Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
– Ja… er muß sprechen, erwiderte der Doctor.
– Augenblicklich!
– Augenblicklich!«
Doctor Antekirtt, Frau Bathory und Peter wären nicht im Stande gewesen, länger in dieser Ungewißheit zu verharren.
Luigi, der sich mit Pointe Pescade und Kap Matifu im großen Saale des Stadthauses befand, wo Maria sich ihnen beigesellt hatte, wurde alsbald herbeibefohlen. Er erhielt den Auftrag, sich von Kap Matifu nach dem Fort begleiten zu lassen und Silas Toronthal herzuführen.
Eine Viertelstunde später verließ der Banquier die Kasematte, welche ihm zum Gefängniß gedient hatte; sein Gelenk wurde von der breiten Hand Kap Matifu’s umklammert; so gingen sie die große Straße von Artenak entlang. Luigi, den er gefragt, wohin man ihn führe, hatte ihm keine Antwort geben wollen. Der Banquier war deshalb sehr besorgt, umsomehr, als er noch immer nicht wußte, welches die mächtige Persönlichkeit war, in deren Gewalt er sich seit seiner Verhaftung befand.
»Zum letzten Male, wo befindet sich Sarah?« (S. 499.)
Silas Toronthal betrat den Saal; Luigi ging ihm voran, während Kap Matifu ihn noch immer festhielt. Er bemerkte zuerst Pointe Pescade, denn Frau Bathory und ihr Sohn hielten sich noch abseits. Plötzlich befand er sich dem Doctor gegenüber, mit dem in Verbindung zu kommen er sich bei dessen Aufenthalt in Ragusa vergeblich abgemüht hatte.
»Sie… Sie?« rief er.
Dann sich aufraffend meinte er:
»Ah, also der Herr Doctor Antekirtt ist es, der mich auf französischem Gebiete hat festnehmen lassen…. Also er hält mich gegen jedes Recht als Gefangenen zurück…
– Doch nicht gegen jede Gerechtigkeit, antwortete der Doctor.
– Und was habe ich Ihnen gethan? fragte der Banquier, dem die Anwesenheit des Doctors ersichtlich Vertrauen einflößte. Wollen Sie mir, bitte, sagen, was ich Ihnen gethan habe?
– Mir?… Sie werden es erfahren, erwiderte der Doctor. Aber vorher, Silas Toronthal, fragen Sie nur, was Sie dieser unglücklichen Frau gethan haben…
– Frau Bathory! rief der Banquier und wich vor der Witwe zurück, die langsam auf ihn zukam.
– Und ihrem Sohne, setzte der Doctor hinzu.
– Peter!… Peter Bathory!« stammelte Silas Toronthal.
Er wäre entschieden zusammengesunken, wenn Kap Matifu ihn nicht mit unentrinnbarer Kraft auf seinem Platze aufrecht gehalten hätte.
Peter Bathory, den er für todt hielt, dessen Leichenzug er hatte vorüberziehen sehen, Peter, den man auf dem Kirchhofe von Ragusa begraben hatte, dieser Peter stand vor ihm, wie ein dem Grabe entstiegenes Gespenst. Seine Gegenwart machte Silas Toronthal mürbe. Er begann zu begreifen, daß er der Vergeltung für seine Thaten nicht entgehen würde…. Er fühlte sich verloren.
»Wo ist Sarah? fragte der Doctor barsch.
– Meine Tochter?
– Sarah ist nicht Ihre Tochter!… Sarah ist die Tochter des Grafen Sandorf, den Sarcany und Sie in den Tod getrieben, nachdem Sie ihn und seine beiden Genossen, Stephan Bathory und Ladislaus Zathmar, feiger Weise verrathen haben.«
Diese förmliche Anklage vernichtete den Banquier vollends. Der Doctor Antekirtt wußte nicht nur, daß Sarah nicht seine Tochter wäre, er wußte sogar auch, daß sie die Tochter des Grafen Sandorf sei. Er wußte wie und durch wen die Verschwörer von Triest angezeigt worden waren. Die ganze schmachvolle Vergangenheit von Silas Toronthal war mit einem Male wieder lebendig geworden.
»Wo ist Sarah? fragte der Doctor von Neuem, der nur mit Hilfe seiner aufgebotenen Willensstärke an sich hielt. Wo ist Sarah, die Sarcany, Ihr Genosse bei allen Schandthaten, vor fünfzehn Jahren aus dem Schlosse Artenak gestohlen hat?… Wo ist Sarah, welche der Elende an einem Orte zurückhält, den Sie kennen müssen, denn Jener will ihr die Einwilligung zu einer Ehe entreißen, welche sie für eine Schmach hält…. Zum letzten Male, wo befindet sich Sarah?«
So erschreckend auch die Haltung des Doctors war, so drohend auch seine Worte klangen, Silas Toronthal antwortete nicht. Er hatte begriffen, daß die gegenwärtige Lage des jungen Mädchens ihm als Lebensschutz dienen mußte. Er fühlte, daß sein Leben unangetastet bleiben würde, so lange er sich noch im Besitze dieses letzten Geheimnisses befand.
»Hören Sie mich, Silas Toronthal, sagte der Doctor, der seine Kaltblütigkeit wiedergewonnen hatte, hören Sie mich. Sie glauben vielleicht Ihren Genossen schonen zu müssen. Sie fürchten vielleicht, ihn bloßzustellen, wenn Sie reden würden. Merken Sie sich: Sarcany hat, um sich Ihres Schweigens versichert zu halten, nachdem er Sie ruinirt hatte, versucht, Sie zu ermorden, gerade wie er Peter Bathory in Ragusa erstochen hat…. So ist es!… In dem Augenblicke, als meine Vertreter sich Ihrer auf der Straße nach Nizza bemächtigten, war er im Begriff, Sie anzufallen…. Bestehen Sie jetzt noch auf Ihr Schweigen?«
Silas Toronthal war in die Idee wie verbohrt, daß sein Schweigen seinen Gegner zu seiner Schonung nöthigen würde. Er antwortete daher abermals nicht.
»Wo ist Sarah… wo ist Sarah? rief der Doctor, der sich nun von seiner Erregung hinreißen ließ.
– Ich weiß es nicht… ich weiß es nicht,« antwortete der Banquier, entschlossen, sein Schweigen fortzusetzen.
Plötzlich stieß er einen markerschütternden Schrei aus und wand sich vor Schmerzen; er versuchte vergebens, Kap Matifu zurückzustoßen.
»Gnade!… Gnade!« wimmerte er.
Kap Matifu hatte, vielleicht unbewußt, des Banquiers Hand mit der seinen etwas gequetscht.
»Werden Sie reden?
– Ja… ja… Sarah… Sarah… stöhnte Silas Toronthal, der nur in abgebrochenen Worten zu reden vermochte, ist im Hause von Namir… der Spionin Sarcany’s… in Tetuan.«
Kap Matifu ließ den Arm Toronthals fahren, der völlig abgestorben herniedersank.
»Führt den Gefangenen zurück, sagte der Doctor. Wir wissen jetzt, was wir wissen wollten.«
Luigi führte Silas Toronthal zum Stadthause hinaus und in die Kasematte zurück.
Sarah in Tetuan! Als der Doctor Antekirtt und Peter Bathory vor zwei Monaten in Ceuta waren, um den Spanier aus dem Präsidio zu holen, hatten sie nur wenige Meilen von dem Orte getrennt, wo die Marokkanerin das junge Mädchen gefangen hielt.
»Heute Nacht noch fahren wir nach Tetuan, Peter,« sagte der Doctor gelassen.
Damals führte die Eisenbahn noch nicht von Tunis direct an die Grenze Marokkos. Um in möglichst kurzer Zeit nach Tetuan zu gelangen, war es daher am Gerathensten, sich auf einem der elektrischen Eilschiffe der Flotte von Antekirtta einzuschiffen.
Vor Mitternacht noch war der »Electric 2« in See gegangen und durchflog nun das Meer der Syrten.
An Bord befanden sich nur der Doctor, Peter, Luigi, Pointe Pescade und Kap Matifu. Sarcany kannte nur Peter, die Uebrigen nicht. Sobald man in Tetuan angekommen war, wollte man das Nähere beschließen. Ob man mit List oder Gewalt vorgehen würde, das sollte ganz von der Stellung Sarcany’s in dieser rein marokkanischen Stadt, von seiner Installation im Hause Namir’s, von dem Personal abhängen, über welches er verfügte. Vor Allem galt es, nach Tetuan zu gelangen.
Vom Meer der Syrten bis zur marokkanischen Grenze zählt man ungefähr zweitausendfünfhundert Kilometer – das heißt also fast dreizehnhundertfünfzig Seemeilen. Der »Electric 2« konnte bei Aufwendung der größten Schnelligkeit siebenundzwanzig Meilen in der Stunde zurücklegen. Viele Eisenbahnzüge besitzen diese Schnelligkeit nicht! Dieses eiserne, spindelförmige Fahrzeug, das dem Winde keine Fläche darbot, das durch jede aufrührerische See glitt und nicht um den Sturm besorgt war, gebrauchte höchstens fünfzig Stunden, um an seinen Bestimmungsort zu gelangen.
Am folgenden Morgen vor Tagesanbruch hatte der »Electric 2« bereits Kap Bon doublirt. Nachdem man die Oeffnung des Golfes von Tunis passirt hatte, gebrauchte man von dort aus nur wenige Stunden, um das Vorgebirge von Bizerte aus den Augen zu verlieren. La Calle, Bône, das Kap Fer, dessen metallische Masse, wie man sagt, die Compaßnadel abweichen läßt, die algerische Küste, Stora, Bougie, Dellys, Alger, Cherchell, Mostagenem, Oran, Nemours, dann die Gestade des Rif, die Spitze von Mellila, die wie Ceuta den Spaniern gehört, das Kap Tres-Forcas, von dem aus der Continent bis zum Kap Negro sich abrundet – kurz das ganze Panorama des afrikanischen Gestades zog an den Blicken unserer Reisenden während des 20. und 21. November vorüber, ohne jeden Zwischenfall und ohne jeden Unfall. Die von den Strömen aus den Accumulatoren gespeiste Maschine hatte noch nie so vortrefflich functionirt. Wenn der »Electric«, sei es längs der Küste, sei es mitten in den Golfen, die er von Kap zu Kap durchschnitt, bemerkt wurde, so mußten die Küstenwächter unwillkürlich an das Auftauchen eines phänomenalen Schiffes oder vielleicht an dasjenige eines Wales von außerordentlicher Kraft glauben, wie sie kein Dampfschiff in den Gewässern des Mittelländischen Meeres aufzuwenden vermag.