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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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»Nein. Sollte das Risiko allerdings noch höher werden — sollte sich mit absoluter Klarheit herausstellen, das er getötet werden muss —, dann müssten wir uns wohl überlegen, was dazu erforderlich wäre.«

Khouri brauchte einen Moment, um zu begreifen, was Volyova damit sagen wollte.

»Selbstmord?«

Volyova nickte finster. »Doch bis dahin muss ich alles tun, was in meinen Kräften steht, um Sylvestes Wunsch zu erfüllen. Sonst bringe ich uns alle in Gefahr.«

»Du hast mich missverstanden«, widersprach Khouri. »Du unterstellst einfach, dass wir alle sterben müssen, wenn der Angriff gegen Cerberus keinen Erfolg hat, aber das sage ich doch gar nicht. Ich sage, dass auch dann etwas Schreckliches passiert, wenn der Angriff glückt. Das ist der Grund, warum die Mademoiselle Sylveste töten wollte.«

Volyova hatte die Lippen zusammengepresst und schüttelte entschieden den Kopf wie eine gestrenge Mutter, die ihr Kind zurechtweist.

»Ich kann nicht wegen einer vagen Vorahnung eine Meuterei anzetteln.«

»Dann muss ich es vielleicht tun.«

»Nimm dich in Acht, Khouri. Du musst sehr vorsichtig sein. Sajaki ist gefährlicher, als du dir vorstellen kannst. Er wartet nur auf einen Vorwand, um dir den Schädel aufzumeißeln und nachzusehen, was drin ist. Vielleicht wartet er auch gar nicht mehr. Und Sylveste… ich weiß nicht. Auch bei ihm sollte man sich gründlich überlegen, ob man ihm in die Quere kommen möchte. Besonders jetzt, wo er Blut gerochen hat.«

»Dann müssen wir auf Umwegen an ihn heran. Über Pascale. Verstehst du? Wenn ich den Eindruck gewinne, dass sie ihn zur Vernunft bringen kann, werde ich ihr alles offenbaren.«

»Sie wird dir nicht glauben.«

»Vielleicht doch, wenn du meine Geschichte bestätigst. Und das wirst du doch tun?« Khouri sah Volyova an. Der Triumvir erwiderte den Blick schweigend. Vielleicht hätte sie geantwortet, doch in diesem Moment zirpte ihr Armband. Sie zog den Ärmel zurück und schaute auf die Anzeige. Sie wurde oben im Schiff verlangt.

Wie immer erschien die Brücke viel zu groß. Die Hand voll Menschen, die sich in dem riesigen Raum verteilten, wirkten geradezu verlassen. Volyova überlegte kurz, ob sie einige der geliebten Toten beschwören sollte, um die Leere zu füllen und den Anlass ein wenig feierlicher zu gestalten. Aber das wäre eine Demütigung, und überhaupt war sie — obwohl sie sich so intensiv mit dem Projekt beschäftigt hatte — ganz und gar nicht in feierlicher Stimmung. Seit den jüngsten Gesprächen mit Khouri war auch der letzte Rest an Sympathie für das Unternehmen erloschen. Khouri hatte natürlich Recht — sie gingen schon ein unverantwortlich hohes Risiko ein, wenn sie sich nur in der Nähe von Cerberus/Hades aufhielten —, aber dagegen konnte sie nichts tun. Es ging auch nicht nur darum, dass das Schiff zerstört werden könnte. Khouri zufolge wäre es sogar besser, wenn das Schiff zerstört würde, als wenn es Sylveste gelänge, ins Innere von Cerberus vorzudringen. Das könnten zwar das Schiff und seine Besatzung überleben — aber das Glück wäre nur kurz, und was danach käme, wäre sehr viel schlimmer. Eine echte Katastrophe, nicht nur für Resurgam — nicht nur für dieses System —, sondern für die ganze Menschheit, wenn das, was Khouri über den Morgenkrieg erzählt hatte, nur halbwegs der Wahrheit entsprach.

Sie war im Begriff, den schlimmsten Fehler ihrer Laufbahn zu begehen, und es war nicht einmal ein Fehler im eigentlichen Sinn, denn sie hatte keine andere Wahl.

»Ich hoffe«, sagte Triumvir Hegazi, der auf seinem Sitz über ihr thronte, »der Aufwand lohnt sich, Ilia.«

Das hoffte sie auch — aber sie dachte nicht daran, Hegazi gegenüber ihre Bedenken einzugestehen. »Halten Sie sich vor Augen«, sagte sie, an alle gewandt, »dass es kein Zurück mehr gibt, wenn wir erst angefangen haben. Es könnte in jeder Hinsicht ein schlimmes Ende nehmen. Möglicherweise provozieren wir den Planeten zu einer unmittelbaren Reaktion.«

»Aber das muss nicht sein«, erklärte Sylveste. »Ich habe Ihnen wiederholt erklärt, dass Cerberus nichts unternehmen wird, was unerwünschte Aufmerksamkeit erregen könnte.«

»Dann wollen wir hoffen, dass Ihre Theorien richtig sind.«

»Ich denke, wir können unserem guten Doktor vertrauen«, sagte Sajaki, der neben Sylveste saß. »Er ist ebenso verwundbar wie wir alle.«

Volyova wollte die Sache gern hinter sich bringen. Sie beleuchtete das bisher noch dunkle Hologramm und füllte es mit einem Echtzeitbild der Lorean. Äußerlich zeigte das Wrack keinerlei Veränderung, seit sie es gefunden hatten — der Rumpf war immer noch durchsiebt von den Einschlägen, die ihn, wie sie inzwischen wussten, unmittelbar nach dem Angriff von Cerberus und der Zerstörung der Sonden getroffen hatten. Doch im Innern waren Volyovas Maschinen fleißig an der Arbeit gewesen. Zuerst hatte der Roboter, den sie ausgeschickt hatte, um Alicias Logbuch zu holen, nur einen kleinen Drohnenschwarm generiert. Doch dieser Schwarm hatte sich rasch vermehrt. Zur Förderung seines Wachstums hatte er Schiffsmetall konsumiert und sich an die schiffseigenen Replikations- und Autoreparatursysteme angeschlossen, von denen die meisten nach dem Angriff nicht mehr neu gestartet worden waren. So waren weitere Schwärme entstanden — und etwa einen Tag nach Einleitung des Fortpflanzungsprozesses hatten sie mit der eigentlichen Arbeit begonnen: der Transformation des Schiffsinnern und der Außenhülle. Ein flüchtiger Beobachter hätte von alledem nichts bemerkt. Aber bei jeder Aktivität entstand Wärme, und auch die äußerste Schicht des Schiffswracks hatte sich im Lauf der vergangenen Tage leicht erwärmt. Daran war die rege Aktivität im Innern zu erkennen.

Volyova strich über ihr Armband und vergewisserte sich noch einmal, dass alle Anzeigen im grünen Bereich waren. Gleich ging es los: was sie auch tat, der Prozess war nicht mehr aufzuhalten.

»Mein Gott«, sagte Hegazi.

Die Lorean veränderte sich, sie häutete sich. Große Teile der beschädigten Außenhülle lösten sich ab und bildeten einen Trümmerkokon um das Schiff, der sich langsam entfernte. Was darunter zum Vorschein kam, hatte die gleiche Form wie das Wrack, aber einen Panzer, der so glatt war wie die neue Haut einer Schlange. Die Transformation war nicht weiter schwierig gewesen — anders als die Unendlichkeit wehrte sich die Lorean nicht mit eigenen Replikationsviren gegen den Eingriff. Sie sträubte sich nicht gegen die Hand des Bildhauers. Die Unendlichkeit war so schwer zu bearbeiten wie Feuer; verglichen damit war das andere Schiff wie Wachs in Volyovas Händen.

Als immer mehr Trümmer abfielen, drehte sich die Lorean um ihre Längsachse, und der Blickwinkel veränderte sich. Die Synthetiker-Triebwerke waren noch funktionsfähig und blieben am Rumpf befestigt — doch gesteuert wurden sie jetzt von Volyovas Armband aus. Wahrscheinlich hätten sie nie wieder die erforderliche Leistung erbracht, um das Schiff auf knapp unter Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, aber das hatte Volyova auch nicht vor. Die Lorean hatte nur noch eine Reise vor sich — ihre endgültig letzte — und die war fast beschämend kurz. Das Schiff war jetzt nahezu hohl, alles, was sich in seinem Innern befunden hatte, war komprimiert und zur Verstärkung des konischen Rumpfs verwendet worden. Der Kegel war unten offen; das Schiff glich einem riesigen, spitzen Fingerhut.

»Dan«, sagte Volyova. »Meine Maschinen haben Alicias Leiche und natürlich auch die Leichen der anderen Besatzungsmitglieder gefunden. Die meisten Meuterer hatten im Kälteschlaf gelegen… aber auch sie haben den Angriff nicht überlebt.«

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Wenn Sie wollen, kann ich sie bergen lassen. Das kostet natürlich Zeit — wir müssten ein Shuttle hinüber schicken, um sie hierher zu bringen.«

Sylveste entschied sich schneller, als sie erwartet hatte. Sie hatte angenommen, er würde sich bis zu einer Stunde Bedenkzeit erbitten. Stattdessen sagte er: »Nein. Wir können uns keine Verzögerung mehr leisten. Sie haben Recht. Cerberus hat die Aktivitäten sicher bemerkt.«

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