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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Erst vierundzwanzig Stunden früher war am Nachmittage der »Electric 2« im Schutze der Klippen vor Anker gegangen, welche für den Hafen von Tripolis eine Art natürlichen Dammes bilden.

Die Ueberfahrt war auch diesmal wieder eine äußerst schnelle gewesen. Nur drei Stunden Aufenthalt in Philippeville, auf der kleinen Rhede von Filfila, sonst nichts – damit war genügend Zeit zur Beschaffung der arabischen Kostüme gewonnen worden. Dann war der »Electric« unverzüglich wieder abgefahren, ohne daß seine Anwesenheit im Numidischen Golfe signalisirt worden wäre.

Als der Doctor und seine Gefährten – nicht auf den Quais von Tripoli, sondern an den Klippen außerhalb des Hafens – gelandet, waren es nicht fünf Europäer, die den Fuß in die Regentschaft von Tripolis setzten, sondern fünf Orientalen, deren Kleidung in keiner Weise Aufmerksamkeit erregen konnte. Vielleicht würden sich Peter und Luigi in Folge mangelnder Gewohnheit in den Augen eines sorgfältigen Beobachters leicht verrathen haben. Pointe Pescade und Kap Matifu jedoch, die im Kostümwechsel bewandert waren, wie ihn der Seiltänzerberuf in vielgestaltiger Weise mit sich bringt, setzte diese Maskerade in keiner Weise in Verlegenheit.

Der »Electric« verbarg sich, als die Nacht angebrochen war, auf der anderen Seite des Hafens, in einer der wenig bewachten Buchten des Ufers. Dort sollte er sich bereit halten, zu jeder Stunde des Tages oder der Nacht in See gehen zu können. Der Doctor und seine Gefährten stiegen nach ihrer Landung die felsigen Uferpartien hinan und betraten nach Ueberschreitung des aus groben Blöcken hergestellten Quais, der nach Bab-el-Bahr führt, durch das Meerthor die engen Straßen der Stadt. Das erste Hotel, auf welches sie stießen – die Auswahl war überhaupt keine große – schien ihren Bedürfnissen während eines Aufenthaltes von einigen Tagen, wenn nicht nur von wenigen Stunden, vollkommen zu genügen. Sie gaben sich daselbst das Ansehen anspruchsloser Leute, von einfachen tunesischen Kaufleuten, die bei ihrem Aufenthalte in Tripoli die Gelegenheit, das Fest der Störche mitanzusehen, wahrnehmen wollten. Da der Doctor das Arabische ebenso correct wie die anderen Idiome am Mittelmeere sprach, so konnte seine Sprache kaum den Verräther spielen.

Der Hotelier empfing die fünf Reisenden, welche ihm die große Ehre, bei ihm vorzusprechen, zu Theil werden ließen, mit Auszeichnung. Er war ein dicker, geschwätziger Mann. Der Doctor, der ihn anfeuerte zu erzählen, hatte bald gewisse Dinge, die ihn besonders interessirten, von ihm erfahren. Er hörte zunächst, daß jüngst eine Karawane von Marokko in Tripoli angelangt wäre; ferner erfuhr er, daß der in der Regentschaft sehr bekannte Sarcany dieser Karawane sich angeschlossen hätte und der Gastfreund im Hause Sidi Hazam’s wäre.

Deshalb hatten sich am selben Abend noch der Doctor, Peter und Luigi unter Beobachtung gewisser Vorsichtsmaßregeln, um nicht erkannt zu werden, unter die Nomadenmassen gewagt, die auf der Ebene von Sung-Ettelateh lagerten. Auf ihrem Spaziergange jedoch beobachteten sie genau das Haus des Moqaddem am Saume der Oase von Mendschje.

Dort also war Sarah Sandorf eingeschlossen. Seit des Doctors Aufenthalte in Ragusa waren Vater und Tochter nie wieder so dicht beieinander gewesen, wie jetzt. Aber eine unüberschreitbare Mauer trennte sie. Peter hätte, um sie zu befreien, zweifellos Allem beigestimmt, selbst einem Vergleiche mit Sarcany. Graf Mathias Sandorf und er wären gern bereit gewesen, das Vermögen fahren zu lassen, welches der Schuft zu erlangen wünschte. Sie durften aber nicht vergessen, daß sie gleichzeitig auch an dem Verräther Stephan Bathory’s und Ladislaus Zathmar’s Vergeltung zu üben hatten.

Jedenfalls boten in der Lage, in welcher sie sich augenblicklich befanden, ein Festnehmen Sarcany’s und die Entführung Sarah’s aus dem Hause des Sidi Hazam fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Eine Entführung mit Gewalt mußte mißglücken; würde das Unternehmen, mit einer List ausgeführt, besser glücken? Würde das Fest am folgenden Tage die Ausführung ermöglichen? Man nahm es an und mit diesem Plane beschäftigten sich der Doctor, Peter und Luigi noch am selben Abend – einem Plane, der dem Gehirn Pointe Pescade’s entsprungen war. Der tapfere Kerl konnte bei der Ausführung desselben sein Leben einbüßen; selbst wenn es ihm gelang, in die Behausung des Moqaddem zu dringen, würde es ihm schwer möglich sein, Sarah Sandorf zu befreien. Seinem Muthe und seiner Geschicklichkeit aber schien nichts unmöglich.

Behufs Ausführung des gutgeheißenen Planes fanden sich deshalb am folgenden Abend der Doctor Antekirtt, Peter und Luigi auf der Ebene von Sung-Ettelateh ein, während Pointe Pescade und Kap Matifu sich zuhause auf die Rollen vorbereiteten, welche sie auf dem Feste der Störche zu spielen gedachten.

Bis zu dieser Stunde hatte sich auf dem Festplatze noch nichts ereignet, was den Lärm und das Gewühl ahnen lassen konnte, die später am Abend beim Scheine unzähliger Fackeln die Ebene beherrschen sollten. Man konnte kaum inmitten der gedrängten Massen das Gehen und Kommen der senusistischen Parteigänger bemerken, die in möglichst einfache Gewänder gehüllt waren und sich nur mittelst eines freimaurerischen Zeichens die Befehle ihrer Führer mittheilten.

Es ist hier der geeignete Platz, das orientalische oder vielmehr afrikanische Märchen kennen zu lernen, dessen Hauptereignisse durch dieses Fest der Störche veranschaulicht werden sollen, welches auf die Muselmannen einen Hauptreiz auszuüben pflegt.

Es existirte ehedem auf dem afrikanischen Continent eine Rasse der Djins. Unter dem Namen der Bu-lhebrs bewohnten diese Djins ein mächtiges Gebiet, welches auf der Grenze der Wüste Hammada, zwischen Tripolis und dem Königreich von Fezzan gelegen war. Sie bildeten ein mächtiges Volk, das ebenso furchtbar war als es gefürchtet wurde. Denn es war ungerecht, treulos, unmenschlich und kriegslustig. Noch kein afrikanischer Herrscher hatte es zu unterjochen vermocht.

Eines Tages geschah es, daß der Prophet Suleyman versuchte, nicht die Djins anzugreifen, sondern sie zu bekehren. Zu diesem Zwecke sandte er ihnen einen Apostel, der ihnen die Liebe zum Guten, den Haß des Bösen predigen sollte. Verlorene Mühe! Die wilden Horden bemächtigten sich des Missionärs und nahmen ihn gefangen.

Die Djins zeigten deshalb sich so außerordentlich kühn, weil sie wohl wußten, daß in ihr isolirt gelegenes und schwer zugängliches Land kein König mit seinem Heere sich wagen würde. Sie glaubten überdies, daß kein Bote den Propheten Suleyman unterrichten würde, welches Schicksal sein Sendling gefunden hatte. Sie täuschten sich darin.

In ihrem Lande gab es eine Unmenge Störche. Das sind, wie man weiß, wohlgesittete Thiere, außerdem sind sie äußerst intelligent und sehr zartfühlend, denn die Sage behauptet, daß sie niemals ein Land bewohnen, dessen Name auf einem Geldstücke figurirt – das Geld ist nämlich die Quelle jedes Uebels und der mächtigste Verführer des Menschen zu schlechten Leidenschaften.

Die Störche, die wohl sahen, in welchem Unglauben die Djins lebten, beriefen eines Tages eine Rathsversammlung und beschlossen einen aus ihrer Mitte zum Propheten Suleyman zu schicken, um die Mörder des Missionärs seiner gerechten Rache zu empfehlen.

Alsbald befahl der Prophet seinem Wiedehopf, der sein Lieblingsbote war, alle Störche der Erde in den hohen Luftschichten des afrikanischen Himmels zu versammeln. Das geschah und als die unzähligen Geschwader dieser Vögel vor dem Propheten Suleyman vereinigt waren, »bildeten sie,« so sagt die Legende wörtlich, »eine Wolke, die das ganze Land zwischen Mezda und Morzug beschattet haben würde.«

Darauf nahm jeder Storch einen Stein in seinen Schnabel und flog dem Lande der Djins zu. Darüber hinstreichend steinigten sie diese gemeine Menschenrasse, deren Seelen jetzt für die Ewigkeit auf dem Grunde der Wüste Hammada eingekerkert sind.

Das ist das Märchen, welches das Fest der Störche veranschaulichen sollte. Mehrere hunderte von Störchen waren unter mächtigen Netzen, die über die Oberfläche der Ebene von Sung-Ettelateh gespannt waren, vereinigt worden. Dort erwarteten sie, meistens auf einem Beine stehend, die Stunde ihrer Befreiung und das Klappern ihrer Kinnbacken drang oft wie Trommelwirbel durch die Lüfte. Sobald das Zeichen gegeben war, sollten sie aufsteigen und unter dem Geheul der Zuschauer,

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