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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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Tatsächlich sah das Bruchstück genauso aus wie das Material, aus dem in jener Zeit ein Raumschiffrumpf bestanden haben könnte.

So dachte offenbar auch das Schiff. Aber warum hatte Khouri ein Stück Raumschiff im Fleisch gehabt? Was hatte Manoukhian damit sagen wollen? Vielleicht irrte sie sich auch, und Manoukhian hatte gar nichts damit zu tun — es war nur ein Unfall. Oder aber, es hatte sich um ein ganz bestimmtes Raumschiff gehandelt…

Offenbar. Die Technik war insgesamt typisch für diese Zeit, aber in den Details war das Stück einmalig — es war auf höhere Belastungen hin ausgelegt, als selbst für militärische Einsätze nötig gewesen wäre. Je länger Volyova sich die Ergebnisse ansah, desto deutlicher wurde, dass das Stück nur von einem Schiffstyp stammen konnte: von einem Kontaktschiff aus dem Besitz des Sylveste-Instituts für Schleierweber-Studien.

Aus gewissen Feinheiten im Isotopenanteil ließ sich erkennen, von welchem Schiff es genau stammte: von dem Kontaktschiff nämlich, das Sylveste an die Grenze von Lascailles Schleier gebracht hatte. Damit war Volyova zunächst zufrieden. Der Kreis hatte sich geschlossen: dies war die Bestätigung dafür, dass zwischen Khouris Mademoiselle und Sylveste tatsächlich ein Zusammenhang bestand. Aber das wusste Khouri ja bereits… und das bedeutete, dass der Splitter noch eine weitergehende Bedeutung hatte. Worin sie bestand, war Volyova natürlich sofort klar. Aber im ersten Moment war die Erkenntnis so ungeheuerlich, dass sie davor zurückschreckte. Das war doch wohl nicht möglich, oder? Sie konnte die Ereignisse vor Lascailles Schleier nicht überlebt haben. Andererseits hatte Manoukhian Khouri gegenüber behauptet, er habe seine Brotherrin im All gefunden. Und es war durchaus möglich, dass sie sich als Hermetikerin tarnte, weil sie grässlichere Verstümmelungen hatte, als selbst die Seuche sie anzurichten pflegte…

»Zeig mir Carine Lefevre«, sagte Volyova, nachdem sie den Namen der Frau abgerufen hatte, die angeblich vor dem Schleier ums Leben gekommen war.

Wie ein riesiges Götzenbild starrte das Gesicht auf sie herab. Eine junge Frau, die offenbar — unterhalb der Schultern war nicht viel zu erkennen — nach der Mode der Belle Epoque von Yellowstone gekleidet war, des glanzvollen Goldenen Zeitalters vor der Schmelzseuche. Das Gesicht war Volyova bekannt — nicht so weit, dass ihr die Luft wegblieb, aber immerhin hatte sie es schon gesehen. Es tauchte in Dutzenden von historischen Dokumentationen auf, und jedes dieser Werke unterstellte, dass sie längst tot war; ermordet von Aliens, deren Kräfte jedes menschliche Vorstellungsvermögen überstiegen.

Natürlich. Jetzt war auch klar, was die Verformungsmuster verursacht hatte. Die Gravitationswirbel vor Lascailles Schleier hatten die Materie zusammengepresst, bis das Blut herausspritzte.

Alle Welt glaubte, dass auch Carine Lefevre so gestorben sei.

»Svinoi«, sagte Triumvir Ilia Volyova, denn jetzt gab es keinen Zweifel mehr.

Schon als Kind hatte Khouri bemerkt, dass etwas Ungewöhnliches passierte, wenn sie Dinge anfasste, die zu heiß waren, den Lauf eines Gewehrs zum Beispiel, das eben erst die Patronenhülse ausgeworfen hatte. Dann durchzuckte sie eine Art Vorahnung, so kurz, dass man kaum von Schmerz sprechen konnte; eher eine Warnung vor dem wirklichen Schmerz. Auf diesen Vorläufer folgte ein Moment, in dem sie gar nichts empfand, und in diesem Moment riss sie, ganz gleich, was sie angefasst hatte, die Hand zurück. Aber da war es schon zu spät; der richtige Schmerz war bereits unterwegs, und sie konnte nichts mehr tun, als sich darauf einzustellen, wie eine Haushälterin, der man kurzfristig einen Gast angekündigt hatte. Natürlich war der Schmerz nie allzu schlimm, und da sie die Hand schon weggezogen hatte, gab es meist nicht einmal eine Narbe. Aber sie machte sich jedes Mal ihre Gedanken. Wenn die Vorahnung schon genügte, damit sie die Hand wegzog — und das war immer so —, welchen Sinn hatte dann die Schmerzwelle, die hinterher kam? Warum musste sie überhaupt kommen, wenn sie doch die Botschaft bereits erhalten und ihre Hand in Sicherheit gebracht hatte? Auch als sie später feststellte, dass es für die Verzögerung zwischen den beiden Warnungen handfeste physiologische Gründe gab, empfand sie den Schmerz noch als niederträchtig.

Jetzt ging es ihr genauso. Sie saß mit Volyova im Spinnenraum und hatte eben erfahren, wem vermutlich das Gesicht der Mademoiselle gehörte. Carine Lefevre, hatte Volyova gesagt. Und Khouri hatte wieder diese Vorahnung verspürt, diesen kurzen Schock, der sie wie ein Echo aus der Zukunft auf den eigentlichen Schlag vorbereitete. Ein sehr schwaches Echo, dann — einen Moment lang — gar nichts.

Und schließlich die volle Wucht.

»Wie ist das möglich?«, fragte Khouri hinterher, als der Schock — nicht abgeklungen, aber zu einem normalen Bestandteil ihres emotionalen Dauergeräuschs geworden war. »Es kann nicht sein. Das ergibt keinen Sinn.«

»Ich denke, es ergibt eher zu viel Sinn«, widersprach Volyova. »Und es passt viel zu gut zu den Fakten, als dass wir es ignorieren könnten.«

»Aber jedermann weiß doch, dass sie tot ist! Das hat sich nicht nur auf Yellowstone, sondern in der Hälfte aller Weltraumkolonien herumgesprochen. Ilia, sie ist eines gewaltsamen Todes gestorben. Sie kann es nicht sein,«

»Ich denke doch. Manoukhian sagt, er hätte sie im All gefunden. Vielleicht stimmt das ja. Vielleicht trieb Carine Lefevre irgendwo vor Lascailles Schleier im Weltraum — vielleicht wollte er etwas aus den Trümmern des SISS-Raumschiffs bergen — und da hat er sie gerettet und nach Yellowstone zurückgebracht.« Volyova hielt inne, doch bevor Khouri auch nur daran denken konnte, etwas einzuwerfen, war sie schon wieder voll in Fahrt. »Das wäre doch logisch, oder? Zumindest hätten wir unsere Verbindung zu Sylveste — und vielleicht ein Motiv, warum sie ihm nach dem Leben trachtet.«

»Ilia, ich habe gelesen, was mit ihr passiert ist. Sie wurde von den gravitationellen Spannungen im Umkreis des Schleiers zerfetzt. Wie sollte da etwas übrig geblieben sein, was Manoukhian nach Hause hätte bringen können?«

»Nein… das kann natürlich nicht sein. Es sei denn, Sylveste hätte gelogen. Vergessen wir nicht, wir haben nur seine Aussage dafür, dass alles so abgelaufen ist, wie er sagte — keines von den Aufzeichnungssystemen hat die Begegnung überstanden.«

»Willst du damit sagen, sie ist gar nicht tot?«

Volyova hob die Hand, wie immer, wenn Khouri sie nicht restlos verstanden hatte.

»Nein… nicht unbedingt. Vielleicht ist sie tatsächlich gestorben — nur nicht so, wie Sylveste behauptete. Vielleicht ist sie nicht in dem Sinne tot, wie wir das Wort verstehen und vielleicht ist sie auch nicht wirklich lebendig — trotz allem, was du gesehen hast.«

»Ich habe nicht viel von ihr gesehen. Nur die Kiste, in der sie unterwegs war.«

»Du hast angenommen, sie sei Hermetikerin, weil sie den Palankin eines Hermetikers benutzte. Aber vielleicht wollte sie dich damit nur irreführen.«

»Sie wäre zerfetzt worden. Daran gibt es nichts zu rütteln.«

»Vielleicht hat der Schleier sie nicht getötet, Khouri. Vielleicht ist ihr etwas Schreckliches zugestoßen, aber hinterher hat etwas sie am Leben erhalten. Vielleicht hat dieses Etwas sich sogar aktiv um ihre Rettung bemüht.«

»Das müsste Sylveste wissen.«

»Aber vielleicht will er es nicht wahrhaben. Ich glaube, wir müssen mit ihm reden — und zwar hier, wo Sajaki uns nicht stören kann.« Volyova war kaum zu Ende, als ihr Armband zirpte und auf dem Display ein menschliches Gesicht erschien, das nur blanke Kugeln an Stelle von Augen hatte.

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