Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Ja, Monsieur, der Name Sainte-Hermine ist tot.«
»Für alle Welt?«
»Für alle Welt und vor allem für diejenige, die ihn tragen sollte.«
»Bis er zusammen mit dem Titel eines Kommandanten oder Generals wiederauferstehen wird, nicht wahr?«
»Aber ich hoffe, dass die Person, die Sie erwähnten, bis dahin ihr Glück gefunden und mich vergessen haben wird.«
»Aber wenn sie mich, der ich in meiner Eigenschaft als Polizeiminister alles wissen muss, fragt, wie Sie gestorben sind, was soll ich ihr dann antworten?«
»Antworten Sie ihr, dass ich mit aller Achtung, die ich ihr schulde, und in ungeminderter Liebe zu ihr gestorben bin.«
»Monsieur sind frei«, sagte Fouché und öffnete beide Türflügel.
Die Gendarmen machten Platz.
Der Graf von Sainte-Hermine salutierte und ging hinaus.
49
Saint-Malo
An einer der zahlreichen Buchten, die Frankreichs Küsten zwischen Calais und Brest, zwischen Normandie und Bretagne, zwischen dem Kap von La Hague und dem Kap Tréguir aufweisen, und gegenüber den alten französischen Inseln Jersey, Guernesey und Aurigny erhebt sich die kleine Stadt Saint-Malo wie das Nest eines Meeresvogels auf einem Felsen.
In den rauen und umwölkten alten Zeiten, als die Bretagne Armorique hieß, trennten diesen Felsen, den der Fluss Rance umspülte, Wälder und Wiesen von dem Meer, zu denen die Inseln, die Saint-Malo umschlossen, und jene, die wir weiter oben nannten, zweifellos gehörten, doch das Erdbeben, das sich im Jahr 709 vor Christus ereignete, verschlang einen Teil des Kaps, das sich ebenso weit ins Meer erstreckte wie das Kap von La Hague und das Kap Tréguir.
Die Vorstöße der normannischen Seeräuber kosteten Karl den Großen noch auf seinem Totenbett Tränen und nötigten die Bewohner der Umgegend, auf dem Felsen von Saint-Malo Schutz zu suchen. Zwischen 1143 und 1152 verlegte Jean de Châtillon den Bischofssitz dorthin, nachdem er die Mönche von Marmoutier der Insel und ihrer Dependenzien enteignet hatte.
Von diesem Zeitraum an datiert das neue Leben: Die Tochter des ungebändigten Ozeans entwickelte sich rasch unter dem Schutz der wackeren Seeleute und unter der herrschaftlichen Gerichtsbarkeit des Bischofs und des Kapitels.
Diese Einteilung, die dem Gemeinwesen und den Rechten des Volkes Rechnung trug, führte zu einem Bevölkerungswachstum durch Asylsuchende, dem riskanten Aufschwung junger Städte; die Marine gedieh dank der Zollfreiheit des Hafens, der Handel dank Abgabenfreiheit und Privilegien, die Herzöge und Könige der Stadt gewährten, und Wohlergehen und Wohlstand wuchsen durch die Prisen in Kriegszeiten und in Friedenszeiten durch steten Handel und gewinnbringende Transaktionen. Die Stadt bildete gewissermaßen eine unabhängige Republik im Herzen der bretonischen Nation. Die Unantastbarkeit des Asyls rettete dem jungen Grafen Richmond aus dem Hause Lancaster das Leben, dem späteren Henry VII. Von Edward IV., dem ersten Herrscher aus dem Hause York, erbarmungslos verfolgt, flüchtete er sich 1475 in die Kathedrale von Saint-Malo.
Eine Merkwürdigkeit besteht darin, dass des Nachts bei Ebbe die Schiffe von einer Meute aus vierundzwanzig Doggen bewacht wurden, die aus England stammten. Diese Sitte führten Kapitel und Gemeinde im Jahr 1145 ein, und bis 1770 versah die Meute regelmäßig ihren Dienst. In diesem Jahr war ein junger Offizier so tollkühn, sich mit den vierfüßigen Wächtern anzulegen, als er an Bord zu gehen versuchte, nachdem die Tore bereits geschlossen waren. Die Hunde rissen ihn in Stücke, woraufhin der Stadtrat befahl, sie zu vergiften.
Die Bollwerke von Saint-Malo hatten nicht einmal die Hunde je bewachen dürfen.
Lang und ruhmreich wäre die Geschichte all der Boote, die in Saint-Malo vom Stapel gelassen wurden und die Wogen durchpflügten, um ihre eisernen Klauen in englische, portugiesische und spanische Schiffe zu schlagen. Keine zweite Nation verzeichnet in ihren Annalen so viele siegreich bestandene Kämpfe wie dieses kleine Volk, dessen Stadtmauern man binnen einer Stunde umrunden kann.
Schon 1234 prägten die Einwohner Saint-Malos, die Malouins, dem Meer ihren Stempel auf. Und als Matthew Paris sie wie im Sturzflug über die englischen Schiffe herfallen sah, nannte er sie die leichten Truppen des Meeres.
Ludwig der Heilige hört von dem Ruhm der waghalsigen Seefahrer; er vereint sie mit denen aus Picardie und Normandie und schickt sie der englischen Flotte entgegen. Die englische Flotte wird geschlagen, und ihre Schiffe müssen sich in den Hafen zurückziehen, aus dem sie ausgelaufen waren.
Am 1. April 1270 trat Ludwig der Heilige, angetrieben von dem heiligen Wahn, dessen Heilung er in El-Mansura zu finden hoffte, die siebte, letzte Kreuzfahrt an. Die Schiffe der Seeleute aus Saint-Malo folgten seinem Aufruf und umfuhren Spanien, um sich wie verlangt vor Aigues-Mortes einzufinden.
Das Glück blieb den Schiffen von Saint-Malo treu bis zu dem Seegefecht auf dem Swin im Jahr 1340, in dessen Verlauf sie gegen Engländer und Flamen unterlagen. Sie verständigten sich mit ihren früheren Gegnern und schlossen sich Jean de Montfort an, den diese unterstützten; als er jedoch aus seinen Ländern verjagt wurde und nach England floh, unterwarf Saint-Malo sich Karl V. Daraufhin wollte der Herzog von Lancaster die Stadt einnehmen; dies hoffte er mittels einer neuen Erfindung, der Artillerie, zu bewerkstelligen, doch die Einwohner entfachten künstlichen Nebel, töteten die Minierer in ihren Unterständen und steckten einen Teil des feindlichen Lagers in Brand. Froissart behauptet, das Scheitern dieses Angriffs habe Lancaster und sein ganzes Heer mit Schande überhäuft.
Herzog Jean, der mittlerweile sein Herzogtum zurückerhalten hatte, wollte ebenfalls Saint-Malo einnehmen; er belagerte die Stadt und ließ keine Lebensmittel hineingelangen, und er unterbrach die Wasserzufuhr des Aquädukts oberhalb des Hafens. Nach seinem Sieg nahm er den Bewohnern der Stadt alle Privilegien, die sein Vater ihnen gewährt hatte.
Doch so leicht gaben die Malouins sich nicht geschlagen. Wie sie sich einst Karl V. unterworfen hatten, unterwarfen sie sich nun Karl VI. und nutzten dessen Huld, um eine Flotte auszurüsten, mit der sie die Küsten Englands heimsuchten.
Am 25. Oktober 1415 schlug die schwere Stunde der Schlacht von Azincourt, die beinahe Frankreichs Verderben besiegelte. Der Herzog der Bretagne gewann Saint-Malo, dessen Bewohner ihn mit hermelinbesetzten Bannern und in weißen Gewändern begrüßten.
Daraufhin dehnte das siegreiche England seine Herrschaft über ganz Frankreich aus, und die englische Fahne flatterte auf Notre-Dame und auf allen französischen Festungen. Nur auf dem Gipfel des Mont-Saint-Michel protestierten die drei Lilien des französischen Banners gegen unsere Niederlage. Eine Flotte blockierte die wehrhafte Zitadelle. Kardinalbischof Guillaume de Montfort rüstete die englische Flotte mit Waffen aus. Und obwohl an Größe und Zahl unterlegen, kämpften die Schiffe der Seeleute von Saint-Malo Schiff für Schiff gegen die der Engländer. Der Kampf wurde erbittert und erbarmungslos geführt; die englischen Schiffe wurden geentert, ihre Mannschaften erschlagen, die Niederlage war vernichtend. Als das geschlagene Frankreich den Siegesruf Saint-Malos vernahm, hob es erstaunt den Kopf und begann wieder Hoffnung zu schöpfen, hatte es doch an dieser Stelle seines Landes alles verloren gewähnt; und der Garnison von Mont-Saint-Michel kam Saint-Malo mit Männern und Lebensmitteln zu Hilfe.
Karl VII. wurde durch die Meldung dieses Sieges für einen Augenblick aus seiner Liebesträgheit wachgerüttelt, und am 6. August 1425 erließ er ein Edikt, das die Schiffe Saint-Malos für drei Jahre von allen alten wie neuen Abgaben in allen der Krone unterstehenden Ländern befreite.
Dieser Freibrief wurde von Franz I. der Bretagne verdoppelt, denn er verbot seinem Generalpächter, Hafengebühren zu erheben; dieser durfte nun nicht mehr verlangen und nehmen als das, was die Herzöge für den Unterhalt des Kapitäns und für die Befestigung der Stadt festgesetzt hatten.