Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Unser Fähnrich zur See, ein tapferer Bursche namens Bléas, den Hut eines englischen Offiziers auf dem Kopf, tritt zu Surcouf. ›Zu Befehl, Kapitän‹, sagt er, ›ich hoffe, Sie sind mit meiner Verkleidung zufrieden.‹
›Ganz ausgezeichnet‹, erwidert Surcouf lachend. ›Aber für Maskeraden und Späße ist jetzt keine Zeit mehr. Bléas, merken Sie sich gut, was ich Ihnen sagen werde, denn Ihr Auftrag ist von allergrößter Wichtigkeit; aus zwei Gründen habe ich Sie dazu ausersehen: Zum einen sind Sie Neffe des Eigners der Confiance und unmittelbar an ihrem Schicksal beteiligt, zum anderen sprechen Sie tadellos die englische Sprache; im Übrigen setze ich uneingeschränktes Vertrauen in Ihren Mut, Ihre Intelligenz und Ihre Kaltblütigkeit. ‹<
›Kapitän, ich kann nur wiederholen, was ich bereits sagte: Ich stehe Ihnen zu Befehl.‹<
›Danke. Bléas, Sie werden in die Jolle steigen und sich an Bord der Sibylle begeben.‹
›Kapitän, in zehn Minuten werden Sie mich an Deck der Sibylle sehen.‹<
›Oh, nicht so schnell‹, sagte Surcouf, ›ganz so einfach ist die Sache nicht. In fünf Minuten will ich sehen, dass Ihre Jolle mit Wasser vollläuft, während Sie sich darin befinden.‹
›Ich bin gerne bereit, sie volllaufen zu lassen, mit ihr unterzugehen oder mich von einem Hai anknabbern zu lassen, während ich mich schwimmend zu retten versuche. Aber vor allem wüsste ich gerne, was all das zur Rettung der Confiance beitragen soll.‹
›Glauben Sie mir, dass ich Ihnen nichts Böses will, Bléas?‹
›Oh, ganz gewiss, mein Kapitän.‹<
›Nun, denn: Verlangen Sie keine Erklärung von mir.‹
›Einverstanden, mein Kapitän; was aber ist mit denen, die mich begleiten? ‹
›Seien Sie unbesorgt, sie werden ihre Rollen umso überzeugender spielen, je weniger sie wissen; und zum Beweis, dass ich weder Sie noch jene in ernstlicher Gefahr glaube, gebe ich Ihnen hundert Dublonen und Ihren Begleitern je fünfundzwanzig Dublonen. Diese Belohnung erhalten Sie neben Ihrem Sold, denn sie ist dazu gedacht, Ihnen die Gefangenschaft nicht langweilig werden zu lassen; doch seien Sie unbesorgt, ich verspreche Ihnen, dass Sie aus der Gefangenschaft befreit sein werden, bevor Sie noch Zeit haben, das Geld auf den Kopf zu hauen, und wenn ich fünfzig Engländer hergeben müsste, um euch freizubekommen. Ich muss wohl nicht eigens erwähnen, dass zu den hundert Dublonen und Ihrem Prisengeld noch eine ansehnliche Belohnung auf Sie und Ihre Männer wartet.‹<
›Oh, was das betrifft, Kapitän …‹<
›Pah, lassen Sie nur; Gold bringt Glück. Haben Sie alles verstanden?‹
›Jawohl.‹<
›Springen Sie auf keinen Fall ins Wasser.‹
›Wie, sollen wir doch ertrinken?‹, rief Bléas ratlos.
›Nein; sobald Ihnen das Wasser über die Knöchel steigt, wenden Sie sich der Sibylle zu und rufen in gutem Englisch um Hilfe. Verstanden?‹
›Ja, Kapitän, verstanden.‹
›Dann geben Sie mir die Hand und springen Sie ins Boot.‹
Und zu dem Matrosen, der die Jolle führte, sagte er: ›Kernoch, mein Freund, du vertraust mir, nicht wahr?‹
›Potz Bomben und Granaten! Das will ich wohl meinen!‹
›Dann leere dieses Glas Wein auf mich, nimm dieses Splisshorn, und wenn du auf halbem Weg zu der Fregatte bist, hau mir ein paar anständige Löcher in den Boden der Jolle, damit sie schnell vollläuft.‹<
Dann näherte er den Mund dem Ohr des Seemanns und die Hand seiner Tasche, flüsterte ihm ein paar Worte ins Ohr und steckte ihm ein zusammengerolltes Papier in die Tasche.
›Das war nicht nötig, Kapitän‹, sagte Kernoch, ›aber es schadet auch nicht.‹<
›Willst du mich nicht zum Abschied küssen?‹
›Teufel auch! Mit dem größten Vergnügen‹, erwiderte der Seemann.
Und indem er einen Priem von der Größe eines Hühnereis in der Backe versteckte, drückte er Surcouf auf beide Wangen einen schmatzenden Kuss, wie er auf dem Land Ammenkuss heißt.
Kurz darauf verließ uns die Jolle mit Monsieur Bléas.
Von der Sibylle bedrängt, streicht die Confiance alle Segel bis auf die Toppsegel, kommt fast zum Stehen bei rauem Wind, hisst die englische Flagge, die sie mit einem Kanonenschuss bestätigt, segelt eine Backbordhalse und fiert auf. Die Sibylle wiederum, die dem Frieden und unserer Nationalität nicht so recht traut, hält sich weiterhin gefechtsbereit, lässt einige der vorgeblichen Balken ins Wasser fallen, um die Stückpforten ihrer Geschütze freizumachen, enthüllt unseren Blicken eine furchterregende Reihe von Kanonen und dreht zu unserer Linken bei.
Kaum hatten wir den gleichen Kurs aufgenommen, als der englische Kapitän uns die Frage zurief, woher wir kamen und warum wir uns ihm mit vollen Segeln genähert hatten.
Unser Dolmetscher erwiderte, was ihm Surcouf einflüsterte, dass wir nämlich die Sibylle an ihrer Maskierung erkannt und uns deshalb so schnell genähert hatten, weil wir eine gute Nachricht für ihren Kapitän hatten.
›Was für eine Nachricht?‹, fragt der Kapitän persönlich durch sein Sprachrohr.
›Die Nachricht Ihrer Beförderung in den nächsthöheren Dienstgrad‹, erwidert der Dolmetscher mit unerschütterlicher Kaltblütigkeit.
Mit dieser Antwort bewies Surcouf, wie gut er das Menschenherz kennt: Denn wer eine gute Nachricht erhält, ist nur selten geneigt, an der Glaubwürdigkeit des Überbringers zu zweifeln. Und von diesem Augenblick an verschwand das Misstrauen von der Miene des englischen Kapitäns.
Dennoch sagte er kopfschüttelnd: ›Es ist doch gar zu sonderbar, wie ähnlich Ihr Schiff einem französischen Kaperschiff sieht.‹<
›Aber Kapitän, das kommt daher, dass es ein Kaperschiff ist‹, erwidert unser Dolmetscher, ›und ein berühmtes obendrein, das wir an der Küste der Gascogne gekapert haben. Und weil die Kaperschiffe von Bordeaux die schnellsten Schiffe der Welt sind, wollten wir lieber damit die Fahrt fortsetzen als mit unserem eigenen, um mit Gottes Hilfe den Korsaren Surcouf zu verfolgen und einzufangen.‹
Während dieses Gesprächs zwischen unserem Dolmetscher und dem englischen Kapitän stoßen die Männer in der Jolle auf einmal Verzweiflungsschreie und Hilferufe aus, und man sieht, dass das Boot voller Wasser ist und unterzugehen droht.
Sofort stellen wir die Fregatte in den Wind und bitten um Hilfe für unsere Männer, denn unsere anderen Beiboote sind noch ärger beschädigt als die Jolle, die gerade absäuft, und völlig seeuntüchtig.
Da es die erste Pflicht und das oberste Gebot für jeden Seemann ist, diejenigen zu retten, die sich in Gefahr befinden, ob Freund oder Feind, lässt man von der Sibylle große Boote zu Wasser, die dem Fähnrich zur See Bléas und seinen Matrosen entgegenrudern.
›Retten Sie nur unsere Leute aus dem Boot‹, rief der Dolmetscher. ›Wir werden manövrieren, ohne zu wenden, und sie dann mitsamt dem Boot mitnehmen.‹
Um dieses Manöver auszuführen, lässt die Confiance das Focksegel herunter, hisst das Vorbramsegel, den großen Klüver, holt das Briggsegel bei und entfernt sich von der Fregatte.
Surcouf hatte einen famosen Geistesblitz gehabt, und nun konnte er seiner Freude freien Lauf lassen. ›Seht mir diese wackeren Engländer‹, ruft er, ›wir sollten uns schämen, dass wir sie nicht lieben, wo sie doch unsere Männer an Bord nehmen. Ha! Da bekommt Kernoch einen Nervenzusammenbruch, und Bléas, meiner Treu, fällt in Ohnmacht! Ha, ha, was für Spitzbuben, das werde ich ihnen nicht vergessen; sie haben ihre Rolle ganz hervorragend gespielt; unsere Freunde sind in Sicherheit und wir auch. Aber jetzt heißt es manövrieren! Setzt alle Segel! Stellt alle Segel so dicht wie möglich auf Am-Wind-Kurs! Setzt alle Beisegel! Und du, Schiffsjunge, bring mir eine angezündete Zigarre.‹<