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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Sarah hatte also geschrieben. Von der schleunigen Abreise überrascht, hatte sie sich entschlossen, den Brief vor dem Verlassen von Tetuan zu verbrennen.

Oder – was sehr leicht möglich war – der Brief war bei Sarah gefunden und von Sarcany oder Namir verbrannt worden.

Auf den Papierresten, die der Wind ganz zu Asche machen konnte, hoben sich noch einige Worte in schwarzer Schrift ab – unter Anderem stand da, unglücklicherweise unvollständig: »Fr.. Bath…«

Sarah, die nicht wußte und nicht wissen konnte, daß Frau Bathory aus Ragusa verschwunden war, hatte wahrscheinlich versucht, der einzigen Person auf dieser Welt, von der sie auf Beistand hoffen konnte, zu schreiben.

Neben dem Namen der Frau Bathory konnte man einen anderen ebenfalls entziffern – denjenigen ihres Sohnes….

Peter, der seinen Athem anhielt, versuchte noch ein vielleicht lesbares Wort ausfindig zu machen… Doch sein Blick hat sich getrübt… Er sah nichts mehr…

Es stand aber noch ein Wort da, welches auf die Spur des jungen Mädchens leiten konnte – ein Wort, welches der Doctor fast unverletzt auffand…

»Tripoli,« rief er.

Also in der Regentschaft von Tripolis, in seinem Geburtslande, wo er unbedingte Sicherheit finden mußte, hatte Sarcany seine Zuflucht gesucht. Dieser Provinz entgegen bewegte sich die Karawane, die nun schon einen fünfwöchentlichen Marsch hinter sich hatte.

»Nach Tripolis!« sagte der Doctor.

Noch am selben Abend hatte der »Electric 2« das Meer wieder gewonnen. Sarcany, der sich gewiß beeilte, die Hauptstadt der Regentschaft zu erreichen, konnte höchstens einige Tage vor ihnen dort ankommen.

Zweites Capitel.

Das Fest der Störche.

Am 23. November bot die Ebene von Sung-Ettelateh, die sich außerhalb der Mauern von Tripolis ausbreitet, einen merkwürdigen Anblick dar. Wer hätte an jenem Tage behaupten wollen, ob diese Ebene dürr oder fruchtbar ist?

Ihre Oberfläche bedeckten vielfarbige Zelte, die mit Quasten und in schreienden Farben gehaltenen Fähnchen ausstaffirt waren; elende Schänken, deren verblichene und vielfach geflickte Leinwandumhüllungen ihre Gäste gegen die unfreundliche »Gibly«, den trockenen Südwind, nur unzulänglich beschützen konnten; hier und dort sah man Gruppen von reich nach orientalischer Manier aufgeschirrten Pferden, von Meharis, die ihre platten Köpfe, welche wie halbleere Schläuche aussahen, im Sande ausstreckten, von kleinen Eseln, die wie große Hunde aussahen und großen Hunden, die kleinen Eseln ähnelten, von Mauleseln, die den riesigen arabischen Sattel trugen, dessen Sattelbausch und Sattelknopf sich abrunden wie die Höcker des Dromedars; Reiter mit Flinten über dem Rücken, Knien in Brusthöhe, Füßen, die in pantoffelartigen Steigbügeln steckten, mit dem doppelten Säbel im Gürtel; sie galoppirten durch die Menge von Männern, Frauen und Kindern, ohne sich im Geringsten zu scheeren, ob Jemand ihnen im Wege stand; schließlich Eingeborene die fast ohne Unterschied in den Burnus gehüllt waren, unter welchem man einen Mann nicht von einer Frau unterscheiden könnte, wenn nicht die Männer die Falten dieses Mantels auf der Brust mit Hilfe eines kupfernen Schlosses zusammenhalten würden, während die Frauen den oberen Zipfel so über das Gesicht fallen lassen, daß nur das linke Auge sichtbar bleibt – ein Kostüm, welches je nach dem Stande seiner Träger variirt, denn die Armen tragen nur den einfachen, leinenen Mantel, unter dem sich ihr bloßer Körper zeigt, die Wohlhabenden tragen die Jacke und das breite Beinkleid der Araber, die Reichen kostbaren, weiß und blau carrirten Schmuck auf einem zweiten Gazemantel, auf dem die leuchtende Seide sich mit dem Matt der Wolle über dem mit goldenen Flittern besetzten Hemde mischt.

Doch nicht Tripolitaner allein bewegten sich auf der weiten Ebene. An den Ausgängen der Hauptstadt drängten sich Kaufleute aus Ghadames und Sokna mit dem Gefolge ihrer schwarzen Sclaven; ferner Juden und Jüdinnen der Provinz; sie zeigten unverhüllte, schmutzige Gesichter nach der Sitte des Landes und waren in wenig geschmackvoller Form »behost«; sodann Neger; sie waren aus einem benachbarten Orte gekommen und hatten ihre elenden Kabachen aus Binsen und Palmen verlassen, um Theil an dieser öffentlichen Lustbarkeit zu nehmen – ihre Kleidung zeichnete sich weniger durch den Aufwand an Leinen, als vielmehr an Schmucksachen, dicken Kupferarmringen, Halsketten mit Muschelwerk, »Rivieren« von Thierzähnen, silbernen Ringen in den Ohrläppchen und Nasenknorpeln aus; schließlich Benulier, Awagnjer, aus dem Küstenlande der großen Syrte stammend, denen die Dattelpalme ihres Landes Wein, Früchte, Brod und Näschereien liefert. Inmitten dieser Ansammlung von Mauren, Berbern, Türken, Beduinen und selbst von »Mußafirs«, das heißt Europäern, promenirten Paschas, Scheiks, Kadis, Kaïds, alle Edelleute der Ortschaft; sie spalteten die Menge der Raayas, die sich demüthig und vorsichtig vor dem blanken Säbel der Soldaten oder dem Polizistenstocke der Zaptiehas öffnete, wenn mit seiner erhabenen Gleichgiltigkeit der Generalgouverneur dieser afrikanischen Provinz des türkischen Reiches, deren Verwaltung vom Sultan selbst abhängt, vorüberschritt.

Während man mehr als eine Million fünfmalhunderttausend Einwohner auf Tripoli rechnet, nebst sechstausend Mann Soldaten, besitzt die Stadt Tripolis für sich allein höchstens nur zwanzig-bis fünfundzwanzigtausend Seelen. An jenem Tage aber konnte man dreist behaupten, daß die Bevölkerung durch den Zufluß der Neugierigen, die von allen Seiten des Festlandes hergeströmt waren, sich verdoppelt hatte. Diese »Landleute« hatten allerdings kein Unterkommen in der Hauptstadt der Regentschaft selbst gesucht. Weder die Häuser, deren schlechte Baumaterialien sie bald in Trümmer fallen lassen, noch die engen, pflasterlosen, gewundenen Straßen – man könnte sie fast himmellose nennen –, noch das an den Molo grenzende Stadtviertel, in welchem sich die Consulate befinden, noch der westliche Theil, wo die Juden ansässig sind, noch die für die Bedürfnisse der muselmännischen Rasse ausreichenden sonstigen Theile der Stadt wären, innerhalb der wenig elastischen Mauern der Umwallung, einem solchen Völkerstrome gewachsen gewesen.

Die Ebene von Sung-Ettelateh jedoch war groß genug für die Menge der Zuschauer, die zu dem Feste der Störche, dessen Andenken noch immer in den orientalischen Ländern Afrikas in Ehren gehalten wird, zusammengeströmt war. Diese Ebene – ein gelbsandiges Stück der Sahara, welche das Meer vielfach bei Ostwind überfluthet – umgibt die Stadt auf drei Seiten und mißt in der Breite ungefähr einen Kilometer. An ihrem südlichen Ende entwickelt sich – ein wundersam berührender Gegensatz – die Oase der Mendschjeh mit dem blendenden Weiß ihrer Bauten, ihren Gärten und Orangen-, Citronen-, Dattelbäumen, den Massen ihrer grünenden Gesträuche und Blumen, ihren Antilopen. Gazellen, Flamingos – eine riesige Enclave, auf der sich eine Bevölkerung von mindestens dreißigtausend Einwohnern vorfindet. Jenseits der Oase beginnt die Wüste, die mit keinem anderen ihrer Endpunkte dem Mittelmeere so nahe kommt wie hier; die Wüste beginnt dort mit ihren wandernden Dünen, ihrem unendlichen Sandteppiche, auf dem, wie Baron von Krafft sagt, »der Wind ebenso wie auf dem Meere Wellen formt«, das lybische Meer, dem selbst die aus undurchdringlichem Staube sich bildenden Nebel nicht fehlen.

Tripolis – ein fast ebenso großes Gebiet, wie Frankreich selbst ist, umfassend – breitet sich zwischen der Regentschaft von Tunis, Aegypten und der Sahara aus und nimmt über dreihundert Kilometer des Gestades des Mittelländischen Meeres ein.

In diese Provinz, eine der am wenigsten bekannten Nordafrikas, in der man vielleicht am allerlängsten sich allen Nachforschungen entziehen kann, hatte sich Sarcany nach dem Verlassen von Tetuan geflüchtet. Tripolitaner von Geburt, war es nur natürlich, daß er in sein Heimatland, auf den Schauplatz seiner ersten Versuche, zurückkehrte. Wie man nicht vergessen haben wird, war er überdies mit der furchtbarsten Secte Nordafrika’s sehr bekannt, er wußte also, daß er bei den Senusisten, deren Agent in der Fremde behufs Beschaffung von Waffen und Munition er zu sein nie aufgehört hatte, ausreichenden Schutz finden würde. Deshalb hatte er sich auch sofort nach seiner Ankunft in Tripolis in dem Hause des Moyaddems Sidi Hazam, des wohlbekannten Chefs der Sectenbrüder dieses Districtes, einquartiert.

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