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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Sarcany hatte nach der Aufhebung von Silas Toronthal auf der Landstraße von Nizza – ein Vorgang, der ihm völlig räthselhaft geblieben war – sofort Monte Carlo verlassen. Die von dem letzten Gewinne erübrigten wenigen tausend Franken – er gebrauchte die Vorsicht, sie nicht als allerletzten Einsatz auf’s Spiel zu setzen – hatten hingereicht, um die Kosten der Reise zu decken und den Eventualitäten vorzubeugen, vor denen er zunächst Front machen mußte. Es stand in der That zu befürchten, daß der zur Verzweiflung gebrachte Silas Toronthal sich gedrängt fühlte, sich an ihm zu rächen, entweder dadurch, daß er Sarcany’s Vergangenheit enthüllte oder Sarah’s Lage verrieth. Denn der Banquier wußte wohl, daß diese in Tetuan, in den Händen Namir’s, sich befand. Daraus entsprang Sarcany’s Entschluß, Marokko in kürzester Frist zu verlassen.

Es war das klug gehandelt, weil Silas Toronthal nicht zögern würde, zu sagen, in welchem Lande und in welcher Stadt das junge Mädchen unter der Obhut der Marokkanerin zurückgehalten werde.

Sarcany beschloß deshalb, in die Regentschaft von Tripolis sich zurückzuziehen, woselbst ihm sowohl Actions-als Vertheidigungsmittel zu Gebote

Auf den Papierresten… (S. 509.)

stehen mußten. Sich dorthin mittelst der Packetboote der Küste oder mittelst der algerischen Eisenbahnen begeben, hieß aber – wie der Doctor ganz richtig vermuthet hatte – zuviel Gefahr laufen. Er zog es daher vor, sich einer Senusisten-Karawane anzuschließen, welche in die Cyrrhenäische Halbinsel zog und aus neu angeworbenen Mitgliedern aus den größten Vilajets von Marokko, Algerien und der tunesischen Provinz bestand. Diese Karawane, die in Eilmärschen zwischen Tetuan und Tripolis fünfhundert Meilen zurückzulegen hatte, indem sie der nördlichen Grenze der Wüste folgte, brach am 12. October auf.

Jetzt befand sich Sarah vollständig in der Macht ihrer Peiniger. Ihr Entschluß war aber trotzdem ein unerschütterlicher geblieben. Weder die Drohungen Namir’s, noch die Wuthausbrüche Sarcany’s hatten auf sie Eindruck machen können.

Beim Aufbruche von Tetuan zählte die Karawane bereits fünfzig Mitglieder oder Khuans; sie standen unter der Oberleitung eines Imam, der sie militärisch organisirt hatte. Die Provinzen, welche der französischen Regierung unterworfen waren, wurden übrigens sorgfältig umgangen, um ja keine Schwierigkeiten hinsichtlich des Durchzuges zu haben.

Der afrikanische Continent bildet in Folge der Küstenbildung der algerischen und tunesischen Gebiete einen Bogen bis zur Westküste der großen Syrte, die jäh nach Süden abfällt. Es folgt daraus, daß die directeste Straße, um von Tetuan nach Tripoli zu gelangen die ist, welche die Sehne dieses Bogens bildet und die im Norden nicht höher als bis nach Laghuat steigt, einer der äußersten Städte unter französischer Hoheit an der Grenze der Sahara.

Die Karawane zog zuerst nach dem Verlassen des marokkanischen Gebietes an der Grenze der reichen Provinzen Algeriens entlang, welche man das »neue Frankreich« nennt und die in Wirklichkeit Frankreich selbst vorstellen – mit mehr Berechtigung als Neu-Kaledonien, Neu-Holland, Neu-Schottland Schottland, Holland und Kaledonien vorstellen, weil die afrikanischen Provinzen Frankreichs nur dreißig Stunden zu Wasser von diesem selbst entfernt sind.

In Beni-Mutan, in Oulad-Mail, Scharfat-El-Hamel verstärkte sich die Karawane durch eine ziemliche Anzahl von Bundesbrüdern. Ihre Theilnehmerzahl belief sich auf mehr denn dreihundert Menschen, als sie die tunesische Grenze am Ende der großen Syrte erreichte. Sie brauchte jetzt nur noch dem Zuge der Küste zu folgen und kam, während sie sich in den verschiedenen Ortschaften der Provinz durch neue Khuans verstärkte, am 20. November, nach einer sechswöchentlichen Reise an der Grenze der Regentschaft an.

Zur Zeit, als unter großem Gelärm das Fest der Störche begangen werden sollte, waren Sarcany und Namir erst seit drei Tagen die Gäste des Moqaddem Sidi Hazam, dessen Behausung gleichzeitig Sarah Toronthal als Gefängniß diente.

Diese von einem schlanken Thurm überragte Behausung macht mit ihren weißen, fensterlosen Mauern, die von einigen Schießscharten durchbrochen waren, mit ihren mit Zinnen versehenen Terrassen, mit ihrer schmalen und niedrigen Thür allerdings den Eindruck einer Art Festung. Diese vollkommene Zauiya lag außerhalb der Stadt, an dem Saume der Sandwüste und der Anpflanzungen der Mendschje, deren durch eine hohe Mauer beschützten Gärten auf die Domäne der Oase hinüberreichten.

Das Innere zeigte die gewöhnliche Einrichtung der arabischen Baulichkeiten, nur hier in dreifacher Gestalt, das heißt man zählte anstatt eines drei Patios oder Höfe. Diese Patios umschloß ein Viereck von Säulengalerien und Arkaden, auf welche wiederum die zahlreichen, meist reich ausgestatteten Zimmer führten. Im Hintergrunde des zweiten Hofes fanden die Besucher oder Gäste des Moqaddem eine ungeheure »Skifa«, eine Art Vorhalle, in der schon oft Conferenzen unter dem Vorsitze des Sidi Hazam abgehalten worden waren.

Dieses Haus wurde in natürlicher Weise von seinen hohen Mauern beschützt; es schloß außerdem aber auch ein zahlreiches Personal ein, welches im Falle eines Ueberfalles seitens der Nomaden oder selbst der tripolitanischen Behörden, deren Anstrengung darauf hinauslief, den Senusisten der Provinz wirksam die Hände zu binden, nachdrücklich über seine Sicherheit wachen konnte. Es befanden sich im Hause fünfzig Bundesbrüder, die sowohl zur Vertheidigung wie zum Angriff gleich gut gerüstet waren.

Eine einzige Thür gewährte Einlaß in diese Zauiya; doch diese sehr dicke und unter ihren Schlössern höchst solide Thür war nicht leicht aufzudrücken, und wenn sie selbst aufgestoßen war, nicht leicht zu durchschreiten.

Sarcany hatte also bei dem Moqaddem ein sehr sicheres Asyl gefunden. Dort hoffte er seine Unternehmung zu einem guten Ende führen zu können. Seine Heirat mit Sarah mußte ihm ein beträchtliches Vermögen einbringen und nöthigenfalls konnte er auf den Beistand der Brüderschaft rechnen, die direct an dem Gelingen seines Planes interessirt war.

Die von Tetuan angelangten oder in den Vilajets aufgelesenen Senusisten hatten sich über die Oase von Mendsehje zerstreut, bereit, sich beim ersten Zeichen zusammenzufinden. Dieses Fest der Störche diente überaus der Sache der Senusisten, das war für die tripolitanische Polizei eine ausgemachte Sache. Dort auf der Ebene von Sung-Ettelateh sollten die Khuans von Nordafrika die Parole von den Muftis erhalten, um danach ihre Concentration auf der Cyrrhenäischen Halbinsel ins Werk zu setzen und dort unter der allmächtigen Oberhoheit eines Khalifen ein vollkommenes Piratenreich zu begründen.

Die Umstände lagen so günstig als möglich, denn gerade in dem Vilajet von Bhen-Ghazi zählte die Brüderschaft bereits die meisten Parteigenossen.

Am Tage des Festes der Störche in Tripolis spazierten Fremde inmitten der Menge auf der Ebene von Sung-Ettelateh umher.

Diese Fremden in ihrer arabischen Tracht hätte Niemand für Europäer gehalten. Der Aelteste von den Dreien trug die seinige mit einer so vollkommenen Unbefangenheit, wie sie nur lange Uebung hervorbringen kann.

Es war Doctor Antekirtt, ihn begleiteten Peter Bathory und Luigi Ferrato. Pointe Pescade und Kap Matifu waren in der Stadt zurückgeblieben, woselbst sie gewisse Vorbereitungen zu treffen hatten; sie wollten jedenfalls erst in dem Augenblick auf dem Schauplatze erscheinen, in welchem ihre Arbeit begann.

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