Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
Murph wußte, daß es für solchen Schmerz keinen Trost gibt, und verhielt sich schweigend. Nach einer ziemlich langen Pause fuhr Rudolf mit bewegter Stimme fort: »Hier bleibe ich nun keine Minute länger! Denn mir ist Paris verhaßt. Schon morgen wende ich ihm den Rücken.« – »Es ist gewiß nur recht von Ihnen, wenn Sie so handeln, königliche Hoheit!« –
»Wir machen den Umweg über Bouqueval, lieber Murph. Zuvor will ich eine Zeitlang in dem Zimmer verweilen, wo meine Tochter die einzigen frohen Tage ihres jungen Lebens zugebracht hat. Ich will alles zusammentragen, was mich an sie erinnern kann: die Bücher, in denen sie gelesen, die Hefte, in denen sie Schreibübungen gemacht, die Kleider, die sie getragen ... ja auch von den Tapeten will ich mir eine Zeichnung abnehmen, vom ganzen Zimmer ... In Gerolstein werde ich neben dem Mausoleum, das ich für meinen seligen Vater errichten ließ zur Erinnerung an die Kränkung, die ich ihm angetan, einen Gedenkpavillon errichten lassen, worin sich dies ganze Zimmer wiederfinden soll, worin mein Kind in meiner nächsten Nähe wohnte, ohne daß sich in meinem Herzen auch nur eine Fiber regte, in ihr mein Kind zu ahnen! Das Mausoleum soll mich erinnern an das Vergehen, das ich mir meinem Vater gegenüber zu schulden kommen ließ, der Pavillon an die Strafe, die mich in meinem Kinde getroffen hat!« ... Wieder trat eine lange Pause ein. Dann befahl Rudolf mit kurzen Worten, alles für morgen in Bereitschaft zu halten. –
Murph wollte seinem Gebieter und Freunde die trüben Gedanken verscheuchen. »Es soll alles geschehen, wie königliche Hoheit befehlen, Sie vergessen jedoch, daß morgen in Bouqueval der Sohn unserer lieben Frau Georges mit Fräulein Lachtaube Hochzeit hält, denn Sie haben ja nicht bloß Herrn Germains Zukunft sichergestellt, seiner Braut eine brillante Ausstattung gekauft, sondern auch versprochen, dem Hochzeitsfeste beizuwohnen, sollen sie doch den wahren Namen ihres Wohltäters erst jetzt erfahren!« »Das habe ich freilich versprochen,« erwiderte Rudolf, »nach Bouqueval kann ich also morgen nur fahren, wenn ich der Hochzeit beiwohne ... aber ich besitze hierzu in der Tat den Mut nicht ...« – »Vielleicht vermöchte aber gerade das Glück dieses jungen Paares Ihren Kummer zu lindern, königliche Hoheit?« – »Nicht doch, mein lieber Murph! Ist Schmerz nicht immer selbstisch und sucht die Einsamkeit? Vertritt du morgen in Bouqueval meine Stelle und bitte Frau Georges, alles, was meinem Kinde dort gehörte, zusammenzutun und mir zu übermitteln, auch von dem Stübchen, worin sie dort gewohnt, wünsche ich eine genaue Zeichnung, die sie mir nach Gerolstein nachsenden mag.«
»Königliche Hoheit,« wandte Murph ein, »Sie werden doch nicht abreisen wollen, ohne die Frau Marquise von Harville noch einmal gesehen zu haben?« –
Rudolf zuckte, als er diesen Namen hörte, heftig zusammen; noch immer lebte aufrichtige Liebe zu ihr im Herzen, in diesem Augenblicke aber war sein Herz von wildem Schmerze erfüllt. Nur die zärtliche Liebe dieser Frau – das fühlte er – konnte ihn in dem Unglück, das ihn betroffen hatte, aufrecht halten, und doch machte er sich Vorwürfe um dieses Gedankens willen, denn eine innere Stimme regte sich doch in ihm, daß sich solche Gedanken mit seinem tiefen Vaterschmerze wahrlich recht schlecht vertrügen.
»Ja, ich werde abreisen, ohne Frau von Harville noch einmal zu sehen,« sagte er, »vor wenigen Tagen schilderte ich ihr den Schmerz, den mir Marienblümchens Tod bereitet, und wenn sie nun gar erst hört, daß dieses Mädchen mein leibliches Kind ist, dann wird ihr recht wohl begreiflich sein, daß ich abreise, ohne sie wieder gesehen zu haben. Sie wird sich eben sagen, daß der Mensch den Mut finden muß, gewisse Schmerzen, zumal wenn sie als Strafen gelten, allein zu tragen, damit sie für ihn zur Buße werden.«
Achtes Kapitel.
Die Marquise.
Da wurde leise an die Tür des Zimmers geklopft. Rudolf machte eine Bewegung der Ungeduld. Murph erhob sich, um aufzumachen. Durch den Spalt hindurch flüsterte ein fürstlicher Adjutant dem schottischen Squire ein paar eilige Worte zu ... Murph nickte und trat zu Rudolf ... »Königliche Hoheit erlauben wohl, daß ich mich einen Augenblick entferne? Es verlangt mich jemand im Dienste Eurer königlichen Hoheit zu sprechen.« – »Nun, dann geh,« antwortete der Fürst.
Kaum war Murph aus dem Zimmer verschwunden, als Rudolf, die Hände über dem Kopfe zusammenschlagend, und tief aufseufzend, rief: »O, meine Empfindungen erschrecken mich. Das Herz strömt mir über von Bitterkeit und Haß. Die Gegenwart meines besten Freundes wird mir zur drückenden Last, und die Erinnerung an eine edle, reine Liebe ängstigt mich ... O, es ist meiner unwürdig, ein solches Wesen besitzen zu sollen! ... Gestern vernahm ich mit Behagen Sarahs Tod, es war mir eine wahre Erleichterung, zu wissen, daß diese unnatürliche Mutter, die aus schnöder Ehrsucht zur Mörderin ihrer Tochter wurde, nicht mehr unter den Lebenden wandelt ... Ja ich kann sagen, daß ich gern an den Tod dieser Megäre denke – denn etwas anderes ist sie nicht in meinen Augen ... O,« rief er plötzlich, vom Stuhle aufspringend ... »ich bin zu spät gekommen! Gestern litt ich nicht, was ich heute leide ... und doch habe ich auch gestern bereits gewußt, daß meine Tochter tot ist ... Ja, aber ich hatte nicht jene Worte zu mir gesprochen, die hinfort mein Leben vergiften werden! O, welche Zeit habe ich durch den Aufenthalt, den ich meinem Kinde in der Meierei schuf, versäumt! Warum bin ich nur dreimal dort hinaus gefahren? ... Und doch hätte ich täglich draußen sein können, doch hätte ich meine Tochter täglich sehen können, hätte sie sogar bei mir behalten können! ... Nun, meine Strafe wird es sein, daß ich mir diese schrecklichen Worte immer und immer wiederholen, immer und immer vorpredigen muß!«
Der unglückliche Mann fand eine grausame Freude darin, diesen Gedanken immer und immerfort sich zu wiederholen: großer Schmerz hat eben die Eigentümlichkeit, sich unaufhörlich durch sich selbst zu erneuern.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, und Murph erschien kreidebleich auf der Schwelle. Der Fürst war dermaßen verwirrt durch Murphs schreckhafte Miene, daß er sich erhob und Murph entgegenrief: »Sprich! Was für Hiobspost hast du wieder zu melden?« – »Keine Hiobspost, königliche Hoheit!« erwiderte der Schotte, »es ist jemand draußen, der Sie auf der Stelle zu sprechen begehrt.« – »Wer? Wozu dies Zögern? Es ist doch nicht sonst deine Sache, wie die Katze um den heißen Brei zu gehen!« – »Königliche Hoheit! Frau Marquise von Harville bittet um eine sofortige Unterredung.« – »Frau von Harville?« wiederholte, nun seinerseits erbleichend, Fürst Rudolf; »nicht möglich! nicht möglich!« – »Königliche Hoheit, ich fürchte ...« – »Was denn? Doch wieder ein neues Malheur? Wie?« – »Nicht doch, königliche Hoheit! Ich fürchte, die jähe Kunde möchte ...« – »Rede, Murph,« rief der Fürst, dem Zorne nahe, »rede und verheimliche mir nichts! Verstehst du?«
»Bei meiner Ehre, königliche Hoheit,« sagte Murph »ich weiß nicht ...« »Was hat die Marquise dir gesagt?« rief Rudolf streng. – »Sir Walter, hat sie gesagt, und, ihre Stimme war bewegt, während aus ihren Augen die hellste Freude leuchtete ... es muß Sie wohl verwundern, daß Sie mich hier sehen. Aber es gibt Verhältnisse, unter denen sich nicht abwägen läßt, was sich schickt und was sich nicht schickt. Bitten Sie königliche Hoheit, mir ohne Verzug ein kurzes Gehör zu gewähren, und zwar in Ihrem Beisein, weiß ich ja doch, daß der Fürst keinen bessern Freund auf Erden hat als Sie ... Ich hätte mir ja die Gnade eines Besuchs von ihm erbitten können, aber darüber wäre erst wieder Zeit verstrichen, und Sie dürfen sich versichert halten, daß der Fürst es mir Dank wissen wird, daß ich die Unterredung um keine Minute verzögert habe » Bei diesen letzten Worten bebte ihre Stimme ...«