Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Aber Illian, Junge! Es gibt nur einen sicheren Weg hier hinaus — flußabwärts, während sie uns in einer ganz anderen Richtung vermuten. Blut und Asche, ein Traum kann dich nicht verletzen!«
Rand schwieg. Ein Traum kann nicht verletzen? Können Traumdornen einen Finger zum Bluten bringen? Er wünschte fast, er hätte Thom auch von diesem Traum erzählt. Wagst du es, irgend jemandem davon zu erzählen? Ba'alzamon ist in deinen Träumen, aber was steht nun noch zwischen Traum und Wirklichkeit? Wem wagst du zu erzählen, daß der Dunkle König dich berührt?
Thom schien zu verstehen. Das Gesicht des Gauklers nahm einen sanfteren Ausdruck an. »Sogar diese Träume, Junge. Es sind doch immer noch nur Träume, oder? Um des Lichts willen, Mat, sprich mit ihm. Ich weiß, daß zumindest du nicht nach Tar Valon willst.«
Mats Gesicht rötete sich, halb aus Verlegenheit, halb vor Ärger. Er vermied es, Rand anzusehen, und blickte Thom statt dessen böse an. »Warum macht Ihr bloß solches Theater? Ihr wollt zurück zum Schiff? Geht doch zum Schiff zurück! Wir passen schon auf uns auf.«
Die schmalen Schultern des Gauklers zitterten in stummem Lachen, doch seine Stimme klang angespannt wie im Zorn. »Du glaubst, du wüßtest genug über die Myrddraal, um auf eigene Faust zu entkommen, ja? Und du bist so weit, daß du allein nach Tar Valon hineinmarschierst und dich dem Amyrlin-Sitz übergibst? Kannst du wenigstens eine Ajah von der nächsten unterscheiden? Versengen soll mich das Licht, Junge, wenn du glaubst, du könntest Tar Valon überhaupt allein erreichen, dann sag mir, ich solle gehen.«
»Geht«, grollte Mat, und eine Hand glitt unter seinen Umhang. Rand erkannte erschreckt, daß er den Dolch aus Shadar Logoth in der Hand hielt und vielleicht sogar bereit war, ihn zu gebrauchen.
Heiseres Gelächter erklang von der anderen Seite der niedrigen Trennwand her, und eine Stimme sagte laut und verächtlich: »Trollocs? Zieh doch gleich den Umhang eines Gauklers an, Mann! Du bist betrunken! Trollocs! Sagen aus den Grenzlanden!«
Die Worte kühlten den Zorn ab wie eine kalte Dusche. Selbst Mat drehte sich mit großen Augen halb zu der Wand herum.
Rand stand so, daß er gerade über die Wand hinwegblicken konnte, duckte sich dann aber schnell wieder mit einem flauen Gefühl im Magen. Floran Gelb saß auf der anderen Seite der Wand am hinteren Tisch bei den beiden Männern, die schon bei ihrem Eintreten dort gesessen hatten. Sie lachten ihn aus, aber sie hörten doch zu. Bartim wischte einen Tisch ab, der das auch sehr nötig hatte, wobei er Gelb und die beiden Männer wohl nicht ansah, aber auch er lauschte. Er wischte ständig mit seinem Handtuch über den gleichen Fleck und beugte sich zu ihnen hin, bis er beinahe vornüber zu fallen drohte.
»Gelb«, flüsterte Rand, als er sich auf seinen Stuhl zurückfallen ließ, und die anderen strafften sich. Thom unterzog schnell ihren Teil des Schankraumes einer genaueren Betrachtung.
Auf der anderen Seite der Wand fiel die Stimme des anderen Mannes ein: »Nein, nein, es hat mal Trollocs gegeben. Aber sie wurden in den Trolloc-Kriegen alle getötet.«
»Grenzland-Sagen!« wiederholte der erste Mann.
»Es ist wahr, sage ich Euch«, protestierte Gelb laut. »Ich war in den Grenzlanden. Ich habe Trollocs gesehen, und das waren wirklich Trollocs, so wahr, wie ich hier sitze. Diese drei behaupteten, die Trollocs jagten sie, aber das weiß ich besser. Deswegen sind sie nicht auf der Gischt geblieben. Ich habe Bayle Domon schon eine Weile mißtraut, aber diese drei sind ganz sicher Schattenfreunde. Ich sage Euch...« Gelächter und rauhe Scherze erstickten den Rest dessen, was Gelb zu sagen hatte.
Wie lang würde es dauern, fragte sich Rand, bis der Wirt eine Beschreibung dieser drei hörte? Wenn das nicht schon der Fall gewesen war. Wenn er nicht sowieso gleich an die drei Fremden dachte, die er bereits kennengelernt hatte. Der einzige Weg aus ihrer Hälfte des Schankraums würde sie direkt an Gelbs Tisch vorbeiführen.
»Vielleicht ist das Schiff doch keine so schlechte Idee«, murmelte Mat, aber Thom schüttelte den Kopf.
»Jetzt nicht mehr.« Der Gaukler sprach leise und schnell. Er zog den Lederbeutel heraus, den ihm Kapitän Domon gegeben hatte und teilte hastig das Geld in drei Stapel. »Diese Geschichte wird sich in einer Stunde im ganzen Ort verbreitet haben, gleich ob jemand sie glaubt oder nicht, und der Halbmensch kann jederzeit davon erfahren. Domon segelt nicht vor morgen früh. Im besten Fall werden ihn die Trollocs bis nach Illian verfolgen. Na ja, er erwartet das aus irgendeinem Grund ja schon beinahe, aber das nützt uns nichts. Wir haben keine andere Wahl, als wegzurennen, und das schnell.«
Mat steckte rasch die Münzen, die Thom vor ihn hingeschoben hatte, in seine Tasche. Rand nahm seinen Stapel etwas langsamer auf. Die Münze, die ihm Moiraine gegeben hatte, war nicht dabei. Domon hatte ihnen das gleiche Gewicht in Silber gegeben, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund wünschte sich Rand, er hätte statt dessen die Münze der Aes Sedai. Er steckte das Geld in seine Tasche und sah den Gaukler fragend an.
»Falls wir getrennt werden«, erklärte Thom. »Wahrscheinlich werden wir das nicht, aber falls es geschieht... na ja, ihr beide werdet es schon auch allein schaffen. Ihr seid gute Jungs. Haltet euch um eures Lebens willen aber von den Aes Sedai fern.«
»Ich dachte, Ihr bleibt bei uns«, sagte Rand.
»Bleibe ich, Junge. Bleibe ich. Aber sie kommen uns jetzt sehr nahe, und das Licht allein weiß, was geschieht. Na ja, es spielt keine Rolle. Wahrscheinlich wird gar nichts passieren.« Thom schwieg einen Moment und sah Mat an. »Ich hoffe, du hast nichts mehr dagegen, wenn ich bei Euch bleibe«, sagte er trocken.
Mat zuckte die Achseln. Er sah sie beide an und zuckte dann noch mal die Achseln. »Ich bin eben nur so nervös. Ich werde die Angst nicht los. Jedesmal, wenn wir Rast machen und Luft holen, sind sie da und jagen uns. Ich fühle mich, als ob mir die ganze Zeit jemand auf den Hinterkopf starrt. Was sollen wir machen?«
Auf der anderen Seite der Wand erklang wieder lautes Lachen, wiederum von Gelb unterbrochen, der laut die beiden Männer zu überzeugen versuchte, daß er die Wahrheit sagte. Wie lange noch, überlegte Rand. Früher oder später mußte Bartim die drei aus Gelbs Erzählung mit ihnen in Verbindung bringen. Thom schob seinen Stuhl zurück und erhob sich, blieb aber gebückt stehen. Niemand, der von der anderen Seite der Wand aus Neugier herüberblickte, konnte ihn sehen. Er bedeutete ihnen, zu folgen und flüsterte: »Seid ganz still.«
Die Fenster zu beiden Seiten des Kamins auf ihrer Seite der Trennwand gingen auf eine Gasse hinaus. Thom betrachtete eines der Fenster ganz genau, bevor er es gerade so weit aufzog, daß sie sich durchquetschen konnten. Sie machten kaum einen Laut, nichts, was man bei dem Lärm des heiteren Streits auf der anderen Seite der niedrigen Wand drei Fuß weiter noch hätte hören können. Sobald er sich in der Gasse befand, wollte Mat zur Straße loslaufen, aber Thom packte ihn am Arm. »Nicht so schnell«, sagte der Gaukler zu ihm. »Wir müssen erst wissen, worauf wir uns einlassen.« Thom zog das Fenster soweit zu, wie er das von der Gasse aus konnte, und drehte sich dann um. Er betrachtete die Gasse.
Rand folgte Thoms Blick. An der Schenke und am nächsten Gebäude, einer Schneiderei, stand ein halbes Dutzend Regentonnen, doch ansonsten war die Gasse leer, der festgetretene Lehmboden trocken und staubig.
»Warum tut Ihr das?« wollte Mat wieder wissen. »Ihr wärt sicherer, wenn Ihr uns verließet! Warum bleibt Ihr bei uns?«
Thom blickte ihn einen Moment lang über an. »Ich hatte einen Neffen, Owyn«, sagte er müde und schälte sich aus seinem Umhang. Er wickelte ihn um seine Bettrolle, während er sprach, und legte vorsichtig seine Instrumentenkästen obenauf. »Der einzige Sohn meines Bruders und mein einziger lebender Verwandter. Er hatte Schwierigkeiten mit den Aes Sedai, doch ich war zu sehr mit... anderen Sachen beschäftigt. Ich weiß nicht, was ich hätte unternehmen können, aber als ich es schließlich versuchte, war es zu spät. Owyn starb ein paar Jahre später. Man könnte sagen, die Aes Sedai töteten ihn.« Er richtete sich auf, sah sie aber nicht an. Seine Stimme klang immer noch ruhig, aber Rand sah Tränen in seinen Augen, bevor Thom den Kopf wegdrehte. »Wenn ich euch zwei aus Tar Valon fernhalten kann, dann kann ich vielleicht aufhören, an Owyn zu denken. Wartet hier.« Er mied immer noch ihre Augen, eilte zum Ausgang der Gasse, verlangsamte aber seinen Schritt, bevor er ihn erreichte. Nach einem schnellen Blick in die Runde schlenderte er gleichmütig auf die Straße hinaus und außer Sicht.