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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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In dieser buntscheckigen Gesellschaft… (S. 506.)

Der Hauptbazar von Tetuan bildet ein Ensemble von Schuppen und niedrigen, engen, stellenweise sogar schmutzigen Baracken, welche feuchte Alleen einnehmen. Verschiedenartig gefärbte, auf Schnüre gezogene Leinwanddächer beschützen sie vor den glühenden Strahlen der Sonne. Ueberall düstere Gewölbe, in denen mit Seide gestickte Stoffe, in schreienden Farben gehaltene Besatzartikel, türkische Pantoffel, Almosenbeutel, Burnusse, Töpferwaaren, Leuchter, Räucherkerzen, Laternen ausgebreitet sind – mit einem Worte, was sich beständig in den Specialgeschäften der großen Städte Europas vorfindet.

Es waren schon ziemlich viele Käufer da. Man wollte die Morgenkühle benützen. Bis zu den Augen verhüllte Maurinnen, Jüdinnen mit unverhülltem Antlitz, Araber, Kabylen, Marokkaner kamen und gingen auf dem Bazar und beschwatzten die kleine Anzahl Fremder. Die Anwesenheit Luigi’s und Pointe Pescade’s konnte daher nicht besonders auffallen.

Beide versuchten eine ganze Stunde hindurch, in dieser buntscheckigen Gesellschaft Namir zu begegnen. Es war vergebens. Die Marokkanerin zeigte sich nicht, noch weniger Sarcany.

Luigi wollte darauf einige von den halbnackten Jungens befragen – es sind Bastardsprößlinge aller afrikanischen Rassen, deren Mischung sich vom Rif bis zu den Grenzen der Sahara vollzieht – die in den marokkanischen Bazars umherlungern.

Die Ersten, an welche er sich wandte, konnten ihm auf seine Fragen keine Antwort geben. Endlich versicherte ein zwölf Jahre alter Kabyle mit richtigem Straßenjungengesicht, daß er die Behausung der Marokkanerin kenne, und er bot sich an, gegen Hinterlegung einiger Geldstücke, die beiden Europäer dorthin zu führen.

Das Anerbieten wurde angenommen und alle Drei wanden sich jetzt durch die verwickelten Straßenzüge, welche nach den Befestigungen der Stadt hin auslaufen. In zehn Minuten hatten sie ein fast verlassenes Stadtviertel erreicht, in welchem die fensterlosen Häuser spärlich gesäet waren.

Der Doctor und Peter Bathory erwarteten mit fieberhafter Ungeduld die Rückkehr Luigi’s und Pointe Pescade’s. Wohl an zwanzig Male fühlten sie sich versucht, auszugehen und selber Nachforschungen anzustellen. Doch Beide waren Sarcany und der Marokkanerin bekannt. Man mußte im Falle eines Zusammentreffens darauf gefaßt sein, Alles zu riskiren, denn Jene würden unbedingt sich sofort ihren Nachstellungen entzogen haben. Sie blieben also eine Beute der lebhaftesten Unruhe. Neun Uhr war es, als Luigi und Pointe Pescade in die Fonda zurückkehrten. Ihre traurigen Mienen sagten nur zu deutlich, daß sie schlechte Nachrichten mitbrächten.

Sarcany und Namir hatten in der Begleitung eines jungen Mädchens, welches Niemand kannte, vor fünf Wochen bereits Tetuan verlassen; das Haus war unter der Obhut einer alten Frau geblieben.

Der Doctor und Peter waren auf diese Nachricht nicht gefaßt gewesen: sie waren wie niedergeschmettert.

»Der Grund dieser Abreise ist klar genug, sagte Luigi. Mußte Sarcany nicht befürchten, daß Silas Toronthal entweder aus Rachsucht oder aus einem anderen Grunde seinen Zufluchtsort verrathen würde?«

So lange es sich lediglich darum gehandelt, die Verräther zu verfolgen, hatte Doctor Antekirtt niemals daran gezweifelt, sein Werk vollenden zu können. Jetzt, wo es galt, die eigene Tochter den Händen Sarcany’s zu entreißen, ließ ihn seine Zuversicht im Stich.

Peter und er stimmten jedoch darin überein, unverzüglich dem Hause Namir’s einen Besuch abzustatten. Vielleicht fanden sie dort doch noch etwas mehr als das bloße Andenken an Sarah? Vielleicht würde ihnen irgend ein Anzeichen verrathen, was aus ihr geworden war. Vielleicht auch könnte ihnen die alte Jüdin, der die Hütung des Hauses anvertraut war, ihren Nachforschungen dienliche Mittheilungen machen oder verkaufen.

Luigi führte sie sofort dahin. Der Doctor, der das Arabische so gut sprach, als wäre er in der Wüste geboren, gab sich für einen Freund Sarcany’s aus. Er wäre, wie er sagte, glücklich gewesen, bei der Durchreise durch Tetuan ihn anzutreffen, nun wolle er wenigstens dessen Behausung einen Besuch abstatten.

Die Alte machte zuerst einige Schwierigkeiten; doch eine Handvoll Zechinen bewirkte, daß sie geschmeidiger wurde. Jetzt erst bequemte sie sich dazu, auf die Fragen zu antworten, welche der Doctor ihr mit sichtbarem Interesse für ihren Herrn vorlegte.

Das junge Mädchen, welches durch die Marokkanerin hergeführt worden war, sollte die Frau Sarcany’s werden. Das war schon seit Langem beschlossen und sehr wahrscheinlich würde die Hochzeit bereits in Tetuan vollzogen worden sein, wäre die überhastete Abreise nicht dazwischen gekommen. Dieses junge Mädchen war seit seiner Ankunft, das heißt, seit drei Monaten ungefähr, nicht vor die Thür gekommen. Man sagte zwar, sie wäre arabischer Abkunft, doch hätte sie, die Jüdin, Jene für eine Europäerin gehalten. Sie hätte sie aber nur sehr wenig zu Gesicht bekommen, oder nur wenn die Marokkanerin sich nicht im Hause befand. Mehr wußte sie nicht.

Ebensowenig vermochte sie zu sagen, in welches Land Sarcany mit Beiden gezogen war. Sie wußte nur, daß sie vor ungefähr fünf Wochen mit einer Karawane fortgezogen waren, die nach Osten ging. Von jenem Tag an war das Haus unter ihrer Obhut geblieben und sie sollte es so lange hüten, bis Sarcany eine Gelegenheit gefunden haben würde, es zu verkaufen. Damit war seine Absicht, nicht mehr nach Tetuan zurückzukehren, offenkundig geworden.

Der Doctor hörte frostig diesen Antworten zu und nach Maß und Bedürfniß übersetzte er sie Peter Bathory.

Im Ganzen genommen stand nur das Eine fest, daß Sarcany es nicht für gerathen gehalten hatte, sich auf einem der Packetboote einzuschiffen, welche Tanger anlaufen, noch die Eisenbahn zu benützen, deren Endpunkt der Bahnhof von Oran bildet. Er hatte sich also einer Karawane angeschlossen, die Tetuan verlassen hatte, um – wohin zu gehen? Vielleicht nach einer Oase in der Wüste oder darüber hinaus in ein Territorium der halbwilden Völkerschaften, wo Sarah vollständig ihm zu Willen sein mußte. Wie es erfahren? Auf den Landstraßen des nördlichen Afrikas ist es ebenso schwer eine Karawane wiederzufinden, als einen einzelnen Reisenden.

Der Doctor drang daher noch weiter in die alte Jüdin. Er hätte wichtige Nachrichten erhalten, welche Sarcany interessiren würden, sagte er wiederholt, und gerade betreffs des Hauses, dessen er sich entledigen wollte. Doch was er auch that und sagte, eine andere Auskunft konnte er nicht erhalten. Die Frau wußte ersichtlich nichts von dem neuen Zufluchtsorte, den Sarcany sich erwählt hatte, um die Entwicklung dieses Dramas zu beschleunigen.

Der Doctor, Peter und Luigi begehrten alsdann die nach arabischer Sitte eingetheilte Wohnung zu besichtigen, nach welcher die verschiedenen Zimmer von einem Patio ihr Licht erhalten, der von einer rechtwinkligen Galerie umgeben ist.

Sie langten bald in dem Zimmer an, welches Sarah bewohnt hatte – einer vollkommenen Gefängnißzelle. Wie viele Stunden hatte das junge Mädchen, eine Beute der Verzweiflung, dort verbringen müssen, ohne darauf rechnen zu können, irgend welche Hilfe zu erhalten! Der Doctor und Peter durchmusterten das Zimmer mit den Blicken, ohne ein Wort zu sprechen; sie suchten nach den geringfügigsten Anzeichen, welche sie auf die von ihnen gesuchten Spuren hätten leiten können.

Plötzlich näherte sich der Doctor lebhaft einem kleinen kupfernen Feuerbecken, das in einer Ecke des Zimmers auf einem Dreifuße stand. Auf dem Boden dieses Beckens erzitterten einige von dem Feuer zerstörte Papierstückchen, die noch nicht ganz zu Asche geworden waren.

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