Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Ich?«
»Gewiss doch. Hat man Sie in Ihrem Gefängnis behandelt wie jemanden, der seine Kerkerzelle nur verlassen wird, um den Tod zu erleiden? Hat man während Ihrer Gefangenschaft versucht, Ihren Geist zu erniedrigen, Ihre Seele zu zerbrechen oder Ihr Herz zu verderben? Haben Sie einen Wunsch gehegt, der Ihnen nicht erfüllt worden wäre? Hat Ihnen das nicht gezeigt, dass eine wohlwollende Macht über Sie wachte? Drei Jahre, wie Sie sie zugebracht haben, Monsieur, sind keine Bestrafung, sondern eine zusätzliche Erziehung, und vorausgesetzt, die Natur hat Sie dazu bestimmt, ein Mann zu werden, hätten diese drei Jahre Ihnen unter anderen Umständen gefehlt.«
»Aber schließlich«, rief Sainte-Hermine ungeduldig, »hat man mich zu einer Strafe verurteilt; worin besteht sie?«
»Darin, dass Sie als einfacher Soldat in die Armee eintreten.«
»Aber das ist eine Degradierung.«
»Und welchen Rang hatten Sie bei Ihren Wegelagerern inne?«
»Was meinen Sie?«
»Ich will wissen, welchen Rang Sie bei den Compagnons de Jéhu innehatten.«
Hector senkte den Kopf.
»Sie haben recht«, sagte er, »ich werde einfacher Soldat sein.«
»Und seien Sie ruhig stolz darauf, Monsieur: Marceau, Kléber, Hoche haben ihre Laufbahn als einfache Soldaten begonnen und wurden berühmte Generäle. Jourdan, Masséna, Lannes, Berthier, Augereau, Brune, Murat, Bessières, Moncey, Mortier, Soult, Davout und Bernadotte sind heute Marschälle Frankreichs und haben fast alle als einfache Soldaten angefangen; fangen Sie an wie diese und enden Sie wie sie.«
»Man wird anordnen, mich in den niedrigsten Rängen der Armee zu belassen.«
»Sie werden durch herausragende Taten Ihre Vorgesetzten zwingen, Sie zu befördern.«
»Ich werde gezwungen sein, einer Regierung zu dienen, der meine Familie ablehnend gegenüberstand und die ich ablehnen muss.«
»Monsieur, seien Sie ehrlich und gestehen Sie sich ein, dass Sie zu dem Zeitpunkt, als Sie im Wald von Vernon Postkutschen überfielen, noch gar keine Zeit gehabt hatten, eine eigene Haltung in diesen Dingen zu entwickeln; Sie haben Ihrer Familientradition gehorcht und nicht Ihrem eigenen Urteil. Seit Sie im Gefängnis sind, seit Sie die Geschichte der Vergangenheit und die Möglichkeiten der Zukunft betrachtet haben, muss Ihnen klar geworden sein, dass die alte Welt zu Trümmern zerfällt und auf diesen Trümmern eine neue errichtet wird. Alles, was die alte Welt bedeutete, was mit ihr zusammenhing, ist tot, ist einen gewalttätigen, unumkehrbaren, vom Schicksal vorherbestimmten Tod gestorben. Vom Thron bis zum niedrigsten Rang in der Armee, von den höchsten Staatsbeamten bis zu den bescheidensten Dorfbürgermeistern sieht man nur neue Gesichter; sogar in Ihrer eigenen Familie hat eine vergleichbare Trennung stattgefunden: Ihr Vater und ihre zwei Brüder gehörten der Vergangenheit an, Sie aber sind Teil der neuen Welt; und was Sie selbst in diesem Augenblick denken, gibt mir recht, davon bin ich überzeugt.«
»Ich muss gestehen, Monsieur, dass an dem, was Sie sagen, viel Wahres ist und dass Ludwig XVI. und Marie-Antoinette ebenso für die alten Geschlechter standen, zu denen sie zählten, wie Bonaparte und Joséphine, die beide unbedeutenderen Geschlechtern entstammen, die neue Zeit verkörpern.«
»Es freut mich, dass ich mich nicht getäuscht habe; Sie sind der intelligente Mann, für den ich Sie gehalten habe.«
»Darf ich, um die Schmach der Vergangenheit zu tilgen, meinen Dienst unter fremdem Namen antreten?«
»Ja; Sie dürfen Ihren Dienst nicht nur unter fremdem Namen antreten, sondern sogar die Art des Dienstes, den anzutreten Sie verurteilt sind, selbst wählen.«
»Danke.«
»Haben Sie eine Vorliebe?«
»O nein; welchen Weg ich auch gehe, ich werde zu dem Staub gehören, den der Wind aufwirbelt.«
»Warum sich vom Wind davontragen lassen, wenn man gegen ihn kämpfen kann? Soll ich Ihnen einen Rat geben, Monsieur, was die Wahl der Heeresgattung betrifft, in der Sie dienen wollen?«
»Geben Sie ihn, Monsieur.«
»Wir werden einen erbitterten Krieg mit England führen, einen Seekrieg; Sie können wählen, werden Sie Seemann.«
»Ich spielte mit dem Gedanken daran«, sagte Hector.
»In Ihrer Familie gibt es Seeleute: Fünf Ihrer Vorfahren, angefangen mit Hélée de Sainte-Hermine, Schwadronschef im Jahr 1734, haben hohe Positionen in der Marine bekleidet; der Bruder Ihres Vaters war Schiffskapitän – Sie wissen es selbst am besten, denn als Vierzehnjähriger haben Sie unter ihm als Steuermannsjunge und Seekadett gedient; Ihre seemännische Ausbildung ist also bereits zur Hälfte absolviert.«
»Da Sie so gut über alles informiert sind, was sich seit eineinhalb Jahrhunderten in meiner Familie ereignet hat, Monsieur, können Sie mir vielleicht auch sagen, was aus meinem Onkel geworden ist? In den drei Jahren meiner Gefangenschaft habe ich keine Kunde von der Welt gehabt.«
»Ihr Onkel, ein loyaler Untertan des Königs, hat anlässlich des Todes des Herzogs von Enghien um seine Entlassung nachgesucht und hat sich mit Ihren zwei Cousinen nach England zurückgezogen.«
»Wann soll ich mich an meinem Bestimmungsort einfinden?«
»Wie lange brauchen Sie, um zu Hause Ihre Angelegenheiten zu regeln?«
»Meine Angelegenheiten werden schnell geregelt sein, denn ich nehme an, dass mein Vermögen beschlagnahmt wurde.«
»Ihr Vermögen steht voll und ganz zu Ihrer Verfügung, und wenn Ihr Verwalter Sie nicht betrügt, werden Sie die Erträge von drei Jahren vorfinden, dreihundert Millionen Francs, was keine schlechte Ausstattung für einen Seemann ist.«
»Monsieur, aus allem, was Sie sagen, geht hervor, dass ich Ihnen viel verdanke, und doch habe ich Ihnen bislang mit keinem Wort gedankt. Bitte schreiben Sie meine Unaufmerksamkeit der unbegreiflichen Situation zu, in der ich mich wiederfinde, und nicht der Fühllosigkeit eines Undankbaren.«
»Ich halte Sie so wenig für undankbar, dass ich Ihnen einen Rat geben will, den ich bis zuletzt aufgespart habe, weil er der beste ist.«
»Sagen Sie ihn, Monsieur.«
»Treten Sie auf keinen Fall in die kaiserliche Marine ein.«
»Und wo soll ich Ihrer Meinung nach eintreten?«
»Nehmen Sie Dienst an Bord eines Kaperschiffs. Ein neues Gesetz hat die Korsaren den Marineoffizieren gleichgestellt; müssten Sie als einfacher Seemann dienen, fiele Ihnen die Disziplin an Bord eines Marineschiffs beschwerlich, doch an Bord eines Kaperschiffs, auf dem zwischen den Dienstgraden weniger streng unterschieden wird, können Sie sich ohne Weiteres mit dem Kapitän anfreunden und ihm vielleicht sogar einen Teil seiner Ausrüstung finanzieren; es steht ihm frei, Ihnen den Rang zu verleihen, den er Ihnen verleihen will, und wenn Sie von der irregulären Marine in die des Staates überwechseln, wird Ihnen die Dienstzeit seit Ihrem ersten Tag als Steuermannsjunge bei Ihrem Onkel angerechnet werden.«
»Aber Monsieur Fouché«, sagte Hector voller Erstaunen über so viel Wohlwollen seitens eines Mannes, der nicht unbedingt als wohlwollend galt, »was habe ich getan, um solche Aufmerksamkeit Ihrerseits zu verdienen?«
»Das weiß ich in der Tat nicht, und ich erkenne mich selbst nicht wieder«, sagte der Polizeiminister. »Ich weiß nur, dass ich bestimmte Männer, deren überragende Intelligenz mir auffällt, gerne schwierigen Situationen aussetze, denn sie gehen immer ehrenvoll und ruhmvoll aus ihren Prüfungen hervor. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergehen wird, aber eines Tages werden Sie mir danken, und zwar mit mehr Berechtigung als heute.«
»Monsieur«, sagte Sainte-Hermine mit einer Verbeugung, »schon heute bin ich Ihnen für alles verpflichtet, auch für mein Leben.«
»Vergessen Sie nicht, mir den Namen Ihres Schiffs mitzuteilen, wenn Sie an Bord gehen, die Nummer, die Ihnen in der Mannschaft zugeteilt wird, und das Pseudonym, unter dem Sie Ihren Dienst antreten; denn Sie sagten, wenn ich mich recht erinnere, Sie wollten unter fremdem Namen dienen.«