Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand öffnete den Mund, doch Thom, der mit einem Schlag wieder voll da war, sah ihn scharf an, um ihn zum Schweigen zu bringen. Mit einem ärgerlichen Seufzer wandte sich der Gaukler an den Wirt. »Zwei Männer und drei Frauen«, sagte er zögernd. »Sie sind möglicherweise beisammen, vielleicht aber auch nicht.« Er gab Kurzbeschreibungen ab, charakterisierte jeden in kurzen Worten, deutlich genug, damit jeder, der sie gesehen hatte, sie auch wiedererkennen konnte, aber ohne etwas darüber zu verraten, wer sie waren.
Bartim rieb sich mit einer Hand über den Kopf, wobei er sein spärliches Haar durcheinanderbrachte, und stand langsam auf. »Vergeßt jeden Auftritt hier, Gaukler. Ich würde es sogar begrüßen, wenn Ihr jetzt Euren Wein austrinkt und geht. Wenn Ihr klug seid, dann verlaßt Ihr Weißbrücke.«
»Hat jemand anders bereits nach ihnen gefragt?« Thom nahm einen Schluck, als sei die Antwort die unwichtigste Sache auf der Welt, und hob lediglich die Augenbrauen. »Wer könnte das sein?«
Bartim fuhr sich noch mal mit der Hand durchs Haar, trat von einem Fuß auf den anderen, bereit wegzugehen, und nickte dann leicht zu sich selbst. »Soweit ich mich erinnern kann, kam vor ungefähr einer Woche ein schmierig aussehender Bursche über die Brücke. Ein Verrückter, dachte jeder. Führte immer Selbstgespräche und bewegte sich ständig, selbst noch im Stehen. Hat nach den gleichen Leuten gefragt... nach ein paar davon jedenfalls. Er fragte, als sei es wichtig, und dann benahm er sich, als sei ihm die Antwort völlig gleichgültig. Einmal sagte er, er müsse hier auf sie warten, und dann wieder, daß er weiter müsse und in Eile sei. In einem Augenblick jammerte und bettelte er, und im nächsten stellte er Forderungen wie ein König. Hätte sich ein oder zweimal beinahe eine Tracht Prügel eingefangen, verrückt oder nicht. Fast hätte ihn die Wache in Gewahrsam genommen, und zwar zu seinem eigenen Schutz. Er brach am selben Tag in Richtung Caemlyn auf. Auch da redete er mit sich selbst und weinte in sich hinein. Verrückt, wie ich schon sagte.«
Rand sah Thom und Mat fragend an, und beide schüttelten den Kopf. Falls dieser schmierige Bursche nach ihnen suchte, war es niemand, den sie kannten.
»Seid Ihr sicher, daß er nach denselben Leuten suchte?« fragte Rand.
»Ein paar davon. Der Kämpfer und die Frau in Seide. Aber die waren es nicht, die ihn so besonders interessierten. Das waren drei Jungen vom Land.« Sein Blick huschte zu Rand und Mat und so schnell wieder weg, daß Rand sich nicht sicher war, ob er den Blick wirklich gesehen oder sich nur getäuscht hatte. »Er wollte sie unbedingt finden. Ein Verrückter, wie ich schon sagte.«
Rand schauderte und fragte sich, wer dieser Verrückte sein mochte und warum er nach ihnen suchte. Ein Schattenfreund? Würde Ba'alzamon einen Wahnsinnigen gebrauchen?
»Er war verrückt, aber der andere... « Bartims Blick wanderte unstet von einem zum anderen, und seine Zunge fuhr immer wieder über die Lippen, als könne er nicht genug Speichel hervorbringen, um sie feucht zu halten. »Am nächsten Tag... am nächsten Tag kam der andere zum erstenmal.« Er schwieg.
»Der andere?« hakte ihn Thom schließlich nach.
Bartim sah sich um, obwohl dieser Teil des Raums immer noch bis auf sie unbesetzt war. Er stellte sich sogar auf die Zehenspitzen und blickte über die niedrige Trennwand hinweg. Als er schließlich sprach, war es ein hastiges Flüstern.
»Er trägt nur Schwarz. Läßt niemals die Kapuze seines Umhangs fallen, damit man sein Gesicht nicht sehen kann, aber man kann fühlen, wie er einen anschaut. Das ist, als ob man einem einen Eiszapfen in das Rückgrat steckt.
Er... er hat mit mir gesprochen.« Er schauderte und kaute an seiner Lippe, bevor er fortfuhr. Es klang, als ob eine Schlange durch abgestorbene Blätter kriecht. »Hat meinen Magen fast in einen Eisklumpen verwandelt. Jedesmal, wenn er zurückkommt, stellt er die gleichen Fragen. Dieselben Fragen, wie der Verrückte sie stellte. Keiner sieht ihn jemals kommen — er ist einfach plötzlich da, am Tag oder bei Nacht, und man erstarrt, wo immer man auch steht. Die Leute fangen schon an, ständig über die Schultern nach hinten zu schauen. Das Schlimmste daran ist, daß die Torwächter behaupten, er sei niemals durch eines der Tore gekommen, weder hinein noch hinaus.«
Rand bemühte sich, ein nichtssagendes Gesicht zu machen; er preßte die Kiefer zusammen, bis sein Gebiß schmerzte. Mat schaute finster drein, und Thom versenkte den Blick in seinen Wein. Das Wort, das keiner von ihnen aussprechen wollte, hing zwischen ihnen in der Luft: Myrddraal.
»Ich glaube, ich würde mich daran erinnern, wenn ich schon einmal jemanden wie den getroffen hätte«, sagte Thom nach einer kurzen Pause.
Bartim nickte energisch. »Versengen soll mich das Licht, ja, das wurdet Ihr. Wahrheit des Lichts, ganz gewiß würdet Ihr das. Er... er sucht die gleichen Leute wie der Verrückte, nur sagt er, es sei auch noch ein Mädchen dabei. Und« — er blickte Thom von der Seite her an — »ein weißhaariger Gaukler.«
Thoms Augenbrauen hoben sich in einer Überraschung, von der Rand sicher war, daß sie nicht gespielt sein konnte. »Ein weißhaariger Gaukler? Na ja, ich bin wohl kaum der einzige Gaukler der Welt, der schon ein wenig Alter zeigt. Ich versichere Euch, daß ich diesen Burschen nicht kenne und er keinen Grund haben kann, nach mir zu suchen.«
»Das kann schon sein«, sagte Bartim bedrückt. »Er hat es nicht so direkt ausgedrückt, aber ich hatte den Eindruck, er sähe es als äußerst unfreundlich an, sollte jemand diesen Leuten helfen oder versuchen, sie vor ihm zu verstecken. Wie auch immer, ich sage Euch, was ich auch ihm gesagt habe. Ich habe keinen von ihnen gesehen und auch nichts über sie gehört, und das ist die Wahrheit. Keinen von ihnen«, betonte er noch einmal. Plötzlich knallte er Thoms Geld auf den Tisch. »Trinkt nur Euren Wein aus und geht. In Ordnung? Klar?« Und damit hastete er fluchtartig weg, wobei er sie über die Schulter hinweg beobachtete.
»Ein Blasser«, hauchte Mat, als der Wirt weg war. »Ich hätte wissen sollen, daß die hier nach uns suchen werden.«
»Und er wird zurückkommen«, sagte Thom, lehnte sich über den Tisch und dämpfte die Stimme. »Ich wurde sagen, wir stehlen uns an Bord des Kahns zurück und nehmen Kapitän Domons Angebot an. Die Suche wird sich auf die Straße nach Caemlyn konzentrieren, während wir auf dem Weg nach Illian sind, tausend Meilen weit weg von dem Gebiet, in dem uns die Myrddraal vermuten.«
»Nein«, sagte Rand mit fester Stimme. »Entweder warten wir in Weißbrücke auf Moiraine und die anderen, oder wir gehen weiter nach Caemlyn. Entweder oder, Thom. Das hatten wir beschlossen.«
»Das ist verrückt, Junge. Die Lage hat sich geändert. Hört doch auf mich. Gleich, was dieser Wirt sagt, wenn ihn ein Myrddraal anschaut, wird er alles über uns ausplaudern, bis zu unseren Getränken und wieviel Staub wir auf unseren Stiefeln hatten.« Rand schauderte, als er sich an den augenlosen Blick des Blassen erinnerte. »Was Caemlyn betrifft... Glaubt Ihr, die Halbmenschen wüßten nicht, daß wir nach Tar Valon wollen? Dies ist die richtige Zeit, um sich auf einem Schiff in Richtung Süden abzusetzen.«
»Nein, Thom.« Rand zwang sich zu diesen Worten, nachdem er sich vorgestellt hatte, tausend Meilen weit weg von dem Gebiet zu sein, wo ihn die Blassen suchten, aber er holte tief Luft, und seine Stimme klang wieder entschlossen. »Nein!«
»Stell dir doch vor, Junge: Illian! Es gibt keine großartigere Stadt auf dieser Welt! Und die Wilde Jagd nach dem Horn. Es hat beinahe vierhundert Jahre lang keine Jagd nach dem Horn mehr gegeben. Ein ganz neuer Geschichtenzyklus kann darüber gemacht werden. Denk doch nach! Du hast dir so etwas nie erträumt. Bis die Myrddraal herausbekommen, wo du bist, wirst du alt und grau sein und die Nase so voll davon haben, auf deine Enkel aufzupassen, daß es dir gleich ist, ob sie dich finden.«
Rands Gesichtsausdruck wurde unnachgiebig. »Wie oft soll ich noch nein sagen? Sie werden uns finden, wohin wir auch gehen. Dann warten eben Blasse in Illian auf uns. Und wie sollen wir den Träumen entkommen? Ich will wissen, was mit mir los ist, Thom, und warum. Ich gehe nach Tar Valon. Mit Moiraine, wenn es sich machen läßt, aber auch ohne sie, falls es sein muß. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, auch allein. Ich muß es wissen.«