Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Elyas verbeugte sich auf die gleiche Art, beide Hände an die Brust gedrückt. »Euer Willkommensgruß erwärmt meinen Geist, Mahdi, so wie Eure Feuer das Fleisch erwärmen, aber ich kenne das Lied nicht.«
»Dann suchen wir weiter«, intonierte der grauhaarige Mann. »Wie es war, so soll es sein, wenn wir uns nur erinnern, suchen und finden.« Er schwang einen Arm lächelnd in Richtung auf die Feuer, und seine Stimme nahm einen fröhlichleichten Tonfall an. »Das Mahl ist fast fertig. Bitte gesellt Euch zu uns.«
Als sei das ein Signal gewesen, begann die Musik aufs neue, und die Kinder lachten wieder und rannten mit den Hunden herum. Alle im Lager kehrten zu den vorherigen Beschäftigungen zurück, als seien die Neuankömmlinge langerwartete Freunde.
Der grauhaarige Mann zögerte allerdings und sah Elyas an. »Eure... anderen Freunde? Sie werden draußen bleiben. Sie jagen den Hunden solche Angst ein.«
»Sie werden bleiben, wo sie sind, Raen.« Elyas Kopfschütteln enthielt ein wenig Verachtung. »Das solltet Ihr allmählich wissen.«
Der grauhaarige Man spreizte die Hände, als wolle er sagen, daß nichts jemals gewiß sei. Als er sich umdrehte, um sie ins Lager zu führen, stieg Egwene ab und näherte sich Elyas. »Ihr beiden seid Freunde?« Ein lächelnder Kesselflicker erschien, um Bela wegzuführen; Egwene reichte ihm widerstrebend die Zügel, nachdem Elyas trocken geschnaubt hatte. »Wir kennen uns«, antwortete der in Felle gekleidete Mann.
»Er heißt Mahdi?« fragte Perrin.
Elyas knurrte etwas in seinen Bart hinein. »Er heißt Raen. Mahdi ist sein Titel. Sucher. Er ist der Anführer dieses Stammes. Ihr könnt ihn Sucher nennen, wenn euch das andere Wort komisch vorkommt. Er hat nichts dagegen.«
»Wie war das mit diesem Lied?« fragte Egwene. »Deswegen ziehen sie herum«, sagte Elyas, »oder jedenfalls behaupten sie das. Sie suchen nach einem Lied.
Das ist es, wonach der Mahdi sucht. Sie behaupten, sie hätten es bei der Zerstörung der Welt verloren, und wenn sie es wiederfinden, dann wird das Paradies des Zeitalters der Legenden zurückkehren.« Er sah sich im Lager um und schnaubte wieder. »Sie wissen noch nicht einmal, um welche Art von Lied es sich handelt. Sie behaupten, sie würden es erkennen, wenn sie es fänden. Sie wissen auch nicht, wie es das Paradies wiederbringen kann, und doch haben sie fast dreitausend Jahre lang danach gesucht — seit der Zerstörung. Ich schätze, sie werden weitersuchen, bis das Rad aufhört, sich zu drehen.«
Dann erreichten sie Raens Feuer im Zentrum des Lagers. Der Wagen des Suchers war gelb mit roten Rändern, und die Speichen der hohen, rot gestrichenen Räder waren abwechselnd gelb und rot. Eine mollige Frau, so grau wie Raen, doch ohne Falten im Gesicht, kam aus dem Wagen und blieb auf den Stufen am hinteren Ende einen Moment lang stehen, um eine Stola mit blauen Fransen auf ihren Schultern zurechtzurücken. Ihre Bluse war gelb und ihr Rock rot — leuchtende Farben. Die Kombination brachte Perrin zum Blinzeln, und Egwene gab einen Laut von sich, als erwürge man sie.
Als sie die Leute sah, die Raen folgten, kam die Frau mit einem warmen Lächeln herunter. Das war Ila, Raens Frau, einen Kopf größer als ihr Mann, und sie brachte es fertig, daß Perrin schnell die Farben ihrer Kleidung vergaß. Sie erinnerte ihn in ihrer Mütterlichkeit an Frau al'Vere, und von ihrem ersten Lächeln an fühlte er sich herzlich aufgenommen.
Ila begrüßte Elyas als alten Bekannten, doch hielt sie einen für Raen schmerzlichen Abstand. Elyas grinste sie trocken an und nickte. Perrin und Egwene stellten sich vor, und sie nahm ihre Hände in ihre beiden und zeigte dabei viel mehr Wärme als bei Elyas. Sie nahm Egwene sogar in die Arme.
»Du bist ja süß, mein Kind«, sagte sie, nahm Egwenes Kinn in die Hand und lächelte. »Und halb erfroren, denke ich. Setz dich nahe ans Feuer, Egwene. Setzt euch alle hin. Das Essen ist fast fertig.«
Teile umgestürzter Baumstämme waren als Sitze um das Feuer herum gruppiert. Elyas weigerte sich, der Zivilisation auch nur soweit entgegenzukommen, und setzte sich statt dessen auf den blanken Boden. Zwei kleine Kessel hingen an dreibeinigen Eisenhaltern über den Flammen, und am Rand der Kohleschicht stand ein Ofen. Ila kümmerte sich um alles.
Als Perrin und die anderen Platz nahmen, schlenderte ein schlanker junger Mann in grüngestreifter Kleidung zum Feuer herüber. Er umarmte Raen, küßte Ila und musterte Elyas und die Emondsfelder kühl. Er war ungefähr genauso alt wie Perrin und bewegte sich, als werde er mit dem nächsten Schritt zu tanzen beginnen.
»Na, Aram« — Ila lächelte liebevoll — »hast du dich entschlossen, zur Abwechslung einmal mit deinen alten Großeltern zu speisen?« Ihr Lächeln erfaßte Egwene, als sie sich bückte, um in einem Kessel über dem Feuer herumzurühren. »Ich frage mich, aus welchem Grund.«
Aram kauerte sich bequem, die Arme über den Knien verschränkt, gegenüber von Egwene am Feuer nieder. »Ich bin Aram«, sagte er mit leiser, selbstbewußter Stimme zu ihr. Er schien nicht mehr zu bemerken, daß außer ihr noch jemand zugegen war. »Ich habe auf die erste Rose des Frühlings gewartet, und nun finde ich sie an meines Großvaters Feuer.«
Perrin wartete darauf, Egwene kichern zu hören, sah aber dann, daß auch sie Aram ansah. Also blickte er den jungen Kesselflicker erneut an. Er mußte zugeben, Aram sah mehr als nur einfach gut aus. Nach einer Minute fiel Perrin ein, an wen ihn dieser Bursche erinnerte: Wil al'Seen. Alle Mädchen sahen ihm nach und flüsterten hinter seinem Rücken, wenn er von Devenritt nach Emondsfeld kam. Wil stellte jedem Mädchen nach, das er sah, und er brachte es fertig, jede davon zu überzeugen, daß er eben nur höflich zu den anderen sein wollte.
»Eure Hunde dort«, sagte Perrin so laut, daß Egwene zusammenfuhr, »sehen so groß wie Baren aus. Ich bin ganz überrascht, daß ihr die Kinder mit ihnen spielen laßt.«
Arams Lächeln verschwand, aber als er Perrin ansah, tauchte es wieder auf, noch selbstbewußter als zuvor. »Sie werden euch nichts tun. Sie spielen wild, um mögliche Gefahren abzuschrecken und uns zu warnen, aber sie wurden nach dem Gesetz des Blattes dressiert.«
»Das Gesetz des Blattes?« sagte Egwene: »Was ist das?«
Aram deutete auf die Bäume, sah ihr aber dabei ganz fest in die Augen. »Das Blatt lebt die ihm zugeteilte Zeit und kämpft nicht gegen den Wind an, der es fortträgt. Das Blatt schadet niemandem, und wenn es schließlich fällt, nährt es neue Blätter. So sollte es auch bei den Menschen sein. Und besonders bei den Frauen.« Egwene beantwortete seinen Blick, und eine leichte Röte stieg in ihre Wangen.
»Aber was bedeutet das?« fragte Perrin. Aram warf ihm einen verständnislosen Blick zu, und es war Raen, der die Frage beantwortete. »Es bedeutet, daß kein Mensch einem anderen aus irgendeinem Grund Schaden zufügen sollte.« Der Blick des Suchers huschte hinüber zu Elyas. »Es gibt keine Entschuldigung für die Anwendung von Gewalt. Keine einzige. Niemals.«
»Und wenn Euch jemand angreift?« beharrte Perrin. »Wenn euch jemand schlägt oder versucht, Euch zu berauben oder zu töten?«
Raen seufzte — ein geduldiges Seufzen -, als sehe Perrin einfach nicht, was doch für ihn so klar war. »Wenn mich ein Mann schlüge, dann würde ich ihn fragen, warum er das macht. Und wenn er mich immer noch schlagen wollte, würde ich wegrennen; genauso, wenn er mich berauben oder töten wollte. Viel besser, daß ich ihn nehmen lasse, was er will, sogar mein Leben, als daß ich Gewalt anwende. Und ich würde hoffen, daß ihm nicht zuviel Leid zugefügt würde.«
»Aber Ihr habt gesagt, Ihr würdet ihn nicht verletzen«, sagte Perrin.
»Das würde ich auch nicht, aber Gewalt gefährdet denjenigen, der sie anwendet, genauso wie den, der sie empfängt.« Perrin blickte zweifelnd drein. »Ihr könntet mit Eurer Axt einen Baum fällen«, sagte Raen. »Die Axt tut dem Baum Gewalt an und kommt ungeschoren davon. Seht Ihr das so? Holz ist weich, verglichen mit Stahl, aber der scharfe Stahl wird stumpf, wenn er draufloshackt, und der Saft des Baumes wird ihn verrosten und zerfallen lassen. Die mächtige Axt tut dem hilflosen Baum Gewalt an und wird selbst dabei zu Schaden kommen. So ist es auch bei den Menschen, auch wenn der Schaden die Seele betrifft.«