Der Medicus
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:
Der Medicus
Roman
Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon
Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
Der grauhaarige Stadthauptmann dachte mit zusammengekniffenen Augen konzentriert nach, dann nickte er. »Es ist schon einige Jahre her«, erinnerte er sich.
Alä hatte bestimmt für die erste Frau, die alte und fromme Reza, kein Interesse gezeigt, daher war es sicher, daß er seine königlichen Rechte auf Despina angemeldet hatte. Rob stellte sich vor, wie der Schah die Wendeltreppe im Steinturm emporstieg, während Khuff den Zugang bewachte, und wie er den zierlichen, sinnlichen Körper des Mädchens bestieg.
Dieses Persien machte der Reihe nach jeden Mann zum Hahnrei.
Chirurgische Instrumente in der Hand zu haben, kam Rob so selbstverständlich vor, als wären sie auswechselbare Teile seines Körpers. Al-Juzjani widmete ihm immer mehr von seiner kostbaren Zeit und zeigte ihm gewissenhaft und geduldig, wie er jede Operation durchführen mußte. Die Perser hatten Methoden entwickelt, mit denen sie die Patienten bewegungsunfähig und unempfindlich machten. Wenn Hanf tagelang in Gerstenwasser eingeweicht wurde und man den Aufguß trank, blieb man bei Bewußtsein, doch der Schmerz wurde abgeschwächt. Rob verbrachte zwei Wochen bei den Apothekern des khasanat-al-sharafund lernte, Tränke zuzubereiten, die die Patienten in Schlaf versenkten. Die Wirkung der Substanzen war schwer vorhersehbar, und es war schwierig, sie richtig zu dosieren, aber manchmal ermöglichten sie dem Chirurgen, ohne das krampfhafte Zittern, das Stöhnen und die Schmerzensschreie des Patienten zu operieren. Die Rezepte erinnerten ihn eher an Magie als an Medizin:
Nimm das Fleisch eines Schafes. Befreie es von Fett und schneide es in Brocken, häufe die Fleischstücke über und um eine ansehnliche Menge von geschmorten Bilsenkrautsamen. Stelle das Ganze in einem Steinguttopf unter einen Haufen Pferdedünger, bis sich Würmer gebildet haben. Tu dann die Würmer in ein Glasgefäß, bis sie austrocknen. Wenn sie gebraucht werden, nimm zwei Teile davon und einen Teil pulverisiertes Opium und führe es dem Patienten in die Nase ein.
Das Opium wurde aus dem Saft einer orientalischen Blume, der Mohnblume, gewonnen. Sie wurde auf Feldern um Isfahan angepflanzt, aber die Nachfrage war größer als das Angebot, denn Opium wurde bei den Riten in den Moscheen der ismaeilischen Moslems ebenso verwendet wie in der Medizin, so daß es auch aus der Türkei und aus Ghazna eingeführt werden mußte. Es bildete die Grundlage aller schmerztötenden Mittel.
Nimm reines Opium und Muskatnuß. Mahle und koche sie zusammen und lasse das Ganze vierzig Tage lang in altem Wein ziehen. Stelle dann die Flasche in die Sonne. Der Inhalt wird bald zu einer breiigen Masse. Macht man daraus eine Pille und verabreicht sie l jemandem, wird er sofort bewußtlos und gefühllos werden.
Sie bevorzugten aber meist ein anderes Rezept, weil Ibn Sina dieses am liebsten anwendete: Nimm zu gleichen Teilen Bilsenkraut, Opium, Wolfsmilch und Lakritzensamen. Zerreibe sie einzeln und mische alles zusammen in einem Mörser. Lege etwas von der Mischung auf eine beliebige Speise, und wer immer davon ißt, wird sofort in Schlaf fallen.
Trotz Robs Verdacht, daß al-Juzjani ihm seine Beziehung zu Ibn Sina übelnahm, konnte er bald geschickt mit allen chirurgischen Instrumenten umgehen. Die anderen Helfer al-Juzjams fanden, daß der neue Praktikant interessantere Arbeit zugewiesen bekam als sie. Sie wurden mürrisch und machten ihrem Neid auf Rob mit Gemurmel und gemeinen Beleidigungen Luft. Rob kümmerte sich nicht darum, denn er lernte mehr, als er sich erträumt hatte. Eines Nachmittags, nachdem er zum erstenmal allein die Operation durchgeführt hatte, die ihn in der Chirurgie am meisten faszinierte - das Stechen des Stars -, versuchte er, al-Juzjani zu danken.
Doch der Chirurg unterbrach ihn barsch: »Du besitzt das Geschick dafür, in Fleisch zu schneiden. Es ist eine Fertigkeit, die nicht viele Studenten beherrschen, aber die besondere Ausbildung ist von Eigennutz diktiert, denn ich werde dich eine große Menge Arbeit für mich verrichten lassen.«
Es stimmte. Tag für Tag führte er Amputationen durch, behandelte jede Art von Wunden, stach in Bäuche, um den Druck der in der Bauchhöhle angestauten Flüssigkeit zu erleichtern, entfernte Hämor-rhoiden, verödete Krampfadern...
»Das Schneiden macht dir allmählich zu viel Spaß«, bemerkte Mirdin scharfsinnig, als sie eines Abends in seinem Haus bei einer Partie des Spiels des Schahs zusammensaßen. Im Zimmer daneben hörte Fara zu, während Mary die Askari-Söhne mit einem gälischen Wiegenlied in den Schlaf sang.
»Es zieht mich sehr an«, gab Rob zu. Seit einiger Zeit dachte er daran, Chirurg zu werden, wenn er einmal zum hakim ernannt würde. In
England rangierten die Chirurgen deutlich unter den Ärzten, aber in persien trugen sie den besonderen Titel ustad und waren genauso geachtet und wohlhabend.
Aber Rob hatte auch Vorbehalte. »Die Chirurgie ist in gewisser Weise durchaus befriedigend. Wir sind aber darauf beschränkt, auf der Außenseite der Haut zu operieren. Das Körperinnere ist ein Geheimnis, das in über tausend Jahre alten Büchern weitergegeben wird. Wir wissen fast nichts über das Körperinnere.«
»So muß es auch sein«, meinte Mirdin gelassen und schlug einen rukh mit seinem Bauern. »Christen, Juden und Mohammedaner sind sich darin einig, daß es Sünde ist, die menschliche Gestalt zu entweihen.« »Ich spreche nicht von Entweihung. Ich spreche von Chirurgie, ich spreche vom Sezieren. Die Alten haben ihre Wissenschaft nicht aus Furcht vor einer Sünde geknebelt, und das wenige, das wir wissen, stammt von den alten Griechen, denen es erlaubt war, den Körper zu öffnen und zu studieren. Sie haben die Toten seziert und nachgesehen, wie der Mensch innen ausschaut. In diesen längst vergessenen Tagen erleuchtete ihr Geist einen kurzen Augenblick lang die gesamte Medizin, und dann versank die Welt in Dunkelheit.« Er kam ins Grübeln, und sein Spiel litt darunter, so daß Mirdin rasch den anderen rukh und eines seiner Kamele schlug.
»Ich glaube«, sagte Rob schließlich fast zu sich selbst, »daß es während all dieser langen Jahrhunderte finsteren Unwissens kleine, geheime Feuer gegeben hat.«
Jetzt wurde Mirdins Aufmerksamkeit vom Brett abgelenkt. »Männer, die die Kraft besaßen, heimlich Leichname zu sezieren, die den Priestern Trotz boten und als Arzte Gottes Auftrag erfüllten.« Mirdin war starr. »Mein Gott.
Sie galten als Hexenmeister.« »Sie waren nicht imstande, ihr Wissen weiterzugeben, hatten es aber wenigstens für sich selbst gewonnen.« Nun blickte Mirdin beunruhigt drein.
Rob lächelte. »Nein, ich tue es nicht«, sagte er sanft. »Ich habe schon genug Probleme damit, daß ich mich als Jude ausgebe. Ich besitze einfach nicht den dafür notwendigen Mut.«
»Man muß auch für kleine Geschenke dankbar sein«, schloß Mirdin trocken. Er war ziemlich verwirrt und abgelenkt worden, so daß jetzt er schlecht spielte und kurz nacheinander einen Elefanten und zwei Pferde verlor, aber Rob hatte noch nicht gut genug gelernt, wie man einen Vorteil ausnutzt, um zu siegen. Rasch und konzentriert sammelte Mirdm seine Kräfte, und nach einem Dutzend Zügen mußte Rob zu seinem Bedauern wieder einmal shahtreng, den Schmerz des Königs, hinnehmen.
Marys Erwartungen
Fara war Marys einzige Freundin, aber die Jüdin genügte ihr. Die beiden Frauen gewöhnten sich daran, stundenlang miteinander zu gestikulieren. Ihre Unterhaltung verlief ohne die Fragen und Antworten, die für die meisten Gespräche in der Gesellschaft kennzeichnend sind. Manchmal sprach Mary, und Fara hörte sich einen Erguß auf Gähsch an, den sie nicht verstand, manchmal wieder sprach Fara in ihrer Sprache, und Mary blickte verständnislos drein. Die Worte waren merkwürdigerweise unwichtig. Worauf es ankam, waren die Spiegelung der Gefühle in den Gesichtern, die Handbewegungen, der Klang der Stimme, Geheimnisse, die durch die Augen mitgeteilt wurden.
So teilten sie einander ihre Gefühle mit, und für Mary war es ein Vorteil, denn sie sprach über Themen, die sie jemandem gegenüber, den sie erst so kurz kannte, nie erwähnt hätte. Sie offenbarte den Schmerz über den Verlust ihres Vaters, ihre Sehnsucht nach der christlichen Messe. Und sie sprach über Dinge, die sie sonst auch einer langjährigen Freundin nicht anvertraut hätte: wie sie Rob so sehr liebte, daß sie manchmal zu zittern begann und es nicht unterdrücken konnte; von Augenblicken, in denen die Begierde sie mit solcher Wärme durchströmte, daß sie zum erstenmal rossige Stuten