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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Damit war der Höhepunkt des Festes erreicht, der Paroxismus stieg auf den Gipfel. Man konnte dreist behaupten, daß alle Irrenhäuser der Erde ihre Insassen auf die Ebene von Sung-Ettelateh bei Tripolis ausgespieen hätten.

Nur die Behausung des Moqaddem war, als wenn man in ihr taub und stumm gewesen wäre, während der Stunden allgemeinen Vergnügtseins nicht geöffnet worden, kein Einziger der Anhänger des Sidi Hazam hatte sich an der Thür oder auf den Terrassen gezeigt.

Aber o Wunder! Gerade als die Fackeln nach dem Aufsteigen der Störche plötzlich erloschen, war auch Pointe Pescade plötzlich verschwunden, gerade als wenn er mit den treuen Thieren des Propheten Suleyman den Flug in die Lüfte gemacht hätte.

Was war aus ihm geworden?

Kap Matifu sah nicht so aus, als ob er gerade sehr besorgt wegen dieses Ereignisses wäre. Nachdem er seine Stange fortgeschnellt hatte, fing er sie an ihrem anderen Ende wieder auf und ließ sie, wie ein Tambourmajor, um die Finger wirbeln. Das Verschwinden Pointe Pescade’s schien für ihn das natürlichste Ding auf Erden zu sein.

Das Erstaunen der Zuschauer war natürlich nun noch ein größeres und ihr Enthusiasmus endete in einem so brausenden Hurrah, daß man es über den Saum der Oase hinaus noch hörte. Keiner von ihnen zweifelte daran, daß der Akrobat einen kleinen Ausflug durch die Lüfte in das Königreich der Störche gemacht habe.

Hat nicht das Unerklärliche stets den größten Reiz für die große Menge?

Drittes Capitel.

Das Haus des Sidi Hazam.

Es ging auf neun Uhr. Musketenfeuer, Gelärm, Musik, Alles war plötzlich verstummt. Die Menge begann sich zu verlaufen. Die Einen kehrten nach Tripoli zurück, die Anderen suchten die Oase von Mendsehje und die benachbarten Ortschaften zu erreichen. Ehe eine Stunde um war, lag die Ebene von Sung-Ettelateh schweigsam und verlassen da. Die Zelte waren zusammengelegt, die Lagerstätten abgebrochen worden, die Neger und Araber hatten sich schon auf den Marsch nach ihren Provinzen in Tripolis gemacht, während die Senusisten sich der Cyrrhenäischen Halbinsel und namenlich Ben-Ghazi zuwendeten, woselbst sich alle Streitkräfte des Khalifen sammeln sollten.

Der Doctor Antekirtt, Peter und Luigi nur beabsichtigen den Platz während der ganzen Nacht nicht zu verlassen. Auf jedes Ereigniß seit dem Verschwinden Pointe Pescade’s gefaßt, hatte Jeder von ihnen alsbald seinen Beobachtungsposten am Fuße der Mauern des Hauses von Sidi Hazam selbst gewählt.

Pointe Pescade, der mit einem staunenswerthen Satze in dem Augenblick als Kap Matifu die Stange mit gestreckten Armen hielt, sich abgeschnellt hatte, war auf den Kranz einer der Terrassen gefallen, welche das die verschiedenen Höfe des Hauses beherrschende Minaret umgaben.

Inmitten der dunklen Nacht hatte ihn Niemand weder von außen noch vom Hause aus sehen können, nicht einmal von der Skifa; diese lag auf dem zweiten Patio, in welchem eine Anzahl von Khuans, theils schlafend, theils auf Befehl des Moqaddem wachend vereinigt war.

Pointe Pescade konnte begreiflicher Weise sich keinen feststehenden Plan zurechtgelegt haben, denn die verschiedenartigsten Umstände konnten eintreten und das Lustgebäude über den Haufen werfen. Die innere Eintheilung des Hauses Sidi Hazam’s war ihm nicht bekannt, er wußte ferner nicht, wo das junge Mädchen eingeschlossen war, ob sie allein sich befand oder bewacht wurde und ob ihr die physische Kraft zur Flucht nicht abgehen würde. Er sah sich deshalb genöthigt, auf gut Glück vorzugehen. Seine Ueberlegungen lauteten:

»Ich muß vor Allem, entweder mit List oder Gewalt, zu Sarah Sandorf dringen. Wenn sie mir nicht unverzüglich folgen kann, wenn es mir nicht gelingt, sie heute Nacht noch zu entführen, so soll sie wenigstens erfahren, daß Peter Bathory am Leben, daß er hier, am Fuße dieser Mauern sich befindet, und daß Doctor Antekirtt und seine Genossen bereit sind, ihr zu Hilfe zu kommen; schließlich, daß sie, wenn die Flucht nicht so schnell zu ermöglichen ist, keiner Drohung nachgeben soll…. Es ist ja allerdings möglich, daß ich, noch ehe ich sie sehen und sprechen kann, überrascht werde…. Doch dann habe ich noch immer Zeit, andere Entschlüsse zu fassen.«

Er sprang über die Brustwehr, eine Art weißschimmernden Wulstes, den Mauerzinnen durchbrachen. Seine erste Sorge war es nun, einen dünnen, mit Knoten versehenen Strick abzuwickeln, welchen er unter seinem leichten Clowngewande verborgen gehabt hatte; er befestigte das eine Ende an einer der Zinnen, so daß er außerhalb der Mauer bis zum Boden hinabhing. Es war das eine Vorsichtsmaßregel, die nur gutzuheißen war. Darauf wagte sich Pointe Pescade weiter vor und zwar kroch er auf dem Bauche die Brustwehr entlang. In dieser Stellung, welche ihm die Klugheit eingab, lauschte er mit angehaltenem Athem. Wenn er gesehen worden wäre, hätten die Leute Sidi Hazam’s gewiß bereits die Mauer erstiegen, und in diesem Falle konnte er für sein Theil schwerlich den Strick benützen, aus dem er ein Rettungsmittel für Sarah Sandorf hatte machen wollen.

Ein tiefes Schweigen herrschte im Hause des Moqaddem. Da weder Sidi Hazam, noch Sarcany, noch die Leute des Ersteren Theil an dem Feste der Störche genommen, so hatte sich die Thür der Zauiya seit Sonnenaufgang noch nicht geöffnet.

Nachdem Pointe Pescade einige Minuten gewartet, rutschte er nach der Ecke hin, in welcher das Minaret aufstieg. Die Treppe, welche den oberen Theil dieses Minarets zugänglich machte, führte jedenfalls zum Erdboden des ersten Patio hinunter. Eine Thür, die auf die Terrasse führte, ermöglichte das Herabsteigen zu den Erdgeschossen der inneren Höfe.

Diese Thür war von innen verschlossen, nicht mittelst eines Schlüssels – sondern mit einem Riegel, der von außen nur aufgestoßen werden konnte, wenn ein Loch in den Thürflügel gebohrt wurde. Mit dieser Arbeit hätte Pointe Pescade ganz gewiß fertig werden können, denn in seiner Tasche steckte ein mit den verschiedenartigsten Klingen versehenes Messer, ein kostbares Geschenk des Doctors, das er gut gebrauchen konnte. Aber die Arbeit hätte längere Zeit in Anspruch genommen und wahrscheinlich ein Geräusch verursacht.

Sie war auch unnöthig. Denn in einer Höhe von drei Fuß über der Terrasse befand sich in der Mauer des Minarets ein Lichtfenster in Form einer Schießscharte. Es hatte zwar nur einen geringen Durchmesser, aber auch Pointe Pescade war nur dünn. Besaß er im Uebrigen nicht auch die Gewandtheit einer Katze, die im Stande ist, ihren Körper zu verlängern, wenn sie einen kaum passirbar erscheinenden Weg zu nehmen wünscht? Er versuchte und mit einigen Abschürfungen der Schulter ging es: er befand sich bald im Innern des Minarets.

»Das hätte Kap Matifu gewiß nicht fertig bekommen,« konnte er zu sich selbst mit vollem Rechte sagen.

Er tastete sich bis zur Thür, deren Riegel er zurückschob um sie offen vorzufinden, wenn es nöthig sein sollte, auf demselben Wege zurückzukehren.

Er stieg die Wendeltreppe des Minarets hinunter und zwar ließ er sich gleiten, so daß er die Holzstufen kaum zu berühren brauchte, die vielleicht unter seinen Tritten geknarrt hätten. Unten angelangt, sah er wiederum eine geschlossene Thür vor sich, doch diese brauchte er nur aufzustoßen, damit sie sich öffnete.

Diese Thür führte auf eine Colonnadenreihe, welche nur den ersten Patio einschloß; in ihr mündeten eine Anzahl Zimmer. Nach der auf der Treppe herrschenden vollständigen Dunkelheit erschien diese Umgebung in einem doppelt so hellen Lichte. Im Uebrigen zeigte sich im Innern weder ein Licht noch hörte man irgend etwas.

In der Mitte des Patio befand sich ein rundes Springbrunnenbassin, umgeben von großen Blumenkübeln, aus denen die verschiedenartigsten Staudengewächse. Pfeffersträucher, Palmen, Rosenlorbeer, Cactusse sproßten, deren dichtes Grün einen Wald um den Rand des Bassins zu bilden schien.

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