Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Nun, Kamerad, wenn trockene Bohnen an der Tagesordnung sind, werden wir trockene Bohnen essen, aber bis dahin wollen wir uns an den Austern gütlich tun, die uns erwarten. Eines noch: Du weißt meinen Namen, aber ich nicht den deinen, das erschwert unsere Unterhaltung. Wie heißt du?«
»Saint-Jean, gnädiger Herr. An Bord hieß ich ›Mastkorb‹, weil ich oben am Mast Wache halte.«
»Gut, Saint-Jean. Ein Glas Chablis? Der hat die Linie nicht passiert, das kann ich dir versichern.«
Saint-Jean hielt dem Gastgeber sein Glas hin und leerte es auf einen Zug.
»Verdammt«, sagte er, »ich dachte wohl, es wäre Apfelmost. Schenken Sie mir ein zweites Glas ein, Kamerad, damit ich gutmachen kann, dass ich das erste so formlos hinuntergestürzt habe.«
René ließ sich nicht lange bitten, denn er wollte Saint-Jean zum Sprechen bringen und selbst so wenig wie möglich reden, was sich auf diesem Weg als nicht weiter schwierig erwies. Nach dem Chablis gab es Bordeaux, nach dem Bordeaux Burgunder und nach dem Burgunder Champagner. Und Saint-Jean ließ sich mit einer Ungezwungenheit bewirten, die seine Arglosigkeit bezeugte.
Als das Dessert serviert wurde, sagte René: »Ich glaube, jetzt wäre es an der Zeit für den Rest der Geschichte, wie es Surcouf gelang, seine Fahrt auf einem englischen Schiff statt auf der Confiance zu beenden.«
»Als wir gewendet haben, um bei Tisch vor Anker zu gehen, waren die zwei Schiffe keine zwei Seemeilen mehr voneinander entfernt. Ich war auf Posten im Ausguck und hatte ein Fernrohr; ich meldete unserem Kapitän, dass das Schiff, das wir uns ausgesucht hatten, verdeckte Geschütze besaß, dass es teuflisch aufgetakelt war und dass seine Segel englischen Zuschnitt hatten: Nun galt es nur noch herauszufinden, wie gut es bewaffnet war und mit welchem Schiff wir es zu tun hatten. Während ich mit dem Kapitän spreche, wird die Position unserer Confiance prekär, weil der Wind, der anfangs ein mildes Lüftchen war, so frisch wird, dass wir auf einmal vier Knoten machen; aber um uns zweifelsfrei zu vergewissern und um zu erfahren, mit welchem Gegner wir es zu tun haben, streichen wir alle kleinen Segel, luven an und segeln hoch am Wind. Das andere Schiff macht uns das Manöver nach, so dass man meinen könnte, es wäre unser Schatten, wäre es nicht größer gewesen als die Confiance. Da die beiden Schiffe einander der Entfernung wegen nicht taxieren können, segelt die Confiance eine Dreiviertelwende nach Backbord, und abermals wiederholt das rätselhafte fremde Schiff unser Manöver, so dass wir einander erneut so schräg gegenüberliegen wie zuvor und wir das andere Schiff nicht recht in Augenschein nehmen können, denn Balken und Fässer verdecken seine Geschütze.
Wissen Sie, Kamerad«, fuhr Saint-Jean fort, »es gibt eine brave kleine Fee, die man zur Taufe Surcoufs einzuladen vergessen hat, und diese Fee heißt Geduld. Aber die Mannschaft war nun genauso aufgebracht wie ihr Kapitän. Gnade Gott dem fremden Schiff, wenn es von gleicher Stärke wie das unsere ist und es zum Handgemenge kommt!
Die Confiance profitierte von ihrer besonderen Bauweise am meisten, wenn sie dicht am Wind segelte; da dieses Manöver jedoch zu den allergefährlichsten bei Beginn eines Kampfes gehört, luven wir wieder an und lassen das Schiff Fahrt aufnehmen, damit wir im äußersten Notfall den Rückzug antreten können.
Schließlich gehen wir hoch an den Wind und überholen das andere Schiff, was wir mit Freudenrufen quittieren.
Surcouf hatte sich neben mich gesetzt. ›Zum Teufel!‹, sagte er. ›Jetzt werden wir bald sehen, ob dieses Schiff ein ehrliches Spiel treibt und ob es ehrlich an unserem Schiff längsseits gehen will. Ich bin ein alter Seebär, aber einen Bären lasse ich mir nicht aufbinden. Ich kenne alle Schliche dieser Schurken mit ihren Handelsschiffen. Oft genug habe ich erlebt, dass solche Schiffe verlockend aussahen und von Kapitänen geführt wurden, die mit allen Wassern gewaschen waren und jene, die sie verfolgten, in die Flucht schlugen, weil sie sich stellten, als suchten sie selbst den Kampf!‹
Surcouf war von dieser Überzeugung so durchdrungen, dass sich die Confiance laut seinem Befehl von Luv dem gegnerischen Schiff näherte. Das war nicht zum Lachen, denn hätte er sich getäuscht, wäre uns eine Breitseite auf den Pelz gefeuert worden, oder aber wir wären Gefahr gelaufen, geentert zu werden.
Surcouf lässt sich an einem Tau auf das Deck herunter und geht dann schnellen Schritts auf den ersten und den zweiten Leutnant zu. ›Tod und Teufel!‹, ruft er und stampft mit dem Fuß auf. ›Ich habe eine Riesendummheit begangen, ich hätte das fremde Schiff zuerst herankommen lassen und es dann mit verschiedenen Geschwindigkeiten jagen sollen, um seine Stärke und Schnelligkeit einschätzen zu können.‹ Und er schlug sich mit der Faust an die Stirn, spuckte seine Zigarre weg, gewann dann seine Kaltblütigkeit wieder und sagte: ›Das soll mir eine Lehre sein.‹
Dann hob er sein Fernrohr ans Auge, folgte dem Schiff fünf Minuten lang mit dem Blick, schob die Kupferrohre des Perspektivs mit der Handfläche wieder zusammen und rief die Mannschaft herbei. ›Alle hierher an Deck!‹
Wir drängten uns um ihn. ›Zum Teufel!‹, rief er. ›Jetzt ist mir alles klar. Ihr seid Männer, keine Kinder, wozu euch also verbergen, was ich jetzt weiß? Seht euch den Engländer gut an: Er hat eine Büste als Galionsfigur, Bugsprietsegelbrassen mit einfachen Taljen und ein nagelneues Geschütz über dem Reff seines kleinen Toppsegels. Nun, es handelt sich ganz einfach um eine Fregatte.‹
›Eine Fregatte!‹
›Und wollt ihr wissen, wie diese Fregatte heißt? Das ist die vermaledeite Sibylle! Es wird ein hartes Stück Arbeit sein, sie uns vom Hals zu schaffen, aber noch ist nicht aller Tage Abend; wenn es mir gelingt, mit unserer Confiance so dicht wie möglich am Wind zu bleiben, möchte ich sehen, wie sie uns einholen wollen. Ach!‹, fuhr er fort, ballte die Fäuste und knirschte mit den Zähnen. ›Wenn mir nicht die Hälfte meiner Männer fehlte, die ich mit den Prisen zur Île de France schicken musste, zum Teufel, auch wenn es nichts einbrächte, würde ich mir den Spaß erlauben, den Engländern ein bisschen die Hölle heißzumachen, so dass wir etwas zu lachen hätten; aber mit den paar Mann Besatzung, die mir geblieben sind, kann ich mir diese Unterhaltung nicht erlauben, denn es hieße die Confiance ohne Not aufs Spiel zu setzen. Lieber den Engländer täuschen. Aber welche List soll ich ersinnen, welche Falle kann ich ihm stellen?‹
Surcouf ging nach achtern, setzte sich und senkte den Kopf in die Hände, um nachzudenken. Fünf Minuten später hatte er gefunden, was er suchte, und es war höchste Zeit, denn wir befanden uns nur mehr in halber Gefechtsdistanz zu dem anderen Schiff.
›Die englischen Uniformen!‹, rief er.
Zu einer der letzten Prisen, die wir erbeutet hatten, gehörten zwölf Truhen englischer Uniformen, die auf dem Weg nach Indien gewesen waren; in einer Vorahnung, dass diese Uniformen ihm eines Tages nützlich sein würden, hatte Surcouf sie an Bord der Confiance behalten.
Kaum hatte Surcouf nach den Uniformen verlangt, ging ein Lächeln über alle Mienen, denn jedermann begriff, was er vorhatte; die Uniformen werden geholt und ins Zwischendeck gebracht; jeder Seemann steigt durch eine Luke in unserer Nationaltracht hinunter und durch eine andere Luke im roten Rock wieder hinauf: Und keine fünf Minuten später waren nur noch Engländer auf Deck zu sehen.
Daraufhin legen etwa dreißig der Unseren einen Arm in eine Schlinge, und andere binden sich gerötete Bandagen um den Kopf: Das Blut musste ein Huhn hergeben. Unterdessen nageln wir von außen an die Schiffsplanken Holzstücke, die den Eindruck zugestopfter Einschusslöcher machen sollen, und mit Hammerschlägen durchlöchern wir das Schandeck unserer Beiboote. Zuletzt begibt sich unser echter Engländer, unser Dolmetscher, in Kapitänsuniform und mit Sprachrohr auf die Wachtbank des Offiziers, während Surcouf, als einfacher Matrose verkleidet, sich neben ihn stellt, um ihm zu soufflieren, was er sagen soll.