Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
«Früher war es hier immer proppenvoll mit Leuten aus Hollywood, ein tolles Treiben. Liberace und ein paar von diesen Leuten hatten nämlich Häuser gleich hier weiter oben. Wir bekamen dann den Überschuss ab, na, das war vielleicht ein wildes Völkchen. Die fehlen mir. Die ganze Gesellschaft hat sich ostwärts verzogen, in schickere Orte wie Palm Desert. Ab und an kriege ich noch einen alten Knacker, aber der Großteil meiner Gäste sind kanadische Sonnenanbeter. Die tauchen so um Thanksgiving auf und bleiben den Winter über hier. Nettes Grüppchen, bloß furchtbar zahm.« Sie zwinkerte Lise zu.»Zahm, aber besser zu haben als irgendwelche Nutten à la Vegas.« «Glaube ich Ihnen gern«, sagte Lise.
Die Geschäftsführerin legte den Kopf nachdenklich etwas schief und musterte Lise erneut, diesmal etwas genauer.»Ich bin ziemlich weit ab vom Schuss. Wie haben Sie mich eigentlich gefunden?« «Ich bin an dem Hotel mal vorbeigefahren, als ich hier auf Besuch war. Es wirkte so …«Lise füllte beide Gläser neu auf.»Es wirkte so friedlich.« Lise fühlte die glänzenden schwarzen Augen der Geschäftsführerin auf sich ruhen.»Alles in Ordnung, Schätzchen?« Lise hielt die leere Flasche in die Höhe.»So allmählich schon.« «Die Art Medizin hält nur für eine gewisse Zeit vor. Es geht mich ja nichts an, aber wollen Sie darüber reden?« «Ich bin sicher, Sie haben es alles schon gehört.
Leidgeprüfte Ehefrau haut ihrem Arschloch von Ehemann ab.« «Ich habe es nicht nur gehört, ich habe es erlebt.
Zweimal. «Die Geschäftsführerin legte ihre ausgetrocknete Hand auf Lises nacktes Knie und lächelte sanft.»Sie werden es überstehen. Es braucht bloß etwas Zeit.« Der Wein, die Müdigkeit, die freundliche Besorgnis auf dem Gesicht der alten Frau, das alles führte dazu, dass Lise spürte, wie die Ritzen in ihr aufbrachen und etwas Licht hereinließen. Das letzte Mal, dass ihr jemand seine ehrlich gemeinte Besorgnis gezeigt hatte, war vor fünf Jahren gewesen, als ihr Vater noch lebte. Auf dem marmornen Grabstein ihres Vaters hatte sich in fünf Jahren Moos angesammelt. Lise begann leise zu weinen.
Die Geschäftsführerin zog ein Päckchen Papiertaschentücher aus der Tasche.»So ist es recht, Mädchen. Lass nur alles raus.« Da musste Lise doch lachen.
«Weiß er denn, wo Sie sind?« Lise schüttelte den Kopf.»Noch nicht.« «Noch nicht?« «Mit der Zeit wird er mich schon finden. Das tut er immer. Wie weit ich auch wegrenne, er findet mich. Er ist ein mächtiger Mann mit mächtigen Freunden.« «Was wollen Sie tun?« Lise zuckte die Achseln, obwohl sie es genau wusste.
Die Antwort lag in der Tasche oben im Wandschrank.
«Ach, nur keine Sorgen, Schätzchen. Niemand weiß was über den alten Laden hier. Und ich sagte ja schon, ich weiß nicht mehr, wie Sie aussehen, und an Ihren Namen kann ich mich auch nicht erinnern. «Als die Geschäftsführerin die leere Flasche in die Hand nahm und das Etikett mit der Aufschrift Rutherford Hill betrachtete, zeichnete sich verschmitzter Humor in den Ecken ihres zerknitterten Gesichts ab.»Obwohl einem der Name doch irgendwie bekannt vorkommt.« Die Sonne ging exakt um acht Uhr zweiunddreißig unter.
Lise duschte und zog lange Khakihosen und eine pfirsichfarbene Bluse an, beides in Wüstentönen. Sie holte ihre Tasche aus dem Wandschrank und behielt sie auf dem Schoß, während sie wartete, bis der letzte Widerschein des Tageslichts verblasst war.
In der groß aufgemachten Story im lokalen Nachrichtensender ging es um das, worüber die Geschäftsführerin gesprochen hatte, nämlich die wachsende Kontroverse über das Bauvorhaben eines Spielcasinos im Las-Vegas-Stil auf dem Territorium der Tahquitz-Indianer am südlichen Stadtrand von Palm Springs. Eine Kongressdelegation war in die Stadt gekommen, um die Lage zu sondieren. Beim Anblick der breit lächelnden Kongressabgeordneten, die in ihren nüchternen grauen Anzügen über die kahle Hügelfläche marschierten, lief Lise ein kalter Schauer über den Rücken. Ihr Mann, auch er mit breitem Lächeln, war Teil der Entourage. Sie wusste, weshalb er in der Stadt war und mit wem er sich treffen würde. Sie hatte jedoch nicht damit gerechnet, ihn schon vorher zu sehen …
Sie zog die Tasche fester an sich und warf einen Blick auf die Uhr neben dem Bett. Wenn sie richtig ging, blieb ihm nicht mehr viel Zeit.
Als Lise die Treppe hinunterging, konnte sie das Flimmern eines Fernsehers hinter dem Empfangstresen sehen, konnte die Geschäftsführerin herumhantieren und jemanden weitere Einzelheiten über die große Story quer durch das leere Foyer quasseln hören. Lautlos ging Lise durch den Patio nach draußen, die Tasche schwer über der Schulter hängend.
Vielleicht mögen Klapperschlangen mondlose Nächte ja tatsächlich, dachte sie. Doch sie hassen Menschen und gleiten ziemlich schnell davon. Während Lise über einen sandigen Fußweg schritt, der parallel zur Straße verlief, spürte sie, wie die gespeicherte Hitze des Erdbodens durch ihre Turnschuhe drang. Palmen raschelten über ihr wie das Klappern einer Schlange und versetzten sie in Alarmbereitschaft.
Lise streifte ein Paar Operationshandschuhe über und nahm, peinlichst darauf bedacht, die wunderschönen, fünf Jahre alten Fingerabdrücke nicht zu beschädigen, die.380er aus der Tasche, lud vorsorglich durch und setzte ihren Weg fort.
Das Haus, in dem das Treffen stattfinden sollte, hatte einmal ihrem Vater gehört. Vor ihrer Heirat war sie oft an Wochenenden und während der Schulferien hinausgefahren, um ihn zu besuchen. Nach ihrer Heirat, nach der Beerdigung ihres Vaters hatte ihr Mann das Anwesen dann übernommen und genutzt, wenn er in der Wüste Geschäfte abwickeln musste. Ab und zu, wenn er für sie nichts anderes arrangieren konnte, war Lise mitgekommen. Als sie neulich an einem Wochenende während einer geschäftlichen Besprechung ins Schlafzimmer verbannt worden war, hatte Lise sich eine Möglichkeit überlegt, wie sie von ihm freikommen konnte. Für immer.
Das Haus befand sich in einem flachen, engen Canon am Ende der Straße, an der auch das Hotel stand. Ihr Vater hatte es im spanischen Stil erbaut, eine lange Reihe von Räumen, die alle auf einen zentralen Patio hinausgingen.
Wie das Hotel besaß es dicke Mauern zum Schutz gegen die schlimmste Hitze. Und wie das Hotel, wie eine Festung, war es sehr ruhig.
Sämtliche Lichter brannten. Lise wusste, dass bei einem so sensiblen Treffen keine Entourage dabei sein würde. Im Inneren des Hauses würden sich bloß drei Leute aufhalten: die Haushälterin, die kein Englisch konnte, Lises Mann und der Kongressabgeordnete. Sie kannte den Ablauf genau. Der Kongressabgeordnete gehörte ebenso zu dem Erbe, das ihr Mann von ihrem Vater übernommen hatte, wie Lise und das Haus.
Draußen an der Haustür war ein Wachmann postiert, ein weiterer am hinteren Patio, etwas vom Fenster abgerückt, um den Kongressabgeordneten durch seine Anwesenheit nicht zu stören. Beide Wachmänner waren groß und hässlich, eine andere Art von Schlangen, und eher einschüchternd als hell im Kopf. Den Mann vor dem Haus im weiten Bogen umkreisend, gelangte Lise bis zum Rand des Patio, bevor sie gesehen wurde. Es war auch nicht der gedungene Muskelprotz, der sie zuerst erspähte.
Luther, der Rottweiler, der alte Wachhund ihres Vaters, kam über den Patio angetrottet, um Lise zu begrüßen. Sie schob seinen Kopf weg, als er sie im Schritt beschnüffeln wollte, und entschädigte ihn mit einem Kraulen am Kopf.
Der Wachmann Rollmeyer, die Hand an der Pistole im Halfter, richtete den Strahl seiner Taschenlampe auf sie und lächelte, als er erkannte, wen er vor sich hatte. Weil es auch zu seiner Aufgabe gehörte, Störungen zu unterbinden, ging er ohne zu rufen zu ihr hinüber.
Lise war sich nicht sicher gewesen, was passieren würde, wenn sie erst einmal so weit gekommen war. Sie hatte nicht wissen können, wer Wache halten und wie derjenige auf sie reagieren würde. Wie viel er womöglich wusste. Sie hatte mehrere Möglichkeiten durchgespielt und beschlossen, sich vom Wachmann den Weg in diese Wildnis zeigen zu lassen.