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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Als er aufstand, wurde ihm für einen Moment schwindlig, dann stellte er fest, dass er Hunger hatte. Er ging zur Tür der Scheune und spähte hinaus. Mehrere Häuser umgaben die Scheune, aber nirgendwo regte sich etwas. Das Gebäude, das ihm am nächsten stand, erschien ihm vertraut. Ein Frösteln überlief ihn, als ihm klar wurde, dass dies das Haus war, in dem er Kariko gegenübergestanden hatte.

Es widerstrebte ihm zutiefst, den Schutz der Scheune zu verlassen. Diese Sachakaner waren vielleicht noch im Dorf und suchten nach Ersatz für ihre zerstörten Wagen. Er sollte bis zum Anbruch der Dämmerung warten und sich dann in der Dunkelheit davonstehlen.

Dann sah er den Magier, der vor der Hintertür des Hauses lag. In der vergangenen Nacht war er noch nicht dort gewesen. Es konnte sich nur um einen Magier handeln: Lord Yikmo.

Rothen trat ins Sonnenlicht und eilte zu der rotgewandeten Gestalt hinüber. Er packte Yikmos Schulter und rollte ihn herum. Die Augen des Magiers starrten blicklos zum Himmel empor.

Streifen getrockneten Blutes zogen sich über die Wange des Kriegers. Seine Roben waren zerrissen und mit Staub bedeckt. Rothen erinnerte sich an den Augenblick, als der vordere Teil des Hauses nach innen explodiert war. Er hatte angenommen, dass Yikmo entkommen war. Stattdessen war er offensichtlich von der Wucht des Zaubers tödlich verletzt worden.

Rothen schüttelte den Kopf. Yikmo hatte in der Gilde Ansehen und Bewunderung genossen. Obwohl er als Magier nicht besonders stark gewesen war, hatten sein scharfer Verstand und seine Fähigkeit, Novizen mit Lernschwierigkeiten zu unterrichten, ihm große Wertschätzung sowohl von Balkan als auch von Akkarin eingetragen.

Und das war auch der Grund, warum Akkarin ihn zu Soneas Lehrer bestimmt hat, dachte Rothen. Ich glaube, sie mochte Yikmo. Die Nachricht von seinem Tod wird sie sehr bekümmern.

Ebenso wie den Rest der Gilde. Er überlegte kurz, ob er die Gilde von dem Geschehenen in Kenntnis setzen sollte, aber irgendetwas ließ ihn zögern. Aus dem Schweigen, das auf die Schlacht gefolgt war, musste die Gilde geschlossen haben, dass alle ihre Magier den Tod gefunden hatten. Die Sachakaner konnten sich nicht sicher sein. Es ist das Beste, nichts preiszugeben, was sie nicht ohnehin schon wissen, dachte er.

Schließlich richtete er sich auf und ging auf das Haus zu. Vorsichtig trat er ein und näherte sich dem vorderen Raum. Dort, wo früher die Mauer gewesen war, führte jetzt ein klaffendes Loch auf die Straße hinaus. In der Mitte der Durchgangsstraße lagen die Überreste von zwei Karren.

Sie sind fort.

Drei Leichen lagen zwischen den Trümmern. Rothen besah sich die Häuser zu beiden Seiten, dann setzte er sich vorsichtig in Bewegung.

»Magier!«

Er wirbelte herum und entspannte sich dann, als ein Junge auf ihn zugelaufen kam. Rothen erinnerte sich an ihn; er war unter den Menschen gewesen, die sie aus dem Dorf weggeschickt hatten. Es hatte einiger energischer Worte von Yikmo bedurft, um den Jungen davon abzuhalten, dazubleiben und den Kampf zu beobachten.

»Was machst du hier?«, fragte Rothen.

Der Junge blieb stehen, und die ungelenke Verneigung, mit der er Rothen begrüßte, war beinahe komisch. »Ich bin zurückgekommen, um zu sehen, was passiert ist, Mylord«, antwortete er. Sein Blick wanderte zu den Karren. »Sind das die Feinde?«

Rothen trat auf die Leichen zu und untersuchte sie. Es waren allesamt Sachakaner. Er bemerkte die zahlreichen Narben auf ihren Armen. »Sklaven«, sagte er. Dann schaute er genauer hin. »Anscheinend sind sie verletzt worden, als wir die Karren gesprengt haben. Sie haben üble Wunden davongetragen, aber nichts, was man nicht hätte heilen können, und nichts, was sie so schnell getötet hätte.«

»Ihr glaubt, die Sachakaner töten ihre eigenen Leute?«

»Möglicherweise.« Rothen straffte sich und betrachtete einen toten Sachakaner nach dem anderen. »Ja. Diese Schnittwunden an ihren Handgelenken stammen nicht von Holzsplittern.«

»Wahrscheinlich wollten sie nicht, dass ihre Sklaven ihr Fortkommen behindern«, sagte der Junge.

»Hast du dich im Dorf umgesehen?«, erkundigte sich Rothen.

Der Junge nickte.

»Hast du noch andere Magier der Gilde gefunden?«

Der Junge nickte abermals, dann senkte er den Blick. »Sie waren jedoch alle tot.«

Rothen seufzte. »Gibt es noch irgendwo Pferde?«

Der Junge grinste. »Nicht hier, aber ich kann Euch eins besorgen. Mein Pa bildet Rennpferde für das Haus Arran aus. Der Besitz liegt ganz in der Nähe. Ich kann dort hinlaufen und in einer halben Stunde zurück sein.«

»Dann geh und hol mir ein Pferd.« Rothen betrachtete seine Umgebung. »Und bring auch ein paar Männer mit, die sich um die Leichen kümmern.«

»Wo sollen die Leichen hin? Auf den Friedhof von Calia?«

Ein Friedhof. Rothen dachte an den rätselhaften Friedhof in dem Wald hinter der Gilde, dann fielen ihm Akkarins Behauptungen wieder ein, dass schwarze Magie vor ihrer Ächtung allgemein gebräuchlich gewesen sei. Plötzlich war ihm der Grund für die Existenz dieser Gräber nur allzu klar.

»Ja, schaff die Leichen fürs Erste zum Friedhof«, antwortete Rothen. »Ich werde bleiben, um sie zu identifizieren, und dann in die Stadt reiten.«

Wie so viele der Menschen vor ihr zögerte die Frau, die in den Raum trat, als sie Sonea sah.

»Ich weiß, der Schleier ist ein wenig dick aufgetragen«, sagte Sonea mit dem schweren Akzent, der in den Hüttenvierteln allgemein verbreitet war. »Ich soll ihn tragen, damit niemand erfährt, wer die Magier der Diebe sind.« Der Schleier war Takans Idee gewesen. Auf diese Weise würden nicht einmal die etwa hundert potenziellen Magier, von denen sie Kraft nahm, sie sehen. Akkarin, der im Nebenzimmer ebenfalls Hüttenleute empfing, trug eine Maske.

»Sonea?«, flüsterte die Frau.

Sonea fuhr erschrocken auf. Sie sah genauer hin, und als sie die Frau erkannte, nahm sie den Schleier ab.

»Jonna!«

Sonea lief um den Tisch herum und drückte ihre Tante fest an sich.

»Du bist es wirklich«, sagte Jonna, die einen Schritt zurückgetreten war, um Sonea anzuschauen. »Ich dachte, die Gilde hätte dich weggeschickt?«

»Das hat sie auch getan.« Sonea grinste. »Ich bin zurückgekommen. Wir können schließlich nicht zulassen, dass die Sachakaner unsere Stadt in Unordnung bringen, nicht wahr?«

Verschiedene Gefühle spiegelten sich auf den Zügen der Frau. Angst und Sorge machten schließlich einem schiefen Lächeln Platz. »Du verstehst dich wahrhaftig darauf, dich immer wieder in die Klemme zu bringen.« Sie sah sich im Raum um. »Sie haben mich stundenlang warten lassen. Ich dachte, ich sollte vielleicht kochen oder etwas Ähnliches tun, aber dann haben sie mir erzählt, ich hätte irgendeine magische Fähigkeit und solle ihren Magiern helfen.«

»Wirklich?« Sonea führte ihre Tante zu einem Stuhl und kehrte anschließend zu ihrem eigenen Platz auf der anderen Seite des Tisches zurück. »Dann muss ich mein Talent wohl von der mütterlichen Seite haben. Gib mir deine Hand.«

Jonna tat wie geheißen. Sonea griff nach der Hand ihrer Tante und sandte ihre Sinne aus. Sie entdeckte eine kleine Kraftquelle. »Es ist nicht viel. Deshalb haben sie dich warten lassen. Wie geht es Ranel und euren Kindern?«

»Kerrel wächst ziemlich schnell. Hania ist ein Schreikind, aber ich tröste mich damit, dass sie diese Angewohnheit bald ablegen wird. Wenn Ranel wüsste, dass du hier bist, wäre er mitgekommen, aber er dachte, dass er wegen seines Hinkens wohl kaum von Nutzen sein würde.«

»Ich würde ihn schrecklich gern wiedersehen. Vielleicht wenn all das… ich werde die Haut auf deinem Handrücken einritzen, wenn du damit einverstanden bist.«

Jonna zuckte die Achseln. Sonea öffnete eine Schachtel auf dem Tisch und nahm das winzige Messer heraus, das Cery ihr gegeben hatte. Er war der Meinung gewesen, dass eine kleine Klinge den Hüttenleuten weniger Angst machen würde als eine große. Diese hier war so winzig, dass sie einige ihrer Besucher zum Lachen gebracht hatte.

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