Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Fünfter Theil.
Erstes Capitel.
Ein Händedruck Kap Matifu’s.
Wenn Graf Mathias, wie man weiß, der Doctor Antekirtt, wenn auch nicht für Peter, so doch für das ganze Personal der Kolonie bleiben wollte, so geschah es deshalb, weil er bis zur völligen Durchführung aller seiner Pläne nur der Doctor Antekirtt sein wollte. Deshalb hatte er, als der Name seiner Tochter von Frau Bathory so plötzlich ausgesprochen wurde, noch genug Herrschaft über sich selbst, seine Bewegung nicht zu verrathen. Sein Herz aber hatte doch für einen Augenblick zu schlagen aufgehört und wäre er nicht ein so großer Meister seiner selbst gewesen, wäre er zweifellos auf die Stufen der Kapelle niedergestürzt, als wenn ihn ein Blitzstrahl getroffen hätte.
Seine Tochter war also noch am Leben! Sie also liebte Peter und er wurde von ihr wiedergeliebt. Und er selbst, Mathias Sandorf, hatte alles Mögliche gethan, das Zustandekommen der Verbindung zu hindern. Dieses Geheimniß, welches ihm Sarah wiederschenkte, wäre nie entdeckt worden, wenn nicht Frau Bathory wie durch ein Wunder ihren Verstand wiedergefunden hätte.
Was war vor fünfzehn Jahren im Schlosse Artenak geschehen? Man wußte es jetzt nur zu gut! Dieses Mädchen, welches die einzige Erbin der Güter des Grafen Mathias Sandorf geblieben war, dieses Kind, dessen Tod niemals constatirt werden konnte, war entführt und Silas Toronthal in die Hände gespielt worden. Einige Zeit später, als der Banquier sich in Ragusa niedergelassen hatte, hatte Frau Toronthal Sarah Sandorf als ihre Tochter erziehen müssen.
Nunmehr war die von Sarcany ausgeklügelte und von seiner Helferin Namir aufgeführte Machination aus Licht gekommen. Sarcany war es wohl bekannt, daß Sarah im Alter von achtzehn Jahren in den Besitz eines bedeutenden Vermögens kommen würde und er wollte sie, sobald sie seine Frau geworden sein sollte, als die Erbin der Sandorf’s anerkennen lassen. Dieser Triumph sollte die Krone seines abscheulichen Lebenswandels bilden. Er wollte Herr über die Domänen von Schloß Artenak werden.
War dieser Plan bis dahin mißglückt? Ja, jedenfalls. Wenn die Heirat vollzogen worden wäre, hätte Sarcany sich schon beeilt, alle seine Vortheile zu wahren.
Mußte sich nicht Doctor Antekirtt jetzt Gewissensbisse machen? War er es nicht gewesen, der diese unselige Kette von Vorgängen heraufbeschworen hatte, erst die Verweigerung seiner Unterstützung Peter’s, dann indem er Sarcany ruhig seine Pläne verfolgen ließ, obwohl er recht wohl bei ihrem Zusammentreffen in Cattaro ihn hätte unschädlich machen können, schließlich dadurch, daß er Frau Bathory den Sohn vorenthielt, welchen er dem Tode entrissen hatte? Wie großes Unglück wäre nicht vermieden worden, wenn Peter sich bei seiner Mutter befunden hätte, als der Brief Frau Toronthal’s in dem Hause der Marinella-Straße eintraf? Hätte Peter gewußt, daß Sarah die Tochter des Grafen Sandorf war, würde er es nicht verstanden haben, sich den Gehässigkeiten Sarcany’s und Silas Toronthal’s zu entziehen?
Wo befand sich jetzt Sarah Toronthal? Zweifellos in der Gewalt Sarcany’s. Doch wo mochte dieser sie versteckt halten? Wie sie ihm entreißen? Und überdies hatte in wenigen Wochen die Tochter des Grafen Sandorf ihr achtzehntes Lebensjahr erreicht – die gesetzlich bestimmte Grenze, falls sie nicht ihrer Ansprüche als Erbin verlustig gehen wollte – und dieser Umstand mußte Sarcany zwingen, alles Mögliche aufzubieten, um Sarah zu einer Einwilligung zu dieser verwünschten Heirat zu zwingen.
Im Nu hatte dieser Hergang der Ereignisse den Sinn des Doctors Antekirtt durchzogen. Nach dieser Zurechtlegung der Vergangenheit, wie es Frau Bathory und Peter in ähnlicher Weise thaten, fühlte er die jedenfalls unverdienten Vorwürfe, welche die Frau und der Sohn Stephan Bathory’s ihm zu machen versucht sein mußten. Denn, wenn die Dinge wirklich so gelegen hätten, wie er annehmen mußte, hätte er eine Annäherung zwischen Peter und derjenigen gutheißen können, die für Alle und für ihn selbst den Namen Sarah Toronthal trug?
Er mußte um jeden Preis jetzt Sarah, seine Tochter, wiederfinden. Nicht ein Tag war zu verlieren.
Frau Bathory war bereits in das Stadthaus zurückgeführt worden, als der Doctor in Begleitung Peter’s, der zwischen Freude und Hoffnungslosigkeit schwankte, ebendaselbst eintraf, ohne ein Wort gesprochen zu haben.
Frau Bathory, sehr geschwächt durch die heftige Rückwirkung, die sich in ihr gezeigt hatte, doch geheilt, völlig geheilt, saß in ihrem Zimmer, als der Doctor und ihr Sohn bei ihr eintraten.
Maria, die schicklicherweise sie allein zu lassen wünschte, zog sich in den großen Saal des Stadthauses zurück.
Der Doctor näherte sich der alten Dame und die Hand auf die Schulter Peter’s legend, sagte er:
»Frau Bathory, ich hatte bereits Ihren Sohn zu dem meinigen gemacht. Wenn er bis jetzt nur mein Sohn aus freundschaftlichen Rücksichten war, so werde ich nun Alles thun, damit er es auch aus väterlicher Liebe wird, indem er Sarah heiratet… meine Tochter…
– Ihre Tochter? rief Frau Bathory.
– Ich bin Graf Mathias Sandorf.«
Frau Bathory erhob sich plötzlich, streckte ihre Hände aus und fiel in die Arme ihres Sohnes zurück. Wenn sie auch selbst nicht sprechen konnte, so konnte sie doch hören. In wenigen Worten unterrichtete sie Peter von Allem, was sie noch nicht wußte, wie Graf Sandorf durch die Ergebenheit des Fischers Andrea Ferrato gerettet wurde, wie er fünfzehn Jahre lang für todt hatte gelten wollen, wie er in Ragusa unter dem Namen des Doctors Antekirtt wieder aufgetaucht war. Er erzählte, was Sarcany und Silas Toronthal zu dem Zwecke, die Verschwörer von Triest auszuliefern, gethan hätten, ferner den Verrath Carpena’s, dem sein Vater und Ladislaus Zathmar zum Opfer fielen, schließlich, wie der Doctor ihn lebendig dem Grabe auf dem Kirchhofe von Ragusa entrissen hätte, um ihn dem Werke der Gerechtigkeit, welches der Doctor ausüben wollte, zu verbinden. Er beendete seine Erzählung damit, daß er sagte, daß zwei von den Uebelthätern, der Banquier Silas Toronthal und der Spanier Carpena, bereits in ihrer Macht wären, daß man aber des Dritten, Sarcany’s, noch nicht habhaft hätte werden können, desselben Sarcany, der Sarah Sandorf zu seiner Frau zu machen wünsche.
Der Doctor, Frau Bathory und ihr Sohn, welche die Zukunft in enger Verwandtschaft aneinanderschließen sollte, besprachen während einer Stunde noch des Näheren die auf das junge Mädchen bezüglichen Umstände. Ersichtlich würde Sarcany vor nichts zurückschrecken, was das junge Mädchen zwingen könnte, ihn zu heiraten, wodurch ihm das Vermögen des Grafen Sandorf zufiel. Sie beleuchteten die augenblickliche Lage der Dinge von allen Seiten. Was bisher geschehen war, hatte allerdings Sarcany einen Strich durch die Rechnung gemacht, was noch geschehen konnte, war das Furchtbarste. Vor Allem also mußten Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt werden, um Sarah aufzufinden.
Es wurde zunächst verabredet, daß Frau Bathory und Peter die Einzigen bleiben sollten, die wußten, daß Graf Sandorf sich unter dem Namen des Doctors Antekirtt verbarg. Offenbarte man das Geheimniß, so wurde damit auch ausgedrückt und bekannt, daß Sarah seine Tochter sei; im Interesse der neuen Nachforschungen aber, die unternommen werden mußten, war es von Wichtigkeit, daß Solches geheim bliebe.
»Doch wo ist Sarah?… Wo sie suchen?… Wo sie auffinden? fragte Frau Bathory.
– Wir werden es erfahren, erwiderte Peter, in welchem die Hoffnung einer Energie Platz gemacht hatte, welche nur stärker werden konnte.
– Ja… wir werden es erfahren, sagte der Doctor, und zugegeben, daß Silas Toronthal wirklich nicht weiß, wohin Sarcany geflüchtet ist, so wird er doch zum Mindesten wissen, wo dieser Elende meine Tochter zurückhält!…
– Und wenn er es weiß, muß er es uns sagen, rief Peter.