Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Ihr Ton — und Ihre Ausdrucksweise — waren gänzlich fehl am Platz, Triumvir«, bemerkte er. Khouri sah seine Hand in die Hosentasche gleiten. Er tastete nach einem Gegenstand — für einen Moment glaubte sie, es handle sich um eine Injektionsspritze.
»Sie waren auf dem besten Wege, unseren Waffenoffizier zu zerstören«, verteidigte sich Volyova.
»Ich bin noch nicht fertig mit ihr. Und mit Ihnen auch nicht. Sie hatten den Trawl präpariert, Ilia, nicht wahr? Damit er sie alarmierte, wenn er eingeschaltet wurde? Sehr raffiniert.«
»Mir ging es nur darum, wertvolles Schiffseigentum zu schützen.«
»Natürlich…« Sajaki ließ die Antwort einen Augenblick lang drohend in der Luft hängen, dann verließ er mit lautlosen Schritten den Raum.
Dreiundzwanzig
Im Orbit um Cerberus/Hades,
an der Heliopause von Delta Pavonis
2566
Die Parallelen waren überdeutlich, dachte Sylveste. In wenigen Stunden sollten Volyovas Weltraumgeschütze den Kampf gegen die verborgenen Immunsysteme von Cerberus aufnehmen; Virus gegen Virus, Zahn gegen Zahn. Und am Vorabend dieses Angriffs traf Sylveste letzte Vorbereitungen für den Krieg gegen die Schmelzseuche, die Volyovas bedauernswerten Captain verzehrte oder — das war eine Frage des Standpunkts — grotesk vergrößerte. Die Parallelität schien Ausdruck einer grundlegenden Ordnung zu sein, die ihm nur zum Teil bekannt war. Die Unsicherheit war nicht angenehm; er kam sich vor, als beteilige er sich an einem Spiel, bei dem sich mittendrin herausstellte, dass die Regeln viel komplizierter waren als gedacht.
Damit Calvins Beta-Simulation durch ihn aktiv werden konnte, musste sich Dan in eine Art Dämmerzustand versetzen lassen, in dem er sich bewegte wie ein Schlafwandler. Calvin würde ihn zur Marionette machen, er würde alle Sinneseindrücke direkt durch Dans Augen und Ohren empfangen und Dans Bewegungen direkt über dessen Nervensystem steuern. Er würde sogar durch Dans Mund sprechen. Die Neuro-Inhibitoren hatten bereits eine Ganzkörperlähmung bewirkt, die von Übelkeit begleitet war. Die Prozedur war genauso unerfreulich wie beim letzten Mal.
Sylveste kam sich vor wie eine Maschine, in die gleich Calvins Geist einfahren sollte…
Seine Hände bewegten die medizinischen Analyseinstrumente über die Ausläufer der Wucherung. Er durfte dem Zentrum nicht zu nahe kommen; das Risiko, die Seuche auf seine eigenen Implantate zu übertragen, war groß. Irgendwann — bei dieser oder auch erst bei der nächsten Sitzung — mussten sie diese Schwelle zwar notgedrungen überschreiten, aber daran wollte Sylveste jetzt noch nicht denken. Zunächst verwendete Calvin noch einfache, ferngesteuerte Drohnen ohne Intelligenz, wenn sie dichter herangehen mussten, aber selbst diese Instrumente waren anfällig. Eine Drohne war dicht über dem Captain ausgefallen und verschwand bereits unter einem Netz aus feinsten Fasern. Obwohl die Maschine keinerlei molekulare Bauteile enthielt, schien die Seuche sie verarbeiten zu können; sie wurde von der Transformationsmatrix des Captains aufgenommen und nährte sein Fieber. Nun musste Calvin zu noch primitiveren Instrumenten greifen, aber das war nur eine Notlösung: irgendwann — und das schon bald — mussten sie mit dem einzigen Mittel gegen die Seuche vorgehen, das tatsächlich Aussicht auf Erfolg bot; mit einem Organismus, der ihr selbst sehr ähnlich war.
Sylveste spürte dumpf, wie unter seinen eigenen Gedanken Calvins Denkprozesse arbeiteten. Man konnte es nicht Bewusstsein nennen — die Simulation, die seinen Körper steuerte, war nur eine Kopie, aber irgendwo an der Schnittstelle zu seinem eigenen Nervensystem… war etwas Neues entstanden, das auf der Chaoszone schwamm. Die Theorien und seine eigenen Erfahrungen sprachen natürlich dagegen — aber wie wäre das Gefühl der Ichspaltung sonst zu erklären? Er wagte Calvin nicht zu fragen, ob er ähnliche Empfindungen hatte, und hätte auch seiner Antwort nicht unbedingt vertraut.
»Sohn«, sagte Calvin. »Ich wollte schon seit längerem etwas mit dir besprechen. Ich mache mir deshalb große Sorgen, aber ich wollte nicht vor unseren… hm… unseren Klienten davon anfangen.«
Sylveste wusste, dass die Stimme nur für ihn zu hören war. Damit er ihr im Geiste antworten konnte, musste Calvin seinem Wirt vorübergehend die Kontrolle über sein Sprachzentrum zurückgeben. »Jetzt ist auch nicht der richtige Moment. Wir befinden uns mitten in einer Operation, falls dir das entgangen sein sollte.«
»Genau um diese Operation geht es doch.«
»Dann mach schnell.«
»Ich glaube nicht, dass ein Erfolg vorgesehen ist.«
Sylveste stellte fest, dass seine — von Calvin gesteuerten — Hände in der Arbeit nicht innehielten. Er war sich auch bewusst, dass Volyova neben ihm stand und auf Anweisungen wartete. »Was, zum Teufel, willst du damit sagen?«, fragte er stumm.
»Ich halte Sajaki für einen sehr gefährlichen Mann.«
»Großartig — mit dieser Ansicht stehst du nicht allein. Aber das hat dich bisher nicht davon abgehalten, mit ihm zu kooperieren.«
»Anfangs war ich ihm dankbar«, gestand Calvin. »Immerhin hatte er mich gerettet. Aber dann fragte ich mich, wie sich die Dinge wohl für ihn darstellten, und allmählich keimte in mir der Verdacht, er sei nicht mehr ganz bei Verstand. Jeder normale Mensch hätte den Captain schon vor Jahren für tot erklärt. Der Sajaki, den ich beim letzten Mal kennen lernte, war fanatisch in seiner Loyalität, aber damals hatte sein Kreuzzug immerhin noch einen gewissen Sinn. Damals bestand für den Captain immerhin eine gewisse Hoffnung auf Rettung.«
»Und jetzt nicht mehr?«
»Er ist mit einem Virus infiziert, das mit allen Mitteln des Yellowstone-Systems nicht zu bekämpfen war. Zugegeben, das System war selbst davon befallen, aber einzelne Enklaven überlebten noch monatelang — dort suchten Menschen mit ebenso fortgeschrittenen Verfahren, wie wir sie haben, verzweifelt nach einem Gegenmittel — doch ohne Erfolg. Und damit nicht genug. Wir wissen nicht einmal, wo sie Irrwegen folgten und welche Ansätze aussichtsreich gewesen wären, wenn sie mehr Zeit gehabt hätten.«
»Ich habe Sajaki gesagt, hier könne nur noch ein Wunder helfen. Wenn er mir nicht glaubt, ist das sein Problem.«
»Das Problem ist eher, dass er dir glaubt. Und deshalb sage ich, ein Erfolg war nicht vorgesehen.«
In diesem Moment fiel Sylvestes Blick, von Calvin mit Umsicht gesteuert, auf den Captain. Die direkte Konfrontation mit dem monströsen Gebilde bescherte ihm die Erleuchtung. Calvin hatte vollkommen Recht. Sie konnten die ersten rituellen Schritte zur Heilung des Captains einleiten — konnten feststellen, wie weit das Fleisch des Mannes zerstört war —, aber weiter konnten sie nicht gehen. Alle noch so intelligenten, noch so brillanten Therapieansätze waren zum Scheitern verurteilt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Erkenntnis beunruhigte Sylveste am meisten, denn sie stammte nicht von ihm selbst. Calvin hatte etwas gesehen, was für Sylveste noch im Dunkeln lag. Jetzt war es plötzlich in grelles Licht getaucht.
»Du glaubst, er wird uns behindern?«
»Vermutlich hat er das bereits getan. Wir haben beide bemerkt, dass sich das Wachstum des Captains beschleunigt hat, seit wir an Bord kamen, aber wir haben nicht weiter darauf geachtet — es für Zufall oder Einbildung gehalten. Aber das stimmt nicht. Ich glaube, dass Sajaki ihn erwärmt hat.«
»Ja… darauf bin ich auch schon gekommen. Aber das ist nicht das Einzige, nicht wahr?«
»Die Biopsien — die Gewebeproben, die ich verlangt hatte.«
Sylveste wusste, worauf er hinaus wollte. Die Drohne, die sie ins Zentrum geschickt hatten, um die Zellproben zu entnehmen, war inzwischen von der Seuche halb zerstört. »Du glaubst nicht, dass sie von sich aus versagt hat? Du glaubst, Sajaki hatte die Hand im Spiel?«