Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
»Ihr Kind bleibt Ihnen. – Gott hat es Ihnen auf wunderbare Weise wieder zugeführt. – Wollten Sie Ihr Glück nicht preisen, so wären Sie undankbar gegen das Schicksal!«
»Ach, Sie lieben mich nicht, wie ich Sie liebe!«
»Wenn Sie das meinen – und Sie tun gut daran, das Opfer Ihren Pflichten zu bringen, dann wird es Ihnen minder schwer werden, sich in Ihre neue Lage zu finden.«
»Aber wenn Sie mich lieben, wird Ihr Bedauern ebenso schmerzlich sein, wie das meinige, und was bleibt Ihnen dann übrig?«
»Wohlzutun, königliche Hoheit. – Anderer Schmerz und Leid zu teilen – Leid, das Sie selbst in meinem Herzen weckten, über dem ich bereits schweren Kummer vergaß und dem ich süßen Trost verdanke.«
»Hören Sie mich an! Um meiner Tochter willen will ich mich mit diesem Weibe vermählen, aber bei ihr zu leben, wenn das Opfer vollbracht ist, das kann ich nicht – nun und nimmer! Denn ich fühle nur Widerwillen und Verachtung gegen sie ... Nein, nein, wir werden stets getrennt voneinander leben – sie darf nie meine Tochter sehen, Marie bleibt bei Ihnen, denn sie verlöre an Ihnen die zärtlichste Mutter.«
»Es bleibt ihr der zärtlichste Vater, und durch solche offizielle Heirat wird sie die eheliche Tochter eines souveränen Fürsten Europas, und ihre Stellung wird, wie Sie selbst sagen, so glänzend, wie sie vordem dunkel war.«
»Sie sind unbarmherzig, Clemence – und ich – ich bin tief unglücklich!«
»Sprechen Sie nicht so, Sie sind ja so gerecht, üben Ihre Pflicht auf so edle Weise, opfern sich auf und verleugnen sich selbst auf die edelste Weise... Hätte man zu Ihnen gesagt, als Sie Ihr Kind in so großem Schmerz beweinten: sprechen Sie einen Wunsch aus, einen einzigen, und er soll verwirklicht werden, so würden Sie unbedenklich ausgerufen haben: meine Tochter, meine Tochter möge leben! Dieses Wunder ist geschehen, Sie haben Ihre Tochter wiedererhalten und – Sie nennen sich unglücklich! Wie, wenn Ihre Marie das hörte?«
»Sie haben recht, Clemence,« erwiderte Rudolf nach langer Pause, »soviel Glück wäre der Himmel auf Erden gewesen und – solches Glück verdiene ich nicht! – Ich werde tun, was ich tun muß. – Ich beklage mein Zögern nicht, denn ich habe dabei eine neue schöne Seite Ihres Herzens kennen gelernt.«
»Sie haben dieses Herz erhöht. Wenn ich jetzt Gutes vollziehe, so gebührt Ihnen der Ruhm, wie Ihnen stets das Verdienst aller guten Gedanken, die ich hatte, von mir zugeschrieben worden ist. – Mut, königliche Hoheit! Führen Sie Ihre Tochter, sobald sie die Reise vertragen kann, aus Paris! Bringen Sie sie nach Ihrem Deutschland! In diesem ernsten, ruhigen Lande wird sie ein ganz anderer Mensch werden, wird sie an ihre Vergangenheit denken nicht anders als an einen trüben Traum!«
»Aber Sie, Clemence? Sie?« fragte Rudolf mit zitternder Stimme. – »Mir wird – jetzt kann ich es Ihnen ja sagen, weil es mich immer mit Stolz und Freude erfüllen wird – mich wird meine Liebe zu Ihnen sattsam entschädigen, wird mir ein Schutzengel sein, wird mich über alles hinwegtrösten, was im Schoße der Zukunft noch für mich verborgen liegen mag ... Ich werde mit Ihnen in regelmäßigem Briefwechsel bleiben, und Sie – Sie werden mich von allem unterrichten, was sich im Leben jenes lieben Kindes vollziehen wird, das wir mit so unendlicher Wonne eine kurze, kurze Zeitlang unser Kind nannten!« – Sie konnte die Tränen nicht zurückhalten, die sich ihr in die Augen drängten – »die aber, das wollen Sie für gewiß annehmen! – zeit meines Lebens mir lieb und teuer bleiben wird wie mein eigenes Kind! Kommt einmal die Zeit, daß wir einander die lautere Liebe gestehen dürfen, die uns aneinander kettet, dann werde ich – das Versprechen gebe ich Ihnen – in Ihr Land hinüber kommen, werde in Ihre Residenzstadt ziehen, werde nie wieder von Ihrer Seite weichen, sofern Sie mich nicht verjagen oder verstoßen – und werde an Ihrer Seite mein Leben beschließen, das freilich wohl, hätten unsre Leidenschaften zum Worte kommen dürfen, anders hätte verlaufen können, das jedoch trotz allem nie anders als ehrenhaft und würdig verlaufen ist.«
»Königliche Hoheit,« – mit diesen Worten riß Murph die Tür auf und rannte ins Zimmer – »das Kind, das Ihnen der liebe Gott wiedergegeben, hat sein Bewußtsein wiedererlangt. Das erste Wort, das den Weg über ihre Lippen fand, war: Mein Vater! – Kommen Sie, kommen Sie, Prinzessin Marie verlangt es nach Ihrer Gegenwart!«
Kurz nachher hatte die Marquise von Harville das Palais des Fürsten verlassen. Der Fürst aber verfügte sich in Begleitung Murphs, Grauns und eines Adjutanten zur Gräfin Sarah Mac Gregor.
Zwölftes Kapitel.
Hochzeit
Gräfin Sarah Mac Gregor hatte, seit Rudolf ihr Marienblümchens Tod mitgeteilt, unter schweren Nervenanfällen gelitten, waren doch durch diese Nachricht all ihre Hoffnungen vernichtet, waren doch schreckliche Gewissensbisse in ihrem Herzen erwacht! Die kaum vernarbte Wunde war wieder aufgerissen worden. Eine lang andauernde Ohnmacht hielt sie umfangen, so daß man sie für tot gehalten hatte. Ihre starke Konstitution hielt sie aber auch diesmal noch aufrecht, und noch einmal flackerte die Lebensflamme in ihr auf.
Sarah, die vor unerträglicher Beklemmung nicht liegen konnte, sah in ihrem Sessel seit einiger Zeit in trübe, schwere Gedanken versunken, und wünschte sich fast den Tod, dem sie entgangen war. Da trat Thomas Seyton in das Zimmer, kaum imstande, eine gewaltige Aufregung zu verbergen, und winkte den beiden Kammermädchen, sich zu entfernen. Seine Schwester schien seine Anwesenheit kaum zu bemerken.
»Wie geht es dir?« fragte er. – »Es ist noch immer derselbe Zustand: ich fühle große Schwäche, bisweilen wird mir die Brust zum Ersticken zusammengeschnürt. Warum hat mich Gott nicht von dieser Welt hinweggenommen?« – »Sarah,« erwiderte Thomas Seyton nach kurzer Pause, »Du schwebst zwischen Leben und Tod. Eine starke Aufregung könnte Dir den Tod, vielleicht aber auch Rettung bringen.«
»Ich habe Aufregungen nicht mehr zu erwarten, Bruder, würde sogar bei Rudolfs Tode gleichgiltig bleiben – das Gespenst meiner ertränkten, durch meine Schuld ertränkten Tochter steht immer vor mir und verläßt mich nicht. – Das ist unerträgliche, unaufhörliche Gewissenspein. – Ich bin wirklich Mutter – seit ich kein Kind mehr habe.«
»Ich sähe lieber den kalten Ehrgeiz wieder an dir, indem du deine Tochter nur für ein Mittel hieltest, den Traum deines Lebens zu verwirklichen ...« – »Die entsetzlichen Vorwürfe dieses Fürsten haben all meinen Ehrgeiz erstickt, – das Muttergefühl ist in mir erwacht bei der Schilderung der grausamen Leiden, die meine Tochter hat ertragen müssen –«
»Und,« fuhr Thomas Seyton zögernd, jedes Wort abwägend, fort, »wenn du durch einen Zufall – wir wollen einmal etwas Unmögliches annehmen, – durch ein Wunder erfahren solltest, deine Tochter lebe noch, – wie würdest du diese Nachricht ertragen?« – »Ich würde sterben vor Scham und Verzweiflung bei ihrem Anblicke,« – »Glaube doch das nicht, der Triumph deines Ehrgeizes würde dich zu sehr berauschen, – denn, wenn deine Tochter noch lebte, würde dir ja doch der Fürst, wie er zu dir sagte, seine Hand geben.«
»Wenn ich diesen unmöglichen Fall gelten lasse, so – würde ich kein Recht mehr am Leben haben, denn im Besitze der Hand des Fürsten würde mir die Pflicht erwachsen, ihn von einer Frau, die seiner nicht würdig, und meine Tochter von einer Mutter zu erlösen, deren sie sich schämen müßte.«
Thomas Seytons Verlegenheit steigerte sich mit jedem Augenblicke. Ihm war durch Rudolf, der sich im Nebenzimmer aufhielt, der Auftrag geworden, Sarah zu eröffnen, daß ihr Kind noch am Leben sei, und wußte nun nicht, wie er sich dieses Auftrages am besten erledigte. Das Leben seiner Schwester hing an einem sehr schwachen Faden und konnte jeden Augenblick verlöschen. Sollte ein Ehebund zwischen dem Fürsten und ihr noch geschlossen werden, so war jeder Verzug gefährlich. Um die traurige Handlung vollziehen zu lassen, hatte Fürst Rudolf durch den Baron von Graun einen Geistlichen herbescheiden lassen. Als Zeugen der Gräfin waren durch Seyton Herzog von Lucenay und Lord Douglas bestellt worden und hatten sich eben eingefunden.