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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Die Reiter entluden ihre langen Flinten… (S. 521.)

dem betäubenden Lärm der Instrumente, Flintenfeuer und beim Aufleuchten der vielfarbigen Fackeln unschädliche Steine aus fester Erde auf ihre Getreuen fallen lassen.

Pointe Pescade kannte das Programm dieses Festes und dieses Programm hatte in ihm den Gedanken rege gemacht, eine Rolle in demselben zu spielen. Er konnte unter solchen Umständen am Leichtesten in das Innere des Hauses Sidi Hazam’s dringen.

Sobald die Sonne untergegangen war, gab ein auf der Festung Tripoli gelöster Kanonenschuß das von den Massen auf Sung-Ettelateh sehnsüchtig erwartete Signal.

Der Doctor, Peter und Luigi wurden zuerst halb betäubt von dem, das Trommelfell zerreißenden, ringsherum sich erhebenden Lärm, dann fast geblendet von den tausenden von Lichtern, die auf der ganzen Ebene erglänzten.

Als der Kanonenschuß fiel, war die ganze Menge der Nomaden noch mit der Zurichtung ihres Abendbrotes beschäftigt gewesen. Hier gab es gerösteten Hammel und gekochte Hühner für die, welche Türken waren oder als solche erscheinen wollten; dort Kuskussu für die wohlhabenderen Araber; für die große Masse der armen Teufel, die in ihren Taschen mehr Kupfermahbubs als Geldmittel hatten, gab es eine einfache »Bazihna«, eine Art mit Oel durchsetzten Gerstenschleimes; in Strömen floß der »Lagby«, das aus dem Dattelbaume gezogene Getränk, welches, in den Zustand des alkoholhaltigen Bieres versetzt, vollständig berauschend wirkt.

Kap Matifu stand unerschütterlich. (S. 524.)

Einige Minuten nach Abfeuerung des Schusses waren Männer, Frauen, Kinder. Türken, Araber, Neger nicht mehr zu halten. Es bedurfte der ganzen Sonorität der barbarischen Orchester, um dieses menschliche Tohuwabohu noch zu übertönen. Hier und dort sprengten Reiter einher, wobei sie ihre langen Flinten und Sattelpistolen abfeuerten, während Feuerwerkskörper und Kanonenschläge mit geschützartigem Knall explodirten – alles inmitten eines Tumultes, der sich unmöglich beschreiben läßt.

Hier führte beim Scheine der Fackeln, beim Wirbel der Holztrommeln und einem monotonen Singsang ein phantastisch gekleideter Negerführer, dessen Lenden vom Gerassel des an ihm hängenden Knochenschmuckes widertönten, während eine teuflische Maske sein Gesicht verdeckte, an dreißig Grimassen schneidende Schwarze zum Tanze in den Kreis convulsivisch mit den Händen schlagender Frauen.

Wilde Aïssassuyas, die schon auf der letzten Stufe religiösen Wahnsinnes und alkoholischer Trunkenheit angelangt waren, denen der Schaum vor dem Munde stand, die Augen aus ihren Höhlen getreten waren, welche Holz zerkauten und Eisen zerbissen, sich die Haut abschunden und mit glühenden Kohlen jonglirten, umwickelten sich mit langen Schlangen, die sie in die Handgelenke, Knie, Lippen bissen und denen sie das Gleiche thaten, indem sie ihren blutenden Schwanz auffraßen.

Doch bald drängte das Volk in ausgesprochener Weise dem Hause des Sidi Hazam zu, gerade als ob ein neuartiges Schauspiel es dort erwartete.

Zwei Männer, der Eine dick, der Andere dünn – zwei Akrobaten hatten sich dort eingefunden, deren wunderbare, mit Kraft und Geschicklichkeit ausgeführte Exercitien einen vierfachen Kreis von Zuschauern herbeilockten; brausende Hurrahs, wie sie nur tripolitanische Kehlen von sich zu geben im Stande sind, lohnten den Künstlern.

Es waren Pointe Pescade und Kap Matifu. Sie hatten den Schauplatz ihrer Thaten nur wenige Schritte vom Hause des Sidi Hazam entfernt gewählt Beide hatten bei dieser Gelegenheit ihr Handwerk als Meßbudenakrobaten noch einmal ergriffen. Mit Flitterzeug angethan, das sie sich aus arabischen Stoffen zurechtgeschnitten hatten, gingen sie auf neue Erfolge aus.

»Wirst Du auch nicht schon zu steif geworden sein? hatte Pointe Pescade Kap Matifu gefragt.

– Nein, Pointe Pescade, hatte Jener geantwortet.

– Und Du wirst vor keinem Exercitium, welches es auch immer sein mag, zurückschrecken, um diese Dummköpfe zu begeistern?

– Ich?… Zurückschrecken?

– Selbst wenn Du Kieselsteine aufbeißen und Schlangen verzehren solltest?

– Gekochte –? fragte Kap Matifu.

– Nein… rohe.

– Rohe?

– Und lebendige!«

Kap Matifu hatte zwar ein schiefes Gesicht gezogen, aber er war entschlossen, wenn es nicht anders sein konnte, auch lebendige Schlangen zu essen wie der gewöhnlichste Aïssassuya.

Der Doctor, Peter und Luigi, die sich unter die übrigen Zuschauer gemischt hatten, verloren die beiden Genossen nicht aus den Augen.

Nein! Kap Matifu war gewiß nicht steif. Er hatte nichts von seiner wunderbaren Kraft eingebüßt. Zunächst hatten die Schultern von fünf bis sechs Arabern, die sich mit ihm hatten messen wollen, die Erde geküßt.

Dann waren es die Jongleurkunststückchen, welche die Araber entzückten, als entzündete Fackeln zwischen den Händen Kap Matifu’s und Pointe Pescade’s in krausen Linien einherflogen.

Dieses Publicum war gewiß nicht leicht zufrieden zu stellen. Es gab da eine ganz bedeutende Menge von Anhängern der halbwilden Tuaregs, »deren Geschicklichkeit derjenigen der furchtbarsten Thiere dieser Breitengrade gleichkommt«, wie sich die Ankündigung des großartigen Programmes der berühmten Bracco-Truppe ausdrückte. Diese Kenner hatten schon dem unbeugsamen Mustapha, dem Samson der Wüste, dem Kanonenkönige applaudirt, dem »die Königin von England durch ihren Kammerdiener hatte bestellen lassen, er möge seine. Experimente nicht wiederholen, aus Furcht, es könnte ihm ein Unglück zustoßen!« Doch Kap Matifu war in allen seinen Krafttouren unerreichbar und er hatte keine Nebenbuhler darin zu befürchten.

Ein letzter Trick sollte die Begeisterung der die europäischen Künstler umgebenden kosmopolitischen Menge auf die Spitze treiben. Er wird häufig in den Arenen Europas gezeigt, doch den tripolitanischen Gaffern war er jedenfalls noch unbekannt.

Die Zuschauer drängten so dicht als möglich an die beiden Akrobaten heran, die beim Scheine der Fackeln »arbeiteten«, um nichts von ihren Künsten zu verlieren.

Kap Matifu ergriff eine fünfundzwanzig bis dreißig Fuß lange Stange und hielt sie vertical mit seinen fest auf die Brust gestemmten Fäusten. An der Spitze dieser Stange, auf welche Pointe Pescade mit affenartiger Geschwindigkeit geklettert war, balancirte dieser in ausnehmend kühnen Stellungen, während er das obere Ende dadurch in beunruhigender Weise herunterbog.

Kap Matifu jedoch stand unerschütterlich; er fußte nur langsam hin und her, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Gerade als er sich dicht an der Mauer des Hauses von Sidi Hazam befand, hatte er noch die Kraft, die Stange auf Armeslänge von sich abzuhalten, während Pointe Pescade in der Haltung eines Siegers dem Publikum Kußfinger zuwarf.

Die durchaus bezauberte Menge der Araber und Neger heulte, klatschte in die Hände und trampelte mit den Füßen. Niemals hatte der Samson der Wüste, der unbeugsame Mustapha, der Kühnste der Tuaregs, sich zu einer solchen Leistung aufgeschwungen.

Plötzlich tönte ein zweiter Kanonenschuß von den Wällen der Festung Tripoli hinüber. Bei diesem Zeichen erhoben sich die plötzlich aus den Netzen, in denen sie gefangen gehalten worden waren, losgelassenen hunderte von Störchen in die Lüfte und ein Hagel falscher Steine prasselte auf die Ebene herunter inmitten des betäubenden Concerts überirdischen Geklappers, das mit nicht weniger großer Heftigkeit gegen das irdische Getöse ankämpfte.

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