieren… oder die biochemischen Vorgänge seines Stoffwechsels erklären zu können. Die Waffe war dennoch ihre Schöpfung — ihr Kind.

Ein Kind, das sie zu einem frühen, schmachvollen — aber keineswegs sinnlosen — Tod verdammt hatte.

Das Armband zirpte. Sie sah auf das Display, erwartete einen Schwall technischer Daten vom Brückenkopf; eine Meldung über eine kurzfristige Konstruktionsänderung, die von den noch aktiven Replikationssystemen im Kern unterwegs vorgenommen worden war.

Aber es war etwas ganz anderes.

Die Nachricht kam vom Schiff. Es hatte ein Gegenstück zu ihrem Splitter gefunden. Zwar hatte es auf technische Dateien zurückgreifen müssen, die mehr als zweihundert Jahre alt waren, aber dort war es fündig geworden. Und abgesehen von den Verformungsmustern — die wohl erst nach der Herstellung aufgetreten sein mussten — bestand innerhalb der Messtoleranzen eine Übereinstimmung von hundert Prozent.

Volyova war immer noch allein auf der Brücke.

»Auf das Display«, befahl sie.

Der Splitter erschien zunächst in Vergrößerung als sichtbares Bild im Innern der Sphäre. Dann folgte eine Serie von Nahaufnahmen, beginnend mit einer Elektronenmikroskop-Ansicht in Grautönen, auf der die verzerrte Kristallstruktur zu sehen war, und endend mit einem grellbunten ATM-Bild mit einer Auflösung im Bereich der atomaren Längenskala, auf dem die Grenzen zwischen den Atomen verschwammen. Plots mit kristallografischen Röntgenbeugungsdaten und Massenspektrogramme erschienen in eigenen Fenstern und wetteiferten mit Unmengen von technischen Daten um ihre Aufmerksamkeit. Volyova schenkte diesen Werten keine Beachtung; sie waren ihr vollkommen vertraut, die meisten Messungen hatte sie selbst vorgenommen.

Stattdessen wartete sie, bis das ganze Display zur Seite rückte und gleich daneben ganz ähnliche Grafiken auftauchten. Sie gruppierten sich um einen Splitter aus ähnlichem Material, identisch bei atomarer Auflösung, aber ohne die Verformungsmuster. Zusammensetzung, Isotopenverteilung und Gittereigenschaften waren identisch: jede Menge Fullerene in verschiedenen Kristallstrukturen durchzogen eine verwirrend komplexe Matrix aus übereinander gelagerten Metallschichten und exotischen Legierungen. Yttrium- und Scandium-Signaturen und ein ganzer Schwung Transurane aus Stabilitätsinseln in Spurenelementen, die dem Splitter vermutlich eine unerhörte Elastizität verliehen. Dennoch wusste Volyova, dass es auf dem Schiff noch ausgefallenere Substanzen gab, einige hatte sie selbst synthetisiert. Der Splitter war ungewöhnlich, aber er war zweifelsfrei ein Produkt menschlicher Technik — die Buckytube-Filamente waren eine typische Demarchisten-Signatur und Transurane aus Stabilitätsinseln waren im vierundzwanzigsten und fünfundzwanzigsten Jahrhundert die große Mode gewesen.

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