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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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»Werden wir einander im Paradies wiedersehen?«

Mirdin starrte ihn ernst an. »Ich werde dich im Paradies treffen.

Schwörst du es hoch und heilig?«

Rob lächelte. »Ich schwöre es hoch und heilig.«

Sie faßten einander bei den Handgelenken.

»Ich stelle mir die Trennung zwischen Leben und Paradies als Fluß vor«, sagte Mirdin. »Wenn es viele Brücken über den Fluß gibt, wird es Gott dann stören, welche Brücke der Reisende wählt?«

»Ich glaube nicht«, stimmte Rob zu.

Die beiden Freunde verabschiedeten sich herzlich, und jeder eilte an seine Arbeit.

Rob saß mit zwei Studenten im Operationssaal und hörte al-Juzjani zu, der im Hinblick auf die bevorstehende Operation auf die ärztliche Schweigepflicht aufmerksam machte. Er würde die Identität der Patientin nicht bekanntgeben, um ihren Ruf zu schützen, aber er gab ihnen zu verstehen, daß sie eine nahe Verwandte eines mächtigen, berühmten Mannes war und daß sie Brustkrebs hatte. Wegen der Schwere der Erkrankung würde das theologische Verbot, das jedem außer dem Ehemann einer Frau untersagte, ihren Körper vom Hals bis zum Knie zu betrachten, außer acht gelassen, damit sie operiert werden konnte.

per Frau waren Betäubungsmittel und Wein eingeflößt worden, und sie wurde in bewußtlosem Zustand hereingetragen. Sie war füllig und schwer. Unter dem Tuch, das um ihren Kopf gebunden war, sahen graue Haarsträhnen hervor. Sie war leicht verschleiert und vollkommen eingehüllt, mit Ausnahme ihrer Brüste, die groß, weich und schlaff waren, was darauf hinwies, daß die Patientin nicht mehr jung war. Al-Juzjani befahl jedem der Studenten, beide Brüste sanft abzutasten, um zu lernen, wie sich ein Brusttumor anfühlt. Er war sogar ohne Abtasten erkennbar: eine deutlich sichtbare Geschwulst seitlich an der linken Brust, so lang wie Robs Daumen und dreimal so dick. Das Zusehen war für ihn sehr lehrreich; er hatte noch nie zuvor eine geöffnete menschliche Brust g'esehen. Während al-Juzjani das Messer in das nachgiebige Fleisch drückte und den Schnitt ein Stück unterhalb des Tumors setzte, um alles herauszuholen, quoll Blut hervor. Die Frau stöhnte, und der Chirurg arbeitete rasch, um die Operation zu beenden, bevor die Patientin aufwachte.

Das Innere der Brust enthielt Muskeln, graues Zellgewebe und Klumpen von gelblichem Fett, wie bei einem ausgenommenen Huhn. Rob konnte deutlich mehrere rosa Milchgänge erkennen, die sich wie die Arme eines Flusses, die zusammentreffen, an der Brustwarze vereinigten. Vielleicht hatte al-Juzjani einen der Gänge verletzt; rötliche Flüssigkeit quoll aus der Brustwarze wie ein Tropfen rosiger Milch. Al-Juzjani hatte den Tumor herausgeholt und vernähte schnell die Wunde. Wenn dies überhaupt möglich war, hätte Rob angenommen, daß der Chirurg diesmal nervös war.

Sie ist mit dem Schah verwandt, dachte er. Vielleicht eine Tante. Vielleicht sogar jene Frau, von der der Schah ihm in der Höhle erzählt hatte, die Tante, die Alä ins Sexualleben eingeführt hatte. Sie stöhnte, war fast völlig wach und wurde hinausgetragen, sobald die Brust geschlossen war.

Al-Juzjani seufzte. »Es gibt keine Heilung. Der Krebs wird sie letzten Endes töten, aber wir können versuchen, sein Wachstum zu verlangsamen.« Er sah Ibn Sina draußen und ging hinaus, um über die Operation zu berichten, während die Studenten im Operationssaal Ordnung machten.

Bald darauf betrat Ibn Sina den Operationssaal und sprach kurz mit Rob, dem er auf die Schulter klopfte, bevor er ihn verließ.

Rob war durch die Mitteilung des Arztes aller Ärzte verstört. Er verließ den Operationssaal und ging zum khasanat-al-sharaf, wo Mirdm gerade arbeitete. Sie trafen einander in dem Korridor, der zur Apotheke führte.

Rob las von Mirdins Gesicht genau die Gefühlsregungen ab, die auch ihn bewegten. »Du auch?«

Mirdin nickte. »In zwei Wochen?«

»Ja.« Er geriet in Panik. »Ich bin noch nicht für die Prüfung bereit, Mirdin! Du bist seit vier Jahren hier, aber bei mir sind es erst drei Jahre. Ich bin einfach noch nicht soweit.«

Mirdin vergaß seine eigene Nervosität und lächelte. »Du bist soweit. Du warst Baderchirurg, und alle, die dich unterrichtet haben, haben gesehen, was du kannst. Wir haben noch zwei Wochen, um gemeinsam zu büffeln, und dann werden wir unsere Prüfung ablegen.«

Das Abbild eines Gliedes

Ibn Sina war m einer kleinen Siedlung namens Afshanah außerhalb des Dorfes Kharmaythan zur Welt gekommen, und bald nach seiner Geburt war seine Familie in die nahe Stadt Buchara übersiedelt. Während er noch ein kleiner Junge war, vereinbarte sein Vater, ein Steuereinnehmer, daß er bei einem Lehrer des Korans und einem Lehrer der Literatur studierte, und als er zehn Jahre alt war, konnte er den ganzen Koran auswendig, und er hatte bereits viel von der mohammedanischen Kultur in sich aufgenommen. Sein Vater lernte einen gebildeten Gemüsehändler namens Mahmud der Mathematiker kennen, der dem Kind indische Mathematik und Algebra beibrachte. Bevor dem begabten Jungen die ersten Barthaare sprossen, hatte er die Eignungsprüfung in den Rechtswissenschaften erworben und sich mit Euklid sowie der Geometrie beschäftigt. Seine Lehrer bestürmten seinen Vater, ihm zu erlauben, sein Leben der Gelehrsamkeit zu widmen.

Mit elf Jahren begann er das Studium der Medizin, und als er sechzehn war, hielt er Vorträge vor älteren Ärzten.

Nebenher arbeitete er viel als Jurist. Sein ganzes Leben lang pflegte er die Juristerei und die Philosophie. Obwohl diese gelehrten Berufe in der persischen Welt hoch im Ansehen standen, erkannte er, daß für einen Menschen nichts gichtiger ist als sein Wohlergehen und die Frage, ob er leben würde oder sterben mußte.

Schon in jungen Jahren diente Ibn Sina einer Reihe von Herrschern, die seine Begabung für ihr gesundheitliches Wohl nützten, und obwohl er Dutzende Bücher über Recht und Philosophie schrieb, die ihm den liebevollen Beinamen Zweiter Lehrer eintrugen (der Erste Lehrer war Mohammed), errang er als Arzt aller Ärzte noch größere Berühmtheit und Anerkennung. Sein Ruf eilte ihm voraus, wohin er auch reiste.

In Isfahan, wo er vom politischen Flüchtling schnell zum hakim-bashi, zum Obersten der Ärzte, aufgestiegen war, gab es ein großes Angebot an Ärzten, und weitere Männer wurden ständig durch ein einfaches Verfahren zu Heilern erklärt. Wenige dieser angeblichen Ärzte besaßen jenen verbissenen Wissensdrang oder jene intellektuelle Begabung, die für Ibn Sinas Hinwendung zur Medizin kennzeichnend gewesen waren, und er erkannte, daß eine Möglichkeit geschaffen werden mußte, um die Qualifikation für die Ausübung der Tätigkeit des Mediziners festzustellen. Über ein Jahrhundert lang waren Anwärter auf den Arztberuf in Bagdad geprüft worden, bis Ibn Sina die Ärzteschaft davon überzeugte, daß auch in Isfahan die Befähigungsprüfung an der madrassa über die Anerkennung als Arzt entscheiden sollte, wobei er als leitender Prüfer in Medizin füngieren wollte.

Ibn Sina war der beste Arzt im östlichen und westlichen Kalifat, er arbeitete jedoch in einem Unterrichtssystem, das keine großen Einrichtungen besaß. Die Akademie in Toledo hatte ihr Haus der Wissenschaft, die Universität in Bagdad hatte ihre Schule für Übersetzer, Kairo verfügte über eine reiche, fundierte medizinische Tradition, die viele Jahrhunderte zurückreichte. Jedes dieser Institute besaß eine berühmte, großartige Bibliothek, die von den Spenden des größeren und reicher dotierten Instituts in Bagdad lebte. Der manstan war ein kleinerer, bescheidener Abklatsch des großen Azudi-Krankenhauses in Bagdad. Nur die Anwesenheit von Ibn Sina wog die fehlende Größe und Bedeutung des Instituts auf.

Ibn Sina gestand ein, daß er von der Sünde des Stolzes beherrscht wurde. Während sein eigener Ruf so überragend war, daß er sich

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