Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Die Aielmänner meiden uns«, sagte Raen traurig, »obwohl sich viele von uns bemüht haben, mit ihnen zu sprechen. Sie beobachten uns aus der Ferne, aber sie kommen uns nicht nahe, und sie lassen uns nicht nahe an sich herankommen. Manchmal grüble ich darüber nach, ob sie wohl das Lied kennen, aber ich denke doch, das ist unwahrscheinlich. Bei den Aiel singen die Männer nicht, wußtet ihr das? Ist das nicht eigenartig? Von der Zeit an, da ein Aieljunge zum Mann wird, singt er nichts anderes mehr als Schlachtgesänge oder die Totenklage für die Gefallenen. Ich habe gehört, wie sie für ihre Toten gesungen haben und für diejenigen, die sie getötet hatten. Dieses Lied kann selbst die Steine zum Weinen bringen.« Ila, die zuhörte, nickte zustimmend über ihrem Stricken. Perrin sah sich gezwungen, seine Meinung schnell zu revidieren. Er hatte geglaubt, die Kesselflicker müßten die ganze Zeit über in Angst leben, weil sie ständig vom Weglaufen sprachen, aber niemand, der Angst hatte, würde auch nur daran denken, die Aiel-Wüste zu durchqueren. Nach dem zu urteilen, was er gehört hatte, würde überhaupt niemand im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten versuchen, durch diese Wüste zu ziehen.
»Falls das eine Geschichte über ein Lied werden soll«, begann Elyas, aber Raen schüttelte den Kopf.
»Nein, mein alter Freund, kein Lied. Ich bin nicht sicher, worum es eigentlich geht.« Er wandte seine Aufmerksamkeit Perrin zu. »Junge Aiel wagen sich oftmals in die Fäule. Einige dieser jungen Männer gehen allein, weil sie aus irgendeinem Grund glauben, sie seien dazu berufen, den Dunklen König zu töten. Die meisten gehen in kleinen Gruppen, um Trollocs zu jagen.« Raen schüttelte traurig den Kopf, und als er fortfuhr, klang seine Stimme bedrückt. »Vor zwei Jahren fand ein Stamm unseres Volkes, der durch die Wüste zog, ungefähr hundert Meilen südlich der Fäule eine dieser Gruppen.«
»Junge Frauen«, warf Ila genauso traurig wie ihr Mann ein, »kaum dem Mädchenalter entwachsen.«
Perrin gab einen Laut der Überraschung von sich, und Elyas grinste ihn ungerührt an. »Aielmädchen müssen sich nicht um das Haus kümmern und kochen, wenn sie nicht wollen, Junge. Diejenigen, die statt dessen Kriegerinnen werden wollen, werden Mitglieder in einer der Kriegergemeinschaften, Far Dareis Mai, die Töchter des Speers, und kämpfen Seite an Seite mit den Männern.«
Perrin schüttelte den Kopf. Elyas lachte über seinen Gesichtsausdruck.
Raen begann wieder mit der Geschichte, wobei in seiner Stimme sowohl Abscheu wie auch Unverständnis mitschwangen. »Die jungen Frauen waren alle tot bis auf eine, und sie lag im Sterben. Sie kroch zu den Wagen hin. Es war klar, daß sie sie als Tuatha'an erkannte. Ihre Abscheu war größer als ihre Schmerzen, doch sie hatte eine Botschaft, die ihr so wichtig war, daß sie unbedingt an jemanden weitergegeben werden mußte, selbst an uns, bevor sie starb. Es gingen auch Männer hin zu den anderen, um zu sehen, ob man ihnen helfen konnte — sie konnten ihrer Blutspur leicht folgen -, aber sie waren alle tot, genauso wie die dreifache Anzahl von Trollocs.«
Elyas fuhr hoch, so daß ihm beinahe die Pfeife aus dem Mund gefallen wäre. »Hundert Meilen weit in der Wüste? Unmöglich! Djevik KSchar wird die Wüste von den Trollocs genannt. Die Sterbestätte. Sie würden nicht einmal hundert Meilen weit in die Wüste hinausgehen, wenn alle Myrddraal der Fäule sie dorthin trieben!«
»Ihr wißt eine ziemliche Menge über Trollocs, Elyas«, sagte Perrin.
»Fahr fort mit deiner Geschichte«, forderte Elyas Raen grob auf.
»Den Trophäen nach zu schließen, die von den Aiel mitgebracht worden waren, war es klar, daß sie aus der Fäule kamen. Die Trollocs waren ihnen gefolgt, aber den Spuren nach überlebten nur wenige und konnten zurückkehren, nachdem sie die Aiel getötet hatten. Was das Mädchen betrifft, so ließ sie sich von niemandem berühren, nicht einmal, um ihre Wunden zu versorgen. Doch sie packte den Sucher dieses Stammes am Mantel, und nun gebe ich euch wörtlich wieder, was sie sagte: ›Der Blattverderber will das Auge der Welt blenden, Verlorener. Er will die Große Schlange töten. Warne die Menschen, Verlorener. Der Sichtblender kommt. Sag ihnen, sie sollen sich bereithalten für den, Der Mit der Dämmerung Kommt. Sag ihnen...‹ Und dann starb sie. Blattverderber und Sichtblender«, fügte Raen für Perrin hinzu, »sind Aielnamen für den Dunklen König, aber sonst verstehe ich kein Wort. Und doch hielt sie es für wichtig genug, um sich an die zu wenden, die sie offensichtlich verachtete, damit sie es mit ihrem letzten Atemzug weitergeben konnte. Aber für wen? Wir sind wir, das Volk, aber ich glaube kaum, daß es für uns bestimmt war. Die Aiel? Sie würden uns nicht dazu kommen lassen, es ihnen zu erzählen, auch wenn wir es versuchten.« Er seufzte schwer. »Sie nannte uns die Verlorenen. Ich hatte nicht gewußt, wie sehr sie uns verachten.« Ila legte ihr Strickzeug in den Schoß und berührte sanft seinen Kopf.
»Etwas, das sie in der Fäule erfahren haben«, überlegte Elyas laut. »Aber nichts ergibt einen Sinn. Die Große Schlange töten? Die Zeit selbst ermorden? Und das Auge der Welt blenden? Da kann man genausogut behaupten, er wolle einen Felsen aushungern. Vielleicht hat sie nur phantasiert, Raen? Verwundet, im Sterben — sie könnte den Kontakt mit der Wirklichkeit bereits verloren haben. Vielleicht wußte sie nicht einmal, wer diese Tuatha'an waren?«
»Sie wußte, was sie sagte und zu wem sie es sagte. Es war für sie wichtiger als ihr eigenes Leben, und wir verstehen es noch nicht einmal. Als ich dich in unser Lager kommen sah, dachte ich, wir könnten endlich die Antwort auf dieses Rätsel finden, denn du bist« — Elyas machte eine schnelle Handbewegung, und Raen sagte offensichtlich etwas anderes, als er vorgehabt hatte — »ein Freund und kennst viele seltsame Dinge.«
»Aber nichts darüber«, sagte Elyas in einem Ton, der eindeutig das Gespräch abschloß. Die Stille am Lagerfeuer wurde nur noch von Musik und Gelächter unterbrochen, die von anderen Teilen des nachtverhüllten Lagers herübertrieben.
Als er dann mit der Schulter an einen der Baumklötze am Lagerfeuer gelehnt dalag, bemühte sich Perrin, die Botschaft der Aielfrau zu enträtseln, aber sie ergab für ihn auch nicht mehr Sinn als für Raen oder Elyas. Das Auge der Welt. Das hatte er mehr als einmal in seinen Träumen gesehen, aber über diese Träume wollte er nicht nachdenken. Aber wie stand es mit Elyas? Da gab es eine Frage, auf die er gern eine Antwort gehabt hätte. Was hatte Raen über den bärtigen Mann sagen wollen, und warum hatte Elyas ihn dabei unterbrochen? Auch da hatte er kein Glück. Er versuchte sich vorzustellen, wie die Aielmädchen sein mochten — in die Fäule gehen, wo sich seines Wissens nur Behüter hineinwagten, um gegen Trollocs zu kämpfen -, als er hörte, daß Egwene vor sich hinsingend zurückkam.
Er rappelte sich hoch und empfing sie am Rand des Feuerscheins. Sie blieb stehen und sah ihn mit schräg gehaltenem Kopf an. Im Dunklen konnte er ihren Gesichtsausdruck nicht sehen.
»Du warst lange weg«, sagte er. »Hast du dich amüsiert?«
»Wir haben bei seiner Mutter gegessen«, antwortete sie. »Und dann tanzten wir... und lachten. Es ist eine Ewigkeit her, seit ich das letzte Mal tanzte.«
»Er erinnert mich an Wil al'Seen. Du warst immer klug genug, um dich nicht von Wil einfangen zu lassen.«
»Aram ist ein lieber Junge, und es macht Spaß, mit ihm zusammenzusein«, sagte sie mit angespannter Stimme. »Er bringt mich zum Lachen.«
Perrin seufzte. »Es tut mir leid. Ich freue mich, wenn du dich beim Tanzen amüsiert hast.«
Plötzlich lag sie in seinen Armen und weinte an seiner Brust. Ungeschickt streichelte er ihr Haar. Rand wüßte, was man da am besten tut, dachte er. Rand hatte es leicht bei den Mädchen. Nicht so wie er, der niemals wußte, was er machen oder sagen sollte. »Ich habe ja gesagt, es tut mir leid, Egwene. Ich freue mich wirklich, daß du dich beim Tanzen amüsiert hast. Wirklich!«