Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Der Wirt legte sich das Handtuch über die Schulter und zog einen Stuhl heran. Er verschränkte die Arme auf dem Tisch, lehnte sich mit einem langen Seufzer zurück und erklärte, wie bequem es sei, sich einmal setzen zu können. Er hieße Bartim, und dann fuhr er fort, von seinen Füßen zu erzählen, von Hühneraugen und entzündeten Ballen und wie lange er immer stehen mußte und worin er sie badete, bis Thom die Neuigkeiten wieder erwähnte, und dann wechselte er übergangslos das Thema.
Die Neuigkeiten waren tatsächlich so wichtig, wie er behauptet hatte. Logain, der falsche Drache, war nach einer großen Schlacht in der Nähe der Grenze nach Lugard gefangengenommen worden, während er versuchte, sein Heer von Ghealdan nach Tear zu führen. Die Prophezeiungen, ob sie verstünden? Thom nickte, und Bartim fuhr fort. Die Straßen nach Süden seien vollgestopft mit Menschen, den Glücklichen, mit allem, was sie nur auf dem Rücken schleppen konnten. Tausende flohen in alle Richtungen.
»Niemand«, Bartim lachte trocken auf, »hat natürlich Logain unterstützt. O nein, da wird man kaum jemanden finden, der das zugäbe, jedenfalls nicht jetzt. Nur Flüchtlinge, die während der Unruhen nach einem sicheren Ort suchen.«
Natürlich waren an der Festnahme Logains Aes Sedai beteiligt gewesen. Bartim spuckte auf den Boden, als er das sagte, und noch einmal, als er erzählte, daß sie den falschen Drachen nach Norden, nach Tar Valon brächten. Bartim sei ein anständiger Mann, behauptete er wenigstens, ein angesehener Mann, und was ihn betraf, konnten die Aes Sedai alle zurück in die Fäule gehen, wo sie hergekommen waren, und auch noch Tar Valon mitnehmen. Wenn es nach ihm ginge, würde er sich nicht näher als tausend Meilen an eine Aes Sedai heranwagen. Natürlich hielten sie bei jedem Dorf und jeder Stadt auf dem Weg nach Norden an, um Logain vorzuführen, wie er gehört hatte. Um den Leuten zu zeigen, daß der falsche Drache gefangen und die Welt wieder sicher sei. Er hätte das schon gerne gesehen, selbst wenn er sich dabei den Aes Sedai nähern müßte. Er sei also halb versucht, nach Caemlyn zu gehen.
»Sie werden ihn dorthin bringen, um ihn Königin Morgase vorzuführen.« Der Wirt berührte respektvoll seine Stirn. »Ich habe die Königin noch nie gesehen. Ein Mann sollte seine eigene Königin kennen, meint Ihr nicht auch?«
Logain konnte Sachen machen, und die Art, wie Bartim die Augen verdrehte und sich mit der Zunge hastig über die Lippen fuhr, machte klar, was er meinte. Er hatte den letzten falschen Drachen vor zwei Jahren gesehen, als er im Land herum vorgezeigt wurde, aber das war nur so ein Bursche, der dachte, er könne sich selbst zum König machen. Damals wurden keine Aes Sedai gebraucht. Soldaten führten ihn in Ketten oben auf einem Wagen mit herum. Ein mürrisch dreinblickender Kerl, der im Inneren des Wagens stöhnte und den Kopf mit den Armen schützte, wenn die Leute Steinchen auf ihn warfen oder ihn mit Stöcken traktierten. Das war ziemlich oft geschehen, und die Soldaten hatten nichts unternommen, um es zu unterbinden, jedenfalls solange niemand versuchte, den Burschen umzubringen. Das Beste war, die Leute selbst sehen zu lassen, daß er letzten Endes nichts Besonderes darstellte. Er konnte keine Sachen machen. Aber diesen Logain zu sehen würde sich lohnen. Etwas, wovon Bartim noch seinen Enkeln erzählen könnte. Wenn die Schenke es ihm nur erlauben würde, wegzukommen!
Rand lauschte mit einem Interesse, das er keineswegs vortäuschen mußte. Als Padan Fain die Nachricht von einem falschen Drachen nach Emondsfeld gebracht hatte, von einem Mann also, der tatsächlich die Macht anwenden konnte, war das die wichtigste Neuigkeit seit Jahren für die Zwei Flüsse gewesen. Was seither geschehen war, hatte das in einen hinteren Winkel seines Gehirns verdrängt, aber es war immer noch die Art von Ereignis, über das die Leute noch in Jahren sprechen und es schließlich auch noch ihren Enkeln einst erzählen würden. Bartim würde seinen vielleicht berichten, er habe Logain gesehen, ob es stimmte oder nicht. Niemand würde je auf die Idee kommen, etwas, das einigen Dorfbewohnern aus den Zwei Flüssen zugestoßen war, könne auch nur der Rede wert sein, außer es waren selbst Menschen aus dieser Region. »Das«, sagte Thom, »ist etwas, woraus man eine Geschichte machen könnte, eine Geschichte, die noch in tausend Jahren erzählt wird. Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen.« Es klang bei ihm, als sei es ganz einfach die Wahrheit, und Rand glaubte das auch. »Ich werde vielleicht trotzdem versuchen, ihn zu sehen. Ihr habt nicht gesagt, welchen Weg sie nehmen. Vielleicht sind noch ein paar andere Reisende in der Gegend? Sie könnten davon gehört haben und den Weg kennen.«
Bartim machte eine abwertende Geste mit einer schmuddeligen Hand. »Nach Norden, das ist alles, was man hier in der Gegend weiß. Wenn Ihr ihn sehen wollt, dann geht nach Caemlyn. Mehr weiß ich auch nicht, und wenn es irgend etwas Wissenswertes in Weißbrücke gibt, dann weiß ich es.«
»Kein Zweifel«, sagte Thom verbindlich. »Ich schätze, eine Menge Fremde auf der Durchreise bleiben hier hängen. Euer Schild erregte meine Aufmerksamkeit bereits, als ich am Fuß der Weißen Brücke stand.«
»Nicht nur vom Westen her, müßt Ihr wissen. Vor zwei Tagen war ein Bursche hier, ein Illianer mit einer mit Siegeln und Bändern versehenen Proklamation. Hat sie gleich hier draußen auf dem Platz verlesen. Sagte, er reise damit bis hin zu den Verschleierten Bergen, vielleicht sogar zum Aryth-Meer, falls die Pässe offen sind. Sagte, sie hätten Männer in alle Länder der Welt geschickt, um sie zu verlesen.« Der Wirt schüttelte den Kopf. »Die Verschleierten Berge. Ich habe gehört, daß sie das ganze Jahr über von Nebel verhüllt sind, und es gibt in dem Nebel Dinge, die einem das Fleisch von den Knochen schälen, bevor man wegrennen kann.« Mat kicherte, was ihm einen tadelnden Blick Bartims einbrachte.
Thom beugte sich gespannt vor. »Was beinhaltete diese Proklamation?«
»Ja, natürlich die Jagd nach dem Horn«, rief Bartim. »Habe ich das nicht gesagt? Die Illianer rufen alle auf, die sich der Suche nach dem Horn verschwören wollen, sich in Illian zu treffen. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Euch mit Eurem Leben einer Legende zu verschwören? Ich schätze, sie werden einige Narren finden. Es gibt immer Narren genug. Dieser Bursche behauptete, das Ende der Welt sei nahe. Die letzte Schlacht mit dem Dunklen König.« Er lachte leise, aber es klang hohl, ein Mann, der lacht, um sich selbst davon zu überzeugen, daß eine Sache das Lachen wert sei. »Ich schätze, sie glauben, sie müßten davor noch das Horn von Valere finden. Was haltet Ihr denn von so was?« Er kaute überlegend eine Minute lang an seinem Knöchel herum. »Natürlich, nach diesem Winter wüßte ich auch nicht, was ich dagegen sagen sollte. Der Winter und dieser Kerl Logain und natürlich auch die anderen beiden davor. Warum behaupteten alle diese Kerle in den letzten paar Jahren, sie seien der Drache? Und der Winter. Das muß doch irgend etwas zu bedeuten haben. Was glaubt Ihr?«
Thom schien ihn nicht zu hören. Mit sanfter Stimme begann der Gaukler mehr für sich selbst zu zitieren:
In der letzten, einsamen Schlacht gegen den Anbruch der langen Nacht werden Berge sich beugen und die Toten sind Zeugen, und das Grab kann meinen Ruf nicht verhindern.
»Das ist es.« Bartim grinste, als könne er bereits die Menschenmengen sehen, die ihm ihr Geld aushändigten, während sie Thom lauschten. »Das ist es. Die Wilde Jagd nach dem Horn. Erzählt die Geschichte, und die Zuhörer werden noch in Trauben an den Dachbalken hängen. Alle haben die Proklamation gehört.«
Thom schien sich noch immer tausend Meilen entfernt zu befinden, und so sagte Rand: »Wir suchen ein paar Freunde, die hierher kommen wollten. Aus dem Westen. Sind in den letzten ein, zwei Wochen viele Fremde hier durchgekommen?«
»Ein paar«, sagte Bartim bedächtig. »Es gibt immer welche, sowohl aus dem Westen als auch aus dem Osten.« Er sah sie — plötzlich mißtrauisch geworden — einen nach dem anderen an. »Wie sehen sie denn aus, Eure Freunde?«