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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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übergab sie dem Fahrer ihren Koffer und nannte ihm die Adresse eines Hotels im Zentrum von Palm Springs, eine Adresse, die sie sich vor langer Zeit gemerkt hatte.

«Ziemlich tote Ecke«, sagte der Fahrer, während er an den Ledergriffen ihres Gepäcks herumfingerte.»Ohne Auto kommt man da schlecht rum, wenn man so weit draußen ist. Ich kann Sie zu ein paar netteren Hotels hinfahren, viel zentraler. Haben außerhalb der Saison auch gute Preise.« «Nein, danke«, sagte sie.

Er redete die ganze Fahrt über. Weil er mehr Fragen stellte, als sie beantwortete, fühlte sie sich unbehaglich.

Wieso sollte ein Fremder so viel erfahren wollen? War der Fahrer etwa ein gekaufter Spitzel, der sie zurückbringen sollte? War diese Unterhaltung normales Geplauder?

Diese letzte Frage machte ihr zu schaffen. Sie war so lange isoliert gewesen, würde sie überhaupt erkennen, ob etwas normal war, wenn sie damit konfrontiert war?

Als der Fahrer sie vor einem etwas verschrobenen alten Etablissement einen Häuserblock hinter der Hauptstraße von Palm Springs absetzte, war sie immer noch argwöhnisch. Sie wartete, bis er weg war, ehe sie ihren Koffer nahm und hineinging.

Außerhalb der Saison wirkte das Hotel ziemlich verlassen. Die Geschäftsführerin war alt genug, um ihre Mutter zu sein — eine Wüstenbewohnerin mit Eidechsenhaut und winzigen schwarzen Augen.

«Ich brauche ein Zimmer für zwei Nächte«, teilte Lise ihr mit.

Die Geschäftsführerin reichte ihr eine Anmeldekarte.

«Zahlen Sie mit Kreditkarte oder bar im Voraus?« Lise bezahlte die beiden Nächte in bar und hinterlegte fünfzig Dollar für die Benutzung des Telefons.

«Schön ruhig hier«, sagte die Geschäftsführerin und händigte ihr einen Schlüssel aus.»Den meisten ist es zu der Jahreszeit zu heiß.« «Ruhig ist mir gerade recht«, sagte Lise.»Ich erwarte zwar keine Anrufe, aber wenn jemand nach mir fragt, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie nie von mir gehört hätten.« Als die Geschäftsführerin lächelte, verschwanden ihre schwarzen Augen fast zwischen den trockenen Hautfalten.

«Ärger mit der Männerwelt, Schätzchen?« «Gibt’s denn einen anderen?« «Meiner Erfahrung nach geht es immer um einen Mann oder um Geld. Und so, wie Sie daherkommen«, sagte die Geschäftsführerin mit einem abschätzenden Blick auf den Koffer und die hübsche Tragetasche des Delikatessengeschäfts,»würde ich auf Ersteres tippen.

Keine Sorge, Schätzchen, ich habe Sie mir nicht genau angeschaut, und Ihren Namen habe ich schon vergessen.« Der Name, den Lise auf die Anmeldekarte schrieb, war der gleiche wie auf der Flasche Chardonnay in ihrer Tasche: Rutherford Hill.

Das Hotel war wie ein altes Ranchhaus im Adobe-Stil gebaut, mit dicken Mauern und abgerundeten Ecken, mexikanischen Bodenfliesen und dunklen, offen verlegten Balkendecken. Lises Zimmer war ein wenig verwohnt, aber größer, sauberer und hübscher, als sie bei dem Preis erwartet hatte. Die Klimaanlage funktionierte, und es gab eine Kochnische mit einem kleinen, stöhnenden Kühlschrank für ihren Wein. Zum ersten Mal seit fünf Jahren hatte sie einen eigenen Schlüssel und benutzte ihn, um die Tür von innen abzuschließen.

Von ihrem winzigen Balkon aus konnte Lise sowohl das Schwimmbad unten im Patio als auch die felsige Landschaft am Fuß des Mount San Jacinto sehen, der eine Viertelmeile entfernt lag. Die Sonne war bereits hinter den Bergkamm geschlüpft und hatte das Hotel in blauen Schatten gehüllt. Endlich konnte Lise die echte Wüste riechen, trockenen Salbei und blühenden Oleander, Luft ohne Auspuffgase.

Eine sanfte Brise wehte vom Berg herüber. Lise ließ das Fenster offen stehen und legte sich aufs Bett, um einen Augenblick auszuruhen. Als sie, auf dem Scheitelpunkt zwischen Schlaf und Wachzustand schwebend, wieder die Augen öffnete, war das Zimmer plötzlich von weichem lavendelfarbenem Licht durchflutet — es war heiß, duftete jedoch nach den Blumen im Patio drunten. Irgendwo konnte sie einen Springbrunnen plätschern hören, ab und zu auch entfernte Stimmen. Zum ersten Mal seit langem ging sie nicht sofort an die Tür, um zu horchen, ob auf der anderen Seite jemand atmete.

Lise schlüpfte in den neuen Badeanzug. Hinten ein wenig knapp — sie hatte sich nicht die Zeit genommen, ihn anzuprobieren, bevor sie ihn gekauft hatte. Den Eispickel, den sie am Spülbecken fand, brauchte sie, um das Eis aus den Würfelbehältern im Gefrierfach zu lösen und damit den Eiskübel aus Pappe zu füllen. Es gefiel ihr, wie schwer ihr das Ding in der Hand lag. Während sie eine Flasche Wein aufmachte und etwas Obst und Käse zurechtschnitt, tätigte sie einen Anruf.

«Sonnenuntergang ist um Punkt acht Uhr zweiunddreißig. Kein Mond heute. Klapperschlangen lieben die mondlose Nacht. Bleib besser drinnen, sonst wirst du noch gebissen.« «Was spielst du für ein Spiel?« «Dein Spiel. Ich lerne nämlich schnell. Erinnerst du dich, wann du das gesagt hast? Ich glaube, ich habe mir alle deine Schachzüge gemerkt. Mal sehen, wie sie sich ausspielen lassen.« «Du bist eine blutige Anfängerin, Lise. Du wirst in der großen Liga nicht landen können. Jedes Spiel, das ich spiele, Baby, ist nämlich das große. «Er hatte etwas Zeit gehabt, die anfängliche Überraschung und Wut zu überwinden, und war nun wieder in der Offensive. Er machte ihr Angst, aber weil er sie nicht berühren konnte, bewahrte sie sich ihre Entschlossenheit, während sie ihm zuhörte.»Du wirst schon wieder zurückkommen, Lise. Du wirst ganz gewaltig was aufs Dach kriegen und feststellen, wie kalt und grausam die Welt da draußen ist. Du wirst noch drum betteln, dass ich dich wieder aufnehme und auf dich aufpasse. Du kannst wütend auf mich sein, so viel du willst, aber es ist schließlich nicht meine Schuld, dass du so eine Prinzessin bist und nicht mal allein über die Straße findest. Bedank dich bei deinem Arsch von Vater dafür, dass er dich so verwöhnt hat. Wenn ich nicht gewesen wäre — « «Wenn du nicht gewesen wärst, wäre mein Vater noch am Leben«, würgte sie sein Schlusswort ab.»Den Beweis dafür habe ich hier bei mir.« Sein kurzes Schweigen sagte ihr, dass sie ins Schwarze getroffen hatte. Sie legte auf.

Lise schwamm in dem kleinen Schwimmbad, bis sie sich sauber fühlte, bis die Hitze und der Schweiß und die feine Sandschicht ganz weggespült waren und das warme Chlorwasser Henry Le-Beaus hitziges Getatsche abgewaschen hatte. Ein wenig von ihrer neuen Haarfarbe war ebenfalls ausgewaschen worden und hinterließ einen Schatten auf dem Handtuch, als sie herauskam und sich abtrocknete.

Lise schenkte sich etwas von dem strohgelben Wein in ein Zahnputzglas und streckte sich auf einem Liegestuhl neben dem Schwimmbad aus. Am Himmel war immer noch etwas Blau, als die Geschäftsführerin herauskam, um die Schwimmbadlichter einzuschalten.

«War ganz schön heiß heute. «Die Geschäftsführerin nippte bedächtig an ihrem Drink.»Bis Oktober sind ja eigentlich alle Tage heiß. Sagen Sie mir, wenn Sie mit dem Schwimmbad fertig sind. Die Sonne heizt es so auf, dass ich jeden Abend ein bisschen Wasser ablasse und kalt nachfülle. Sonst habe ich plötzlich vorgekochte Gäste am Hals.« «Wie viele Gäste sind denn im Hotel?«, wollte Lise wissen.

«Bloß Sie, Schätzchen. «Die Geschäftsführerin leerte ihr Glas in einem Schluck.»Ein Gast, das ist einer mehr, als ich die ganze letzte Woche hatte.« Lise bot ihr das Käsetablett an.»Können Sie sich ein Weilchen hersetzen? Auf eine kleine Happy Hour mit den eingeschriebenen Gästen.« «Gern. «Die Geschäftsführerin zog sich einen Liegestuhl heran und ließ sich von Lise das leere Glas mit Chardonnay füllen.»Ich muss schon sagen, außerhalb der Saison wird es hier manchmal ganz schön einsam. Wir hatten früher von Ende Mai bis Anfang September geschlossen — die ganze Stadt. Jetzt sind wir fast das ganze Jahr geöffnet. Ha, bald kriegen wir Spielcasinos, heißt es, und werden das neue Las Vegas.« «Vegas ist furchtbar laut.« «Vegas ist voller Gauner. «Die Geschäftsführerin knabberte etwas Käse.»Ich hätte nichts dagegen, wenn meine Zimmer wieder ausgebucht wären. Aber die Obermacker würden in den großen neuen Hotels wohnen, und ich bekäme bloß ihre Nutten und Dealer ab. Wer will die schon?« Lise nippte an ihrem Glas und schwieg. Die Geschäftsführerin seufzte, als sie in den dunkler werdenden Himmel hinaufblickte.

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