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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Der Januar war einer der feuchtesten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Vom Aushilfsmanager des Trailerparks, der immer von Benson herüberpendelte, hatten sie eines Nachmittags erfahren, dass man demnächst drüben bei Saint David den Scheitel einer Flutwelle erwartete und dass sich der Anblick wahrscheinlich lohnen würde, wenn sie sich beeilten. Sie hatten direkt neben der Brücke in Saint David gestanden, als die Wasserwand auf sie zugerollt kam, ein wildes Durcheinander von Autoreifen und verrosteten Kotflügeln und sogar einen alten Kühlschrank vor sich her schiebend, der so mühelos auf den tosenden Wassermassen auf und ab hüpfte, als wäre er ein Flaschenkorken, der in einer Badewanne schwamm.

Agnes Barkleys Traum neulich nachts — dieser immer noch allzu lebhafte Traum — war vielleicht nicht mehr als eine Fortsetzung dieses Erlebnisses gewesen. Inzwischen war sie jedoch überzeugt, dass es mehr war als das, besonders nach dem, was sie an dem Tag im Heard-Museum gelernt hatte. Genau wie Gretchen Dixon ihr gesagt hatte, war das Museum voll bis obenhin mit Sachen gewesen, die Agnes nun korrekterweise Gebrauchsgegenstände der Native Americans nannte – Körbe, Keramik und Perlarbeiten.

Ihr Grüppchen war von einer schnell sprechenden Führerin durch die Ausstellung begleitet worden, die wenig Zeit und Geduld für Bummler und Fragen aufbrachte. Danach, während die anderen im Museumsshop herumstöberten oder sich nach Erfrischungen anstellten, kehrte Agnes noch einmal zu einem bestimmten Schaukasten zurück, in dem sie einen einzelnen Topf gesehen hatte, der dem, den sie zuletzt auf dem Küchentisch im Wohnmobil hatte stehen sehen, sehr

ähnlich sah.

Im Schaukasten war eine Ansammlung von Gebrauchsgegenständen der Tohono O’othham ausgestellt.

Von einigen der Korbwaren waren nur noch Fragmente erhalten. Und es war genau, wie Oscar gesagt hatte: An allen Töpfen zeigte sich, dass sie zerbrochen und später wieder zusammengesetzt worden waren. Was Agnes zu diesem Schaukasten hinzog, war nicht nur der Topf, sondern auch der Schautext an einer benachbarten Wand, auf dem erläutert wurde, dass die Töpfe nach dem Tod der Töpferin immer zerstört wurden, damit ihr Geist nicht für immer in den Stücken eingesperrt war, die sie hergestellt hatte.

Oscars Topf war ganz geblieben, obwohl die Person, die ihn gefertigt hatte, bestimmt längst tot war. Könnte es sein, dass der Geist der Töpferin noch irgendwie eingesperrt war in diesem kleinen, schwarz gewordenen Tonklumpen? Hatte die Mutter dieses Töpfchen vielleicht als eine Art Spielzeug für ihr Kind gemacht? War es deswegen für das kleine Mädchen so kostbar gewesen?

Ließ sich dadurch erklären, weshalb die Kleine beim vergeblichen Versuch, es zu retten, in den sicheren Tod gesprungen war? Und war es dem ruhelosen Geist der Mutter gelungen, eine Vision heraufzubeschwören, um Agnes den Horror dieses schrecklichen Ereignisses mitzuteilen?

Während sie im Museum stand und den beleuchteten Schaukasten anstarrte, konnte Agnes plötzlich deutlich sehen, was mit ihr geschehen war. Sie hatte nicht so sehr einen Traum geträumt als vielmehr eine Vision gehabt.

Und nun, zwei Tage später, mit dem Buch dicht vor dem Gesicht, während die drei auf der anderen Seite des Zimmers weiterpokerten, versuchte sich Agnes zusammenzureimen, was das alles zu bedeuten hatte und was sie unternehmen sollte.

Das Pokerspiel endete mit einer erbitterten Diskussion, als Lola und Dolly Ann, beide fast vollkommen entkleidet, die vollständig bekleidete Gretchen der Schummelei bezichtigten. Die drei anderen Frauen stritten sich immer noch darüber, als sie sich zu Bett legten. Da sie nicht in den Streit hineingezogen werden wollte, machte Agnes die Augen zu und stellte sich schlafend.

Nachdem die anderen schon lange still waren, lag Agnes noch wach und rätselte, was sie einer Frau wohl schuldig sein konnte, die sie nie gesehen, durch deren Augen sie jedoch jenen längst vergangenen und doch allzu gegenwärtigen Tod durch Ertrinken beobachtet hatte. Das Kind, das in dem tosenden braunen Wasser weggespült worden war, war nicht Agnes Barkleys eigenes Kind, und doch bereitete der Tod der kleinen Indianerin Agnes ebenso viel Kummer, als wäre es eines von ihren eigenen gewesen. Es tagte bereits, als sie zu einer Entscheidung kam und endlich einschlafen konnte.

Es schien wie eine Ewigkeit, bis der Ausflugsbus sie endlich nach Tombstone zurückgebracht hatte. Oscar war in die Stadt gekommen, um Agnes vom Bus abzuholen. Er begrüßte sie mit einem triumphierenden Grinsen und einem Arm voll Leihbücher, die auf dem Rücksitz des Honda hin und her rutschten.

«Ich bin kurz nach Tucson gefahren, während du weg warst«, erklärte er.»Ausnahmsweise habe ich diese Bücher aus der Unibücherei geliehen bekommen. Warte nur, bis ich es dir zeige.« «Ich will es gar nicht sehen«, erwiderte Agnes.

«Ach, und wieso nicht? Ich habe die halbe Nacht darüber gebrütet und heute Morgen wieder, bis mir fast die Augen herausgefallen sind. Der Topf, den wir da haben, ist tatsächlich ein Vermögen wert.« «Du wirst ihn zurückbringen müssen«, sagte Agnes ruhig.

«Zurückbringen?«, wiederholte Oscar fassungslos.»Was ist denn mit dir los? Bist du verrückt geworden oder was?

Wir brauchen bloß diesen Topf zu verkaufen, dann haben wir für immer ausgesorgt.« «Dieser Topf darf nicht verkauft werden«, sagte Agnes unbeirrt.

«Du wirst ihn dahin zurückbringen müssen, wo du ihn gefunden hast, und ihn zerbrechen.« Kopfschüttelnd biss Oscar die Zähne zusammen, legte abrupt den Gang ein und sagte kein Wort mehr, bis sie im Trailerpark angekommen waren und die Bücher und Agnes Barkleys Gepäck nach drinnen geschleppt hatten.

«Was zum Teufel ist eigentlich in dich gefahren?«, wollte er schließlich wissen, seine Stimme gepresst vor kaum unterdrückter Wut.

Agnes merkte, dass sie dem Mann eine Erklärung schuldete.»In dem Topf ist der Geist einer Frau eingesperrt«, begann sie.»Wir müssen ihn herauslassen.

Die einzige Möglichkeit ist, den Topf zu zerbrechen. Sonst bleibt sie für immer dort eingesperrt.« «Das ist der verrückteste Hokuspokus-Humbug, den ich je gehört habe. Wo hast du das denn aufgeschnappt?

Klingt wie etwas, das sich eine Spinnerin wie diese Gretchen Dixon ausdenken würde. Du hast ihr doch nichts davon erzählt, oder?« «Nein. Ich habe etwas darüber gelesen. In einem Schaukasten im Museum, aber ich glaube, ich wusste es schon, ehe ich es dort gesehen habe.« «Du wusstest es schon?«Oscar schnaubte verächtlich.

«Was soll denn das jetzt heißen? Willst du etwa behaupten, der Geist, der angeblich in meinem Topf eingesperrt ist, hat dir gesagt, ich müsste ihn zerbrechen?« «Stimmt. Und ihn dahin zurückbringen, wo du ihn gefunden hast.« «Einen Dreck werde ich tun!«, knurrte Oscar.

Er stapfte nach draußen und blieb dort, tat so, als prüfte er unter der Kühlerhaube des Honda den Wasser- und Ölstand. Oscar mochte das Schlachtfeld zeitweilig verlassen haben, doch wusste Agnes, dass der Kampf alles andere als vorbei war. Sie setzte sich und wartete ab. Es war zwei Uhr nachmittags — Zeit, die Vorbereitungen fürs Abendessen zu treffen —, doch sie rührte sich nicht, weder in Richtung Herd noch in Richtung Kühlschrank.

Sechsundvierzig Jahre lang war zwischen ihnen alles in Ordnung gewesen. Jedes Mal, wenn ein Kompromiss erforderlich gewesen war, hatte Agnes ihn fröhlich und klaglos gemacht. So war es immer gewesen, und folglich rechnete Oscar jetzt auch wieder damit. Doch diesmal – dieses eine Mal — war Agnes Barkley entschlossen, standhaft zu bleiben. Dieses eine Mal würde sie nicht nachgeben.

Nach einer halben Stunde kam Oscar wieder herein.

«Schau mal«, sagte er und gab sich liebenswürdig und reumütig.»Tut mir Leid, dass ich ausgerastet bin. Du kanntest noch nicht die ganze Geschichte, weil ich noch nicht dazu gekommen bin, sie dir zu erzählen. Während ich in Tucson war, habe ich einige vorläufige Erkundigungen über den Topf eingezogen.

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