Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Lise bemerkte, dass die dunklen Augen der Geschäftsführerin immer noch vor Aufregung blitzten. Sie selbst war viel zu aufgedreht, als dass sie an Schlaf hätte denken können. Also sagte sie:»Ich habe noch eine Flasche Wein im Zimmer. Was halten Sie von einem kleinen Schlaftrunk?
Reden wir über Gauner und die guten alten Zeiten.«
Tod eines Zugvogels
von J. A. JANCE
Judith Ann Jance (*1944) wurde in Watertown, South Dakota, geboren und studierte an der University of Arizona und am Bryn Mawr College. Sie lebt heute in Bellevue, Washington. Bevor sie anfing zu schreiben, arbeitete sie als High-School-Lehrerin, Bibliothekarin an einer Indianerschule und Versicherungsmaklerin, dem Beruf ihres Vaters. In einem Interview mit Rylla Goldberg (Speaking of Murder, Band II, 1999) schreibt sie die Fähigkeit, ihre Kriminalromane wirkungsvoll zu vermarkten, ihrer Erfahrung in der Familie zu.»Ich hatte schon früh Kontakt mit dem Verkaufen — selbst gemachten Schmuck, Pfadfinderinnenplätzchen, Zeitungsabonnements und Grußkarten für alle Anlässe. In unserer Familie waren wir alle mit Verkaufen beschäftigt; meine Mutter tischte uns beim Frühstück immer ›heiße Tipps‹ über neue Leute in der Stadt auf. Sobald mein erstes Buch erschienen war, machte ich da weiter, wo meine Mutter aufgehört hatte.« Die Protagonisten ihrer beiden Serien sind der polizeiliche Ermittler J.P. Beaumont in Seattle, erstmals in Until Proven Guilty (1985) und Sheriff Joanna Brady in Arizona, erstmals in Desert Heat (1993). Darüber hinaus verfasste Jance Kindersachbücher über Themen wie Entführung durch einen Elternteil, sexuelle Belästigung und Alkoholismus in der Familie. Sie bemerkt in Contemporary Authors (Band 61, aktualisierte Ausgabe 1998):»Das Schreiben bietet mir ein Mittel, meine eigene Geschichte neu zu schreiben, sowohl was die Kinderbücher betrifft wie auch die Thriller. Die Kinderbücher setzen sich mit schwierigen Themen auseinander … Die Thriller sind eskapistische Kost ohne konkreten gesellschaftlichen Wert. «Diese letzte Bemerkung (wenngleich vermutlich im Spaß gesagt) verlangt eine Erwiderung: Wie sollte eine Geschichte, die so unterhaltsam, so unvorhersagbar und so sensibel in der Beschreibung älterer Mitbürger ist wie» Tod eines Zugvogels«, keinen konkreten gesellschaftlichen Wert haben?
Agnes Barkley wusch ab. Sie wusch immer ab. Nach dem Frühstück. Nach dem Mittagessen. Nach dem Abendessen.
Seit sechsundvierzig Jahren wusch sie ab.»Immer «war vielleicht etwas übertrieben. Bestimmt war es auch ein-oder zweimal vorgekommen, dass sie ein bisschen geschludert hatte, alles bloß kurz ausgespült und im Spülbecken gestapelt hatte bis zur nächsten Mahlzeit.
Meistens hatte sie das Spülbecken aber leer geräumt und das Geschirr abgetrocknet und an seinen Platz zurückgestellt. Es war ihr Job. Ein Teil ihres Jobs.
Zu Hause in Westmont, Illinois, war das einzige Küchenfenster so hoch angebracht, dass Agnes überhaupt nicht hinausschauen konnte. Hier in Oscars Wohnmobil lag das Spülbecken direkt vor einem Fenster auf Augenhöhe. Agnes konnte davor stehen, die Hände tief ins warme, schaumige Spülwasser getaucht, und die Aussicht genießen. Während sie ihrer Hausarbeit nachging, entdeckte sie gelegentlich einen Habicht, der am grenzenlosen blauen Himmel seine Kreise zog. Abends schwelgte sie in den feuerroten Sonnenuntergängen, die mit ihrem atemberaubenden orangegelben Glühen die ganze Welt in Flammen zu setzen schienen.
Selbst nach all den Jahren, die sie nun schon hierher kamen, hatte sie sich immer noch nicht daran gewöhnt.
Jedes Mal, wenn Agnes aus dem Januarfenster blickte, musste sie wieder staunen. Statt der bleiernen grauen Wolkendecke und der durchdringenden Kälte Chicagos lag dort vor ihr eine andere Welt — die offene braune Wüstenlandschaft, gekrönt von einem weiten, sonnigen blauen Himmel.
Von der sauberen, klaren Luft konnte Agnes gar nicht genug kriegen. Sie schwelgte in den frischen, scharfkantigen Schatten, die die Wüstensonne auf die Erde warf, und von den Farben war sie schlichtweg begeistert.
Als sich ein paar Nachbarn zu Hause gewundert hatten, wie sie es drei Monate im Jahr an einem so öden, hässlichen Ort aushalten konnte, hatte Agnes ihnen vergeblich zu beschreiben versucht, wie wunderschön sich ein frisch ausschlagender Mesquitbaum von dem roten, von Felsen umschlossenen Erdreich abhob. Ihre Freunde hatten sie mitleidig angesehen, gelächelt, die Köpfe geschüttelt und gesagt, sie sei verrückt.
Und das war sie auch — sie war verrückt nach der Wüste.
Agnes liebte die kräftigen Wildpflanzen, die trotz des ständigen Feuchtigkeitsmangels hartnäckig wuchsen — die stachligen, langgliedrigen Ocotillobüsche und die zähen, gedrungenen Mesquitbäume, den majestätischen Saguarokaktus und den Feigenkaktus mit seinem Heiligenschein aus gefährlichen Dornen. Sie liebte es, einen Blick auf die Wildtiere der Wüste zu erhaschen – auf Kojoten, Eselhasen und Kängururatten. Sogar den Wüstenboden selbst liebte sie — die sanften Sand- und die felsgrauen Schiefertöne, die weiten, zerklüfteten Rot- und die beruhigenden, rundfelsigen Grauschattierungen, die über die weiten Strecken hin alle zu einem einheitlichen Blau verblassten.
Zunächst hatte sie entsetzliches Heimweh nach Westmont gehabt, aber das hatte sich inzwischen völlig geändert. So groß war Agnes Barkleys Liebesaffäre mit der Wüste, dass sie ihre Überwinterungsgewohnheiten völlig umkehren würde. Dann würden sie neun bis zehn Monate im Jahr in Arizona verbringen und nur zwei oder drei zu Hause in Illinois.
Niemand hätte über diese Wendung überraschter sein können als Agnes Barkley selbst. Als Oscar plötzlich davon geredet hatte, das Postamt zu verlassen, in Rente zu gehen und Zugvogel zu werden — ein Wohnmobil zu kaufen und in Arizona zu überwintern —, war Agnes absolut dagegen gewesen. Sie hatte geglaubt, sie würde diesen gottverlassenen Ort bestimmt hassen, und sich nach Kräften bemüht, Oscar umzustimmen. Als ob das jemand fertig brächte.
Schließlich hatte sie versöhnlich nachgegeben. Wie in jedem anderen Bereich ihres Ehelebens machte Agnes, so gut es eben ging, gute Miene zum bösen Spiel und fügte sich in ihr Schicksal, womit Oscar vermutlich fest gerechnet hatte. Nach sechsundvierzig Ehejahren hatte man nicht mehr so viele Geheimnisse.
Früher hätte sie widerstrebend in Kauf genommen, was Oscar eben wollte, und mehr oder weniger so getan, als gefiele es ihr. Aber wenn es um Arizona ging, brauchte sie nicht so zu tun, als ob. Agnes fand es einfach himmlisch – sobald man Mesa hinter sich gelassen hatte natürlich.
Oscar konnte Mesa auch nicht leiden. Dort gäbe es zu viele alte Leute, meinte er.
«Was glaubst du denn, was du bist?«, hatte Agnes ihn schon fragen wollen, obwohl sie es dann nicht getan hatte, denn eigentlich stimmte sie mit ihm überein — und zwar aus so ziemlich demselben Grund. Sie fand es bedrückend, all diese älteren Mitbürger Jahr für Jahr im gleichen Ort zusammengesperrt zu sehen.
Der Park an sich war recht nett, es gab ein Schwimmbad und alle dazugehörigen Annehmlichkeiten. Trotzdem hatte Agnes ein etwas klaustrophobisches Gefühl, vor allem weil ihr Wohnmobil nun schon zwei Jahre hintereinander neben dem von einem geschiedenen, komischen alten Kauz abgestellt war, der so laut schnarchte, dass der Lärm durch die Wand direkt bis ins Schlafzimmer der Barkleys drang — selbst wenn die Klimaanlage im Wohnmobil voll aufgedreht war und auf Hochtouren lief.
Sie zogen also los, um sich ein anderes Plätzchen für ihr Wohnmobil zu suchen, ein wenig abseits vom allgemeinen Trubel, wie Oscar sagte. So waren sie in Tombstone gelandet — der Stadt, die zu zäh zum Sterben ist. Na ja, wenn ein Ort schon Grabstein heißt. Oder eigentlich etwas außerhalb der Stadt, die zu zäh zum Sterben ist.