Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
Jetzt fuhren die Maschinen Teleskoparme mit Sensoren an der Spitze aus: magnetische Resonanz-Scanner, die tief in das Seuchengewebe eindrangen und zwischen mechanischen, chimärischen und ehemals menschlichen organischen Schichten unterscheiden konnten. Sylveste ließ sich von den Drohnen alle Daten an seine Augen übermitteln. Die Bilder überlagerten den Captain wie ein lilafarbener Schleier. Nur mit Mühe konnte er die letzten Umrisse der menschlichen Larve erkennen, aus der sich dieses Gebilde entwickelt hatte; sie zeichneten sich ab wie ein Geisterbild unter den neuen Farbschichten auf einer wiederverwendeten Leinwand. Aber je tiefer die Resonanz-Scanner vordrangen, desto schärfer wurden die Konturen. Die bizarre Anatomie des Seuchenopfers schälte sich heraus. Nun war das Grauen kaum noch zu ertragen. Aber Sylveste konnte den Blick nicht abwenden.
»Wo sollen wir — ich meine, wo willst du anfangen?«, fragte er, ohne Calvin anzusehen. »Heilen wir einen Menschen oder sterilisieren wir eine Maschine?«
»Keines von beiden«, sagte Calvin trocken. »Wir helfen dem Captain, und ich fürchte, er hat den einen wie den anderen Zustand hinter sich gelassen.«
»Bewundernswert klar erkannt«, sagte Sajaki und zog sich aus der Kältezone zurück, damit Sylveste freie Sicht hatte. »Es geht nicht mehr um Heilung oder um Reparatur. Ich ziehe den Begriff Rekonstruktion vor.«
»Erwärmen Sie ihn«, verlangte Calvin.
»Wie?«
»Sie haben schon richtig gehört. Ich will, dass er erwärmt wird — nur vorübergehend, keine Sorge. Aber doch so lange, dass wir einige Gewebeproben entnehmen können. Volyova hat sich bei ihren Untersuchungen meines Wissens auf die Peripherie des verseuchten Gewebes beschränkt. Sie war sehr fleißig und hat gute Arbeit geleistet; die von ihr entnommenen Proben geben nicht nur wertvolle Hinweise auf das Wachstumsverhalten, sie waren natürlich auch unentbehrlich für die Entwicklung des Retrovirus. Aber jetzt müssen wir in den Kern vordringen; dorthin, wo noch lebendes Fleisch ist.« Er lächelte. Der angeekelte Ausdruck, der über Sajakis Gesicht huschte, bereitete ihm ein diebisches Vergnügen. Vielleicht ist doch eine gewisse Empathie vorhanden, dachte Sylveste — zumindest ein verkümmerter Rest dessen, was einmal war. Für einen Moment fühlte er sich dem Triumvir verwandt.
»Was interessiert Sie daran so sehr?«
»Seine Zellen natürlich.« Calvin spielte mit den Schnörkeln an seinen Armlehnen. »Man sagt, die Schmelzseuche zerstört unsere Implantate, indem sie die Replikationsfunktionen angreift, und vermengt sie mit dem Fleisch. Ich denke, es geht noch weiter. Ich denke, die Seuche strebt nach Hybridisierung — sie versucht, ein Gleichgewicht zwischen Leben und Cybernetik zu finden. Genau das tut sie hier — sie ist nicht bösartig, sie ist nur bemüht, den Captain, seine Cybernetik und das Schiff zu hybridisieren. Es ist geradezu eine gute Tat, ein Projekt mit künstlerischem Anspruch.«
»Wenn Sie an seiner Stelle wären, würden Sie das nicht so ausdrücken«, sagte Sajaki.
»Natürlich nicht. Deshalb will ich ihm ja helfen. Aber dazu muss ich ins Innere seiner Zellen sehen können. Ich möchte wissen, ob die Seuche seine DNA in Mitleidenschaft gezogen hat — ob sie versucht, seine eigenen Zellmechanismen zu übernehmen.«
Sajaki wies einladend in die Kälte. »Wenn das so ist, dann nur zu. Sie haben meine Erlaubnis, ihn zu erwärmen. Aber nicht länger als unbedingt nötig. Dann möchte ich ihn bis zur Operation wieder einfrieren. Und ich möchte nicht, dass die Proben dieses Deck verlassen.«
Sylveste bemerkte, dass die ausgestreckte Hand des Triumvirs zitterte.
»Alles hat mit einem Krieg zu tun«, sagte Khouri im Spinnenraum. »So weit ist mir die Sache klar. Sie nannten ihn den Morgenkrieg. Es war vor langer, langer Zeit, vor Millionen von Jahren.«
»Woher willst du das wissen?«
»Die Mademoiselle hat mir eine Lektion in galaktischer Geschichte verpasst, um mir zu zeigen, was auf dem Spiel steht. Und es hat funktioniert. Kannst du mir nicht einfach glauben, dass es nicht gut wäre, Sylveste bei seinem Vorhaben zu unterstützen?«
»Dieser Meinung bin ich doch ohnehin nie gewesen.«
Das kannst du erzählen, wem du willst, dachte Khouri. Volyova war immer noch von einer geradezu kindlichen Neugier auf Cerberus/Hades besessen, und diese Neugier war sogar noch stärker geworden, seit sie wusste, dass dort Gefahren lauerten. Vorher hatte das Rätsel aus einer einzelnen ungewöhnlichen Neutrino-Signatur bestanden. Jetzt hatte sie dank Alicias Aufzeichnung die Maschinen der Aliens mit eigenen Augen gesehen. Nein; in gewisser Hinsicht war Volyova von dem Planeten ebenso fasziniert wie Sylveste. Der Unterschied war nur, dass man mit ihr vernünftig reden konnte. Volyova besaß noch einen Rest von gesundem Menschenverstand.
»Glaubst du, wir hätten eine Chance, Sajaki von den Risiken zu überzeugen?«
»Kaum. Wir haben ihm zu viel verheimlicht. Schon deshalb würde er uns töten. Ich fürchte immer noch, er könnte dich trawlen. Eben hat er erst wieder davon gesprochen. Ich konnte ihn ablenken, aber…« Sie seufzte. »Wie auch immer, Sylveste hat jetzt die Fäden in der Hand. Was Sajaki will oder nicht, spielt kaum noch eine Rolle.«
»Dann müssen wir Sylveste umstimmen.«
»Das wird nicht funktionieren, Khouri. Er wäre selbst vernünftigen Argumenten nicht zugänglich — und was du mir eben erzählt hast, fällt noch nicht einmal in diese Kategorie.«
»Aber du glaubst mir.«
Volyova hob die Hand. »Ich glaube manches, Khouri — aber das ist nicht dasselbe. Ich habe einige Dinge erlebt, von denen du behauptest, sie erklären zu können, zum Beispiel den Vorfall mit dem Weltraumgeschütz. Und wir wissen, dass mächtige Fremdintelligenzen irgendwie die Hand im Spiel haben, deshalb kann ich deine Morgenkriegsgeschichte nicht völlig verwerfen. Aber den großen Überblick haben wir noch lange nicht.« Sie hielt inne. »Vielleicht, wenn ich mit der Analyse dieses Metallstücks fertig bin…«
»Welches Metallstücks?«
»Das Manoukhian dir heimlich eingepflanzt hat.« Und dann erzählte Volyova, wie sie das Stück gefunden hatte, als sie Khouri nach ihrer Anwerbung untersuchte. »Damals dachte ich, es handelt sich nur um einen Granatsplitter aus deiner Soldatenzeit. Und ich fand es merkwürdig, dass eure Ärzte ihn nicht gleich entfernt hatten. Vermutlich hätte ich sofort feststellen müssen, wie ungewöhnlich er ist… aber es war kein funktionstaugliches Implantat, sondern eben nur ein scharfkantiges Stück Metall.«
»Und du bist noch nicht dahinter gekommen, was es ist?«
»Nein, ich…« Volyova sprach die Wahrheit. Hinter der kleinen Scherbe steckte sehr viel mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen war. Die Metallmischung war selbst für jemanden, der schon mit den ausgefallensten Legierungen gearbeitet hatte, ziemlich ungewöhnlich. Auch, sagte Volyova, habe sie verschiedene bizarre Fabrikationsfehler gefunden, aber das könnten auch später aufgetretene mechanische Spannungsrisse sein, Ermüdungserscheinungen im Nanobereich. »Immerhin bin ich fast am Ziel«, schloss sie.
»Vielleicht verrät uns das Ding, was wir wissen müssen. Aber eines wird sich dadurch nicht ändern. Ich kann die einzige Tat, die uns aus dem Schlamassel heraus helfen würde, nicht vollbringen, nicht wahr? Ich kann Sylveste nicht töten.«