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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Sag mir, daß sie noch am Leben sind«, murmelte sie an seiner Brust. »Was?«

Sie drückte sich auf eine Armlänge von ihm weg, die Hände auf seinen Armen, und blickte in der Dunkelheit zu ihm auf. »Rand und Mat. Die anderen. Sag mir, daß sie noch leben.«

Er atmete tief ein und sah sich unsicher um. »Sie leben«, sagte er schließlich.

»Gut.« Sie rieb sich mit geschickten Fingern die Wangen. »Das war es, was ich hören wollte. Gute Nacht, Perrin. Schlaf gut.« Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, hauchte ihm einen Kuß auf die Wange und eilte an ihm vorbei, bevor er etwas sagen konnte. Er drehte sich um und beobachtete sie. Ila erhob sich, um sie zu empfangen, und die beiden Frauen gingen, sich leise unterhaltend, in den Wagen. Rand würde es verstehen, dachte er, aber ich nicht.

In der fernen Nacht heulten die Wölfe die erste dünne Sichel des neuen Mondes am Horizont an, und er schauderte. Morgen wurde er sich wieder der Wölfe wegen Gedanken machen müssen. Er irrte sich. Sie warteten schon auf ihn und begrüßten ihn in seinen Träumen.

26

Weißbrücke

Der letzte unsichere Ton dessen, was man kaum noch als ›Der Wind, der die Weide beugt‹ hatte erkennen können, verklang zur Erleichterung der Zuhörer, und Mat senkte Thoms mit Gold und Silber verzierte Flöte. Rand nahm die Hände von den Ohren. Ein Matrose, der nebenan auf dem Deck ein Seil zusammenrollte, seufzte laut vor Erleichterung. Einen Augenblick lang hörte man nur das Klatschen des Wassers an die Bordwand, das rhythmische Quietschen der Ruder und von Zeit zu Zeit das Summen der vom Wind gezupften Takelage. Der Wind drückte schnurgerade auf den Bug der Gischt, und die nutzlosen Segel waren eingerollt.

»Ich denke, ich sollte dir dankbar sein«, murmelte Thom Merrilin schließlich, »daß du den Beweis geliefert hast, wie wahr das alte Sprichwort ist: Wie auch immer du es unterrichtest, ein Schwein wird niemals lernen, Flöte zu spielen.« Der Matrose lachte schallend auf, und Mat hob die Flöte, als wolle er sie nach ihm werfen. Energisch entriß Thom das Instrument Mats Hand und legte es in seinen festen Lederbehälter. »Ich dachte immer, ihr Schäfer verbringt die Zeit damit, der Herde auf dem Dudelsack oder der Flöte vorzuspielen. Das wird mir eine Lehre sein, nie wieder etwas zu glauben, was ich nicht aus eigener Anschauung weiß.«

»Rand ist der Schäfer«, grollte Mat. »Er spielt Dudelsack, nicht ich.«

»Ja, nun, er zeigt ein wenig Talent. Vielleicht sollten wir besser das Jonglieren üben, Junge. Wenigstens scheinst du dafür etwas Talent zu besitzen.«

»Thom«, sagte Rand, »ich weiß gar nicht, warum Ihr Euch immer noch so bemüht.« Er blickte zu dem Matrosen hinüber und senkte die Stimme. »Schließlich wollen wir ja nicht wirklich Gaukler werden. Das geben wir doch nur vor, bis wir Moiraine und die anderen gefunden haben.«

Thom zupfte an einem Schnurrbartende herum und schien das glatte, braune Leder des Flötenkastens auf seinen Knien einer genauen Betrachtung zu unterziehen. »Was wird, wenn du sie nicht findest, Junge? Es gibt keinen Hinweis darauf, daß sie überhaupt noch am Leben sind.«

»Sie leben«, sagte Rand überzeugt. Er wandte sich, um Unterstützung heischend, an Mat, aber Mats Augenbrauen waren fast bis zur Nase heruntergezogen, sein Mund bildete eine schmale Linie, und seine Augen waren auf das Deck gerichtet. »Jetzt sag doch was!« forderte Rand ihn auf. »Du kannst doch nicht so wütend sein, nur weil du nicht Flöte spielen kannst. Ich kann's auch nicht sehr gut. Du hast bisher auch nie Flöte spielen wollen.«

Mat blickte mit gerunzelter Stirn auf. »Was ist, wenn sie tot sind?« fragte er leise. »Wir müssen mit den Tatsachen leben, oder?«

In diesem Moment meldete der Mann im Ausguck: »Weißbrücke! Weißbrücke voraus!«

Eine ganze Weile lang sah Rand seinem Freund in die Augen, obwohl um sie herum die Matrosen damit beschäftigt waren, den Kahn auf das Anlegemanöver vorzubereiten. Rand konnte nicht glauben, daß Mat so etwas so beiläufig sagen konnte. Mat stierte ihn mit eingezogenem Kopf an. Es gab so vieles, was Rand in dem Moment sagen wollte, doch er brachte es nicht fertig, seine Gefühle in Worte zu fassen. Sie mußten einfach daran glauben, daß ihre Freunde noch lebten. Sie mußten. Warum? bohrte eine Stimme in seinem Hinterkopf. Damit es alles so kommt wie in einer von Thoms Geschichten? Die Helden finden den Schatz und besiegen den Bösewicht, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute? Ein paar seiner Geschichten enden nicht auf diese Weise. Manchmal sterben sogar die Helden. Bist du ein Held, Rand al'Thor? Bist du ein Held, Schafhirte?

Plötzlich wurde Mat rot und wandte sich ab. Befreit sprang Rand auf und ging durch das geschäftige Treiben zur Reling hinüber. Mat kam ihm langsam nach und bemühte sich nicht einmal, den Matrosen auszuweichen, die ihm über den Weg liefen.

Männer hasteten auf dem Kahn herum. Ihre bloßen Füße klatschten auf dem Deck. Die einen zogen Taue ein, andere lösten oder befestigten welche. Einige schleppten große Säcke aus Ölzeug an, die bis zum Bersten mit Wolle vollgestopft waren, während andere Kabel von der Stärke von Rands Handgelenken bereithielten. Trotz aller Eile bewegten sie sich mit der Sicherheit von Männern, die dies alles schon tausendmal zuvor getan hatten. Nur Kapitän Domon stampfte auf dem Deck herum, schrie Befehle und verfluchte diejenigen, die sich seiner Meinung nach nicht schnell genug bewegten.

Rand konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf das, was vor ihnen lag und klar in Sicht kam, als sie eine sanfte Kurve des Arinelle durchfahren hatten. Er hatte in Liedern und Geschichten und den Erzählungen von Händlern davon gehört, doch nun konnte er die Legende in Wirklichkeit sehen.

Die Weiße Brücke schwang sich in hohem Bogen über den breiten Fluß; doppelt so hoch wie der Mast der Gischt, und sie glänzte von einem Ende zum anderen milchweiß im Sonnenschein, ja, sie schien das Licht in sich zu sammeln, bis sie glühte. Dünne Pfeiler aus dem gleichen Material stemmten sich der starken Strömung entgegen. Sie erschienen fast zu zerbrechlich, um das Gewicht und die Breite der Brücke zu halten. Es wirkte alles wie aus einem Stück gefertigt, als sei sie von der Hand eines Riesen aus einem einzigen Stein gehauen oder geformt worden, breit und hoch, und sie überspannte den Fluß mit einer luftigen Eleganz, die beinahe ihre Größe vergessen machte. Alles in allem überragte sie die Stadt, die sich am Ostufer zu ihren Füßen ausbreitete, obwohl Weißbrücke viel größer als Emondsfeld war, mit Naturstein- und Backsteinhäusern, so groß wie die in Taren-Fähre, und mit hölzernen Landestegen, die wie dünne Finger in den Fluß hinausgriffen. Der Arinelle war von kleinen Booten übersät, und Fischer holten ihre Netze ein. Und über allem ragte die Weiße Brücke auf und glänzte.

»Sie sieht aus, als sei sie aus Glas«, sagte Rand zu niemand Bestimmtem.

Kapitän Domon blieb hinter ihm stehen und hakte den Daumen in seinem Gürtel ein. »Nein, Junge. Was immer es sein, es sein nicht Glas. So stark es auch regnen, es sein nicht rutschig, und der beste Meißel und stärkste Arm nicht machen Kerbe hinein.«

»Ein Überrest aus dem Zeitalter der Legenden«, sagte Thom. »Ich habe sie jedenfalls immer schon dafür gehalten.«

Der Kapitän knurrte mürrisch: »Möglich. Aber immer noch nützlich sein. Könnte sein, jemand anders sie gebaut haben. Muß nicht sein Aes Sedai Werk. Es nicht muß sein so alt wie das alles. Streng dich gefälligst an! Du sein verdammter Narr!« Er hastete das Deck hinunter.

Rand betrachtete die Brücke noch staunender als vorher. Aus dem Zeitalter der Legenden. Also von den Aes Sedai gebaut. Deshalb hatte Kapitän Domon so seine Bedenken, auch wenn er immer von der Großartigkeit und dem Zauber der Welt sprach. Ein Werk der Aes Sedai. Es war eine Sache, davon zu hören, aber eine ganz andere, es tatsächlich zu sehen und zu berühren. Das weißt du doch, nicht wahr? Einen Augenblick lang schien es Rand, als fließe ein Schatten durch das milchweiße Bauwerk. Er wandte die Augen ab und sah die näher kommenden Landestege an, doch am Rand seines Gesichtsfeldes ragte immer noch die Brücke auf. »Wir haben es geschafft, Thom«, sagte er und lachte dann gezwungen. »Und das sogar ohne Meuterei.«

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