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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Agnes war sich nicht sicher, ob sie fest zugesagt hatte, doch dass sie mitkommen würde, hatte sie wohl durchblicken lassen. Sie hätte jetzt noch ganz schnell aufspringen, die Tür aufreißen und zu Gretchen hinausrufen können, sie hätte es sich anders überlegt, doch sie tat es nicht. Stattdessen blieb sie wie ein Häufchen Elend sitzen, bis sie hörte, wie Gretchen ihre Fliegengittertür hinter sich zuknallte.

In der darauf folgenden Stille überlegte Agnes, was Oscar wohl sagen würde. Es war nun nicht so, als hätte sie ihn noch nie allein gelassen. Jahrelang hatte sie ein Wochenende im Mai — drei ganze Tage — auf einem Bibelseminar für Frauen verbracht, das jedes Jahr im YMCA-Camp am Lake Zurich nördlich von Buffalo Grove abgehalten wurde. Und immer hatte sie vor der Abreise so viel Essen gekocht, eingefroren und mit Etiketten versehen, dass es nicht drei Tage, sondern zwei Wochen gereicht hätte. Oscar und die Mädchen hatten es nur noch auftauen und heiß machen müssen.

Nun, zwischen einem Bibelseminar in einem YMCA-Camp und vier alten Damen, die in einem billigen Hotelzimmer herumsaßen und Strip-Poker spielten, war nun doch ein Unterschied, aber das mit dem Poker brauchte Oscar ja nicht zu erfahren. Allein die Vorstellung, dass Agnes mit Gretchen Dixon und ihren Freundinnen irgendwohin fuhr, reichte vielleicht schon, um Oscar aus der Haut fahren zu lassen.

Und wenn schon? dachte Agnes Barkley mit plötzlicher Entschlossenheit. Was dem einen recht ist, kann dem anderen nur billig sein, oder? Schließlich hielt sie es ihm auch nie vor, wenn er mit Jimmy Rathbone, seinem wichtigtuerischen alten Kumpel, stundenlang durch die Wüste streifte, oder? Wenn es Oscar Barkley nicht passte, dass sie mit Gretchen nach Phoenix fuhr, konnte sie ihm auch nicht helfen.

Das dachte Agnes um zwei Uhr nachmittags, war bis zum Abend aber etwas versöhnlicher gestimmt. Nicht, dass sie es sich etwa anders überlegt hätte. Sie war immer noch fest entschlossen, zu fahren, hatte sich jedoch überlegt, wie sie es Oscar beibringen könnte.

Ihr erster Vorstoß war wie immer das Essen. Sie machte ihm sein Lieblingsabendessen — italienischen Hackbraten mit Ofenkartoffeln und klein geschnittenen grünen Bohnen aus der Tiefkühltruhe, einen gemischten Salat mit ihrem selbst gemachten Thousand-Island-Dressing und zum Nachtisch eine Zitronenbaisertorte. Agnes staunte immer wieder, wie viel Essen sie der kleinen kombüsenartigen Küche mit dem winzigen Backofen und Herd entlocken konnte. Das Einzige, was man dazu brauchte, war ein bisschen Talent zum Kochen und zur richtigen Zeiteinteilung.

Um sechs war das Abendessen fertig, aber Oscar war noch nicht zu Hause. Um halb sieben und um sieben war er immer noch nicht da. Um Viertel nach sieben, als der Hackbraten zäh und ausgetrocknet im lauwarmen Backofen lag und die Ofenkartoffeln in ihren verkrusteten Schalen schon völlig zusammengeschrumpft waren, hörte Agnes den Honda endlich draußen vor dem Wohnmobil knirschend zum Stehen kommen. Inzwischen hatte sie Teller und Besteck beiseite geschoben und legte auf dem Tisch in der Küchennische gerade eine Patience.

Als Oscar durch die Tür trat, hob Agnes nicht einmal den Blick.

«Entschuldige, dass ich so spät dran bin, Aggie. «Er hängte erst seine Jacke und die Schildmütze in den Wandschrank und meinte dann:»Wir haben uns irgendwie ein bisschen verzettelt, glaube ich.« «Sieht ganz so aus«, gab sie kühl zurück.

Mit einem besorgten Blick in ihre Richtung eilte Oscar ans Spülbecken, rollte die Ärmel hoch und begann, sich die Hände zu waschen.»Hmm, riecht gut«, sagte er.

«Gut war es vielleicht einmal«, erwiderte sie.»Bis es auf den Tisch kommt, wird es wohl schon ziemlich hinüber sein.« «Entschuldige«, murmelte er noch einmal.

Bedächtig sammelte sie die Patiencekarten Reihe um Reihe ein und rückte dann Teller und Besteck wieder an ihre jeweiligen Plätze.

«Setz dich, damit du aus dem Weg bist«, befahl sie.

«Hier ist nicht genug Platz, dass wir beide zwischen Herd und Tisch herumwuseln, während ich mich bemühe, was zu essen auf den Tisch zu stellen.« Gehorsam ließ sich Oscar auf der Sitzbank nieder.

Während Agnes das lauwarme Essen vom Herd zum Tisch brachte, befreite er sich mühsam von der Gürteltasche aus Nylon, die er gewöhnlich auf seinen Spaziergängen umgeschnallt hatte. Agnes achtete nicht auf das, was er tat, doch als sie die letzte Servierschüssel auf den Tisch gestellt hatte und sich setzen wollte, sah sie einen kleinen irdenen Topf neben ihrem Teller stehen.

Auf ihren gemeinsamen Reisen durch den Südwesten hatte Agnes solche mexikanischen ollas schon in verschiedenen Antiquitätenläden gesehen. Dieser hier war wie die meisten ollas geformt, mit einem runden Boden und einem kleinen, schmalhalsigen Rand. Die kommerziellen Töpfchen waren im Allgemeinen aber ohne Zeichnung und aus glattem, rötlich braunem Ton gefertigt. Dieser hier war viel kleiner als alle, die sie je zum Kauf angeboten gesehen hatte. Er war grau — fast schwarz — mit ein paar leicht eingeritzten, kaum sichtbaren weißen Zeichen.

«Was ist das?«, fragte sie, setzte sich an ihren Platz und beugte sich herüber, um den Topf besser begutachten zu können.

«Aggie, mein Schatz«, sagte Oscar,»ich glaube, du hast einen Lottoschein mit Hauptgewinn vor dir.« Agnes Barkley richtete sich auf und starrte ihren Mann über die winzige Tischfläche hinweg an. Es war eigentlich nicht Oscars Art, Witze zu machen. Durch die Arbeit im Postamt all die Jahre hatte sich der Mann den Humor so ziemlich abgewöhnt. Doch als sie sein Gesicht sah, fuhr Agnes zusammen. Oscar strahlte regelrecht. Er erinnerte sie an den grinsenden jungen Mann, der vor sechsundvierzig Jahren am Traualtar auf sie gewartet hatte.

«So einen Lottoschein habe ich noch nie gesehen«, erwiderte Agnes mit einem verächtlichen Schniefen.

«Nimm dir vom Hackbraten und gib ihn rüber, bevor er noch kälter wird.« «Agnes«, sagte er, ohne einen Finger zur Platte hin zu rühren,»du verstehst nicht. Ich glaube, der ist sehr wichtig. Und sehr wertvoll. Ich habe ihn heute gefunden.

Am San Pedro gleich südlich von Saint David. Da ist eine Stelle, wo bei einer der letzten Winterfluten wohl ein Einsturz passiert ist. Dieser Topf lag einfach dort, ragte ein Stückchen aus dem Sand und wartete auf einen wie mich, der vorbeikommt und ihn mitnimmt.« Agnes betrachtete den Topf nun mit etwas mehr Respekt.»Dann glaubst du also, er ist alt?« «Sehr.« «Und vielleicht viel Geld wert?« «Massenhaft. Na ja, massenhaft vielleicht nicht.« Unnötige Übertreibungen gestattete Oscar Barkley sich nie.»Aber genug, um uns das Leben sehr viel leichter zu machen.« «Das ist doch bloß ein kleiner Klumpen Ton. Wieso sollte der was wert sein?« «Weil er noch ganz ist, du Dummchen«, erwiderte er bestimmt. Agnes war so immun gegen Oscars übliche Arroganz, dass sie sie nicht einmal bemerkte, geschweige denn sich etwas daraus machte.

«Würdest du gelegentlich Archaeology oder Discovery oder den National Geographic lesen«, fuhr er fort,»oder dir wenigstens die Bilder anschauen, dann könntest du sehen, dass solche Sachen in Scherben gefunden werden.

Da bringen Leute Monate und Jahre damit zu, alles wieder zusammenzusetzen.« Agnes streckte die Hand nach dem Topf aus. Sie hatte vorgehabt, ihn genauer zu untersuchen, doch kaum hatte sie ihn berührt, überlegte sie es sich aus einem unerfindlichen Grund plötzlich anders und schob ihn weg.

«Sieht mir trotzdem nicht nach was Besonderem aus«, sagte sie.

«Und wenn du keinen Hackbraten willst, dann gib ihn doch bitte weiter, ja?« Das Grinsen schwand aus Oscars Gesicht. Ohne ein weiteres Wort reichte er ihr die Platte. Agnes merkte sofort, dass sie ihn verletzt hatte. Normalerweise brauchte sie diese verwundete Miene nur zu sehen, um sogleich weich zu werden und es wieder gutmachen zu wollen, doch heute Abend fühlte sich Agnes selbst irgendwie noch zu verletzt. Sie war nicht in der Stimmung, um Entschuldigung zu bitten.

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