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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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Das Gebäude war hell und luftig, denn es hatte zu beiden Enden große, unverglaste Fenster, die den Blick auf eine Graskoppel im Freien freigaben. Dort konnte ich mehrere der kräftigen Percheron-Stuten grasen sehen; eine oder zwei von ihnen schienen unruhig zu sein und galoppierten ab und zu ein paar Sprünge los, um dann wieder in den Trab oder Schritt zu fallen und wiehernd die Köpfe und Mähnen zu schütteln. Einmal ertönte daraufhin ein lauter Aufschrei aus einer der Boxen am Ende der Halle, und ein gewaltiger Tritt des Insassen ließ die Holzwand der Box erbeben.

»Er ist jedenfalls bereit«, murmelte eine bewundernde Stimme hinter mir. »Ich frage mich, wer die glückliche Mademoiselle ist?«

»Die Stute, die dem Tor am nächsten ist«, meinte die Herzogin, die stets zu einer Wette bereit war. »Ich setze fünf Livres darauf.«

»Ah, nein! Da irrt Ihr, Madame, sie ist zu ruhig. Es wird die Kleine unter dem Apfelbaum werden, die so kokett die Augen verdreht. Seht Ihr, wie sie den Kopf schüttelt? Ich setze auf sie.«

Beim Ruf des Hengstes hatten alle Stuten innegehalten, um fragend die Nasen zu heben und nervös mit den Ohren zu zucken. Einige schüttelten unruhig wiehernd die Köpfe; eine machte einen langen Hals und stieß einen langgezogenen, schrillen Ruf aus.

»Diese dort«, sagte Jamie leise und wies kopfnickend auf die Stute. »Hört Ihr, wie sie ihn ruft?«

»Und was sagt sie zu ihm, Mylord?«, fragte der Bischof, in dessen Augen es glitzerte.

Jamie schüttelte feierlich den Kopf.

»Es ist ein Lied, Mylord, jedoch eines, für das ein Kirchenmann taub ist – oder es zumindest sein sollte«, fügte er unter allgemeinem Gelächter hinzu.

Und ja, es war die Stute, die gerufen hatte, die ausgewählt wurde. Sobald sie in der Halle war, blieb sie stehen, hob den Kopf und prüfte die Luft mit geweiteten Nüstern. Der Hengst konnte sie riechen; seine Rufe hallten schaurig von den Deckenbalken wider, so laut, dass jedes Gespräch unmöglich wurde.

Doch es wollte sich jetzt ohnehin niemand mehr unterhalten. Obwohl ich mich so unbehaglich fühlte, konnte ich spüren, wie mir ein Prickeln der Erregung durch die Brüste fuhr, und mein geschwollener Bauch zog sich zusammen, als die Stute erneut auf den Ruf des Hengstes antwortete.

Percherons sind ziemlich kräftige Pferde. Sie werden bis zu einem Meter siebzig groß, und der Rumpf einer gut genährten Stute ist beinahe einen Meter breit. Sie sind entweder Schimmel oder Rappen mit einem Wasserfall aus schwarzem Langhaar, der an der Wurzel fast so dick ist wie mein Arm.

Der Hengst schoss so plötzlich aus seiner Box auf die jetzt angebundene Stute zu, dass alle vom Zaun zurückfuhren. Staubwölkchen stiegen auf, als die riesigen Hufe auf den trockenen Erdboden des Pferchs trafen, und Speicheltropfen flogen ihm aus dem offenen Maul. Der Stallknecht, der die Boxentür geöffnet hatte, sprang beiseite, klein und unbedeutend neben der prachtvollen Furie, die jetzt im Pferch losbrach.

Die Stute sprang alarmiert mit allen vieren in die Luft, doch dann war er auf ihr, und seine Zähne schlossen sich um ihren kräftigen Widerrist, so dass sie ergeben den Kopf senkte. Ihr gewaltiger Schweif hob sich, und sie war nackt seiner Lust ausgesetzt.

»Jésus«, flüsterte Monsieur Prudhomme.

Es ging eigentlich schnell, doch es kam uns um einiges länger vor, während wir dem Auf und Ab der vom Schweiß verdunkelten Flanken zusahen, dem Spiel des Lichts auf dem wogenden Haar und dem Schimmer der angespannten Muskeln, die sich in der Agonie der Paarung bewegten.

Alle waren ziemlich still, als wir die Halle verließen. Schließlich lachte der Herzog auf, stieß Jamie an und sagte: »Ihr seid an diesen Anblick gewöhnt, Mylord Broch Tuarach?«

»Aye«, antwortete Jamie. »Ich habe es schon oft gesehen.«

»Ah?«, sagte der Herzog. »Und sagt mir, Mylord, was löst dieser Anblick nach so vielen Malen in Euch aus?«

Jamies Mundwinkel zuckte, als er antwortete, doch ansonsten verzog er keine Miene.

»Große Bescheidenheit, Eure Durchlaucht«, sagte er.

»Was für ein Anblick!«, sagte die Duchesse de Neve. Mit verträumten Augen brach sie sich ein Stück von einem Plätzchen ab und kaute es langsam. »So erregend, nicht wahr?«

»Was für ein Schwanz, meint Ihr wohl«, sagte Madame Prudhomme unverblümt. »Ich wünschte, Philibert hätte auch so einen. So jedoch …« Sie wies mit hochgezogener Augenbraue auf einen Teller mit kleinen, vielleicht sechs Zentimeter langen Würstchen, und die Damen, die auf der Picknickdecke saßen, brachen in Gekicher aus.

»Etwas Hühnchen, bitte, Paul«, sagte die Comtesse St. Germain zu ihrem Pagen. Sie war sehr jung, und die anzüglichen Kommentare der älteren Damen trieben ihr die Röte ins Gesicht. Ich fragte mich, wie ihre Ehe mit St. Germain wohl aussehen mochte; er nahm sie nie mit in die Öffentlichkeit, außer bei Anlässen wie diesem, wo die Gegenwart des Bischofs verhinderte, dass er mit einer seiner Mätressen erschien.

»Bah«, sagte Madame Montresor, eine der Hofdamen, deren Ehemann mit dem Bischof befreundet war. »Es kommt doch nicht nur auf die Größe an. Was nützt es, wenn er zwar so groß ist wie bei einem Hengst, aber auch nicht mehr Ausdauer hat? Keine zwei Minuten? Ich frage Euch, wozu ist das gut?« Sie hielt ein Cornichon zwischen zwei Fingern fest und leckte geziert mit ihrer rosa Zungenspitze an dem blassgrünen Gürkchen. »Ich finde, es kommt nicht darauf an, was sie in der Hose haben, sondern darauf, was sie damit anfangen.«

Madame Prudhomme prustete. »Nun, wenn Ihr einen findet, der etwas anderes damit anfangen kann, als ihn ins nächste Loch zu stecken, sagt es mir. Es würde mich interessieren zu sehen, was man alles damit tun kann.«

»Nun, immerhin habt Ihr einen, der sich überhaupt für Euch interessiert«, fiel die Duchesse de Neve ein. Sie warf einen angewiderten Blick auf ihren Mann, der sich mit den anderen Männern an einer der Koppeln drängte und zusah, wie eine Stute angespannt wurde.

»Nicht heute Abend, Teuerste«, imitierte sie den sonoren, näselnden Ton ihres Mannes in Perfektion. »Ich bin erschöpft.« Sie hob sich die Hand an die Stirn und verdrehte die Augen. »Der Druck des Geschäftslebens ist so ermüdend.« Vom Kichern der anderen ermuntert, fuhr sie mit ihrer Parodie fort, indem sie jetzt entsetzt die Augen aufriss und die Hände schützend vor dem Schoß kreuzte. »Was, schon wieder? Weißt du denn nicht, dass man mit seiner Gesundheit spielt, wenn man die männliche Essenz unnötig vergeudet? Reicht es denn nicht, dass mich deine ständigen Forderungen völlig zermürbt haben, Mathilde? Möchtest du etwa, dass ich einen Anfall bekomme?«

Die Damen gackerten und kreischten so laut vor Lachen, dass sie die Aufmerksamkeit des Bischofs erregten, der uns geduldig lächelnd zuwinkte, was eine weitere Salve der Heiterkeit auslöste.

»Nun, immerhin vergeudet er seine männliche Essenz nicht in Bordellen – oder anderswo«, sagte Madame Prudhomme mit einem vielsagenden, mitleidvollen Blick auf die Comtesse St. Germain.

»Nein«, sagte Mathilde finster. »Er hütet sie, als wäre es Gold. Man könnte glauben, es gäbe keine mehr, so wie er … Oh, Eure Durchlaucht! Möchtet Ihr vielleicht ein Glas Wein?« Sie blickte mit einem bezaubernden Lächeln zum Herzog von Sandringham auf, der sich lautlos von hinten genähert hatte. Er stand da und lächelte die Damen mit hochgezogener Augenbraue an. Falls er gehört hatte, worüber wir uns unterhalten hatten, ließ er sich das nicht anmerken.

Nachdem er sich neben mir auf die Decke gesetzt hatte, plauderte Seine Durchlaucht ebenso beiläufig wie geistreich mit den Damen, von deren Stimmen sich sein seltsam schriller Ton ja kaum unterschied. Er schien zwar ganz Ohr für das Gespräch zu sein, doch ich bemerkte, dass sein Blick immer wieder zu der kleinen Gruppe von Männern hinüberwanderte, die am Koppelzaun standen. Jamies Kilt fiel selbst inmitten der herrlichen Samt- und Seidenröcke durch seine Leuchtkraft auf.

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