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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Kaum hatte die Ermordung Heinrichs IV. den Thron für Ludwig XIII. freigemacht, hatte dieser nichts Eiligeres zu tun, als den Bewohnern Saint-Malos alle Privilegien zu bestätigen, die sein Vater ihnen verliehen hatte, und zwei seiner Kriegssschiffe bewaffnen zu lassen, damit diese die Fischereiflotte Saint-Malos bei ihrem Fischfang vor Neufundland beschützten.

Auch Richelieu wendete sich an die treuen Untertanen Saint-Malos, als er beschloss, La Rochelle zu belagern, das die Hugenotten mit Nahrungsmitteln und Geld unterstützte, und dafür benötigte er eine Marine, die es mit der Buckinghams aufnehmen konnte. Er verfügte über nur vierunddreißig Walfänger; Saint-Malo brachte zweiundzwanzig mit. Eine Bevölkerung von achttausend Bewohnern, eine Kleinstadt, ein kleiner Hafen, hatten ganz allein fast ebenso viel ausgerichtet wie das übrige Frankreich. Der Hafen Saint-Malo wurde zum Admiralssitz erhoben; was die Kosten der Stadt betraf, das vergossene Blut zum Beispiel, erließ man sie dem König gnädig.

Richelieu stirbt. Mazarin ist sein Nachfolger.

1649 lässt die Regierung mit Schiffen, die von Saint-Malo nach Kanada fahren, zahlreiche Straßenmädchen in die neue Kolonie deportieren, um diese zu besiedeln; jede von ihnen fand bei der Ankunft einen Ehemann, und keine zwei Wochen später waren sie alle verheiratet, und alle hatten ihrem Mann als Mitgift einen Ochsen, eine Kuh, einen Eber, eine Sau, einen Hahn, ein Huhn, zwei Fass Pökelfleisch, einige Waffen und zwölf Taler mitgebracht.

Die Tapferkeit der Männer von Saint-Malo war so sprichwörtlich, dass die Mannschaft des Flaggschiffs in der Regel aus ihnen rekrutiert wurde, und dieser Regel verlieh Ludwig XIV. Gesetzeskraft.

Damals bestand die Marine Saint-Malos aus einhundertfünfzig Schiffen, davon sechzig unter hundert Tonnen und neunzig von hundert bis vierhundert Tonnen.

Und nun kommen die großen Seefahrer ins Spiel. Von 1672 bis 1700 sehen wir in den Annalen Saint-Malos einst so berühmte und heute so vergessene Namen wie Dufresne des Saudrais, Le Fer de La Bellière, Gouin de Beauchesne – der Name des ersten Mannes aus Saint-Malo, der Kap Hoorn umschiffte -, Alain Porée, Legoux, Herr von la Fontaine, Louis-Paul Danycan, Herr von la Cité, Joseph Canycan, Athanaze Le Jolif, Pépin de Bellisle, François Fossart, la Villauglamatz, Thomas des Minimes, Étienne Piednoir, Joseph Grave, Jacques Porcher, Josselin Gardin, Nouail des Antons, Nicolas de Giraldin, Nicolas Arson und Duguay-Trouin. Viele dieser Sterne sind erloschen, verblichen, doch der Name Duguay-Trouin strahlt weiterhin so hell wie Jupiter.

Während des für Frankreich so verhängnisvollen Unabhängigkeitskrieges machte Saint-Malo im Jahr 1704 einundachtzig Prisen, deren Verkauf zwei Millionen und vierhundertzweiundzwanzigtausendsechshundertfünfzig Francs und zwei Centimes erbrachte. Saint-Malo eröffnet den Handel mit Mocha, begründet die Kontore in Surate, Calicut und Pondicherry, erobert Rio de Janeiro, nimmt die Insel Mauritius in Besitz, die in Île de France umbenannt wird, erweitert seine eigene Stadt, umgibt sie mit Befestigungen und bringt nach Duguay-Trouins Tod seinen würdigen Nachfolger hervor, Mahé de la Bourdonnais, der die Île de France und die Île de Bourbon regierte und die Schlappen wettmachte, die wir in Asien erlitten hatten.

Während der schrecklichen Kriege unter der Herrschaft Ludwigs XV., die durch den schändlichen Friedensschluss von 1763 beendet wurden, erlitt Saint-Malos Handel schmerzliche Einbußen. Trotz der Hoffnungen, die man an die Herrschaft Ludwigs XVI. knüpfte, ging es mit dem Wohlstand nicht bergauf, und die stürmischen Revolutionsjahre 1794 und 1795 machten ihm vollends den Garaus; schon gegen Ende 1793 besaß Saint-Malo kaum mehr als zwei, drei Küstenfahrer und kein einziges Kaperschiff.

1790 hatte sich Saint-Servan, bis dahin ein Vorort Saint-Malos, von der Stadt losgesagt und ihr die Hälfte ihrer Bevölkerung genommen.

Als jedoch im Juni 1793 Prokonsul Le Carpentier nach Paris zurückbeordert wurde und Saint-Malo aufatmen konnte, ließ man fünf kleine Kaperschiffe zu Wasser, und zwischen 1796 und 1797 war ihre Zahl auf dreißig angewachsen, auch wenn manche nur mit Musketen und Gewehren bewaffnet waren. Im Jahr darauf rüstete Saint-Malo achtundzwanzig neue Kaperschiffe aus. Diese Zahl von Kriegsschiffen wurde bis zum Frieden von England im Jahr 1801 beibehalten.

Dieser Frieden aber war nicht von Dauer; schon 1803 waren die Feindseligkeiten mit einer Verbissenheit wiederaufgenommen worden, die verriet, welch alter Hass zwischen den zwei Völkern schwelte.

Die Helden dieser Zeit waren Le Même, Lejolif, Tréhouart und Surcouf, und der letztgenannte Name führt uns zu unserem Sujet zurück.

50

Die Herberge der Madame Leroux

Am 8. Juli 1804 hingen gegen elf Uhr vormittags die Wolkenmassen so tief und so eng über den Dächern, dass es aussehen wollte, als entstiegen sie dem Meer, statt sich vom Himmel herabzusenken, als ein fünfoder sechsundzwanzigjähriger junger Mann, dem die atmosphärischen Gegebenheiten höchst gleichgültig zu sein schienen, zu Fuß die Ortschaft Saint-Servan verließ, die er über die Straße von Châteauneuf erreicht und in der er sich nur aufgehalten hatte, um langsam und frugal zu Mittag zu speisen; zwischen den Granitfelsen stieg er den Weg nach Boisouze hinunter, den es heute nicht mehr gibt, denn er musste der Route Impériale weichen. Die Sturzbäche, die sich über ihn ergossen und von seinem Lederhut auf seine Seemansjacke troffen, konnten ihn nicht zur Eile nötigen; er ging unbeschwerten Schritts, seinen Seesack auf dem Rücken, und schlug mit seinem Wanderstock gegen die Blüten voller Tau, die Diamantenschauer entsandten. Hinter und vor ihm toste das Meer, doch das schien ihn nicht zu beeindrucken; der Donner grollte über seinem Kopf, doch Donner und Blitz schienen ihn nicht zu bekümmern, und als er die Schiffswerft erreichte, konnte ihn nicht einmal das überwältigende Schauspiel, das sich nun seinem Blick bot, aus seiner Gedankenverlorenheit wecken.

Er hatte den Rand des Sillon erreicht, am Eingang des Viertels Rocabey.

Dieser Sillon war eine schmale Mole zwischen dem Ärmelkanal und dem Meerwasserbecken landeinwärts, die Saint-Malo mit Saint-Servan verband. Sie war dreißig Fuß hoch, aber keine acht Fuß breit, und bei Flut und stürmischem Wetter ergossen sich nach jedem Ansturm der Wassermassen die Wogen wie eine flüssige Kuppel über die Mauer und stürzten dröhnend und zischend in das landeinwärts gelegene Becken. Wenn Wind und Wasser den wilden Ärmelkanal aufwühlten, wagte sich fast keine Menschenseele auf den schmalen Steg, denn man erzählte sich, dass nicht nur Wanderer, sondern sogar Pferde und Wagen von den Wirbelstürmen erfasst und in das Becken geschleudert worden waren; es wäre also klüger gewesen, abzuwarten, bis das Toben der Elemente sich etwas beruhigte und man den Sillon ungehindert überqueren konnte. Doch der junge Mann betrat unbeschwerten Schritts den Weg auf der Mole. Unterwegs warf das Meer wie ein zweiköpfiges Ungeheuer, das beide Rachen aufriss, um ihn zu verschlingen, zwei riesige Wogen über ihn, doch ohne sich zu beeilen, erreichte er das andere Ende des Sillon und die Schlossmauern, die er nun entlangging und die ihn zwar nicht vor dem Regen, doch vor Wind und Meer schützten.

Um die Zugbrücke zu erreichen, musste unser Reisender bis zu den Knien im Wasser waten; dann stieg er zur Innenstadt hinunter, in der er sich kurz umsah; ohne lange zu fackeln, bog er nach links ab und erreichte den kleinen Platz, an dem sich heute das Café Franklin befindet. Dort schien er sich wieder auszukennen, denn er bog in die Straße ein, die von der Place au Beurre zur Rue Traversière führt; und als er sich in dem Gewirr enger Gässchen verirrte, deren stattlichste zwei Meter breit waren, wendete er sich an einen Seemann, der in einem Hauseingang Schutz vor dem Regen gesucht hatte. »He, Kamerad«, sagte der junge Mann, »können Sie mir sagen, wie ich zu der Herberge von Madame Leroux finde?«

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