Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich erhob mich und ging zur Waschschüssel hinüber. Meine Müdigkeit war verflogen. Zu meiner Überraschung wurde mir klar, dass mir dieser Kuss zwischen Jamie und Laoghaire extrem missfiel. Ich wusste noch genau, was er dazu gesagt hatte: Es ist besser zu heiraten, als zu brennen, und ich habe damals ziemlich schlimm gebrannt. Ich brannte jetzt selbst ein wenig, denn ich wurde rot, als ich daran dachte, wie Jamies Küsse auf meine eigenen Lippen wirkten. Brennend, in der Tat.
Energisch spritzte ich mir Wasser ins Gesicht und versuchte prustend, dieses Gefühl zu verdrängen. Entschlossen rief ich mir ins Gedächtnis, dass ich keinen Anspruch auf Jamies Zuneigung hatte. Ich hatte ihn aus Not geheiratet. Und er hatte seine eigenen Gründe gehabt, zu denen es unverhohlen zählte, dass er mit einer Frau schlafen wollte.
Ein weiterer Grund war anscheinend, dass er eine Frau brauchte, um Anspruch auf sein Einkommen anzumelden, und er kein Mädchen aus seiner Umgebung dazu bewegen konnte, ihn zu heiraten. Ein Grund, der um einiges weniger schmeichelhaft war als der erste, wenn auch nicht weniger hochtrabend.
Inzwischen war ich hellwach und tauschte meine fleckigen Reisekleider langsam gegen ein frisches Hemd ein, das genau wie die Schüssel und der Waschkrug von Mrs. Fitz’ fleißigen Helfern herbeigeschafft worden war. Wie es ihr gelungen war, in der Zeit zwischen Jamies abrupter Ankündigung gegenüber Colum und unserem Eintreffen am Kopfende der Treppe Platz für zwei frisch Verheiratete zu schaffen, war eins der ewigen Rätsel der Menschheit. Mrs. Fitz, so dachte ich, hätte auch wunderbar das Waldorf-Astoria oder das Londoner Ritz leiten können.
Solche Gedanken weckten plötzlich eine Sehnsucht nach meiner eigenen Welt, wie ich sie seit vielen Tagen nicht mehr empfunden hatte. Was mache ich eigentlich hier?, fragte ich mich zum tausendsten Mal. Hier, in der Fremde, unfassbar weit von allem Vertrauten entfernt, von zu Hause, meinem Mann und meinen Freunden, verloren unter Menschen, die mehr oder weniger Wilde waren? Während der letzten Wochen mit Jamie hatte ich begonnen, mich sicher und hin und wieder sogar glücklich zu fühlen. Doch jetzt begriff ich, dass das Glücksgefühl vermutlich eine Illusion war, selbst wenn die Sicherheit es nicht war.
Ich hatte keinerlei Zweifel, dass er zu dem stehen würde, was er als seine Verantwortung betrachtete, und mich weiter vor jeder Bedrohung beschützen würde. Doch hier, zurück aus der traumähnlichen Isolation unserer Tage zwischen wilden Hügeln und staubigen Straßen, zwischen schmutzigen Gasthäusern und duftenden Heuhaufen, musste er die Anziehungskraft seiner alten Verbindungen genauso spüren, wie ich es tat. Wir waren uns in der Zeit seit unserer Hochzeit sehr nah gekommen, doch ich hatte gespürt, wie diese Nähe durch die Strapazen der letzten Tage Risse bekam, und glaubte, dass sie jetzt vielleicht ganz zerbrechen könnte, da wir uns wieder der praktischen Realität des Lebens in der Burg gegenübersahen.
Ich lehnte den Kopf an die steinerne Fenstereinfassung und blickte auf den Innenhof hinaus. Auf der anderen Seite sah ich Alec MacMahon, der zusammen mit zweien seiner Stalljungen die Pferde trockenrieb, auf denen wir gekommen waren. Die Tiere, die zum ersten Mal seit zwei Tagen nach Herzenslust hatten fressen und saufen können, strahlten Zufriedenheit aus, als ihnen jetzt willige Hände die glänzenden Flanken striegelten und ihnen mit Strohbüscheln den Schmutz von den Beinen lösten. Ein Stalljunge führte meine fette kleine Thistle davon, die ihm glücklich in den Stall folgte, um ihre wohlverdiente Ruhe zu genießen.
Und mit ihr, dachte ich, gingen auch meine Hoffnungen auf jedes baldige Entkommen und die Rückkehr in meine eigene Zeit dahin. Oh, Frank. Ich schloss die Augen und ließ mir eine Träne an der Nase entlangrollen. Dann öffnete ich die Augen, starrte auf den Hof hinaus, blinzelte und schloss sie wieder fest. Dabei versuchte ich panisch, mir Franks Gesichtszüge ins Gedächtnis zu rufen. Eine Sekunde lang hatte ich nicht meinen geliebten Mann gesehen, als ich die Augen schloss, sondern seinen Vorfahren Jack Randall, dessen volle Lippen sich zu einem spöttischen Lächeln verzogen. Und während ich in Gedanken vor diesem Bild zurückschreckte, beschwor mein Kopf das Bild herauf, wie Jamie voller Angst und Wut im Fenster zu Randalls privater Stube kauerte. Sosehr ich es auch versuchte, ich konnte mir das Bild, das ich von Frank zu haben glaubte, nicht mit Gewissheit vorstellen.
Schlagartig wurde mir kalt vor Panik, und ich klammerte mich mit den Händen an meine Ellbogen. Und was, wenn es mir gelungen wäre, zu fliehen und den Steinkreis wiederzufinden?, dachte ich. Was dann? Ich hoffte, dass Jamie bald Trost finden würde – vielleicht ja bei Laoghaire. Es war nicht das erste Mal, dass ich mir Gedanken darüber machte, wie er wohl reagieren würde, wenn ich nicht mehr da war. Doch bis auf jenen hastigen Moment des Bedauerns am Ufer des Bachs war es mir nicht in den Sinn gekommen, mich zu fragen, wie es sich für mich anfühlen würde, von ihm getrennt zu werden.
Geistesabwesend spielte ich mit der Schnur, die den Halsausschnitt meines Hemds zusammenhielt. Wenn ich gehen wollte, was ich ja wollte, würde ich keinem von uns einen Gefallen tun, wenn ich zuließ, dass das Band zwischen uns noch stärker wurde. Ich durfte nicht zulassen, dass sich das, was er für mich empfand, in Liebe verwandelte.
Falls diese Gefahr denn überhaupt bestand, dachte ich, weil ich erneut an Laoghaire und das Gespräch mit Colum denken musste. Wenn er mich tatsächlich so kaltblütig geheiratet hatte, wie es schien, waren seine Gefühle ja vielleicht weniger gefährdet als die meinen.
Ich war so erschöpft, hungrig, enttäuscht und verunsichert, dass ich vor lauter Elend und Verwirrung weder schlafen noch stillsitzen konnte. Stattdessen streifte ich unglücklich durch das Zimmer, griff planlos nach Gegenständen und legte sie wieder hin.
Der Luftzug der sich öffnenden Tür störte das empfindliche Gleichgewicht des Kamms, den ich auf den Fingern balancierte, und verkündete Jamies Rückkehr. Er sah schwach errötet und merkwürdig erregt aus.
»Oh, du bist ja wach«, sagte er, eine Tatsache, die ihn offensichtlich überraschte und aus dem Konzept brachte.
»Ja«, sagte ich unfreundlich, »hattest du etwa gehofft, dass ich schlafen würde, damit du zu ihr zurückgehen kannst?«
Seine Augenbrauen zogen sich kurz zusammen, dann hoben sie sich fragend. »Zu ihr? Meinst du etwa Laoghaire?«
Ihren Namen in diesem lässigen Singsang der Highlands zu hören – »L’hier« – erfüllte mich blitzartig mit unsinniger Wut.
»Oh, dann warst du also bei ihr!«, fuhr ich ihn an.
In Jamies Miene spiegelte sich eine Mischung von Verwunderung, Argwohn und ein bisschen Verärgerung. »Aye«, sagte er. »Ich bin ihr im Hinausgehen an der Treppe begegnet. Geht es dir gut, Sassenach? Du siehst ein bisschen mitgenommen aus.« Er betrachtete mich abschätzend. Ich griff nach dem Spiegel und stellte fest, dass mein Haar eine buschige Mähne rings um meinen Kopf gebildet hatte und ich dunkle Ringe unter den Augen hatte. Mit einem Rums legte ich ihn wieder hin.
»Nein, es geht mir bestens.« Ich versuchte, mich zusammenzureißen. »Und wie geht es Laoghaire?«, fragte ich gespielt beiläufig.
»Oh, prächtig«, antwortete er. Er lehnte sich mit verschränkten Armen an die Tür und beobachtete mich nachdenklich. »Ein bisschen überrascht, von unserer Hochzeit zu hören, nehme ich an.«
»Prächtig«, sagte ich und holte tief Luft. Als ich aufblickte, grinste er mich an.
»Du machst dir doch ihretwegen keine Sorgen, oder, Sassenach?«, fragte er scharfsinnig. »Sie hat keinerlei Bedeutung für dich – oder mich«, fügte er hinzu.
»Ach, nein? Sie wollte – oder konnte – dich nicht heiraten. Du musstet aber jemanden haben, also hast du mich genommen, als sich die Gelegenheit ergab. Das verübele ich dir nicht …« Zumindest nicht sehr. »Aber ich …«