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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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»Es ist wirklich nicht nötig, Triumvir.«

Sajaki tippte Befehle in eine grotesk altmodische Konsole, um die Trawl-Parameter vollends einzupendeln. Ringsum erschienen Querschnitte von Khouris Kopf — Schnappschüsse mit niedriger Auflösung. »Dann haben Sie ja nichts zu befürchten, oder? Kein Grund zur Besorgnis. Ich wollte die Untersuchung schon durchführen, als Sie bei uns anheuerten, Khouri. Meine Kollegin war natürlich dagegen…«

»Aber warum jetzt? Womit habe ich das verdient?«

»Wir gehen schwierigen Zeiten entgegen, Khouri. Ich muss allen Mitgliedern meiner Besatzung bedingungslos vertrauen können.«

»Aber wenn meine Implantate durchbrennen, können Sie nichts mehr mit mir anfangen!«

»Oh; an Ihrer Stelle würde ich nicht zu viel auf Volyovas Gruselgeschichten geben. Sie will nur ihre Berufsgeheimnisse vor mir bewahren, damit ich nicht etwa auf die Idee käme, ich könnte ihre Arbeit ebenso gut erledigen wie sie selbst.« Jetzt waren die Implantate auf den Abbildungen zu erkennen; kleine geometrisch strukturierte Inseln in der amorphen Suppe der Neuralstrukturen. Sajaki tippte weitere Befehle ein, eines der Implantate wurde vergrößert. Jetzt spürte Khouri ein Kribbeln auf der Kopfhaut. Mehrere Schichten des Implantats wurden abgetragen, sein immer komplexeres Innenleben wurde in einer Serie verwirrender Vergrößerungen freigelegt. Es war, als betrachte man eine Stadt über einen Spionagesatelliten, der zuerst nur die Viertel, dann die Straßen und schließlich die einzelnen Gebäude zeigte. Irgendwo in den Tiefen dieses komplexen Systems waren in physisch greifbarer Form die Daten gespeichert, aus denen die Simulation der Mademoiselle gebildet wurde.

Die Mademoiselle war Khouri lange nicht mehr erschienen. Beim letzten Mal — auf Resurgam mitten im Sturm — hatte sie behauptet, sie würde sterben; der Kampf gegen Sonnendieb sei verloren. Hatte Sonnendieb seither gewonnen, oder war das anhaltende Schweigen der Mademoiselle nur ein Zeichen dafür, dass sie alle Energien brauchte, um den Krieg fortzusetzen? Nagorny war wahnsinnig geworden, sobald sich Sonnendieb in seinem Kopf eingenistet hatte. Stand Khouri dieses Schicksal noch bevor, oder wollte sich Sonnendieb in ihrem Kopf nicht ganz so breit machen? Vielleicht — ein beunruhigender Gedanke — hatte er aus seinen Fehlern bei Nagorny gelernt. Und wie viel von alledem würde Sajaki wissen, wenn der Trawl abgeschlossen war?

Er hatte sie aus ihrer Kabine geholt; Hegazi hatte er zur Verstärkung mitgebracht. Der andere Triumvir war bald gegangen, aber selbst wenn Sajaki allein gekommen wäre, hätte Khouri nicht an Widerstand gedacht. Volyova hatte sie gewarnt, Sajaki sei stärker, als er aussehe. Khouri war im Nahkampf erfahren, aber sie zweifelte nicht daran, dass ihr Sajaki im Ernstfall überlegen wäre.

Im Trawl-Raum herrschte die Atmosphäre einer Folterkammer. Hier hatten sich grauenvolle Szenen abgespielt — das mochte seit Jahrzehnten vorbei sein, aber die Erinnerung daran ließ sich nicht auslöschen. Die Trawl-Anlage war eine Antiquität, die klobigste, monströseste Maschine, die Khouri bisher auf diesem Schiff gesehen hatte. Vermutlich hatte man sie etwas modernisiert, so dass sie gründlicher arbeitete als das ursprüngliche Gerät, aber den hochentwickelten Trawls, die der Nachrichtendienst ihrer Seite auf Sky’s Edge besessen hatte, konnten sie sicher nicht das Wasser reichen. Sajakis Trawl hinterließ Schäden in der Neuralstruktur, er wütete im Gehirn wie ein hektischer Einbrecher. Die Mordinstrumente, die Cal Sylveste bei den Achtzig eingesetzt hatten, waren — wenn überhaupt — kaum primitiver gewesen.

Jetzt gab es kein Entrinnen mehr. Ihre Implantate gaben bereits die ersten Geheimnisse preis… er entschlüsselte ihre Strukturen, las die Daten ab. Wenn er damit fertig war, würde er den Trawl auf die Kortexstrukturen richten, um neuronale Verbindungsstränge aus ihrem Schädel zu lösen. Khouri hatte von Bekannten beim Nachrichtendienst viel über die Technik des Trawlens erfahren. In diese Topologien waren Langzeiterinnerungen und Charakterzüge eingebettet, so eng verflochten, dass sie nur schwer zu trennen waren. Dennoch, Sajakis Anlage mochte nicht die beste sein, aber vermutlich verfügte er über ausgezeichnete Algorithmen, die auch schwache Erinnerungsspuren ausfilterten. Man hatte über die Jahrhunderte mit statistischen Modellen alle Muster der Erinnerungsspeicherung in zehn Milliarden menschlicher Gehirne studiert und die Strukturen mit den jeweils gemachten Erfahrungen abgeglichen. Bestimmte Eindrücke schlugen sich immer wieder in ähnlichen Neuralstrukturen nieder, so genannten internen Qualia, den Grundbausteinen, aus denen sich komplexere Erinnerungen zusammensetzten. Diese Qualia waren mit ganz wenigen Ausnahmen von Bewusstsein zu Bewusstsein verschieden, aber die Unterschiede in der Codierung waren nicht gravierend, denn die Natur wich niemals allzu weit von dem Lösungsweg mit dem geringsten Energieverbrauch ab. Mit den statistischen Modellen ließen sich nicht nur diese Qualia-Muster zuverlässig identifizieren, sondern auch die Verbindungen zwischen ihnen abbilden, die die Bausteine zu Erinnerungen zusammenschmiedeten. Sajaki brauchte also nur genügend Qualia-Strukturen zu identifizieren und genügend hierarchische Verbindungen zwischen ihnen abzubilden. Wenn er dann seine Algorithmen darauf ansetzte, gab es im Grunde nichts, was er nicht über sie erfahren konnte. Er konnte nach Belieben in ihren Erinnerungen wühlen.

Das Gerät gab Alarm. Sajaki schaute auf eines der Displays. Khouris Implantate waren glutrot geworden; das Rot griff bereits auf umliegende Gehirnzonen über.

»Was ist los?«, fragte sie.

»Induktionswärme«, sagte Sajaki gleichmütig. »Ihre Implantate sind ein wenig heiß geworden.«

»Sollten Sie dann nicht aufhören?«

»O nein, noch nicht. Volyova hat sie sicher gegen elektromagnetische Impulse geschützt. Da richtet eine kleine thermische Überlastung keine irreparablen Schäden an.«

»Aber ich habe Kopfschmerzen… ich glaube nicht, dass das normal ist.«

»Das halten Sie spielend durch, Khouri.«

Die pochenden Migräneschmerzen waren ganz plötzlich auf getreten, aber jetzt waren sie so unerträglich, als stecke ihr Kopf in einem Schraubstock und Sajaki drehe ihn immer fester zu. Der Hitzestau in ihrem Schädel musste sehr viel schlimmer sein, als auf den Scans zu sehen war. Sajaki — der vermutlich nur sehr selten um das Wohl seiner Klienten besorgt war — hatte die Displays zweifellos so eingestellt, dass sie tödliche Gehirntemperaturen erst anzeigten, wenn es bereits viel zu spät war…

»Nein, Yuuji-san. Das hält sie nicht durch. Sie müssen Sie sofort da rausholen.«

Ein Wunder — Volyovas Stimme. Sajaki schaute zur Tür. Er musste seine Kollegin schon lange vor Khouri bemerkt haben, aber er sah sie nur blasiert an und fragte gelangweilt: »Was ist los, Ilia?«

»Sie wissen ganz genau, was los ist. Brechen Sie den Trawl ab, sonst bringen Sie sie noch um!« Volyova trat jetzt in Khouris Blickfeld. Sie sprach in gebieterischem Tonfall, aber Khouri sah, dass sie unbewaffnet war.

»Noch habe ich nichts Brauchbares erfahren«, sagte Sajaki. »Ein paar Minuten noch…«

»In ein paar Minuten ist sie tot.« Pragmatisch, wie sie nun einmal war, fügte sie hinzu: »Und ihre Implantate sind irreparabel zerstört.«

Vielleicht ließ sich Sajaki von dieser Drohung mehr beeindrucken. Jedenfalls veränderte er die Einstellung um eine Winzigkeit und das Rot verblasste zu einem weniger bedrohlichen Rosa. »Ich dachte, die Implantate wären ausreichend gehärtet.«

»Es sind nur Prototypen, Yuuji-san.« Volyova trat an die Displays heran und sah sich die Werte an. »O nein… Sajaki, Sie sind ein Dummkopf. Ein verdammter Narr. Ich könnte schwören, dass Sie sie bereits beschädigt haben.« Es klang, als rede sie mit sich selbst.

Sajaki wartete schweigend. Khouri fürchtete schon, er würde plötzlich ausholen und Volyova mit einem einzigen Hieb töten. Doch dann verfinsterte sich seine Miene, und er stellte die Schalter auf ›Aus‹. Als die Displays erloschen waren, zog er Khouri den Helm vom Kopf.

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