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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Er zögerte einen Augenblick, doch dann nickte er.

»Aye, du hast Recht.« Er sah Mrs. Beardsley an. Sie stand stocksteif da, die Hände unter ihrer Schürze verschränkt, und ihre Augen huschten von mir zu Jamie zu ihrem Mann und wieder zurück. Jamie schüttelte kurz den Kopf, dann wandte er sich wieder an den vom Schlag getroffenen Mann und richtete sich auf.

»Schließt das Auge einmal für ja, zweimal für nein«, sagte er. »Versteht Ihr?«

Das Augenlid senkte sich ohne Zögern.

»Dann hört mir zu.« Jamie holte tief Luft und begann mit flacher, emotionsloser Stimme zu sprechen, und seine Augen wichen nicht von dem zerstörten Gesicht und dem brennenden Blick des offenen Auges.

»Ihr wisst, was mit Euch geschehen ist?«

Blink.

»Ihr wisst, dass meine Frau Ärztin ist, eine Heilerin?«

Das Auge rollte in meine Richtung, dann wieder zu Jamie. Blink.

»Sie sagt, Ihr habt eine Apoplexie erlitten, und dass der Schaden nicht zu heilen ist. Versteht Ihr?«

Aus dem verzerrten Mund kam ein pustendes Geräusch. Das war keine Neuigkeit. Blink.

»Euer Fuß ist vereitert. Wenn er nicht amputiert wird, werdet Ihr verwesen und sterben. Versteht Ihr?«

Keine Antwort. Die Nasenlöcher blähten sich plötzlich, feucht, suchend; dann atmete er schnaubend aus. Vielleicht hatte er die Verwesung gerochen, aber nicht mit Sicherheit gewusst, dass sie von seinem eigenen Körper kam. Nicht bis jetzt. Langsames Blinken.

Die leise Litanei ging weiter, Feststellungen und Fragen, jede eine Schaufel voll Erde, die einem sich vertiefenden Grab entnommen wurde. Jede endete mit den unausweichlichen Worten: »Versteht Ihr?«

Meine Hände und Füße und mein Gesicht waren taub. Das seltsame Gefühl, dass der Raum eine Zuflucht war, hatte sich geändert; er fühlte sich zwar an wie eine Kirche, aber nicht länger wie eine Zuflucht. Jetzt war er ein Raum, in dem ein Ritual statt fand, das auf ein ernstes, vorbestimmtes Ende zuführte.

Und es war vorbestimmt, das war mir klar. Beardsley hatte seine Entscheidung schon lange getroffen – vielleicht sogar schon vor unserem Eintreffen. Er hatte schließlich einen Monat in diesem Fegefeuer verbracht, kalt und dunkel in der Schwebe zwischen Himmel und Erde – Zeit zum Nachdenken, sich mit seinen Aussichten abzufinden und seinen Frieden mit seinem Tod zu schließen.

Verstand er das?

O ja, sehr gut.

Jamie stand über den Tisch gebeugt, eine Hand auf Beardsleys Arm, ein Priester in fleckigem Leinen, der Absolution und Erlösung anbot. Mrs. Beardsley stand erstarrt in dem Licht, das zum Fenster hereinfiel, ein unerschütterlicher Engel der Verdammnis.

Die Feststellungen und Fragen kamen zu ihrem Ende.

»Wollt Ihr, dass meine Frau Euch den Fuß abnimmt und Eure Wunden versorgt?«

Einmaliges Blinken, dann zweimal, übertrieben, ganz bewusst.

Jamies Atem war gut hörbar, und die Enge in seiner Brust verwandelte jedes Wort in einen Seufzer.

»Möchtet Ihr, dass ich Euch das Leben nehme?«

Obwohl die eine Hälfte seines Gesichtes eingefallen und leblos war, war noch genug von Beardsley übrig, um einen Ausdruck zu zeigen. Der benutzbare Winkel seines Mundes zog sich zu einem zynischen Grinsen hoch. »Das, was noch davon übrig ist«, sagte sein Schweigen. Das Augenlid senkte sich – und blieb geschlossen.

Auch Jamie schloss die Augen. Ein kleiner Schauer überlief ihn. Dann schüttelte er sich kurz wie ein Mensch, der kaltes Wasser abschüttelt, und wandte sich der Anrichte zu, wo seine Pistolen lagen.

Ich trat schnell an seine Seite und legte ihm die Hand auf den Arm. Er sah mich nicht an, sondern hielt den Blick auf die Pistole gerichtet, die er jetzt lud. Sein Gesicht war weiß, aber seine Hände waren ruhig.

»Geh«, sagte er. »Bring sie hinaus.«

Ich sah mich nach Beardsley um, aber er war nicht länger mein Patient; sein Körper war meiner Heilkunst und meinem Trost entzogen. Ich trat zu der Frau, nahm ihren Arm und drehte sie zur Tür. Sie folgte mir mit mechanischen Schritten und blieb nicht stehen, um sich umzusehen.

Im Freien kam mir alles unwirklich vor, und ich konnte nicht glauben, wie normal der von der Sonne beschienene Hof wirkte. Mrs. Beardsley befreite sich aus meinem Griff und hielt schnellen Schrittes auf die Scheune zu. Sie warf einen Blick zurück zum Haus, dann rannte sie los und verschwand durch das offene Scheunentor, als seien böse Geister hinter ihr her.

Ich bemerkte ihre Panik und wäre ihr fast nachgelaufen. Doch ich tat es nicht; ich blieb am Rand des Hofes stehen und wartete. Ich konnte spüren, wie mein Herzschlag langsam in meinen Ohren hämmerte. Auch das kam mir unwirklich vor.

Schließlich erklang der Schuss, ein kurzes, flaches Geräusch, unbedeutend inmitten des leisen Blökens der Ziegen, das aus der Scheune kam, und des Raschelns der Hühner, die neben mir auf dem Boden scharrten. Kopf, fragte ich mich plötzlich, oder Herz? Ich erschauerte.

Die Mittagsstunde war lange vorbei; die kalte, stille Luft des Morgens hatte sich erhoben, und ein kalter Wind fuhr über den Hof und wirbelte Staub und Heubüschel auf. Ich wartete. Er hatte sicher innegehalten, dachte ich, um ein kurzes Gebet für Beardsleys Seele zu sprechen. Eine Minute verging, zwei, dann öffnete sich die Hintertür. Jamie kam heraus, ging ein paar Schritte, bückte sich und übergab sich.

Ich setzte mich in Bewegung, für den Fall, dass er mich brauchte, doch nein. Er richtete sich auf und wischte sich den Mund ab, dann drehte er sich um und ging über den Hof von mir fort und auf den Wald zu.

Ich fühlte mich plötzlich überflüssig und ganz merkwürdig beleidigt. Noch vor kurzem war ich ganz bei der Arbeit gewesen, vertieft in die Ausübung der Heilkunst. Verbunden mit Haut, mit Körper und Geist; meine Aufmerksamkeit auf die Symptome gerichtet, auf Puls und Atem, die Lebenszeichen. Beardsley war mir alles andere als sympathisch gewesen, und doch hatte ich mich mit Leib und Seele in den Kampf um sein Leben gestürzt, um die Linderung seines Leidens. Ich konnte immer noch das seltsame Gefühl seiner schlaffen, warmen Haut unter meinen Händen spüren.

Jetzt war mein Patient plötzlich tot, und ich fühlte mich, als hätte man mir ein kleines Stück meines Körpers amputiert. Wahrscheinlich stand ich leicht unter Schock.

Ich blickte zum Haus, und mein ursprüngliches Gefühl der Vorsicht wich jetzt der Abneigung – und etwas noch tiefer Gehendem. Die Leiche musste natürlich gewaschen und ordentlich aufgebahrt werden. Ich hatte so etwas schon öfter getan – ohne große Hemmungen, aber auch nicht begeistert –, und doch stellte ich jetzt fest, dass es mir extrem widerstrebte, in das Haus zurückzugehen.

Ich hatte schon öfter Menschen gewaltsam sterben sehen – oft auf sehr viel unappetitlichere Weise, als es hier der Fall gewesen sein musste. Tot war tot. Ob der Tod als Übergang kam, als Abschied oder in manchen Fällen als inbrünstig herbeigesehnte Erlösung … Jamie hatte Beardsley ganz plötzlich aus dem Gefängnis seines vom Schlag getroffenen Körpers befreit; weilte sein Geist womöglich noch im Haus, weil er seine Freiheit noch nicht realisiert hatte?

»Du führst dich ganz schön abergläubisch auf, Beauchamp«, sagte ich streng zu mir selbst. »Hör sofort auf damit.« Und doch trat ich keinen Schritt näher auf das Haus zu, sondern verharrte nervös auf der Stelle wie eine unentschlossene Hummel.

Beardsley mochte meiner Hilfe entzogen sein, und Jamie mochte ihrer nicht bedürfen, doch es gab immer noch jemanden, der sie vielleicht benötigte. Ich kehrte dem Haus den Rücken und ging auf die Scheune zu.

Sie war nicht mehr als ein großer, offener Schuppen mit einem Heuboden, duftend, dunkel und voller Heu und beweglicher Schatten. Ich blieb im Tor stehen, bis sich meine Augen umgewöhnt hatten. In einer Ecke befand sich eine Box, aber kein Pferd. Ein klapperiger Zaun mit einem Melkstand bildete in der anderen Ecke den Ziegenstall; darin hockte sie auf einem Haufen frischen Strohs. Ein halbes Dutzend Ziegen drängten sich schubsend um sie und knabberten an den Fransen ihres Schultertuches. Sie war kaum mehr als eine zusammengekauerte Gestalt, aber ich fing das kurze Aufleuchten ihrer argwöhnischen Augen in der Dunkelheit auf.

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