Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Vielleicht«, knurrte der Kapitän, aber es klang nicht überzeugt. Er fuhr sich mit den dicken Fingern durch den Bart und zeigte dann auf die Tasche, in die Thom den Beutel gesteckt hatte. »Zweimal das Geld, wenn Ihr kommen zurück und lenken ab die Männer, damit nicht merken, wie hart ich sie arbeiten lassen. Überlegt es Euch. Ich segeln bei erstem Tageslicht morgen früh.« Er machte eine Kehrtwendung und ging zurück zu den Kaufleuten, die Arme weit gespreizt, während er sich dafür entschuldigte, daß er sie hatte warten lassen.
Thom zögerte noch, doch Rand schob ihn die Laufplanke hinunter, ohne ihm eine Möglichkeit zum Widersprechen zu geben, und der Gaukler ließ es sich gefallen. Ein Raunen ging durch die Menschenansammlung an der Anlegestelle, als sie den mit Flicken bedeckten Umhang Thoms bemerkten, und einige sprachen ihn an, um herauszufinden, wo er auftreten werde. Und wir wollten unbemerkt bleiben, dachte Rand bestürzt. Bis Sonnenuntergang würde ganz Weißbrücke wissen, daß ein Gaukler in der Stadt war. Trotzdem schob er Thom schnell weiter, und dieser — in trübes Schweigen gehüllt — versuchte nicht einmal, die Eile zu bremsen, um die Aufmerksamkeit zu genießen. Die Kutscher schauten interessiert von ihren hohen Böcken auf Thom hinunter, doch offensichtlich verbot ihnen die Würde ihrer Stellung jegliche Zurufe. Rand hatte keine Ahnung, wo er genau hingehen sollte, und so bog er in die Straße ein, die am Fluß entlang unter der Brücke hindurchführte. »Wir müssen Moiraine und die anderen finden«, sagte er. »Und das schnell. Wir hätten daran denken sollen, Thom einen anderen Umhang anziehen zu lassen.«
Thom schüttelte sich plötzlich und blieb unvermittelt stehen. »Ein Wirt dürfte in der Lage sein, uns zu sagen, ob sie hier sind oder zumindest durchgekommen sind. Der richtige Wirt. Wirte hören alle Neuigkeiten und allen Klatsch. Wenn sie nicht hier sind... « Er blickte zwischen Rand und Mat hin und her. »Wir müssen miteinander sprechen, wir drei.« Mit flatterndem Umhang ging er los, in die Stadt hinein und weg vom Fluß. Rand und Mat mußten schnell laufen, um mit ihm Schritt zu halten.
Der breite, milchweiße Bogen, der dieser Stadt ihren Namen verliehen hatte, beherrschte Weißbrücke hier aus der Nähe genauso, wie er aus der Ferne gewirkt hatte, aber nun, da Rand durch die Straßen schritt, erkannte er, daß die Stadt genauso groß wie Baerlon war, wenn auch nicht so dicht bevölkert. Ein paar Karren bewegten sich durch die Straßen, von Pferden oder Ochsen oder Eseln oder Männern gezogen, aber keine Kutschen. Die gehörten höchstwahrscheinlich alle den Kaufleuten und waren jetzt drunten am Anlegeplatz abgestellt.
Läden aller Art säumten die Straßen, und viele der Handwerker arbeiteten vor ihren Geschäften unter den im Wind pendelnden Schildern. Sie kamen an einem Mann vorbei, der gerade Töpfe reparierte, und an einem Schneider, der für einen Kunden Stoffbahnen gegen das Licht hielt. Ein Schuster, der in seiner Tür saß, hämmerte auf einem Stiefelabsatz herum. Marktschreier schrien Schilderungen ihres Könnens im Schärfen von Messern und Scheren hinaus oder versuchten, die Passanten für ihr spärliches Angebot an Obst und Gemüse zu interessieren, doch sie stießen nicht auf viel Gegenliebe. Lebensmittelgeschäfte zeigten genauso erbarmungswürdig wenige ausgestellte Waren, wie es Rand aus Baerlon noch im Gedächtnis hatte. Selbst die Fischhändler hatten nur kleine Häufchen kleiner Fische auf ihren Tischen, trotz der vielen Boote auf dem Fluß. Die Zeiten waren noch nicht wirklich schlecht, aber jeder konnte sehen, wie es kommen würde, sollte sich das Wetter nicht bald ändern, und die Gesichter, die keine permanenten Sorgenfalten zeigten, schienen etwas Unsichtbares anzustarren, etwas Unangenehmes.
Wo die Weiße Brücke in der Ortsmitte endete, befand sich ein großer Platz, der mit generationenalten Spuren von Füßen und Wagen versehenen Steinplatten gepflastert war. Schenken umgaben den Platz sowie Läden und hohe, rote Backsteinhäuser mit Schildern, die die gleichen Namen zeigten, wie Rand sie auf den Kutschen am Anlegeplatz gesehen hatte. In den Eingang einer dieser Schenken, scheinbar willkürlich ausgewählt, drückte sich Thom. Das im Wind pendelnde Schild über der Tür zeigte auf einer Seite einen gehenden Mann mit einem Bündel auf dem Rücken und auf der anderen Seite den gleichen Mann mit dem Kopf auf einem Kissen. Das sollte ›Des Wanderers Ruheplatz‹ darstellen.
Der Schankraum war leer bis auf den fetten Wirt, der Bier aus einem Faß zapfte, und zwei Männer in Arbeitskleidung, die in trüber Stimmung an einem Tisch im Hintergrund in ihre Krüge starrten. Nur der Wirt blickte auf, als sie eintraten. Eine schulterhohe Trennwand teilte den Raum von vorne bis hinten. Auf beiden Seiten standen Tische und jeweils ein Kamin, in dem ein Feuer prasselte. Rand fragte sich beiläufig, ob alle Wirte fett seien und ihnen die Haare ausfielen. Thom rieb sich heftig die Hände, sprach den Wirt auf die erneute Kälte an und bestellte Glühwein. Dann fügte er leise hinzu: »Gibt es hier irgendwo einen Platz, wo meine Freunde und ich uns unterhalten können, ohne gestört zu werden?«
Der Wirt nickte in Richtung auf die Trennwand. »Die andere Seite ist das Beste, was ich Euch dafür anbieten kann, außer Ihr wollt ein Zimmer nehmen. Das ist wegen der Matrosen, die vom Fluß heraufkommen. Es scheint, daß die Hälfte der Besatzungen etwas gegen die andere Hälfte hat. Ich will nicht, daß meine Einrichtung bei Raufereien zerstört wird, also halte ich sie fern voneinander.« Die ganze Zeit über hatte er schon Thoms Umhang beäugt, und nun neigte er den Kopf zur Seite und blickte berechnend drein. »Bleibt Ihr länger? Habe schon lange keinen Gaukler mehr hier drinnen gehabt. Die Leute würden gut für etwas zahlen, das sie von ihren Problemen ablenkt. Ich wurde Euch sogar etwas vom Preis eines Zimmers und Eures Essens nachlassen.«
Unbemerkt, dachte Rand betrübt.
»Ihr seid zu großzügig«, sagte Thom mit einer eleganten Verbeugung. »Vielleicht werde ich Euer Angebot annehmen. Aber jetzt brauchen wir ein ungestörtes Plätzchen.«
»Ich bringe Euren Wein. Gutes Geld hier für einen Gaukler.«
Die Tische auf der gegenüberliegenden Seite der Trennwand waren alle leer, aber Thom wählte einen aus, der gerade in der Mitte lag. »Damit uns niemand belauschen kann, ohne daß wir es merken«, erklärte er. »Habt ihr diesen Burschen gehört? Er läßt uns etwas vom Preis nach. Dabei verdoppele ich die Zahl seiner Gäste allein schon, wenn ich nur hier sitze. Ein ehrlicher Wirt läßt einen Gaukler umsonst wohnen und essen und drückt ihm noch einiges in die Hand dazu.«
Der ungedeckte Tisch war nicht allzu sauber, und der Fußboden war tage- oder vielleicht wochenlang nicht mehr gefegt worden. Rand sah sich um und verzog das Gesicht. Meister al'Vere hätte seine Schenke nie so schmutzig werden lassen, und wenn er aus dem Krankenbett hätte klettern müssen, um dafür zu sorgen. »Wir wollen nur einiges in Erfahrung bringen, ja?«
»Warum gerade hier?« wollte Mat wissen. »Wir sind an anderen Schenken vorbeigekommen, die sauberer aussahen.«
»Von der Brücke weg geradeaus«, sagte Thom, »befindet sich die Straße nach Caemlyn. Jeder, der Weißbrücke durchquert, kommt auch auf diesen Platz, es sei denn, er reist auf dem Fluß weiter, und wir wissen ja, daß eure Freunde das nicht machen. Wenn hier nichts über sie bekannt ist, dann nirgends. Laßt mich nur reden. Das muß hier vorsichtig angepackt werden.«
In diesem Moment erschien der Wirt wieder mit drei verbeulten Zinnkrügen, die er an den Henkeln in der Faust hielt. Der fette Mann wedelte mit einem Handtuch kurz über den Tisch, stellte die Krüge ab und nahm Thoms Geld. »Wenn Ihr bleibt, müßt Ihr nichts für Eure Getränke bezahlen. Guter Wein hier.«
Thoms Lächeln huschte nur kurz um seinen Mund. »Ich werde es mir überlegen, Wirt. Was gibt es Neues hier? Wir waren ziemlich aus der Welt.«
»Große Neuigkeiten gibt es. Große Neuigkeiten.«